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Antibiotikaprobleme?

Veröffentlicht: 05.09.2017 12:47:06
Sektion: Allgemein

Vortrag zu Antibiotikaproblematik: „ Landwirte und Tierärzte sind schuld“

In einer Klinik in SH durfte ich kürzlich einem Vortrag folgen, der den Zuhörern in einer ¾ Stunde Infos zu Antibiotika  und Antibiotikagebrauch für „Humanpatienten“ geben sollte.

Natürlich wurden erst einmal von dem Vortragenden die „immensen“ Mengen des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft und Tiermedizin vorgestellt. „Über 1.400 Tonnen Antibiotika in Vorbeuge und Therapie….“. Weiter ging es mit dem Antibiotikaeinsatz in der Geflügelproduktion, der „meist vorbeugend erfolge und zu über 90% in der Geflügelhaltung durchgeführt würde“. „Die Antibiotika gelangen dann über die Gülle in die Natur und die Folge sind die Resistenzen…..“. „---Und dann noch der massive Einsatz des Reserveantibiotikums Colistin….“

Fazit des Vortragenden der Klinik: „Resistenzen sind die Folge des massiven AB-Einsatzes in der Landwirtschaft und Reserveantibiotika werden dabei noch bevorzugt…“. „Der AB-Einsatz in der Landwirtschaft und durch Tierärzte ist unverantwortlich….“ Wir Menschen sind die Leidtragenden.

Es erfolgten keinerlei Infos zum Gebrauch von AB in der Humanmedizin. Keine Info über die Ausscheidungen von Human-AB (und anderen Arzneimittel) über die Abwässer in die Klärsysteme….

Mein Puls ging auf über 100 und mein Blutdruck stieg wohl an gefühlte 200 mmHg. Auf meine Frage, woher er das alles wisse, kam die ehrliche Antwort, dass „das Internet Infogeber war“. Eine weitere Frage zu der Definition des Begriffes „Resistenz und Resistenzbildung“ wurde fachlich falsch beantwortet, jedoch beharrte der Vortragende darauf, dass er Recht habe. Er wisse es schließlich. Natürlich hat er mich dann vollends erwischt: „ Was haben Sie für eine Ausbildung? Was sind die Grundlagen Ihres Wissens?“ – Der Referent: „Ich bin Hygienebeauftragter der Klinik und gelernter Krankenpfleger. Ich habe mir mein Wissen angelesen….“.

Die Teilnehmer der Veranstaltung wurden mehr oder weniger unruhig. Es gab Beschwerden, dass man keine Privatdiskussion wolle, sondern Infos über Antibiotika. Auf Wunsch der Teilnehmer hielt ich mich nun zurück….

Mein Fazit:

  1. Wie kann ein gelernter Krankenpfleger zu einem so sensiblen Thema „Antibiotika“ als Vortragender eingesetzt werden? Nichts gegen den schweren Beruf des Krankenpflegers, aber dieses Thema gehört in Arzthände.
  2. Die Zuhörer wollten etwas über den persönlichen Gebrauch von Antibiotika in Krankheitsfällen wissen. In persönlichen Gesprächen mit vielen Teilnehmern kam heraus, dass man jetzt unsicher sei, ob man überhaupt noch AB nehmen dürfe. Das Publikum wurde also mehr verwirrt als aufgeklärt.
  3. Solche „Hiebe“ gegen die Landwirtschaft und Tiermedizin mögen Laien zwar aufhetzen können. Die Frage ist allerdings, ob das das Ziel eines Vortrages über AB sein sollte.
  4. Anscheinend ist es der Klinik vollkommen egal, was der Referent zum Thema Antibiotika sagt. Der Laie versteht es ja nicht. Und wenn man die „Schuld“ auf „Andere“ (die Landwirtschaft) schieben kann, umso besser. Darf so etwas sein. Ich hoffe, ich habe Unrecht.
  5. Tier- und Humanmedizin ziehen an einem Strang. Wir müssen den „One Health“-Gedanken ganz vorne an zu stellen. Die Tiermedizin bemüht sich intensiv, Resistenzen zu minimieren. Die Konzepte greifen auch, wie die Praxis zeigt. Warum kommt es immer wieder zu solchen fachlich unhaltbaren Angriffen, dass Tiermedizin und Landwirtschaft nicht nur das „Grundübel aller Resistenzbildungen“ sei.

Macht man es sich nicht zu einfach?   Will man von eigenen Problemen ablenken?

Gerne stellen wir uns der Diskussion zum Thema. Mailen Sie an info@ava1.de

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