Chronischer Botulismus.
Warum? Wieso? Weshalb?
Anlässlich der 9. Haupttagung der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) im Frühjahr 2010 in Göttingen, beschäftigte man sich in verschiedenen Vorträgen intensiv mit dem neuen Krankheitsbild bei Tier (Milchkuh) und Mensch: des so genannten chronischen Botulismus.
Diese sehr ernst zu nehmenden Beiträge haben mittlerweile einiges in Bewegung gesetzt: Den Vortragsteil zum chronischen Botulismus hat doch sehr viele Praktiker, besonders in der Rindersektion (es gibt auch erste Verdachtsmomente im Schweinebetrieb), bewegt, denn hier scheint etwas auf uns zuzukommen, was von Politik, Verbänden und Industrie im großen und Ganzen nahezu vollständig ignoriert (und zum Teil auch verneint) wird. Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) hat fast alle landwirtschaftlichen Institutionen bezüglich der Vorträge zum Thema informiert und um Rückmeldung gebeten. Im Grunde sind die Hinweise der AVA bezüglich dieses Krankheitsbildes und die vermutete „Entstehung“ nicht weiter beachtet worden.
Das Krankheitsbild wird sehr konträr diskutiert. Es gibt Wissenschaftler der Tiermedizin, die diese Sache als „großen Quatsch“ bezeichnen. Clostridium botulinum sei ubiquitär (absolut richtig) und somit wären auch die Sporen von Clostridium botulinum ubiquitär. „Alle Krankheitsbilder, in denen Cl. botulinum ursächlich gesehen würden, seien „Quatsch“. In jedem Fall hätte sich ergeben, dass Stoffwechselstörungen oder Managementfehler die Ursache der Klinik und Leistungsdepressionen seien. Niemals wäre Cl. botulinum als Primärverursacher nachgewiesen worden. …“.
Den Tierärzten der 9. Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) Haupttagung wurden andere Meinungen und Ansichten präsentiert. Und die Wissenschaftler, die ihre Beiträge zu chronischem Botulismus vortrugen, sind allesamt anerkannte Wissenschaftler!!! Keine Spinner, Phantasten oder ähnlichen „Richtungen“ zuzuordnen.
Ganz besonders ernst bezüglich der Botulinumproblematik ist der Neurologe Prof. Dr. Dirk Dressler von der Medizinischen Hochschule in Hannover zu nennen. Er beschrieb auf der 9. AVA-Haupttagung erstmals das Krankheitsbild des chronischer Botulismus beim Menschen. Der Humanprofessor sieht den Zusammenhang mit der möglichen Besiedlung von Clostridium botulinum auf den betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben aufgrund kontinuierlicher exogener BT-Zufuhr. Er fordert weitere Untersuchungen zur Thematik (Forschungsgelder für diese wichtigen Untersuchungen zum Einfluss des humanen chronischen Botulismus würden aber momentan nicht bereitgestellt).
So waren auch die Aussagen von den Professoren Krüger (Leipzig) und Böhnel (Göttingen): Forschungsgelder zur Klärung dieser wichtigen Fragen wurden bisher nicht für notwendig gehalten.
Biogasgärrestmasse! Kann es hierdurch zu einer massiven Anreicherung von Clostridium botulinum auf den damit gedüngten Wiesen und Feldern kommen? Es gibt mittlerweile genügend „Verdachtsmomente“, die auf der AVA-Haupttagung diskutiert wurden Wir verstehen nicht, warum diese eventuelle Problematik nicht schnellstmöglich geklärt werden kann.
Der Fachverband Biogas hält zu der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) Kontakt und möchte auch zur Klärung der Fragen beitragen. Allerdings verweist der Fachverband auf Untersuchungen, dass die „in Biogasanlagen stattfindende Hygienisierung den Clostridienanteil eher noch minimieren würde. Ein möglicher Eintrag von Clostridien sei also nahezu auszuschließen“.
Allerdings liegen hier Untersuchungen zu Clostridium perfringens vor. Nach Prof. Krüger verhalten sich aber Botulinum und Perfringens absolut unterschiedlich. Cl. perfringens könne allein deshalb nicht als „Leitkeim“ herangezogen werden.
Auch wenn die „Existenz“ dieses Krankheitsbildes von sehr vielen Fachleuten dementiert wird, so sollten die bisher aufgetretenen Verdachtsmomente genügen, hier intensive Forschungen anzuregen. Es geht nicht gegen Biogas, sondern gegen eine neue Erkrankungsform bei Mensch und Tier, über deren Ursachen wir Kenntnis haben müssen. In Biogasanlagen können u.a. als Substrate Schlachtabfälle, Essensreste, Hühnerkot und –Gülle etc. eingebracht werden. Clostridium botulinum hat hier beste Bedingungen, sich entsprechend in diesem physiologischen Milieu bei 35 bis 38 Grad Celsius zu vermehren, laut Frau Prof. Krüger. Und Cl. botulinum verhält sich ganz anders als andere Clostridienarten, wie Prof. Krüger weiter erläuterte, die man gerne als Leitkeim (z.B. Cl. perfringens) heranzieht. Natürlich sind Clostridien ubiquitär, aber „die Menge macht das Gift“.
Dieser AVA-Link soll Aufmerksamkeit zur Problematik bieten. Es werden hier Informationen zusammengetragen, die zum Verstehen, aber auch zu weiteren Fragensklärung, dienen sollen. Falls Sie Beiträge, Fragen, Information zum Thema chronischer Botulismus haben, lassen Sie es uns wissen. Schreiben Sie eine Mail an: info@ava1.de
Bitte unterstützen Sie auch die Göttinger Erklärung, die Sie auf unserer Homepage (www.ava1.de) finden, um den Forschungsbedarf dieser Problematik einzufordern. Nicht nur wir Tierärzte müssen sichergehen, dass wir nicht durch einen möglichen „chronischen Botulinumeintrag“ schwer erkranken können.
Momentan vertreten wir klar und deutlich den Standpunkt: Keine Biogasrestgärmasse auf Wiesen oder Äcker, bevor eventuelle Zusammenhänge nicht geklärt sind!
Eine gesonderte Botulinumtagung findet am 30. September in der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) in 48612 Horstmar-Leer statt, die Sie besuchen sollten. Hier vertreten Fachleute der unterschiedlichen Richtungen ihre Positionen. |
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