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von der AVA und aus der Branche
Landwirte unter Druck: Wie die Marktmacht des LEH sie bedroht
Die Herausforderungen für die deutsche Landwirtschaft sind durch die wachsende Marktmacht großer Einzelhandelsketten erheblich angestiegen. Wie aus dem aktuellen Gutachten der Monopolkommission hervorgeht, kontrollieren die vier größten Einzelhandelsunternehmen in Deutschland einen bedeutenden Marktanteil, was sich negativ auf die Preisgestaltung und damit auf die Erzeugerpreise in der Landwirtschaft auswirkt.
Marktmacht der Supermärkte belastet Landwirte
Experten warnen, die Monopolkommission hat zutage gefördert, dass die Gewinnmargen nicht nur im Einzelhandel, sondern auch in der Ernährungsindustrie gestiegen sind. Dies könnte auf eine erhöhte Eigenkapitalausstattung in diesen Sektoren zurückzuführen sein, wodurch höhere Renditen erzielt werden müssen. Für die Landwirtschaft bedeutet dies jedoch oft, dass die Preise, die sie für ihre Produkte erhalten, nicht kostendeckend sind.
Ein aktueller Preiskampf bei Butter zwischen Discountern wie Aldi und Lidl verdeutlicht das Problem: Während Verbraucher von niedrigen Preisen profitieren, geraten Lieferanten und Bauern unter Druck. Die Butterpreise decken kaum noch die Produktionskosten der Molkereien und schon gar nicht jene der landwirtschaftlichen Betriebe.
Rechtliche Hürden und Wettbewerb
Der bayerische Bauernverband hat daher das Bundeskartellamt eingeschaltet, um gegen diese Praktiken vorzugehen. Doch ist es unwahrscheinlich, dass hier ein Missbrauch festgestellt wird. Der Verkauf unter Produktionskosten ist rechtlich zulässig, solange er systematisch nicht unter dem Einstandspreis erfolgt, was jedoch schwer nachzuweisen ist.
Eine strukturelle Lösung könnte in einer Mengensteuerung und festen Vertragsmengen mit garantierten Preisen liegen. Besonders im Schweine- und Milchsektor sei eine solche Steuerung jedoch schwierig umzusetzen aufgrund langer Produktionszyklen.
Vertikale Integration als Herausforderung
Eine weitere Sorge ist die vertikale Integration im Lebensmitteleinzelhandel: Unternehmen wie Edeka oder Kaufland dringen zunehmend in Herstellungsprozesse ein und stärken dadurch ihre Marktmacht weiter. Dies verzerrt den Wettbewerb erheblich, da diese Händler gleichzeitig als Kunde und Konkurrent auftreten können.
Die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung bei Übernahmen und Fusionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die aktuelle Gesetzgebung betrachtet solche Fälle oft nur isoliert, was langfristig den Wettbewerb einschränken könnte.
Politische Perspektiven und Zukunftsaussichten
Trotz dieser Herausforderungen sehen Experten wenig politischen Willen seitens der Bundesregierung, um gegen die Marktmacht des Einzelhandels vorzugehen. Die Politik scheint niedrige Verbraucherpreise höher zu gewichten als faire Bedingungen für Produzenten. Eine mögliche Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) könnte langfristig Abhilfe schaffen, doch kurzfristige Lösungen seien nicht in Sicht.
Milchpreis im Dezember 2025: Butterpreise drücken Rohstoffwert um 13,7%
Der deutliche Rückgang des Kieler Rohstoffwerts für Milch im Dezember 2025 stellt die Milchbauern vor erhebliche Herausforderungen. Mit einem Minus von 13,7 % sank der Wert auf 30,8 Cent pro Kilogramm Milch, verglichen mit 35,7 Cent im Vormonat. Laut dem ife Institut für Ernährung und Ernährungswirtschaft Kiel ist dies der niedrigste Stand seit August 2020. Diese Abwertung wird hauptsächlich durch den dramatischen Preisverfall bei Butter verursacht.
