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Aldi prescht bei Tierwohl vor

Veröffentlicht am: 30.11.2021 19:45:31
Kategorie : Allgemein

Der Discounter ALDI will die Nutztier-Haltungsformen 1 und 2 bis 2030 aus seinem Frischfleisch-Sortiment verbannen.

Seit 2008 verzichtet Aldi dauerhaft auf den Verkauf von Käfigeiern. 2020 schloss der Discounter sich als erster großer Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland der Europäischen Masthuhn-Initiative an. Nun prescht Aldi abermals vor und gibt den Wechsel auf einen höheren Haltungsstandard für alle Tiere bekannt: Bis 2030 soll das komplette Frischfleisch-Sortiment auf Haltungsformen 3 und 4 umgestellt werden.

„Wir geben heute ein großes Versprechen ab“, sagen dazu Erik Döbele, Managing Director Corporate Buying bei Aldi Süd und sein Kollege Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei Aldi Nord. Gemeinsam sind sie dafür verantwortlich, in den kommenden Jahren das Tierwohl bei Aldi „in einem nie dagewesenen Schritt“ zu verbessern. „So schwer es auch wird, wir glauben daran, das Richtige zu tun: für Tierwohl, für nachhaltiges Wirtschaften, für unsere Kunden und aus Überzeugung.”

„Wir geben heute ein großes Versprechen ab.“

ERIK DÖBELE, ALDI SÜD

Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) haben sich die Deutschen im Jahr 2020 deutlich häufiger für Bio-Fleisch entschieden als im Vorjahr. „Der steigende Umsatz mit nachhaltig erzeugter Ware zeigt, dass unsere Kunden bereit sind für einen Bewusstseinswandel“, sagt Tobias Heinbockel. Aldi trete den Beweis an, dass ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Nachhaltigkeit sich keineswegs ausschließen. „Das haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen und wir gehen nun noch einen entscheidenden Schritt weiter.“

Schrittweise Umstellung

Aldi wird als erster großer Lebensmitteleinzelhändler Frischfleisch aus Außenklima- und Bio-Haltung (Haltungsformen 3 & 4) zu einer Selbstverständlichkeit machen. Die geplanten Schritte umfassen die größten Nutztiergruppen Rind, Schwein, Hähnchen und Pute. Ausgenommen sind jedoch (internationale) Spezialitäten und Tiefkühlartikel.

  • Schon in diesem Jahr sollen 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes (bezogen auf den durchschnittlichen Umsatz von Aldi Nord und Aldi Süd in Deutschland) aus den Haltungsformen 3 und 4 stammen.
  • Bis 2025 will der Discounter vollständiger auf Haltungsform 1 verzichten.
  • Bis 2026 sollen die Haltungsformen 3 und 4 ein Drittel (33 Prozent) des durchschnittlichen Umsatzes ausmachen.
  • Bis 2030 stellt Aldi vollständig auf Frischfleisch der Haltungsformen 3 und 4 um.

Während einige die Signalwirkung begrüßen, die der Discounter mit seinen tierschutzrelevanten Veränderungen in der Vergangenheit für die gesamte Branche hatte, geht manchem Kritiker die Tierwohl-Umstellung nicht schnell genug. „Wir werden oft gefragt: Warum schafft ihr konventionelles Frischfleisch nicht einfach sofort ab? Ihr seid doch so ein großer Laden. Doch so einfach ist es nicht“, sagt Erik Döbele dazu.

„Das Aldi Tierwohlversprechen hat eine Tragweite, der wir uns bewusst sind“, sagt Erik Döbele. „Mehr Tierwohl in der Breite bedeutet hohe Investitionen für Landwirte und die Umstellung eines Marktes, der die vergangenen Jahrzehnte nur eine Richtung kannte: Mehr Quantität. Trotz der Komplexität verstehen wir es als unsere Aufgabe, hoffentlich eine gesellschaftliche Veränderung zu mehr Tierwohl zu initiieren – darum auch unsere zentrale Botschaft #haltungswechsel. Für einen deutlichen Ausbau von Außenklima- und Bio-Haltung braucht es verlässliche Perspektiven und Abnahmemengen für Erzeuger und Verarbeiter.“

Aldi Nord und Aldi Süd geben Landwirten mit dieser Entscheidung ein wichtiges Signal, wirbt der Manager: Die Discounter verstünden sich ausdrücklich als Partner in der Wertschöpfungskette. „Wir geben Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit und schaffen einen starken, langfristig verlässlichen Absatzkanal für Tierwohl-Haltungsformen deutscher Landwirte. Gleichzeitig möchten wir an Politik, Handel und Industrie appellieren, gemeinsam mit uns an einem der bedeutsamsten Transformationsprojekte – der Zukunftssicherung der deutschen Landwirtschaft – mitzuarbeiten“ sagt Tobias Heinbockel. „Wir hoffen, dass unsere Mitbewerber hier schnell mit ähnlichen Plänen nachziehen.”

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