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Das PRRS-Virus verursacht in der Schweinehaltung große wirtschaftliche Schäden.

Veröffentlicht am: 09.05.2022 17:58:48
Kategorie : Schweine , Wichtige News

Das PRRS-Virus verursacht in der Schweinehaltung große wirtschaftliche Schäden. Das Wochenblatt beantwortet acht offene Fragen.

09.05.2022 - PRRS ist ein Dauerthema mit vielen offenen Fragen. Das Wochenblatt beantwortet mit diesem Beitrag acht davon.

1 Was ist eigentlich das Besondere am PRRS-Virus?

Das PRRS-Virus (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom) gehört zu den RNA-Viren und es sind zwei Spezies bekannt (Spezies 1/EU und Spezies 2/US). Generell ist das Virus sehr mutationsfreudig, wodurch im Feld viele Varianten vorkommen. Die Übertragungswege sind vielfältig. Das Virus kann sowohl intrauterin auf die Feten, von Schwein zu Schwein über Sperma, Nasensekret, Speichel, Gülle und Aerosole, aber auch durch Vektoren wie Transportfahrzeuge oder Kleidung übertragen werden. Dabei reichen schon geringste Virusmengen für eine Infektion aus.

Eine weitere Eigenschaft des Virus ist die Möglichkeit des Rückzugs in das lymphatische Gewebe nach einer Infektion. Dort kann es unbemerkt vom Immunsystem verbleiben, ohne sichtbare Probleme zu verursachen. Unter besonderer Belastung kann es dann wieder reaktiviert werden, wobei wieder eine Vermehrung und Ausscheidung des Virus stattfinden kann. Im Bestand sehen wir dann ggf. erneut Krankheitssymptome.

2 Wir impfen schon lange gegen PRRSV, warum ist das Virus noch Thema?

Das PRRS-Virus ist weltweit verbreitet. Gerade in schweinedichten Regionen liegen die Ställe nah beieinander, sodass sich das Virus von Bestand zu Bestand über direkte und indirekte Kontakte und ggf. auch über Aerosole ausbreiten kann. Die hohe Variabilität des Virus bringt immer wieder neue Feldstämme hervor, die auch in geimpften Beständen für Klinik sorgen können.

Als besonders empfängliche Gruppe gelten die Aufzuchtferkel und die Jungsauen. Nach dem Absetzen geht bei den Ferkeln der mütterliche Schutz zurück. Dann sind die Ferkel sehr empfänglich für eine PRRSV-Infektion, das Virus kann sich hier gut vermehren. Gleichzeitig kommen im Flatdeck möglicherweise Ferkel aus verschiedenen Würfen mit unterschiedlichem PRRS- und auch sonstigem Erregerstatus zusammen. In diesem Alter müssen die Ferkel erst eine eigene effektive Immunität aufbauen. Außerdem begünstigt eine hohe Tierdichte in der Aufzucht ein dortiges dynamisches Infektionsgeschehen.

Zugekaufte Jungsauen können sowohl einen neuen PRRS-Virusstamm in den Betrieb einbringen oder aber als eine Art Verstärker funktionieren für den schon im Bestand vorhandenen PRRSV-Feldstamm. Sollten die Jungsauen noch keine oder nur eine unzureichende Immunität gegen das Virus ausgebildet haben, kann sich dieses hier gut vermehren. Die Folge ist häufig eine gesteigerte Virusausscheidung, die die gesamte Herde erneut unter Infektionsdruck bringt.

3 Welche Schäden verursacht das PRRS-Virus im Bestand?

In Sauenbeständen liegt der Schwerpunkt der Klinik auf Spätaborten, Frühgeburten, Geburten lebensschwacher oder toter Ferkel, erhöhter Saugferkelsterblichkeit und auch einer erhöhten Umrauschquote. In der Ferkelaufzucht und in der Mast leiden die Tiere häufig unter Husten, Atemnot und teilweise Fieber.

