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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Weihnachtsfeier: Was ist erlaubt – und wann droht sogar eine fristlose Kündigung?
Jetzt ist wieder die Zeit der Weihnachtsfeiern. Und was, mehr oder weniger, solch eine Feier (mit viel Alkohol ?!) zur Folge haben kann, beschäftigte anscheinend wohl schon einige Gerichte.
"Weihnachtsfeiern sorgen oft für gute Stimmung – doch jedes Jahr entstehen rund um betriebliche Feiern arbeitsrechtliche Konflikte. Denn auch wenn der Rahmen locker wirkt: Eine betriebliche Weihnachtsfeier ist rechtlich eng mit dem Arbeitsverhältnis verbunden. Entsprechend können Fehltritte hier ernsthafte Folgen haben.
Wann kann es richtig ernst werden?
Gerichte haben in den vergangenen Jahren mehrfach bestätigt, dass grobes Fehlverhalten eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann". Was als besonders kritisch gilt, lesen Sie im Beitrag.
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Hier Ferkelerzeugung und Schweinemast
Das Thünen-Institut (Autoren: Deblitz C, Meiners H, Efken J (2025) hat diese bemerkenswerte pdf-Datei zur „Ferkelerzeugung und Schweinemast“ herausgegeben, aus der Sie eine Menge Informationen "herausholen" können.

Ein Auszug:
Der starke Rückgang der Schweinebestände und die daraus resultierende Produktion haben sich im Jahr 2023 und 2024 abgeschwächt. Mit Anteilen von 49 Prozent des Verbrauchs und 59 Prozent der Produktion bleibt Schweinefleisch dennoch die bedeutendste Fleischart, allerdings mit abnehmender Tendenz.
Bei den Bestandszahlen ist zu beachten, dass diese eine Stichtagserhebung darstellen und insbesondere bei den Ferkeln, Jung-, und Mastschweinen unter der Zahl der jährlich gehaltenen bzw. geschlachteten Tiere liegen. Dies liegt daran, dass die durchschnittliche Mastdauer bei 112 Tagen liegt und daher pro Jahr mehrere Durchgänge in einem Betrieb erfolgen. • Die Anzahl der Sauen liegt bei 1,39 Millionen und ist in den letzten 10 Jahren um etwa 30 Prozent zurückgegangen.
Die Zahl der Ferkel beträgt ungefähr 6,5 Millionen und lag damit leicht über dem Vorjahreswert.
• Die Anzahl Mastschweine über 50 kg liegt bei etwa 9,4 Millionen. Addiert man die Jungschweine mit 20-50 kg dazu, ergibt sich eine Anzahl von gut 13 Millionen.
• Die Zahl der Mastschweine ist in den letzten 10 Jahren um rund 25 Prozent gesunken, die Zahl der gehaltenen Ferkel ebenfalls um 23 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Mastschweine um ca. 319 000 Stück reduziert, während die Zahl der Ferkel um etwa 87 000 Tiere gestiegen ist.
• Im Jahr 2025 ist ein weiterer leichter Anstieg der Bestände bei Ferkeln zu erkennen. Dies ist bei leicht sinkenden Sauenbeständen auf den Anstieg der Ferkelimporte zurückzuführen. Der überwiegende Teil dieser Ferkel stammt aus Dänemark, wo derzeit eine Ausmast der Ferkel aufgrund niedriger Schweinepreise nicht rentabel ist…. .
Hier downloaden SIe den Steckbrief Ferkelerzeugung+Schweinemast
Online Veranstaltung: Entwicklung der Nutztiere in unserer Kultur
Herzliche Einladung zu unserem Online-Seminar
TIER um 7 am 18. Dezember 2025, 19:00 Uhr mit Univ.Prof. Dr. Alfred HAIGER (ein guter Freund und auch Referent der AVA)

Unsere heutige Landwirtschaft steht am Scheideweg: industrielle Tierhaltung, ausgelaugte Böden, globale Abhängigkeiten und der Verlust gewachsener Kulturlandschaften prägen das Bild. Doch es gibt Alternativen – und historisch gewachsene Antworten auf aktuelle Krisen.
In seinem Vortrag zeigt Univ.Prof. Dr. Alfred Haiger, wie sich die Haltung und Rolle der Nutztiere über die Jahrhunderte entwickelt hat – und warum gerade Wiederkäuer wie Kühe für die Ernährungssouveränität, Bodenfruchtbarkeit und den Erhalt ökologischer Kreisläufe von zentraler Bedeutung sind.
