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Bundesrat hat TÄHAV heute durchgewunken

Veröffentlicht: 02.02.2018 15:43:41
Sektion: Allgemein , Pferde , Rinder , Schweine

Am 02.02.2018, kurz vor Mittag, hat der Bundesrat ohne irgendwelche Aussprachen die Änderung der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) mit großer Mehrheit durch gewunken. Ziel der Verordnung ist ja die Reduktion von Antibiotikaresistenzen. Um besonders wichtige Antibiotika zu erhalten, sollen  z. B. zusätzliche Labortests (Erregernachweis und Resistenztest) durchgeführt werden. Natürlich unterstützen wir Tierärzte alle das Bestreben, Antibiotikaresistenzen zu minimieren.

Weder die eingereichten Änderungsanträge des Agrarausschusses, weder die kritischen Wortes unserer Berufsvertretungen wie z. B. des bpt und der BTK wurden gehört. Die neue TÄHAV war doch eigentlich bei Beschlussfassung in vielen Teilen bereits veraltet – bei 3 Jahren der „Entwicklung“ dieser VO kein Wunder.

Es wurden keine fachlichen Fehler korrigiert, auf die im Vorfeld oft genug hingewiesen wurden. (Einfach so durchgewunken, husch, husch – schnell schnell! Als wären wir Tierärzte eine nicht beachtenswerte Berufsgruppe, mit der „man es ja machen kann“…. – oh, oh).

Auch der bpt ist bitter enttäuscht und spricht von „keinem guten Tag“. “Für Tierärzte nimmt die Rechtsunsicherheit weiter zu und für Landwirte, Kleintier- und Pferdehalter verteuert sich künftig die antibiotische Behandlung ihrer Tieren erheblich, ohne dass damit ein Nutzen für die Gesundheit von Mensch und Tier verbunden ist“, so bpt-Präsident Moder in der Pressemeldung von heute.

Weiter schreibt der bpt in seiner Pressemeldung:  „Die nun zu hunderten durchzuführenden Antibiogramme werden lediglich für die Einzelfallentscheidung genutzt, nicht aber um ein nationales Antibiotika-Resistenzmonitoring auf die Beine zu stellen. Außerdem lenkt die Politik mit dieser Entscheidung von der Notwendigkeit ab, in anderen Bereichen handeln zu müssen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist die Tiermedizin nämlich nur für einen kleinen Teil der Resistenzen beim Menschen verantwortlich…“. Dem können wir uns nur anschließen. Mit der geänderten TÄHAV werden eine Vielzahl von Behandlungen bei ihren unmöglich gemacht; eine Bekämpfung von Resistenzen bringen die Entschließungen wohl kaum.  Auf jeden Falls werden die Juristen noch mehr zu tun haben, da die Rechtsunsicherheit durch die Änderungen  stark zugenommen haben.

Es ist schon traurig, wie wenig Ernst man uns Praktiker in der Politik nimmt. Diese Zustimmung des Bundesrates zur Änderung der TÄHAV hätte nicht passieren dürfen. 

Auf der 18. AVA-Haupttagung vom 11. bis 14. April 2018 in Göttingen werden wir die tierärztliche Problematik und Rechtsunsicherheit der neuen TÄHAV eingehend diskutieren. Unsere „Hausjuristen“ und auch die Überwachungsbehörden werden Stellung beziehen, wie wir uns zukünftig „verhalten“ müssen, um nicht in den juristischen Mühlen zermahlen zu werden… .

Schauen Sie sich das interessante Programm auf der AVA-Homepage unter www.ava1.de an.

See you in Goettingen!!!Ihr AVA-Team

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