100 Todesfälle durch Myxomatose (Kaninchenpest) in NÖ

In Niederösterreich grassiert derzeit die Kaninchenpest. Rund 100 Tiere sind bereits verendet. Betroffen sind momentan aufgrund eines mutierten Erregers vor allem Feldhasen. Die Jägerschaft wird gebeten, erkrankte Tiere einzusenden.

Seit Ende März wurden immer wieder Fälle der Kaninchenpest in Niederösterreich gemeldet, doch zuletzt spitzte sich die Lage zu. Der Jagdverband schickte vergangene Woche eine Information an alle Jägerinnen und Jäger aus – mit der Bitte, verdächtige Tierkadaver an das FIWI, das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, zu schicken.

Nun warte man auf die Untersuchungsergebnisse, sagt Michael Oberbichler vom Jagdverband Niederösterreich. Dabei soll herausgefunden werden, ob die Hasen „immunologische Abwehrmechanismen entwickeln“. Dann würde man entscheiden, ob weitere Maßnahmen gesetzt werden. Die Untersuchungskosten würde dabei der Jagdverband übernehmen, das Einschicken selbst müssten die Jägerinnen und Jäger bezahlen, so Oberbichler.

Mutiertes Virus greift Feldhasen an

An sich betrifft die Kaninchenpest, in der Fachsprache Myxomatose genannt, eher Kaninchen als Hasen. Doch diesmal sind fast alle eingesendeten Tiere Feldhasen, sagt Anna Kübber-Heiss von der Veterinärmedizinischen Universität. „Gut 100 Hasen haben wir bereits bekommen, hauptsächlich aus Niederösterreich“, so Kübber-Heiss gegenüber noe.ORF.at. Doch auch die Zahl der betroffenen Wildkaninchen würde nun langsam steigen.

Besonders betroffen von der Krankheit sind derzeit der Raum Hollabrunn, Korneuburg, Tulln und Wien. Vereinzelt wurden aber auch Fälle südlich der Donau – etwa im Raum Gablitz (Bezirk St.Pölten) – gemeldet, so Kübber-Heiss. Einige Tiere müssten jedenfalls in den nächsten Tagen und Wochen noch untersucht werden.

Virus durch Insekten übertragen

Das ursprünglich aus Südamerika stammende Virus mutierte bereits 2018 auf der Iberischen Halbinsel. Jene Mutation findet man seit einigen Wochen nun erstmals auch in Österreich. Das Virus kann durch direkten Kontakt, aber auch durch blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Zecken oder Flöhe übertragen werden. Eine Eindämmung des Virus sei schwierig, weil sich die Verbreitung von Insekten nicht gut kontrollieren lasse, heißt es von den Experten.

Wenige Tage nach der Infektion entwickeln infizierte Kaninchen und Hasen Schwellungen im Kopf- und Genitalbereich. Häufig sind die Augen betroffen und nicht selten führen Schwellungen und Entzündungen zur Orientierungslosigkeit und Erblindung. Fressunlust und fortschreitende Schwäche sowie andere Infektionen führen dann rasch zum Tod.

„Der Feldhase hatte bis jetzt so gut wie keinen Kontakt mit diesem Erreger, deswegen reagiert er sehr stark drauf“, erklärt Kübber-Heiss. Nun müsse man darauf hoffen, dass die „Gelsensaison bald aufhört. Dann wird es besser werden“, so die Expertin. Prinzipiell sei die Krankheit für die Jägerschaft gut erkennbar. Sollte man beim Spazierengehen ein infiziertes Tier finden, wird dazu geraten, den lokalen Jäger zu informieren.

Impfung für Haustiere

Für Haus- und Zuchtkaninchen wird unterdessen eine Impfung gegen Myxomatose empfohlen. Sie sei gut verträglich und biete auch gegen die neue Virusvariante einen zuverlässigen Schutz, heißt es auf der Website der Veterinärmedizinischen Universität.

Für den Menschen stellt die Kaninchenpest keine Gefahr dar. Allerdings können sich in immungeschwächten Kaninchen- und Hasenpopulationen auch andere Erreger besser ausbreiten, die sehrwohl ein Risiko für den Menschen darstellen können. Daher sei ein sorgsamer Umgang mit toten Tierkörpern, also etwa das Tragen von Handschuhen und Mundschutz, gerade im Wildtierbereich wichtig, so die Empfehlung der Veterinärmedizinischen Universität.

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