Suchen im Blog

 

Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Arbeitszeiterfassungsurteil – ein Sieg für alle Arbeitnehmer? von Dieter Dänzer

Veröffentlicht am: 17.09.2022 14:03:46
Kategorie : Allgemein , Wichtige News

In vielen Branchen macht man sich Gedanken zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Arbeitszeiterfassung. Es ist nicht nur in der Tierärzteschaft "ein Problem". Fakt ist: Es müssen schnell Lösungen gefunden werden, denn alles andere ist "rechtswidrig".

16.09.2022 - am Dienstag hat das Bundesarbeitsgericht höchstrichterlich in einem Grundsatzurteil entschieden, dass in Deutschland Arbeitszeiten grundsätzlich und systematisch erfasst werden müssen. Die Vertrauensarbeitszeit-Regelung – die im Landmaschinen-Vertrieb sowohl auf der Hersteller- als auf der Händlerseite fast ausschließlich genutzt wird – ist damit über kurz oder lang passe! Künftig werden alle in den Unternehmen dokumentieren müssen, wann sie anfangen zu arbeiten, wann sie eine Pause machen und anschließend die Arbeit wieder aufnehmen und um wie viel Uhr sie in den Feierabend gehen!

Ich möchte Ihnen nachfolgend gerne ein paar Auswirkungen zu dem jüngsten „Stechuhr-Urteil“ erläutern. Viele von Ihnen dürften noch in Erinnerung haben, dass der Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bereits im Jahr 2019 im damaligen "Stechuhr-Urteil" (Az. C 55/18) von den Arbeitgebern verlangt hat, ein System zu schaffen, in dem die täglich geleistete Arbeitszeit der Arbeitnehmer effektiv erfasst wird – möglich sei dies mit einer elektronischen Zeiterfassung.

Welche Folgen hat das Urteil zur Arbeitszeiterfassung?

Der Gesetzgeber, sprich die Ampelregierung, muss schleunigst reagieren. Das deutsche Arbeitsrecht muss nach diesem Urteil zwingend auf das europäische abgestimmt werden. Es ist jedenfalls schon jetzt abzusehen, dass die Gerichte nach dem aktuellen Urteil alle Vereinbarungen kippen werden, mit denen versucht werden soll, die strikt angeordnete Arbeitszeiterfassung auszuhebeln. Fakt ist nun einmal, dass die Beschäftigten in Deutschland jährlich Milliarden Überstunden sammeln – viele davon unbezahlt. Die Soziologin Anita Tisch, Leiterin der Forschungsgruppe „Arbeitszeit und Organisation“ im Fachbereich „Arbeitswelt im Wandel“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua), merkte in einer Publikation an: „Arbeitszeit ist auch Lebenszeit. Deswegen ist dieses Thema auch mit vielen Emotionen verbunden. Der aktuelle Aufschrei richtet sich dabei nicht unbedingt konkret gegen die Arbeitszeiterfassung, sondern möglicherweise gegen die Ängste vor Überwachung. Unsere Studien zeigen auch: Dort, wo Arbeitszeiten erfasst werden, kommt es weniger zu ständiger Erreichbarkeit. Wenn die Arbeitszeit dagegen nicht erfasst wird, haben die Beschäftigten ein höheres Risiko, entgrenzt zu arbeiten.“

Die sogenannten Vertrauensarbeitszeitmodelle, bei denen die Beschäftigten ihre Arbeit zeitlich selbst organisieren und der Arbeitgeber ihnen in dieser Hinsicht vertraut, dürften in Bälde der Vergangenheit angehören. „Unternehmen, die keine Lösungen zur umfassenden Arbeitszeiterfassung anbieten, befinden sich nun in einem rechtswidrigen Zustand“, warnte dahingehend der Münchner Arbeitsrechtler Michael Kalbfus im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Übergangsfristen für die Einführung digitaler Stechuhren gebe es keine. Er könne den Unternehmen nur empfehlen, schnell Lösungen zur Zeiterfassung in Angriff zu nehmen, auch wenn der Aufwand zum Teil erheblich sei, so Kalbfus weiter. Außerdem rechnet der Experte mit Rückschritten bei den zuletzt immer beliebter gewordenen flexiblen Arbeits­modellen. Das Urteil gelte auch für Homeoffice und Telearbeit, sagt Kalbfus. „Mit der großen Flexibilität im Homeoffice dürfte es vorbei sein.“

Im Gegensatz zu den Vertrauensarbeitszeitmodellen hat das Thema Homeoffice in der Landtechnik-Branche sicherlich keine wirkliche Relevanz. Vor allem was die Vertriebsseite betrifft, werden alle  Hersteller und Händler kurzfristig auf das Urteil reagieren müssen – dies ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche!

Lesen Sie hier

Teilen diesen Inhalt