Butterpreise treiben den Rückgang
Die Zentrale Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) hebt hervor, dass die Reduktion des Rohstoffwerts vor allem auf die stark gefallenen Butterpreise zurückzuführen ist. Im Vergleich zum Vormonat sanken diese um 16,4 %, was die ohnehin angespannte finanzielle Lage vieler Landwirte weiter verschärft. Während Butter signifikant günstiger wurde, blieben die Preise für Magermilchpulver weitgehend stabil und verzeichneten nur einen geringfügigen Rückgang von 4,2 %.
Historischer Tiefstand im Vergleich zum Vorjahr
Im Jahresvergleich zeigt sich ein noch drastischeres Bild: Der aktuelle ife Rohstoffwert liegt um 23,9 Cent oder 43,7 % unter dem Wert von Dezember 2024, als er noch bei 54,7 Cent pro Kilogramm lag. Diese Entwicklung zwingt Landwirte dazu, ihre Kostenstrukturen zu überdenken und möglicherweise nach alternativen Einkommensquellen zu suchen.
Zukunftsperspektiven für die Milchwirtschaft
Trotz der schwierigen Marktlage gibt es Ansätze zur Stabilisierung der Situation. Experten schlagen vor, dass Landwirte verstärkt auf eine Diversifizierung ihrer Produktpalette setzen sollten. Hierzu zählen etwa die Herstellung von hochwertigen Nischenprodukten oder die Direktvermarktung ab Hof. Zudem könnten Investitionen in nachhaltige Produktionsmethoden langfristig zu Kosteneinsparungen führen und das Image der Betriebe verbessern.
BayWa-Chefposten gestrichen
In einer turbulenten Phase für die BayWa AG wurden bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung entscheidende Personalveränderungen beschlossen. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Frank Hiller verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung, wie aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautete. Eine Nachfolgeregelung ist nicht vorgesehen. Stattdessen werden die Aufgaben von Hiller auf bestehende Mitglieder des Vorstands verteilt.
Aufteilung der Führungskräfteaufgaben
Zukünftig sollen Sanierungsvorstand Michael Baur, Finanzvorstand Matthias Rapp und Agrarvorständin Marlen Wienert die Führungsaufgaben gemeinschaftlich übernehmen. Insbesondere Baur wird weiterhin den Fokus auf den Sanierungsplan legen, der bis 2028 angelegt ist. Wienert, deren Vertrag bereits im Dezember 2025 bis 2028 verlängert wurde, bringt wertvolle Erfahrung in den Agrarsektor ein.
Diese Entscheidung folgt auf Diskussionen innerhalb des Aufsichtsrats unter Leitung von Gregor Scheller, die bereits seit einiger Zeit über Hillers strategische Ausrichtung und dessen Umsetzung schwelten. Hiller war im März des vergangenen Jahres angetreten, um die „größte Transformation in der Geschichte“ der BayWa zu gestalten. Allerdings blieb eine umfassende Strategie aus, was letztendlich zu seiner Demission führte.
Verkauf als Teil der Sanierung
Ein bedeutender Schritt im Rahmen der Sanierung war der Verkauf der niederländischen Cefetra-Group für 125 Millionen Euro. Diese Transaktion trug zur Reduzierung der Bankverbindlichkeiten bei und wurde von Anlegern positiv aufgenommen. Dennoch reichten diese Maßnahmen nicht aus, um das Vertrauen in Hillers Führungsqualitäten wiederherzustellen.
Hillers Zeit bei BayWa war zudem von internen Konflikten geprägt. Berichten zufolge kam es wiederholt zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen ihm und Michael Baur. Hillers Eingriffe in Baurs Zuständigkeiten sowie seine Forderungen nach Änderungen am Sanierungsplan sorgten für Unruhe sowohl im Aufsichtsrat als auch bei Gläubigerbanken und Ankeraktionären.
Kritik und Perspektiven
Der Wechsel an der Führungsspitze wirft Fragen zur langfristigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens auf. Landwirte, Kunden und Aktionäre erwarten nun klare Signale über den zukünftigen Kurs der BayWa. Die Verteilung der Verantwortung auf mehrere Schultern könnte zu einer ausgewogeneren Entscheidungsfindung führen und neue Impulse setzen.
Dabei bleibt es entscheidend, dass das Unternehmen an seiner Kernstrategie festhält und gleichzeitig flexibel genug ist, um auf neue Herausforderungen zu reagieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die BayWa unter neuer Führung wieder zu stabilerem Fahrwasser findet.