Er räumt mit der Illusion unbegrenzten Wachstums auf, macht die Folgen der kapitalistisch-industriellen Landwirtschaft deutlich – und skizziert einen Weg, wie biologische, flächengebundene Tierhaltung zu einer gesunden Ernährung und einer lebenswerten Zukunft beitragen kann.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Landwirtschaft im Gleichgewicht – mit Mensch, Tier und Natur.
Vogelgrippe in Niedersachsen - Kritik an Massenkeulungen
Mehr als eine Million Tiere mussten in Niedersachsen in diesem Jahr wegen der Vogelgrippe bereits getötet werden. Die Tierschutzbeauftragte fordert ein anderes Vorgehen.
Niedersachsens Tierschutzbeauftragte kritisiert den Umgang mit der Vogelgrippe. «Aus Sicht des Tierschutzes halte ich die Bekämpfung der Seuche für fragwürdig - und auch ethisch nicht mehr für vertretbar», sagte Julia Pfeiffer-Schlichting der «Nordwest-Zeitung».
«Das massenhafte Keulen von Tieren wird von der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert.» Die Tierschutzbeauftragte wünscht sich mehr Prävention im Kampf gegen die Vogelgrippe. «Wo präventive Maßnahmen möglich sind, müssen sie auch Pflicht sein», fordert Pfeiffer-Schlichting. Noch vor Jahren sei die Seuche eher selten aufgetreten, inzwischen gebe es ganzjährig Ausbrüche.
Mehr als eine Million Tiere gekeult
Seit Jahresbeginn sind in Niedersachsen mehr als eine Million Tiere wegen der Vogelgrippe getötet worden. Betroffen sind dem Agrarministerium zufolge vor allem Hühner und Puten. Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist eine bei vielen Vogel- und Geflügelarten häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit.
Der niedersächsische Landtag befasst sich heute mit der Ausbreitung der Seuche. Die CDU fordert ein entschlossenes Vorgehen: «Wenn die Regierung zaudert, leiden Tiere und Landwirtschaft», heißt es in ihrem Antrag. Die Grünen thematisieren die Lage der Großställe und wollen vor allem Prävention und Resilienz verbessern.
Vitamin Dependency in Europe: Risks, Realities & Resilience
Webinar am 27. November 2025, 11.00 - 12.00 Uhr
Vitamin Dependency in Europe: Risks, Realities & Resilience
Date: November 27, 2025
Time: 11:00 am – 12:00 pm CET
Language: English
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Antimikrobielle Peptide können Salmonellen bei Hühnern reduzieren
Entdeckung könnte dazu beitragen, die Lebensmittelsicherheit zu verbessern und die öffentliche Gesundheit zu schützen, ohne auf den Einsatz von Antibiotika angewiesen zu sein
Antimikrobielle Peptide können Salmonella-Infektionen bei Hühnern kontrollieren und haben somit das Potenzial, die Lebensmittelsicherheit und die öffentliche Gesundheit zu verbessern, so eine neue Studie. Die Studie wurde in Microbiology Spectrum, einer Zeitschrift der American Society for Microbiology, veröffentlicht.
"Antimikrobielle Peptide haben das Potenzial, eine Alternative zu Antibiotika zu sein und könnten so die Antibiotikaresistenz eindämmen", sagte der Autor der Studie, Gireesh Rajashekara, BVSc, Ph.D., Professor und stellvertretender Dekan für Forschung und fortgeschrittene Studien, Abteilung für Pathobiologie, College of Veterinary Medicine, University of Illinois Urbana-Champaign. "Diese Peptide können nicht nur Salmonellen abtöten, sondern auch andere verwandte bakterielle Krankheitserreger wie E. coli, so dass sie bei der Bekämpfung eines breiten Spektrums von Krankheitserregern wirklich wertvoll sein könnten.
Die Forscher führten ihre Studie durch, um Antibiotika-Alternativen zur Bekämpfung von Salmonellen bei Hühnern zu finden. Salmonellen sind eine der Hauptursachen für lebensmittelbedingte Krankheiten in den USA, und Hühner und Hühnerprodukte (Eier und Fleisch) gelten als die Hauptüberträger von Salmonelleninfektionen beim Menschen.