Eine Folge der Infektion mit PRRSV kann neben reduzierten Tageszunahmen und Kümmern auch eine Immunschwäche der Tiere sein. Diese Immunschwäche kann sie prädisponieren für sekundäre Infektionen etwa durch Streptokokken oder auch APP. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein PRRS-Ausbruch im Sauenbestand bis zu 211 € pro Sau kosten kann.

4 Was können die heutigen PRRSV-Impfstoffe?

Es gibt Lebend- und Totimpfstoffe, die gegen PRRSV eingesetzt werden können. Der Einsatz von Totimpfstoffen wird sehr kontrovers diskutiert. Lebendimpfstoffe enthalten „attenuierte“ PRRS-Viren, ihre krankmachenden Eigenschaften wurden im Labor abgeschwächt. Sie simulieren eine natürliche Infektion und stimulieren damit den Körper, eine effektive Immunantwort auszubilden wie bei einer realen Infektion. Der Einsatz von Lebendimpfstoffen ist weiter verbreitet als der von Totimpfstoffen. Ein Risiko bei Lebendimpfstoffen stellen Rekombinationen von Impfstämmen miteinander zu einer potenziell krankmachenden, neuen PRRS-Virusvariante dar. Dies ist kürzlich in Dänemark geschehen.

Die Impfung der Sau stabilisiert die Fruchtbarkeit in PRRSV-positiven Herden. Außerdem wird durch eine Impfung des gesamten Tierbestandes eine einheitliche Immunität der Herde erreicht. Verbunden mit konsequenten Managementmaßnahmen kann dem Virus so die „Nahrungsgrundlage“ entzogen werden, sodass sich die Infektion schneller totläuft. Beim „Laufenlassen“ einer PRRS-Feldvirusinfektion ohne Impfung muss mit einer uneinheitlichen Durchseuchung der Herde gerechnet werden, bei der sich immer neue Tiere infizieren und erkranken. Das Virus würde immer wieder vermehrt und ausgeschieden. Eine uneinheitliche Abwehrlage im Tierbestand würde immer wieder zu einem Wiederaufflammen der PRRSV-Erkrankung führen – mit den bekannten Schäden.

5 Wann und welche Tiergruppen impfe ich am besten?

Auch in der Veterinärmedizin gibt es eine Ständige Impfkommission, die Impfempfehlungen ausspricht (stiko-vet.fli.de/de/impftabelle/e-schweine). Für Zuchtbestände in PRRSV-endemischen Gebieten gilt die klare Empfehlung, Sauen gegen die PRRSV-Spezies 1 zu impfen, um einen Übertrag des Virus über die Plazenta an die Feten zu verhindern. Weiterhin sollten die Jungsauen während der Eingliederung grundimmunisiert werden. Wiederholungsimpfungen sind alle drei bis vier Monate oder reproduktionsbezogen durchzuführen. Sollten durch das PRRS-Virus Atemwegsprobleme bei Aufzuchtferkeln oder Mastschweinen auftreten, ist auch hier eine Impfung sinnvoll. Weiterhin sollten Ferkel am Standort der Sauen mit geimpft werden, wenn die Herde dauerhaft infiziert ist und ständig PRRSV-Probleme im Bestand auftreten.

Die Impfung gegen den PRRSV-Spezies 2 wird nur bei einem positiven Nachweis im Bestand und einem ursächlichen Zusammenhang zu klinischen Befunden empfohlen. PRRSV-freie Bestände sollten nicht geimpft werden, um den Status zu erhalten. Vor dem Einstieg in die Impfung sollte für einen bestmöglichen Impferfolg ein individuelles Programm für den Betrieb erarbeitet werden.

6 Sollte der Impfstoff immer mal wieder gewechselt werden?

Ein Impfstoffwechsel innerhalb eines Betriebes sollte genau überdacht werden. Dieser ist immer mit dem Risiko verbunden, dass neue krankmachende PRRSV-Varianten entstehen können.