Vion schließt Rinder-Zerlegebetrieb Hilden
Der Rückzug der Vion Food Group aus Deutschland nimmt Gestalt an, da der Konzern plant, den Rinder-Zerlegebetrieb in Hilden bis spätestens Ende Februar 2026 zu schließen.
Diese Entscheidung betrifft rund 160 Mitarbeitende, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen. Der Schritt ist Teil einer größeren Strategie, sich stärker auf die Benelux-Länder zu konzentrieren.
Marktveränderungen erfordern Anpassung
Laut dem Unternehmen sind strukturelle Veränderungen im Fleischmarkt der Hauptgrund für die Schließung. Diese Entwicklungen zwingen Vion dazu, seine Geschäftsaktivitäten neu zu konsolidieren. Ursprünglich wurde die Schließung in Branchenkreisen erwartet, da der Standort Hilden weit von den strategisch wichtigen Standorten in Süddeutschland entfernt liegt.
Konsultationsprozess mit dem Betriebsrat
Die endgültige Entscheidung über die Schließung hängt noch von einem laufenden Konsultationsverfahren ab. Vion hat angekündigt, in Gesprächen mit dem Betriebsrat nach einem Interessenausgleich und einem Sozialplan zu suchen. Zudem wird geprüft, ob den betroffenen Mitarbeitenden alternative Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Konzerns angeboten werden können.
Kundenversorgung bleibt sichergestellt
Trotz der geplanten Schließung versichert Vion, dass die Versorgung der meisten Kunden durch andere Standorte innerhalb des Unternehmens aufrechterhalten werden kann. Auch für Lieferanten soll es weiterhin Möglichkeiten geben, ihre Produkte an andere Betriebe von Vion zu liefern. Ziel ist es, eine möglichst unterbrechungsfreie Belieferung sicherzustellen.
Globale Präsenz und finanzielle Stabilität
Trotz dieser strategischen Veränderungen zeigt sich Vion finanziell stabil: Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen mit 8.383 Mitarbeitenden einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro. Der Konzern betreibt Produktionsstandorte sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland und verfügt über Vertriebsniederlassungen weltweit.
Notfallplan bei akuten Schwanzbeißgeschehen
Ein akutes Schwanzbeißgeschehen kann innerhalb kürzester Zeit zu schweren Verletzungen, Stress und hohen Verlusten führen. Ein neuer Notfallplan des Netzwerks Fokus Tierwohl zeigt, wie Betriebe schnell und strukturiert reagieren können.
Die Arbeitsgruppe Kupierverzicht des Netzwerks Fokus Tierwohl hat einen Notfallplan zum Umgang mit Schwanzbeißen in der Schweinehaltung veröffentlicht. Der Notfallplan richtet sich an Schweinehalter und ist als praxisorientiertes Schulungskonzept aufgebaut. Basierend auf bestehenden Praxisleitfäden, Beratungsempfehlungen und Praxiserfahrungen umfasst der Notfallplan insgesamt sechs Schulungsmodule, die Betriebe dabei unterstützen sollen, im akuten Fall von Schwanzbeißen schnell, strukturiert und zielgerichtet zu reagieren. Hintergrund ist, dass Schwanzbeißen ein erhebliches Tierwohlproblem darstellt und häufig mit Schmerzen, Verletzungen, Leistungseinbußen und wirtschaftlichen Verlusten verbunden ist.
Geschehen schnell erfassen
Der Notfallplan beschreibt, dass im Ereignisfall zunächst eine rasche Einschätzung der Situation im Stall notwendig ist. Ziel ist es, das Ausmaß des Geschehens zu erfassen, betroffene Tiergruppen zu erkennen und eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen. Darauf aufbauend wird in den Schulungsmodulen dargestellt, welche Sofortmaßnahmen geeignet sind, um das Beißgeschehen schnell zu unterbrechen. Dazu gehört insbesondere das umgehende Angebot zusätzlicher, geeigneter Beschäftigungsmaterialien, um Stress abzubauen und die Tiere abzulenken.
