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Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Tierärzte, es gibt mehr Geld! Aber …

Veröffentlicht am: 22.11.2022 09:23:21
Kategorie : Allgemein , Wichtige News

21.11.2022 - Die aktualisierte Gebührenordnung dürfte mehr Geld in die Kassen der Tierarztpraxen spülen – Beschwerden von Patientenbesitzern sind aber zu erwarten. Was sich ändert, haben wir hier für euch zusammengefasst. Ab dem 22.11.22 gilt die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Deutschland. Eine Übergangsfrist wird es nicht geben. War die tierärztliche Versorgung hierzulande verglichen mit anderen Ländern der EU immer noch günstig, so findet mit der Neuerung nun eine gewisse Angleichung statt. Das hilft Tierarztpraxen, die in den letzten Jahren gestiegenen Kosten etwas abzufangen.

Warum gibt es überhaupt eine GOT? Die gesetzliche Verpflichtung, sich an die Gebührenordnung zu halten, soll Transparenz für Tierbesitzer schaffen und bundesweit eine gewisse Qualität sichern – so ist es gedacht. Die Überlegung: Tierarztpraxen sollten hauptsächlich über ihre Behandlungsqualität und nicht über die erhobenen Preise konkurrieren.

Alte GOT nicht mehr wirtschaftlich

Für die Neuerung war es höchste Zeit. Die derzeit geltende GOT stammt noch aus dem Jahre 1999, wobei es seitdem zwei pauschale Erhöhungen gab (2008 und 2017). Schon im Jahr 2012 hatten der bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte) und die BTK (Bundestierärztekammer) gemeinsam eine neu strukturierte Novelle vorgelegt, welche aber damals nicht umgesetzt wurde. Trotzdem fand sie jetzt doch noch Verwendung, denn die neue GOT beruht zu großen Teilen auf diesem Entwurf.

Grund für die Erhöhung, die natürlich die aktuellsten wirtschaftlichen Entwicklungen nicht berücksichtigen könne, sei die Voraussetzung gewesen, dass der 1-fache Satz der neuen GOT in der Lage sein sollte, einer durchschnittlich wirtschaftenden Tierarztpraxis schwarze Zahlen zu ermöglichen, so erklärt es Dr.Thomas Steidl, Präsident der Landestierärztekammer BaWü und FTA für kleine Haustiere. Er war in der Arbeitsgruppe-GOT beteiligt an den Verhandlungen zur neuen Gebührenordnung und gibt in einem Webinar einen Überblick zu den Neuerungen. Weiterhin gelte natürlich: Jede Praxis müsse ihre eigenen Gebühren betriebswirtschaftlich errechnen und in Rechnung stellen (1-facher bis 3-facher Satz, im Notdienst bis zum 4-fachen Satz).

Der Tierarzt wird teurer – ein sensibles Thema

Die neue GOT führt zu einer durchschnittlichen Gebührenerhöhung um etwa 20–30 Prozent. Das ist natürlich ganz schön happig und sollte den Tierhaltern, die das Ganze in Zukunft bezahlen müssen, natürlich entsprechend sensibel vermittelt werden. Eine kontinuierliche Dynamisierung der Preise, wie sie in anderen Branchen stattfindet, wäre aus Tierhalter-Compliance-Sicht schöner – das sei in einheitlicher Form für die tierärztliche Branche aber leider rechtlich nicht möglich, erklärt der Tierarzt.

„Wir müssen uns [deshalb] die Zeit nehmen, Tierhalter ordentlich aufzuklären“, betont Steidel in seinem Vortrag. Später empfiehlt Tierarzt und Kommunikationsexperte Dr. Wolfgang Matzner von einer „Preisanpassung“ statt einer „Preiserhöhung“ zu sprechen. Eine vermehrte Inanspruchnahme von Tierkrankenversicherungen kann Tierhalter außerdem entlasten.

Preiskommunikation ist in der Tiermedizin ein unbeliebtes aber wichtiges Thema, da es viele Praxisinhaber verunsichert und negativ behaftet ist – sicherlich nochmal an anderer Stelle einen genaueren Blick wert. 

Was ist aber nun für Tierärzte wichtig, über die neue GOT zu wissen?