Neben diesen ständigen Mutationen des Virus ist es darüber hinaus möglich, dass sich aus zwei oder mehr in der Herde vorhandenen PRRS-Viren neue PRRSV-Stämme entwickeln. An einer solchen „Rekombination“ können auch sich im Bestand vermehrende Impfviren beteiligt sein. Welche Eigenschaften ein solches neu entstandenes PRRS-Feldvirus hat, kann nicht vorhergesagt werden.

Welchen Schaden allerdings eine krankmachende Rekombination verursachen kann, zeigt der jüngste Fall aus Dänemark aus 2019: Hier verursachte eine krankmachende Rekombination einen schweren Krankheitsausbruch in mindestens 38 Betrieben mit Fruchtbarkeitsstörungen und hoher Ferkelsterblichkeit.

Es ist anzunehmen, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Rekombinationsereignisse mit der Dauer, die ein PRRS-(Impf-)Virus in einer Herde ausgeschieden wird und zirkuliert, erheblich steigt. Schließlich sind einfach bei einer langen Ausscheidung von Impfviren mehr PRRS-Viren zur selben Zeit am selben Ort.

Um Fälle wie den in Dänemark zu vermeiden, empfiehlt die europäische Arzneimittelagentur mittlerweile einen sorgfältigen Umgang mit PRRS-Impfstoffen. Dazu zählt, dass verschiedene PRRS-Impfstoffe nicht zeitgleich oder rotierend in einem Betrieb eingesetzt werden. Außerdem soll bei dem Wechsel eines Impfstoffs eine Übergangsperiode eingehalten werden.

7 Helfen neuere Impfstoffe besser als die älteren?

Die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe basieren auf verschiedenen PRRS-Virusstämmen aus dem Feld. Wann ein Impfstoff auf den Markt gekommen ist, sagt jedoch nichts darüber aus, wann der zugrunde liegende Feldstamm isoliert wurde oder wie lange er überhaupt schon existiert. PRRS-Viren können über viele Jahre im Labor konserviert und aufbewahrt werden. So findet sich in keinem aktuellen Lebendimpfstoff ein PRRS-Virusstamm, der nach 2004 isoliert wurde.

Es sind die Eigenschaften der Wirksamkeit und Sicherheit, die für den Einsatz der PRRS-Impfstoffe im Feld entscheidend sind – unabhängig davon, wie alt der jeweilige Impfstamm ist. Da das PRRS-Virus so enorm mutationsfreudig ist, kann kein Impfstamm den teils sogar betriebsindividuellen Feldstamm zu 100 % genetisch abdecken.

8 Muss ich außer impfen noch etwas tun?

Auf jeden Fall! Infiziert ein Feldvirus einen geimpften Bestand, zeigen die Tiere durch die bessere Immunantwort eine abgeschwächte Klinik. Damit reduziert sich zwar der wirtschaftliche Schaden, aber es gibt ihn trotzdem. Daher sollte man noch andere Maßnahmen ergreifen, um seinen Bestand zu schützen. Das sind besonders Managementmaßnahmen in Hinblick auf die betriebliche Biosicherheit. Jeglicher Neueintrag von PRRS-Feldviren in den Bestand sollte verhindert werden. Denn nur weil ein Bestand geimpft wurde oder schon eine Virusvariante vorhanden ist, bleiben weitere PRRS-Stämme nicht automatisch draußen.

Auch interne Maßnahmen – beispielsweise die Gestaltung des Tierflusses und der Laufwege auf dem Betrieb – gehören hier dazu: So soll vermieden werden, dass bei einem Eintrag in die Mast das Virus nicht in die Sauenherde oder Aufzucht getragen wird. Strenge Rein-Raus-Verfahren, bestandseigene Kleidung, Besucherverkehr, die Einhaltung von Schwarz-/Weiß-Bereichen, aber auch die fachgemäße Eingliederung von Jungsauen sind weitere Maßnahmen, die die Ansteckungswahrscheinlichkeit im Betrieb senken sollen. Die Umsetzung sollte betriebsindividuell mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt beraten werden.

Lesen Sie hier Das Wochenblatt beantwortet acht offene Fragen.

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