Umgang mit betroffenen Tieren
Ein weiterer Schwerpunkt der Schulungsmodule liegt auf dem gezielten Umgang mit betroffenen Tieren. Beißende Schweine sollen möglichst identifiziert und aus der Gruppe genommen werden, während gebissene Tiere geschützt, separiert und versorgt werden müssen. Falls erforderlich, ist eine tierärztliche Behandlung einzuleiten, um Schmerzen zu lindern und weitere Komplikationen zu vermeiden.
Systematische Ursachenanalyse
Darüber hinaus vermitteln die Schulungsmodule, dass akute Maßnahmen immer mit einer systematischen Ursachenanalyse verbunden sein sollten. Mögliche Einflussfaktoren wie Fütterung, Stallklima, Tiergesundheit, Platzangebot, Buchtenstruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten werden als zentrale Ansatzpunkte benannt, die überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen, um weitere Ausbrüche zu verhindern.
Warnsignale frühzeitig erkennen
Ein eigenes Modul widmet sich der frühzeitigen Erkennung von Warnsignalen. Veränderungen im Verhalten der Tiere, zunehmende Unruhe, stark wedelnde oder hängende, eingeklemmte Schwänze und erste Verletzungen sowie gesundheitliche Auffälligkeiten im Tierbestand werden unter anderem als wichtige Hinweise auf ein beginnendes Schwanzbeißgeschehen beschrieben. Ein frühzeitiges Eingreifen von ist hierbei entscheidend. Ergänzend wird empfohlen, Vorbereitungen zu treffen, etwa durch das Bereithalten eines Notfallkoffers mit geeigneten Beschäftigungsmaterialien und Hilfsmitteln zur Versorgung verletzter Tiere.
Praxisorientierter Aufbau
Die Schulungsmodule sind praxisorientiert aufgebaut und werden durch zahlreiche Beispielbilder und Videosequenzen ergänzt, die die beschriebenen Maßnahmen und Vorgehensweisen anschaulich darstellen und die Anwendung im Stallalltag unterstützen. Zusätzlich steht ein Poster mit den wesentlichen Punkten des Notfallplans zum Download zur Verfügung.
Sechs Schulungsmodule als Orientierungshilfe
Insgesamt macht der Notfallplan deutlich, dass beim Auftreten von Schwanzbeißen ein schnelles, strukturiertes und abgestimmtes Vorgehen entscheidend ist. Durch die sechs Schulungsmodule werden sowohl kurzfristige Maßnahmen zur Eindämmung eines akuten Geschehens als auch weiterführende Schritte zur Stabilisierung der Situation im Bestand aufgezeigt. Der Notfallplan dient damit als praxisbezogene Orientierungshilfe, um Tierwohl zu sichern, Schäden zu begrenzen und betriebliche Abläufe im Ernstfall zu unterstützen.
>> Der umfassende Notfallplan Schwanzbeißen mit allen zugehörigen Schulungsmodulen ist unter nachfolgendem Link auf der Internetseite des Netzwerks Fokus Tierwohl frei zugänglich abrufbar: Notfall im Schweinestall: Management eines akuten Schwanzbeißgeschens
>> In einer mehrteiligen Web-Seminarreihe für ISN-Mitglieder wurden einige mögliche Ursachen für Schwanzbeißen vorgestellt, um die Zusammenhänge besser verstehen und praktische Ansatzpunkte für den Einstieg in den Kupierverzicht finden zu können. Eine Zusammenfassung der Inhalte finden Sie in den nachfolgenden Interviews:
Interview: Gesundheit als Grundlage für den Kupierverzicht – Was tun, wenn es trotzdem mal kippt
Interview: Haltung von Schweinen mit intakten Schwänzen: Was kann die Fütterung beitragen?
Ruinöse Schweinepreise zum Jahresbeginn
Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen: Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fiel heute um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG

Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen: Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fiel heute um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG
Überhänge zum Jahreswechsel, ein reichlich versorgter EU-Fleischmarkt und die jährlich zu sehende schwache Fleischnachfrage zu Jahresbeginn haben zu hohem Preisdruck geführt. Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fällt heute auf 1,45 €/kg SG – Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen. Derzeit fehlen Schweinehaltern über 50 € je Schwein.