Antimikrobielle Peptide, kurze Ketten von Aminosäuren, haben das Potenzial, schädliche Bakterien abzutöten, ohne eine Resistenz gegen Antibiotika hervorzurufen. In der neuen Studie identifizierten die Forscher eine Reihe von antimikrobiellen Peptiden, die viele verschiedene Arten von Salmonellen im Reagenzglas abtöten konnten, und zeigten dann, dass sie auch Salmonellen in Hühnern abtöten können. Die antibakterielle Aktivität der Peptide ist wahrscheinlich auf ihre Wirkung auf die Salmonellenmembranen zurückzuführen. Den Forschern zufolge behalten die Peptide ihre Wirkung auch bei Hitze- und Proteasebehandlungen - Eigenschaften, die für den Einsatz antimikrobieller Produkte in der Geflügelindustrie erforderlich sind… .
Klimaschutz: EU-Länder wollen Emissionen bis 2040 um 90 Prozent reduzieren
Nach mehr als 18 Stunden langem Feilschen steht das europäische Klimaziel für 2040 endlich fest. Erreicht werden soll es auch mit Hilfe aus dem außereuropäischen Ausland.
Kurz vor der Weltklimakonferenz COP 30 in Brasilien haben sich die Umweltminister der EU-Mitgliedsstaaten auf ein Klimaziel für 2040 festgelegt. Sie wollen die Treibhausgasemissionen bis 2040 um mindestens 90 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Fünf Prozentpunkte davon sollen jedoch durch Deals mit dem außereuropäischen Ausland erkauft werden können. Zudem wird der Start des Emissionshandels für die Bereiche Verkehr und Gebäude um ein Jahr auf 2028 verschoben, da einige Länder Bedenken wegen steigender Benzin- und Heizkosten hatten. Die Minister hatten in teils chaotischen, mehr als 18 Stunden andauernden Beratungen um eine Einigung gerungen, über die nun noch mit dem Europaparlament verhandelt werden muss.
Nach Deutschland habe nun auch die EU ein verbindliches starkes Klimaziel für 2040, erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD, der Deutschland bei den Verhandlungen vertrat. »Das ist ein wichtiger Fortschritt für das Klima und eine gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft, weil es gleiche Wettbewerbsbedingungen gibt«, sagte er. Er nannte es ein gutes Ergebnis.
Den Klimaschutzplan muss die EU nun für die Weltklimakonferenz bei den Vereinten Nationen einreichen. Die Zeit drängt: Die Konferenz in Brasilien beginnt in wenigen Tagen. Zwei Fristen, im Februar und zuletzt im September, wurden schon gerissen, weil sich die Mitgliedsstaaten nicht einig geworden waren… .
2. Rindertagung der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) in Bayern: Für alle teilnehmenden Nutztierärzte und -tierärztinnen ein fachlicher „Gewinn“
Die Tierärztefortbildung der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Milchviehbetrieben“ „lockte“ Tiermediziner:innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, und Südtirol

Rund 100 Tierärztinnen und Tierärzte der Rindertiermedizin besuchten die 2. Rindertagung der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) im mittelfränkischen Herrieden
Das Tagungsmotto der 2. AVA-Rindertagung für Tierärzte „Herausforderungen und Lösungsvorschläge in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Milchviehbetrieben“ wurde durch ein breit gefächertes Vortragsprogramm abgedeckt. Die Referenten, allesamt anerkannte Experten aus Wissenschaft und Praxis, beleuchteten die Thematik aus verschiedenen Perspektiven und boten praxisnahe Lösungsansätze.
Prof. Dr. Kaske aus Zürich eröffnete die Tagung mit einem Rückblick und Ausblick unter dem Titel „Rinderpraxis gestern – heute – morgen: Probleme und Perspektiven“. Darauf folgte ein Beitrag von Diplomagraringenieurin Timm-Guri (BBV) zur aktuellen Situation und Zukunft der Tierhaltung in Süddeutschland. Dr. Kunz aus Kiel gab ein Update zur Beratung in der Kälberfütterung und -haltung, während Dr. Böttcher und Dr. Christian die aktuelle Tierseuchenlage sowie Maßnahmen zur Bekämpfung viraler und bakterieller Erreger darstellten.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der praktischen Umsetzung tierärztlicher Strategien. So präsentierte Dr. Andre Hüter aus Hamminkeln seinen „tierärztlichen Erfahrungsbericht aus der Praxis für die Praxis“ in Form eines strategischen Rundgangs durch den Milchviehstall, der lebhaft diskutiert wurde.