Die Neuerungen auf einen Blick:

  • Es gibt jetzt eine durchgehende Nummerierung der Leistungen; die Einteilung in die Teile A (Grundleistungen), B (Besondere Leistungen) und C (Organsysteme) bleibt bestehen.
  • Ein Paragraph wurde hinzugefügt (die seit 2020 geltende verpflichtende Notdienstgebühr ist nun in § 4 zu finden)
  • Aus Tierärzten wurden „Tierärztliche Leistungen“ – damit seien zukünftig auch Gesellschaften wie z.B. Tierarztketten an die GOT gebunden, so Steidel.
  • Bei der Bezahlung hat sich ebenfalls etwas geändert (§ 7): Die Rechnung wird erst dann fällig, wenn sie vom Tierarzt vollständig schriftlich gestellt wurde.
  • Die Zeitgebühr entfällt – stattdessen kann nun ein bestimmter Betrag (2,25€) pro tierärztlicher Arbeitsminute abgerechnet werden. Das kann dann erfolgen, wenn eine Leistung die Zeit des Behandlers über die Gebühr hinaus beansprucht hat.  
  • Das Wegegeld ist verpflichtend geworden (§ 10).
  • Im § 7 (Bestandteile einer Rechnung) gab es ebenfalls einige Änderungen. Neben dem Datum, der Tierart und der gestellten Diagnose wurde nun der Grund der Konsultation ergänzt. Hintergrund: Da die Diagnose bei der ersten Rechnung manchmal etwas schwierig zu stellen war, kann nun der Konsultationsgrund diese ersetzen. Auch muss die berechnete Leistung nun mit Angabe der laufenden Nummer in der ersten Spalte des Gebührenverzeichnisses angegeben werden. Das soll mehr Transparenz für den Besitzer erzeugen.
  • Notwendige Hilfskräfte können ab jetzt vergütet werden (§ 41).
  • Eine Dokumentation aufgrund gesetzlicher Vorgaben (§ 3) kann nun berechnet werden. Steidel erklärt diesen Punkt, da er bereits jetzt zu Verwirrung bei vielen Tierärzten führe: „Wir sehen den Trend, dass in den letzten Jahren immer mehr zusätzliche Dokumentationspflichten für uns Tierärzte hinzugekommen sind – diese Arbeit muss in einem gewissen Maße auch zu vergüten sein. Wir reden nicht über Dokumentationen, die von der Berufsordnung vorgeschrieben werden, wie die Erstellung des Arzneimittelabgabebelegs. Es geht hier um zukünftig aufkommende Dokumentationen – dass wir dann die Möglichkeit haben, zu sagen: Das ist zusätzlicher Aufwand, den berechnen wir.“  
  • Auch ist die Tierartenaufteilung neu – diese beruht, laut Steidel, auf Basis der Novelle von 2012. „Hier sind wir etwas unglücklich, da wir eine deutlich modernere Aufteilung eingereicht hatten“, gibt der Tierarzt zu.
  • Bildgebende Verfahren wie CT und Strahlentherapie werden in der neuen GOT abgebildet.

Auch geht Steidel nochmal auf den neuen § 8 „Außerordentliche Leistungen“ ein. Diese könnten immer dann berechnet werden, wenn eine Leistung nicht in der GOT aufgelistet sei. Ihre Gebühr orientiere sich dann an einer „gleichwertigen“ Leistung der GOT. Wenn diese ebenfalls fehle, solle man bei der Berechnung den Stundensatz von 2,25 € pro Minute im Kopf haben.

Versorgung von Tieren als gesellschaftliche Aufgabe

Er verweist zum Abschluss nochmal darauf, dass der Tierschutz seit 2002 zum Staatsziel erklärt wurde (Artikel 20a) und somit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden müsse – er könne nicht nur auf den Schultern der Tierärzte lasten. 

Zuletzt hatte die Tiermedizin mit vielen Problemen zu kämpfen: Nachwuchsmangel, die Übernahmen großer Tierarzt-Ketten wegen fehlender Nachfolge und ein rasant gestiegener medizinischer Standard, dem die über zwanzig Jahre alte GOT einfach nicht gerecht wurde, dazu eine immer schlechter werdende Versorgung – vor allem im Notdienst (DocCheck berichtete). Es wird sich zeigen, ob die neue GOT ein Instrument sein kann, um hier gegenzusteuern.

Infobroschüren von der BTK findet ihr hier.

Hier findet ihr die neue GOT.

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