ISN: Angesichts des schleppenden Fleischabsatzes sind gerade zu Jahresbeginn deutlich mehr Absatzimpulse nötig. Speziell die Absatzkanäle Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen es dem Lebensmitteleinzelhandel gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Aber auch die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sollten ihre Strategie überdenken, in solch schwierigen Marktphasen, Anti-Fleisch-Aktionswochen auszurufen.
Am heutigen Mittwoch gab die VEZG-Notierung für Schlachtschweine um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG nach. Die ungünstige Lage der Feiertage am Jahreswechsel 2025/26 führte in den beiden vergangenen Wochen zu ausgefallenen Schlachttagen. Dadurch verzögerte sich die Vermarktung schlachtreifer Tiere und es entstand ein Überhang am Lebendmarkt. Der Abbau der Überhänge dürfte nach heutiger Einschätzung jedoch deutlich schneller verlaufen als zu Beginn des Jahres 2025. Anders als zum vorigen Jahreswechsel konnten die Schlachtungen in den Wochen vor Weihnachten diesmal spürbar ausgeweitet werden. Schweine wurden vorgezogen und die Schlachtgewichte gingen in den letzten Wochen vor den Feiertagen stärker zurück als üblich. Insgesamt lagen die Schlachtgewichte leicht unter dem Vorjahresniveau. Zudem hatten viele Mäster die Erfahrungen vom vergangenen Jahreswechsel im Blick und weniger Ferkel eingestallt, die rund um die Feiertage schlachtreif geworden sind bzw. werden. Die Ferkelimporte aus den Niederlanden lagen im Herbst 2025 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Außerdem werden aktuell weniger Schlachtschweine aus den Niederlanden und Belgien zur Schlachtung nach Deutschland importiert als noch vor einem Jahr.
Preisdruck am Fleischmarkt
Für die aktuelle Situation am Schweinemarkt ist neben dem feiertagsbedingten Angebotsüberhang aber insbesondere auch der massive Preisdruck am Fleischmarkt ausschlaggebend. Der Jahresstart am Fleischmarkt verläuft traditionell schwach und in diesem Jahr kommt zusätzlicher Druck aus dem EU-Ausland hinzu. Chinesische Strafzölle belasten den Drittlandexport, und auch der ASP-Ausbruch in Spanien schränkt die Absatzmöglichkeiten in Drittländern ein. In der Folge verbleibt mehr Ware im EU-Binnenmarkt, für die Absatzwege gefunden werden müssen – in der Regel über deutliche Preisnachlässe bei diversen Teilstücken. Dies hatte bereits vor Weihnachten zu deutlichen Rückgängen der Schlachtschweinenotierungen in wichtigen Erzeugerländern wie Spanien, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich geführt, während sich die deutsche Notierung zum Jahresende noch stabil halten konnte.
Umgang mit Anti-Fleisch-Wochen überdenken
Der momentan reichlich versorgte EU-Markt trifft nun auf eine Phase schwieriger Fleischgeschäfte. Im Januar werden mengenmäßig meist 10–15 % weniger Schweinefleisch als im Jahresschnitt abgesetzt, gegenüber dem konsumstarken Dezember beträgt der Rückgang häufig 20–30 %. Eine Rolle spielt dabei auch der Veganuary, eine Initiative, die zu einer veganen Ernährung speziell im Januar aufruft. Weite Teile des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) unterstützen diese Aktion. Das hemmt den Fleischabsatz zusätzlich in einer Phase, in der der Schweinemarkt ohnehin stark unter Druck steht.
Auf der einen Seite auf deutsche Herkunft beim Fleisch zu setzen und gleichzeitig das deutsche Schweinefleisch in der schwierigsten Absatzphase des Jahres auf das Nebengleis zu stellen, passt nicht zusammen. Aktuell fehlen den deutschen Schweinehaltern mehr als 50 € am Schwein – das ist ruinös für jeden Betrieb. Werden so Strukturen erst einmal zerstört, fehlen sie später auch für die hohen Unternehmensziele der Handelsunternehmen hinsichtlich der Haltung und Herkunft von Schweinen., ordnet ISN-Geschäftsführer die aktuelle Situation ein und folgert weiter: Konsequent wäre es, wenn die betreffenden Handelsunternehmen diesen Widerspruch schnell ausräumen. Gerade zu Jahresbeginn sind Absatzimpulse für Schweinefleisch statt Anti-Fleisch-Wochen dringend notwendig. Dr. Staack stellt aber auch klar: Ausdrücklich nicht gemeint sind dauerhafte Preissenkungen von Schweinefleischprodukten in der Ladentheke auf dem Rücken der Erzeuger, mit denen sich bereits einzelne Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (wie z.B. aktuell Aldi Süd) als Preisführer profilieren wollen. Im Gegenteil: Wer höchste Ansprüche an die Erzeuger stellt, darf diese gerade in schwierigen Marktphasen preislich nicht fallen lassen. Was wir brauchen, sind ganz gezielt gesetzte Werbeaktionen, mit denen der Fleischabsatz spürbar befeuert wird.
Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen sich zum Fleisch aus Deutschland bekennen
Natürlich erkennen wir ausdrücklich an, dass verschiedene Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel sich sehr stark zur Herkunft Deutschland beim Schweinefleisch bekennen, so ISN-Geschäftsführer Staack. Er fordert: Unternehmen aus dem Außer-Haus-Verzehr (mit Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung) und der Verarbeitung, müssen es denen aus dem Lebensmitteleinzelhandel erst einmal gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Das ist lange überfällig! Denn die Mengen an Schweinefleisch, die in diese Absatzkanäle geliefert werden, sind erheblich.
ASP-Jahresbilanz 2025: Deutlich weniger Fälle bei Wildschweinen zum Jahresende
Die monatliche Entwicklung der ASP-Fallzahlen zeigt ab Mitte des Jahres einen deutlichen Rückgang

Die monatliche Entwicklung der ASP-Fallzahlen zeigt ab Mitte des Jahres einen deutlichen Rückgang (© ISN nach TSIS)
Die Jahresbilanz zeigt: Das ASP-Geschehen in Deutschland hat sich Ende 2025 ein wenig entspannt und lässt zum Jahresbeginn etwas aufatmen. Nach einem Start mit hohen Fallzahlen hat sich die Lage im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2025 spürbar beruhigt – ein Blick auf die vollständigen Daten im letzten Jahr zeigt, wie deutlich die Entwicklung war.
Die ASP-Lage in Deutschland hat sich im Verlauf des letzten Jahres entspannt. Laut Daten des TierSeuchenInformationsSystems des Friedrich-Loeffler-Instituts (TSIS) wurden im gesamten Jahr 2025 1.994 ASP-Fälle festgestellt. (Stand 31.12.2025) Nach hohen Fallzahlen zu Jahresbeginn hat sich das Geschehen im weiteren Verlauf deutlich beruhigt. Besonders im dritten und vierten Quartal zeigt sich ein klarer Abwärtstrend, sodass die Lage aktuell vergleichsweise stabil ist.
Deutlicher Rückgang im Jahresverlauf
Während im ersten Quartal und zweiten Quartal insgesamt 1.623 ASP-Fälle gemeldet wurden, sanken die Zahlen ab Sommer deutlich. Trotz dass Mitte Juni der ASP-Ausbruch in Nordrhein-Westfalen gemeldet worden ist und im Hochsauerlandkreis ein neues Geschehen dazugekommen ist, brach die Kurve bei den ASP-Fällen ab Mitte des Jahres deutlich ein: Im dritten Quartal wurden nur noch 224 Fälle registriert, im vierten Quartal bislang lediglich 147. Damit ist der Rückgang klar erkennbar – ein positives Signal für die Bekämpfung der ASP in Deutschland.
Regionaler Schwerpunkt in Hessen
Besonders betroffen von der ASP war im letzten Jahr Hessen – allein in diesem Bundesland wurden laut TSIS im Jahr 2025 über 1.600 ASP verzeichnet. Seit Mai hat sich die Lage auch dort immer mehr entspannt – aktuell treten allerdings immer noch weiter vereinzelt Nachweise auf. In Nordrhein-Westfalen kam es Mitte Juni im Kreis Olpe zu einem Ausbruch, der die Zahlen kurzzeitig steigen ließ. Dank schneller und konsequenter Maßnahmen konnte die Ausbreitung eingedämmt werden – doch es werden ebenfalls noch regelmäßig ASP-Funde gemeldet. Insgesamt verzeichnete NRW 2025 im Vergleich zu Hessen nur ein Bruchteil an Fällen, und zwar 289.