Ein weiterer wichtiger Beitrag von Dr. Dirk Hömberg aus Münster widmete sich den „nicht-tierärztlichen Einflüssen“ auf Mastitiden. Er zeigte auf, wie Faktoren außerhalb der direkten tierärztlichen Behandlung erkannt und korrigiert werden können, um Euterinfektionen vorzubeugen. Auch dieses Thema stieß auf großes Interesse, da es über das klassische Veterinärstudium hinausgeht, aber für die Bestandsbetreuung von großer Bedeutung ist.
Aus dem universitären Bereich ergänzte Dr. Annette Lorch von der LMU München mit einem Update zur Diagnose und Therapie von Labmagenproblemen bei Kälbern, einem häufig auftretenden und komplexen Krankheitsbild.
Rechtliche Fragestellungen wurden ebenfalls umfassend behandelt. Dr. jur. Wolfgang Hansen, spezialisierter Tiermedizinanwalt aus Starnberg, berichtete aus seiner Praxis über den Umgang mit tierärztlichen Haftungsfragen vor Gericht. Ergänzend dazu thematisierte Dr. Michael Schmaußer aus Freising die Herausforderungen im Tierarzneimittelrecht beim Rind, insbesondere die Grenzen, Grauzonen und Konsequenzen, was zu intensiven und teils emotionalen Diskussionen führte.
Die durchweg positiven Rückmeldungen der Teilnehmer spiegeln die hohe Qualität und Relevanz der Fortbildung wider. AVA-Chef EG Hellwig zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Tagung und kündigte bereits die 3. AVA-Rindertagung für Herbst 2026 an.
Insgesamt bot die 2. Rindertagung der AVA eine wertvolle Plattform für den fachlichen Austausch und die Weiterbildung von Tierärztinnen und Tierärzten im Bereich der Milchviehbestandsbetreuung – ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Tiergesundheit und nachhaltigen Landwirtschaft.
Weitere Infos zu AVA-Veranstaltungen und wichtige Infos zu Tiermedizin und Landwirtschaft sind unter www.ava1.de zu finden.
KI-gestützte Ernährungsstudie belegt: "Fünf Portionen täglich" halten den Arzt fern
Es ist wichtig, sich regelmäßig gesund zu ernähren
In einer neuen Studie, die KI und maschinelles Lernen einsetzt, haben EPFL-Forscher herausgefunden, dass nicht nur das, was wir essen, sondern auch die Art und Weise, wie wir es konsistent essen, eine entscheidende Rolle für die Darmgesundheit spielt.
Die Darmmikrobiota ist die Gemeinschaft von Mikroorganismen, darunter Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroben, die in unserem Verdauungssystem leben - einige dieser Mikroben sind hilfreich, andere können schädlich sein.
Viele frühere Studien haben gezeigt, dass unsere Ernährung einen Einfluss auf unsere Darmmikrobiota hat. Eine gesunde Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Ballaststoffen und Nüssen ist, steht in engem Zusammenhang mit einer größeren mikrobiellen Vielfalt und einer besseren Magengesundheit.
Kleine Änderungen in der Ernährung könnten Ihnen helfen, gesünder und nachhaltiger zu leben
Nun hat die EPFL-Forschung zum ersten Mal gezeigt, dass die Regelmäßigkeit, mit der wir uns gesund ernähren, für die Darmgesundheit ebenso wichtig ist wie die Menge dessen, was wir zu uns nehmen.
In einer neuen Arbeit, die soeben in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, haben Forschende des EPFL-Labors für Digitale Epidemiologie, das sowohl zur Fakultät für Informatik und Kommunikation als auch zur Fakultät für Biowissenschaften gehört, frühere Forschungsergebnisse bestätigt, wonach bestimmte Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse zu einer vielfältigeren Darmmikrobiota beitragen. In Zusammenarbeit mit Kollegen von der University of California, San Diego, machten sie außerdem mehrere bemerkenswerte neue Entdeckungen…. .
