In News suchen

Beten gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP)

Veröffentlicht: 23.03.2018 12:30:20
Sektion: Allgemein , Pferde , Rinder , Schweine

Dass in Bayern die Uhren anders gehen, wissen wir „Preußen“. Aber was am 29. April 2018 angeboten wird, verblüfft mich Norddeutscher kolossal, obwohl ich Christ bin (aber eben „nur“ evangelisch mit dem 500 Jahre altem „Luther“).

Alle Schweinefachleute machen sich Gedanken, wie wir uns in Deutschland vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) schützen können – Dänemark will jetzt einen Schutzzaun an der deutschen Grenze bauen, damit Wildschweine aus Osteuropa nicht illegal nach Dänemark einwandern können. Der DBV hat empfohlen, mindestens 60% der Wildschweine zu schießen; man hat an Antikonzeptiva-Wildschweinefütterung gedacht, auch an Zäune, an Schilder, Nachsichtgeräte, Soldaten, die LKW-Fahrer in mehreren Sprachen gebeten, keine Wurst wegzuwerfen,…. Hören wir auf mit weiteren Vorschlägen. Es gibt sie genug und vieles davon ist „Humbug“. 

Die Empfehlung der AVA sind die Hygienemaßnahmen (Biosecurity) peinlichst genau zu beachten, Arbeitsanweisungen über die hygienischen Maßnahmen im Betrieb auszuhängen und zu befolgen. In der Summe: Sich an die Schweinehaltungshygieneverordnung (SchHaltHygV) von 1999 und deren Ausführungsverordnungen zu halten. 

Jetzt kommt die neue Schutzmaßnahme aus Bayern, die wir heute als Einladung erhielten. Darin wird die „Bevölkerung aufgefordert, an einer STERNWALLFAHRT NACH ALTÖTTING ZUR ABWEHR DER AFRIKANSCHEN SCHWEINEPEST“ teilzunehmen. Dazu lädt ein: der Bayerische Bauernverband, die Bayern Genetik, der BVN, EG Südostbayern, EZG Oberbayern, VVG-Schwaben, EGZH in Bayern, Schweinmastring Rottal-Inn und der Ferkelerzeugerring Landshut.

Hier sieht man wieder die Überlegenheit des südlichen Bundeslandes. Eine Vielzahl von vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz gegen die Schweinepest sind sicher genau so wirksam wie eine Wallfahrt. Vorteil der Wallfahrt: sie kostet fast nichts und ist zusätzlich noch ein kulturelles Ereignis Gleichgesinnter.

Hut ab vor der Idee (da können wir Norddeutschen neidische sein, weil wir nicht daraufgekommen sind). Die Effektivität der Wallfahrt ist meiner Meinung nach z.B. gleichzusetzen mit Desinfektionsmatten vor den Schweineställen und Durchfahrbecken für Fahrzeuge, sie ist aber billiger.

Vielleicht sollten sich mindestens alle Deutschen Landwirte, Tierärzte, Veterinärbehörden, Ministerien der Landwirtschaft, Universitäten, Labore, Forschungsanstalten … der Wallfahrt anschließen: Am 29. April 2018 um 11.30 Uhr in der Basilika St. Anna in Altötting treffen wir uns dann, um mit dem Zelebranten und Prediger Bruder Georg Greimel, OFMCCap (was und wer das immer auch ist).

DANN BLEIBEN WIR VON DER ASP VERSCHONT!! (??)

Mal ehrlich: als Agrarwissenschaftler, Fachtierarzt für Schweine, staatl. geprüfter Besamungstechniker, staatl. geprüfter Melker, früherer Kirchenorganist … und evangelischer Christ, verschlug es mir die Sprache, als ich die Einladung zur Wallfahrt bekam. Hoffentlich sind die einladenden Organisationen (fehlt da nicht der BDM?) wirklich nicht so Realitätsfremd wie sie sich hier darstellen. Im 21. Jahrhundert sollte man „anders“(wissenschaftlicher) mit Tierseuchen umgehen. Aber, fast hätte ich vergessen, dass die Wallfahrt genau so viel Effekt hat, wie manch „ernsthafte“ vorgeschlagene Maßnahme zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest. Billiger ist die Wallfahrt auf jeden Fall (vernachlässigt wurde das Gehalt des Predigers). 

Wichtig: Nichts gegen Wallfahrten und Beten. Aber doch nicht zur ernsthaften Tierseuchenprophylaxe!

Ernst-Günther Hellwig
Gründer und Leiter der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)  

Meldung teilen