Andere Bundesländer fast frei - Restriktionszonen verkleinert
In anderen Bundesländern wie Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ist die Lage inzwischen ruhig: Brandenburg und Rheinland-Pfalz meldeten 2025 jeweils nur 17 Fälle (zuletzt im Mai und im September), in Baden-Württemberg gab es 26 Fälle (letzter Fall im Juli) und in Sachsen lediglich einen einzigen ASP-Fall im Februar. In vielen Regionen konnten daher die Restriktionszonen bereits verkleinert oder aufgehoben werden.
Besonders erfreulich: Kein einziger schweinehaltender Betrieb war in 2025 von ASP betroffen. Das zeigt, dass die Biosicherheitsmaßnahmen der Schweinehalter greifen und wirksam sind. Seit Beginn diesen Jahres wurden 3 ASP-Fälle in NRW gemeldet (Stand 05.01.2026).
Ausblick: Wachsamkeit bleibt notwendig
Trotz des positiven Trends bleibt das Risiko einer Einschleppung nach wie vor bestehen. Es sind mehrere EU-Länder von der ASP betroffen, ein neuer Eintrag ist jederzeit möglich. Das zeigt erst der kürzliche ASP-Ausbruch in Spanien. Umso wichtiger ist es daher, dass alle Schweinehalter weiter auf eine hohe Hygiene in ihrem Betrieb achten, konsequent Biosicherheitsmaßnahmen einhalten und höchste Vorsicht walten lassen. Nur so kann die positive Entwicklung des letzten Jahres auch in 2026 fortgesetzt werden.
Aujeszky-Krankheit (AK) in Ungarn und Warnung an die Schweineproduzenten.
Am letzten Tag des Jahres 2025 entdeckte Ungarn einen Ausbruch der Aujeszky-Krankheit (auch bekannt als Pseudorabies) in der Nähe der Grenze zu Kroatien auf einem Bauernhof mit über 7.000 Schweinen.
Die Infektion wurde auf einem Schweinebetrieb mit 7.322 Tieren in Somogyszob im Südwesten Ungarns festgestellt. Der Bericht an die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) ergab, dass 65 Tiere infiziert waren und klinische Symptome der Viruserkrankung zeigten. Dazu gehörten eine erhöhte Ferkelsterblichkeit und Fehlgeburten.
Der Ausbruch wurde am 6. Januar vom ungarischen Referenzlabor bestätigt. Das Land meldete außerdem einen einmaligen Ausbruch der Aujeszky-Krankheit auf einem Bauernhof im November 2021.
Infektionen an anderen Stellen des Schweinebetriebs
Das ungarische Landwirtschaftsministerium hat mitgeteilt, dass Infektionen auch an zwei weiteren Standorten des landwirtschaftlichen Betriebs festgestellt wurden. Diese Standorte befinden sich im selben Komitat Somogy an der Grenze zu Kroatien. An einem vierten Standort des Betriebs wurde das Virus laut Ministerium nicht nachgewiesen. Die Betriebe wurden gesperrt.
Ungarn gilt seit 2015 offiziell als frei von der Aujeszky-Krankheit. Um diesen Status aufrechtzuerhalten, müssen strenge Protokolle eingehalten werden. Daher werden Schweine auf den betroffenen Betrieben gekeult, und andere Betriebe im Umkreis von 2 km um die betroffenen Standorte werden genauestens überwacht. Zudem wurde ein Transportverbot verhängt.
Aujeszky-Krankheit: Eine meldepflichtige Krankheit
Die Aujeszky-Krankheit ist eine meldepflichtige Tierseuche. Infizierte Tiere können Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Nervosität und Speichelfluss zeigen. Bei Ferkeln kann die Sterblichkeit bis zu 100 % betragen.
Wildschweine sind die einzigen Tiere, die das Virus übertragen können. Viele andere Arten sind zwar für das Virus empfänglich, übertragen es aber nicht. Ende 2025 wurden auch im Herzen Frankreichs Infektionen mit dem Virus festgestellt – diese traten bei in Gefangenschaft gehaltenen Wildschweinen auf.
