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Forschung: Ohne Tierversuche geht's nicht?

Veröffentlicht am: 17.09.2022 14:20:29
Kategorie : Allgemein , News

17.09.2022 - In einem Thesenpapier widmet sich die DFG einem vieldiskutierten Thema: Tierversuche in der Forschung. Es gibt zwar immer mehr Alternativen, aber – leidet dafür die wissenschaftliche Qualität?

Die Ständige Senatskommission für tierexperimentelle Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein ausführliches Thesenpapier zur Sicherung leistungsfähiger biomedizinischer Forschung unter Wahrung höchster Tierschutzstandards veröffentlicht. Ausgehend von neun Postulaten findet man in der Veröffentlichung Empfehlungen zur Ausgestaltung von Rahmenbedingungen, um die Leistungsfähigkeit der biomedizinischen Forschung in Deutschland bzw. der Europäischen Union sicherzustellen und dabei höchste Anforderungen an die Qualität der Forschung und an den Tierschutz miteinander zu vereinbaren. 

Das Papier konzentriert sich auf die Aspekte erkenntnisgeleiteter Forschung – inklusive der Lehre und des Erkenntnistransfers in die Anwendung.

Die Tierversuchs-Frage

Vor dem Hintergrund von Bestrebungen in Politik und Gesellschaft, einen Ausstieg aus Tierversuchen voranzutreiben, betont die Senatskommission in ihrem Papier die Notwendigkeit der grundgesetzlich verankerten Wissenschaftsfreiheit für Fortschritt und Innovation in der Medizin und Biomedizin. Dabei schließt Wissenschaftsfreiheit auch eine freie und vielfältige Methodenwahl ein, zu der nach strenger ethischer Abwägung, und wenn keine anderen tierfreien Methoden zur Verfügung stehen, auch Tierversuche gehören können. 

Das Thesenpapier stellt dabei heraus, dass Tierversuche auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben werden. Ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen gefährde den Forschungsstandort und das Innovationspotenzial Deutschlands und der EU. Es erhöht die Abhängigkeit von biomedizinischen Innovationen außereuropäischer Standorte, verringert die Fähigkeit, bei zukünftigen Herausforderungen selbstständig und souverän zu handeln, und entzieht Deutschland und der EU die Kontrolle über den Tierschutz.

Tierschutz vs. wissenschaftliche Qualität

Ziel des Papiers ist es zum einen, einseitige Entwicklungen aufzuzeigen, zum anderen aber auch, Rahmenbedingungen zu benennen, damit Tierschutz und qualitativ hochwertige Forschung auch zukünftig gewährleistet sind. Zu diesem Zweck richtet es sich nicht nur an Forscher und Einrichtungen, sondern auch an alle mit Tierversuchen befassten Stakeholder, also an politische Entscheidungsträger, Ministerien und Behörden, aber auch an Medien sowie an Ärzteschaft und Pharmazie.

Zu den konkreten Empfehlungen gehört, dass Tierschutzmaßnahmen immer im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Aussagekraft betrachtet werden müssen, um die gewünschte Wirkung erzielen zu können. Die Auswahl biomedizinischer Methoden und Modelle muss sich stets an der Eignung für die jeweiligen Forschungsfragen orientieren, um wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten. Die Förderung und Entwicklung tierversuchsfreier Alternativmethoden muss praxisorientiert mit Blick auf die Translation in den Forschungsalltag erfolgen. 

3R-Prinzip und die öffentliche Debatte

Zudem rät die DFG-Senatskommission zu einer transparenteren Kommunikation über Tierversuche durch Wissenschaft und Forschung, aber auch durch Forschungsförderer, Medien und durch Hersteller und Anwender von Produkten, die durch Tierversuche entstanden. Mit Blick auf die Politik appelliert das Papier an eine ressortübergreifende Zusammenarbeit, um der Verknüpfung zwischen Tierschutz und Qualität in der Forschung im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und nachfolgender legislativer und exekutiver Schritte zukünftig besser gerecht zu werden.

Mit der Veröffentlichung reagiert die DFG-Senatskommission auch auf den Umstand, dass sich die öffentliche Debatte in den letzten Jahren zunehmend auf den Ersatz von Tierversuchen fokussiert hat (Replacement). Das vorliegende Thesenpapier unterstreicht hingegen die gleichwertige Bedeutung aller Aspekte des innerhalb der Forschung bewährten 3R-Prinzips (Replacement, Reduction, Refinement). Hierbei gilt der professionelle, verantwortungsbewusste Umgang mit Versuchstieren zur Sicherstellung eines Höchstmaßes an Tierschutz und Qualität in der Forschung als zentrale Leitlinie.

Tierversuche: Nötige Diskussionen

„In der biomedizinischen Forschung sind Tierversuche nach wie vor von großer Bedeutung“, betonte die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Prof. Brigitte Vollmar, im Zuge der Veröffentlichung. 

„Aufgrund der besonderen Schutzwürdigkeit von Tieren, die nicht zuletzt im deutschen Grundgesetz und auch auf EU-Ebene verankert ist, stehen sie jedoch zu Recht anhaltend in der öffentlichen und politischen Diskussion. In diesem Rahmen leistet das Thesenpapier der Senatskommission einen aktuellen Beitrag zur laufenden Debatte über Tierversuche aus wissenschaftlicher Perspektive.“

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