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Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Botulismus bei Landwirten: Ist die Stallluft Schuld?

Veröffentlicht am: 16.04.2022 18:59:26
Kategorie : Rinder , Wichtige News

Prof. Dirk Dressler erforschte den Botulismus bis vor wenigen Jahren. Auch Landwirte, die im Rinderbestand Botulismus hatten und über eigene Anzeichen der Krankheit klagten, untersuchte er. Doch steckt hier wirklich der chronische Botulismus dahinter?

Prof. Dressler der chronische Botulismus ist keine anerkannte Krankheit. Wie schließen Sie darauf, dass Landwirte sich damit infizieren?

Ja, das ist ein Riesenproblem. Da Botulismus weitestgehend unerforscht ist, besteht auch keine Klarheit über die Übertragung der Krankheit. Als Übertragungsweg halte ich die orale Aufnahme bei engem Kontakt mit Rindern für möglich. Wenn Clostridien die Chancen haben zu wachsen, dann vermehren sie sich und führen zu massiven Sterben in der Rinderherde.

Da sich der chronische Botulismus nicht nachweisen lässt, wie lässt sich dann darauf schließen?

Die Nachweisbarkeit bei Botulismus ist ebenfalls ein Problem. Nach zwei bis drei Tagen ist das nicht mehr möglich. Es handelt sich dabei um den toxischsten Stoff überhaupt, das bedeutet, wir sprechen von sehr geringen Mengen die ausreichen.

Die Symptome sind die gleichen wie beim humanen Botulismus. Es ist ein buntes Bild. Die Muskeln sind oft betroffen, es kommt zu einem Einbruch der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die betroffenen Landwirte waren nicht depressiv oder antriebslos. Typische Symptome können hängende Augenlieder sein, Schluckbeschwerden, Atemprobleme, Schwächesymptome oder auch Durchfälle.

Und die Symptome bei den betroffenen Landwirten ließen auf chronischen Botulismus schließen?

Wir haben vereinzelt bei den Bauern Zeichen gesehen, die mit chronischen Botulismus vereinbar gewesen waren. Es wurden entsprechende Test gemacht. Manchmal ließ es sich beweisen oder auch nicht. Ist der Erreger erst einmal ausgeschieden und die Person wird von keinem neuen Erreger befallen, klingen die Symptome innerhalb von drei bis sechs Monaten ab.

Was waren das für Milchviehbetriebe, die Sie besucht haben?

Im Rahmen einer Studie habe ich auf Zuruf diese Betriebe besucht. Es waren fünf oder sechs Betriebe. Keine riesigen, eher ganz normale. Die hatten im Schnitt 100, 150 oder auch 200 Rinder. Aber mein erster Eindruck war ein Bild des Grauens. Die Landwirte waren pleite, nicht weil sie nicht wollten. Die Ställe waren halb leer. Die Kühe, die da waren, lagen apathisch rum. Zum Teil hingen noch Auszeichnungsmedaillen an den Wänden. Doch hier sah nichts mehr nach florierenden Betrieben aus.

Wie ging es mit diesen Betrieben weiter?

Von offizieller Stelle hielt man ihnen vor, die Erkrankung ihres Viehs sei auf mangelhafte Tierhaltung zurückzuführen. Das sind groteske Aussagen. Wir haben punktuell Höfe besucht, darunter einen, der sogar ausgezeichnet wurde, und plötzlich soll auf diesem Hof mangelnde Pflege der Grund für die Erkrankung der Tiere sein?

Die Tiere könnten geimpft werden, was in Deutschland aber nur in Ausnahmefällen und auf Anordnung des Amtstierarztes geschehen darf. Auch in der groß angelegten Studie der TiHo Hannover aus dem Jahr 2014 wurden hier eher Haltungsfehler beziehungsweise Managementfehler gesehen und nicht clostridium botulinum.

Chronischer Botulismus in der Diskussion, weitere Forschung nötig

Doch von dieser Studie hält Prof. Dirk Dressler wenig. Die Studie wurde seiner Ansicht nach falsch angelegt. Auf die Frage, was falsch gelaufen ist, antwortet er eher ausweichend.

Fakt ist: chronischer Botulismus wird stark diskutiert und bedarf weiterer Untersuchungen. Laut dem BMEL dient der Begriff bislang lediglich als Hypothese zur Erklärung unspezifischer Krankheitserscheinungen – neue Forschungen laufen.

Unterschied klassischer und chronischer Botulismus

Klassischer Botulismus: Botulismus ist eine Vergiftung und wird durch die orale Aufnahme der giftigen Stoffwechselprodukte (Toxine) des Bakteriums Clostridium botulinum verursacht. Häufig sind Kadaver im Futter der Auslöser.

Chronischer Botulismus: Eine Form der Erkrankung, die allein durch den Verzehr von kadaververseuchtem Futter nicht zu erklären ist. Einige Wissenschaftler bezeichnen diese Erkrankung als chronisch-viszeralen (Organ-bezogenen) Botulismus. Dies ist bisher noch nicht bestätigt und bedarf weiterer Forschungen.

Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) hat sich vor einigen Jahren intensiv mit der Problematik beschäftigt und auch ein Handbuch „chron. Botulismus“ herausgegeben. Es gab sehr viel Furore zur Thematik.

Die Diskussion zum chron. Botulismus „will man“ nicht, da sonst zu viele „Probleme“ auftauchen  (siehe Schlachtkühe, chron. Erkrankungen, Milch, Zoonose etc). 

Uns, der AVA, hat man sogar mit Klage gedroht!!!

Wir sehen nach wie vor auch Biogasrestmasse als einer der möglich Einflussfaktoren von chron. Botulismus. Die versporten Clostridien können viele hundert Jahre auf ihre „Wiedererwachung“ im Boden oder sonst wo warten.

Auch Prof.. Dressler sagte auf AVA-Tagungen, dass der chron. Botulismus eine Zoonose sei. Er hatte es nachgewiesen. Aber diese Aussage wollte keiner hören und er wurde deshalb sehr angegriffen.

Natürlich überträgt auch die Stallluft diese ultraleichtes Sporen. Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) warnt vor Biogasrestmasse auf Äckern und als Einstreu- eben, weil man „kaum etwas“ weiß und wissen will.

Bei Interesse der Thematik fragen Sie gerne  in der AVA nach.

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