Als Folge des Ausbruchs haben die Behörden auch in anderen Teilen Europas, beispielsweise in den Niederlanden, die Viehtransporteure dringend aufgefordert, ihre Fahrzeuge für Paarhufer bei der Rückkehr aus Ungarn besonders gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.
Deutschland diskutiert über steigende Zahl von Haustieren
- Deutschland erlebt eine steigende Zahl an Haustieren – besonders bei Katzen und Hunden – und daraus entsteht eine breite Diskussion über Verantwortung, Kosten und Tierwohl.
- Der Trend hängt eng mit dem Alltag vieler Haushalte zusammen: mehr Single-Leben, eine alternde Gesellschaft und neue Arbeitsmodelle verändern die Tierhaltung.
- Parallel wächst der Tiermarkt: Futter, Zubehör, Services und Tiermedizin legen zu, während sich der Handel stark Richtung Online verlagert.
- Neue Angebote wie Tier-Tagesstätten, Gassi-Services oder mobile Tierarztpraxen werden normal – vor allem in Städten.
- Die Schattenseite: Tiervermehrung und Impulskäufe erhöhen den Druck auf Tierheime und machen Aufklärung wichtiger denn je.
In vielen Gesprächen, ob am Gartenzaun, in der S-Bahn oder in den Kommentarspalten lokaler Zeitungen, taucht in Deutschland ein Thema immer wieder auf: die wachsende Präsenz von Haustieren im Alltag. Was früher „Hund oder Katze“ als private Entscheidung war, wird zunehmend als gesellschaftliche Frage verhandelt – weil mehr Tiere auch mehr Verantwortung bedeuten. Die Diskussion dreht sich um steigende Kosten, überlastete Tierarztpraxen, den Umgang mit Tieren in Mietwohnungen und um das Tierwohl in einer Zeit, in der alles schneller, digitaler und teurer geworden ist.
Der Trend ist nicht zufällig. Viele Haushalte verändern sich: Menschen leben länger, häufiger allein und räumlich weiter voneinander entfernt. Haustiere füllen dabei nicht einfach eine Lücke, sondern strukturieren Tage, stiften Routine und schaffen Kontakt – selbst auf der Straße, wenn ein Hund „Small Talk“ möglich macht, der sonst ausbleibt. Gleichzeitig wächst ein ganzer Tiermarkt, der von Premiumfutter bis Physiotherapie für Senioren-Hunde reicht. Wer heute über die steigende Zahl von Haustieren spricht, spricht also immer auch über Demografie, Konsum, Stadtleben und über die Frage, wie eine moderne Tierhaltung fair für Mensch und Tier gelingen kann.
Deutschland und die steigende Zahl von Haustieren: Was steckt hinter der Debatte?... .
Sprachverständnis von Tieren: Hochbegabte Hunde lernen Wörter durch Mithören
Manche Hunde lernen neue Begriffe, indem sie Gesprächen zwischen Menschen lauschen. Beherrscht ein Hund das, ist er ein Ausnahmetalent.
Einige Vierbeiner lernen neue Wörter allein dadurch, dass sie Gesprächen zwischen Menschen folgen. Schlaue Hunde merken sich selbst dann, welche Lautfolge zu welchem Gegenstand gehört, wenn Wort und Objekt nicht zur selben Zeit auftauchen. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Science« erschienen ist.
Untersucht hat das ein Forschungsteam um die Kognitionswissenschaftlerin Shany Dror von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. Im Mittelpunkt standen sogenannte »gifted word learner«, eine sehr kleine Gruppe hochbegabter Hunde, die bereits ungewöhnlich viele Spielzeuge mit Namen unterscheiden konnten. Zehn dieser Superhunde nahmen an den Experimenten teil. Zum Vergleich testeten die Forschenden zusätzlich zehn typische Familienhunde ohne besonderen Wortschatz.
Zunächst bekamen die Hunde mit, wie ihre Bezugsperson mit einer weiteren Person über ein neues Spielzeug sprach. Die Menschen saßen zum Beispiel am Tisch und unterhielten sich über einen Stoffdino namens »Sinclair«. Die Hunde waren im gleichen Raum, wurden aber bewusst ignoriert: kein Blickkontakt, keine Ansprache… .
