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Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Die Massentierhaltungsinitiative nimmt die Falschen in die Pflicht

Veröffentlicht am: 13.09.2022 12:13:49
Kategorie : Allgemein , News

13.09.2022 - Auch diese Initiative macht den Fehler, dass sie auf die Landwirtschaft zielt, wo doch eigentlich die Konsumierenden in der Pflicht stünden.

Mit Fliegen übersäte Schweine und Hühner, zu tausenden eingepfercht in einem Stall. Die von Greenpeace Anfang dieser Woche veröffentlichten Bilder werfen Zweifel auf. Ist das Tierschutzgesetz in der Schweiz tatsächlich das strengste der Welt, wie die Gegner der Massentierhaltungsinitiative unablässig betonen? Und wenn ja, reicht das aus?

Eins vorneweg: Die Schweizer Landwirtschaft ist divers, jeder Betrieb anders, pauschal von «den Bauern» zu sprechen, zielt an der Realität vorbei. Gleichwohl sind alle Landwirte verpflichtet, sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten. Und von wenigen Ausnahmen abgesehen tun sie das gut. Dass es auch unter den Bauern schwarze Schafe gibt, leugnet niemand.

Doch anders als es der Name der Initiative vermuten lässt, liegt die Ursache für Tierwohlverletzungen nicht in der Anzahl Tiere pro Betrieb, sondern meist in menschlicher Misere. Überforderung, Erkrankungen oder psychische Leiden können im schlimmsten Fall zur Vernachlässigung des Tierwohls führen – egal ob auf dem Hof 20’000 Hühner oder fünf Schweine leben. Das ist unschön, aber es hat im Grunde kaum etwas mit den Forderungen der Initianten zu tun. Die «Initiative gegen Massentierhaltung» sieht vor, dass sich die Nutztierhaltung in der Schweiz künftig an den Bio-Suisse-Richtlinien von 2018 «orientieren» soll. Davon betroffen wären vor allem jene Landwirte, die Schweine oder Hühner halten. Sie müssten ihren Tieren mehr Platz zur Verfügung stellen und dafür sorgen, dass sie regelmässig Auslauf haben. Vorgesehen ist eine Übergangsfrist von 25 Jahren sowie eine Importrichtlinie. Letztere sieht vor, dass nur noch Fleisch, Eier, Butter und Milch importiert werden dürfen, wenn diese nach den in der Schweiz geltenden Vorschriften produziert wurden. Ob das im Sinne der Initianten umgesetzt werden kann, ist stark umstritten.

Was aus Sicht der Konsumenten zunächst einmal gut tönt, sorgt bei Pouletmästern und Schweinezüchtern für grossen Unmut. Und das ist verständlich. Denn schon heute ist – gerade beim Schweinefleisch – die Nachfrage nach besonders tierwohlfreundlich produzierten Lebensmitteln geringer als das Angebot. Zu Recht stellen die Landwirtinnen die Frage, weshalb sie etwas produzieren sollen, das nicht nachgefragt wird.

Genau hier liegt des Pudels Kern. Die Befürworter argumentieren, dass die Politik dafür sorgen müsse, dass im Kühlregal der Detailhändler nur gekauft werden kann, was nach Bio-Richtlinien produziert wurde. Nur so könne ein Wandel hin zu einer tierwohlfreundlichen Produktion erfolgen. Die Gegner wiederum nehmen die Konsumierenden in die Pflicht. Sie könnten mit jedem Einkauf das Angebot steuern. Schliesslich produziere eine Landwirtin nur, was sich auch verkaufen lasse.

Das macht Sinn. Noch vor zehn Jahren hat kaum jemand in der Schweiz Hafermilch produziert. Seit auch hierzulande vermehrt pflanzliche Milch konsumiert wird, wächst das Interesse der Landwirte, den Markt nicht einfach der Konkurrenz aus dem Ausland zu überlassen. Auch bei Fleisch, Eiern und Milch werden die Landwirte nicht darum herumkommen, sich dem Konsumverhalten anzupassen.

Mal ganz abgesehen von der einflussreichen Preispolitik der Detailhändler und den indiskutablen Fehlanreizen bei den Direktzahlungen liegt es also an jedem Einzelnen von uns. Kaufen wir alle das Freiland-Ei oder das Schweinsplätzli mit dem Bio-Siegel, verschwinden jene tierischen Produkte, die lediglich die Mindestkriterien erfüllen, nach und nach aus den Regalen. Und ja, es ist eine unumstrittene Tatsache, dass der Konsument für diese Produkte oft tiefer in die Tasche greifen muss. Vielleicht landet dafür beim nächsten Einkauf gar kein Fleisch im Einkaufskorb. Diese Entwicklung steht ohnehin bevor. Schliesslich geht die Reduktion – nicht der Verzicht – des Fleischkonsums einher mit einem nachhaltigeren Konsum, der angesichts des fortschreitenden Klimawandels erfolgen muss. Das hat der Bundesrat in der Neuausrichtung der Agrarpolitik unlängst festgehalten. Derweil macht auch diese Initiative den Fehler, dass sie auf die Landwirtschaft zielt, wo doch eigentlich die Konsumierenden in der Pflicht stünden.

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