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Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Nochmal Nitrat: wer einmal lügt…

Veröffentlicht am: 13.08.2019 11:23:51
Kategorie : Allgemein

Wahrscheinlich habt ihr auch in den Nachrichten oder in der Zeitung gehört oder gelesen, dass die Nitratwerte an den Messstellen „schon wieder gestiegen sind“. Georg Keckl ist der Sache nachgegangen und ich habe ihn dabei unterstützt.

Hier die Meldung, die zuerst in der „Rheinischen Post“ erschienen ist und dann in vielen Medien übernommen wurden: (Die Meldungen sind ziemlich wortgleich, siehe Quellen am Ende des Artikels) 

Rheinische Post: Nitratbelastung im Grundwasser ist trotz Warnungen weiter gestiegen

Der entscheidende Satz lautet:

„Wie die „Rheinische Post“ aus Düsseldorf berichtet, hat der durchschnittliche Nitratgehalt an den 15 Grundwassermessstellen mit den jeweils höchsten Belastungen von 2013 bis 2017 um fast 40 Milligramm pro Liter zugenommen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor“

Dieser Satz ist falsch. Die Frage muss auch erlaubt sein, wer die „Rheinische Post“ zu diesem Artikel veranlasst hat. Ich habe da so einen Verdacht.

Wie sind die Fakten:

Eine kleine Anfrage der Grünen an den Bundestag  nach den 15 am meisten mit Nitrat belasteten Messstellen wurde wie folgt beantwortet. Bezugsjahr war 2013. Wer möchte, kann diese Standorte hier auf Seite 19 nachlesen. Drucksache 18/4393

Am 22.07.2019 wurde eine erneute Anfrage der Grünen, darunter Oliver Krischer und Harald Ebner, mit der genau gleichen Frage von der Bundesregierung beantwortet: (Seiten 18 und 19) Bezugsjahr war 2017. Drucksache 19/11793

Von den 15 Standorten aus dem Jahr 2013 tauchen in der Liste aus dem Jahr 2017 lediglich vier Standorte auf. Der Standort Meckenheim (Rheinland-Pfalz) der in 2013 den höchsten Nitratgehalt aufwies, findet sich in der aktuellen Liste nicht mehr wieder. Und diesmal wurden die 50 (!) am höchsten belasteten Messstellen ausgewiesen. Diesmal nimmt Rang 1 der Standort Gönnheim (Rheinland-Pfalz) ein, der in der Liste aus 2013 überhaupt nicht auftaucht. Gönnheim ist übrigens ein Winzerdorf an der Weinstrasse, in der Nähe von Bad Dürkheim.

Was ist passiert?

Man hat zwischen den Jahren 2013 und 2017 die Grundgesamtheit verändert. Das ist sehr komplex, aber kurz gesagt hat man zwischenzeitlich das Messstellennetz erweitert und eine Untergruppe „Landwirtschaft“ geschaffen. Um es etwas verständlicher zu machen etwa so: Im Jahr 2013 wurden alle Kinder der 1. Schulklassen einer Stadt gemessen und gewogen. Im Jahr 2017 wurden erneut alle Kinder der 1.  Schulklassen der Stadt gemessen und gewogen. Vorher hat man aber jetzt einige ausgesucht große Kinder in die ersten Klassen gesteckt. Heraus kam, dass der weite Durchschnitt aller Erstklässler im Schnitt etwa so groß ist wie 2013, aber die Gruppe der 15 größten Kinder im Jahr 2017 viel größer als 2013 ist. Das war der Trick mit den Nitratmessstellen aus dem ehemaligen „Belastungsmessnetz“ mit den ausgesucht hohen Nitratwerten. Dieses Ergebnis ist aber nicht verwertbar, weil es vorher die Aufnahme einiger ausgesucht großer Kinder gab. Betrachtet man die Nitratwerte von 2017 der 15 Messstellen, die 2013 die höchsten Nitratwerte hatten, so hat sich im Schnitt der Nitratgehalt dieser Messstellen sogar gesenkt, um mindesten 11%. Wegen der 2017 neu hinzugekommen, ausgesucht großen „Kinder“, kann und darf man die alte „Spitzen“-Gruppe von 2013 mit der neuen „Spitzen“-Gruppe von 2017 nicht vergleichen, das ist statistischer Unsinn.

Doch es kommt noch verrückter!

In der neuen, erweiterten Liste aus 2017 tauchen mehrere Orte mit der gleichen Messstellennummer gleich mehrfach auf.

Gönnheim (RP) auf Platz 1 mit 322 mg/l und dann wieder auf Platz 25 mit 151 mg/l

Bösel (NI) auf Platz 24 mit 179 mg/l und dann auf Platz 43 mit 169 mg/l

Kemlitz (BB) auf Platz 9 mit 179 mg/l und dann auf Platz 13 mit 169 mg/l

Reichennow (BB)auf Platz 11 mit 170 mg/l und dann auf Platz 19 mit 166 mg/l

Diepholz (NI)auf Platz 37 mit 142 mg/l und dann auf Platz 42 mit 133 mg/l

Lorup (NI) auf Platz 34 mit 143 mg/l und dann auf Platz 40 mit 137 mg/l

Losten (MV) auf Platz 12 mit 170 mg/l und dann auf Platz 16 mit 167 mg/l

Südfeld (NI) auf Platz 18 mit 166 mg/l und dann auf Platz 29 mit 150 mg/l

Wendeburg (NI)auf Platz 23 mit 159 mg/l und dann auf Platz 41 mit 137 mg/l

Peheim (NI) gleich dreimal: auf Platz 10 mit 175 mg/l, dann auf Platz 22 mit 160 mg/l und dann auf Platz 28 mit 150 mg/l.

Wie bereits gesagt, immer mit der gleichen Messstellennummer!! Peheim (Nr. 2412220) taucht in der Liste aus 2013 aber überhaupt nicht auf. Dafür sind einige Standorte aus 2013 auf der – nun erweiterten – Liste in 2017 nicht mehr zu finden. (Bsp.: Holm (SH), Schaafheim (HE) oder Pietzpuhl (ST). Wohl auch deshalb, weil deren Nitratwerte jetzt unauffällig waren.

Und hier noch einmal das, was die Medien daraus gemacht haben:

„Wie die „Rheinische Post“ aus Düsseldorf berichtet, hat der durchschnittliche Nitratgehalt an den 15 Grundwassermessstellen mit den jeweils höchsten Belastungen von 2013 bis 2017 um fast 40 Milligramm pro Liter zugenommen.“

Oliver Krischer (Grüne) äußerte sich ähnlich am 08.08.2019 in den Abendnachrichten. Ich hoffe doch, dass die Medien und Herr Krischer den Sachverhalt öffentlich richtigstellen.

Bei aller berechtigten Diskussion um zu hohe Nitratwerte sollte man bei den Fakten bleiben, Diese sind ja in den Bundestags-Drucksachen dokumentiert.

An die Journalisten: bitte recherchieren Sie sauber und verlassen Sie sich nicht auf die Aussagen und Interpretationen Dritter. Ihre Glaubwürdigkeit könnte darunter leiden.

Bauer Willi 

Nitrat: wer einmal lügt…

Hier wird das noch mal von einem Statistiker erklärt: Statistik nach Rechenart grüner Kobolde

Hier weitere Zeitungsmeldungen:

Immer mehr Nitrat im Grundwasser

Nitratbelastung des Grundwassers...

Nitratbelastung weiter gestiegen

Das ist doch Mist

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