Sachverständige für Fortsetzung der Stromsteuer-Senkung
Mehrere Sachverständige haben sich in einer öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses am Montag, 03.11., für über die Pläne der Bundesregierung hinaus gehende Entlastungsmaßnahmen bei der Stromsteuer ausgesprochen. In der vom amtierenden Vorsitzenden Christian Görke (Die Linke) geleiteten Anhörung erklärte Mareike Drexler-Röckendorf vom Zentralverband des deutschen Handwerks, die Verschiebung der im Koalitionsvertrag noch angekündigten allgemeinen Senkung des Stromsteuersatzes auf das europäische Mindestmaß gebe das falsche Signal an die Betriebe, die nicht zum Produzierenden Gewerbe zählen, und an die Verbraucher. „Ein solches Vorgehen ist den Betrieben nicht vermittelbar und schwächt das Vertrauen in das politische Handeln“, kritisierte sie. Es müssten auch die Betriebe entlastet werden, die energieintensiv seien, aber nicht zum Produzierenden Gewerbe zählten.
Florian Munder (Verbraucherzentrale Bundesverband) wies darauf hin, dass die privaten Haushalte in Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor einen der höchsten Strompreise zu zahlen hätten. Er kritisierte, dass Privathaushalte im Entwurf der Bundesregierung nicht berücksichtigt würden, obwohl dies im Koalitionsvertrag angekündigt worden sei. Das sei ein „Wortbruch“. Würde die Stromsteuer für Privathaushalte auf den europäischen Mindestsatz gesenkt, würde dies bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr eine Entlastung von 83 Euro jährlich bedeuten.
Der von der Bundesregierung eingebrachte Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes (21/1866) sieht die Fortsetzung der Senkung der Stromsteuer auf das EU-rechtliche Minimum für Unternehmen des Produzierenden Gewerbes und der Land- und Forstwirtschaft vor. Diese Entlastung würde ohne gesetzgeberische Maßnahmen ab Januar 2026 auslaufen, so dass die Strompreise für Unternehmen steigen würden. Außerdem ging es in der Anhörung um einen Antrag der AfD-Fraktion (21/2086), die eine Reduzierung der Stromsteuer „für alle“ auf das europäisch zulässige Minimum fordert.
Karoline Kampermann vom Verband der Automobilindustrie begrüßte die im Gesetzentwurf vorgesehene Entfristung der Stromsteuerentlastung für Unternehmen. Es seien jedoch weitergehende Maßnahmen im Bereich der Strom- und Energiesteuer dringend erforderlich, „um den Hochlauf klimaneutraler Antriebe nachhaltig zu unterstützen und den Elektromobilitätsstandort Deutschland zu stärken“.
Franz-Josef Holzenkamp vom Deutschen Raiffeisenverband unterstützte die Ziele des Gesetzes zur Entlastung und Bürokratievereinfachung. Er forderte den Gesetzgeber allerdings auf, den Agrarhandel der Landwirtschaft gleichzustellen, um damit eine nicht nachvollziehbare Ungleichbehandlung zu korrigieren. Der Agrarhandel übernehme seit Jahren zunehmend Aufgaben, die auf landwirtschaftlichen Betrieben stattfinden wie etwa die Erfassung, Reinigung, Kühlung und Einlagerung von Getreide und Raps. Der Handel müsse daher mit Landwirtschaft und Industrie gleichgestellt werden.
Professor Michael Rutemöller (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften) erklärte, die beabsichtigte Entfristung der Absenkung der Stromsteuerentlastung sei ausdrücklich zu begrüßen. „Diese Maßnahme sichert die Steuerentlastung für betroffene Unternehmen für die Zukunft ab und schafft damit dringend benötigte Rechtssicherheit.“
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie forderte, es müssten jetzt endlich die Steuersätze für erneuerbare Kraftstoffe - wie E-Fuels und nachhaltige biogene Kraftstoffe - sowohl bei Verwendung in Reinform als auch in der Beimischung idealerweise auf den Mindeststeuersatz des Vorschlags der EU-Kommission gesenkt werden. Die Branche in Deutschland befinde sich in einer schwierigen Lage. Produktionskapazitäten würden reduziert, Wertschöpfungsketten seien unter Druck geraten, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit seien perspektivisch gefährdet.
Dass Biomasse künftig nicht mehr zu den „erneuerbaren Energieträgern“ gehören soll, stieß auf massive Kritik von Sandra Rostek (Hauptstadtbüro Bioenergie). Dies widerspreche dem Unionsrecht, wonach Biomasse ausdrücklich als erneuerbare Energiequelle gelte. „Eine nationale Einschränkung auf Wind, Sonne, Wasser und Geothermie verletzt das unionsrechtliche Gleichbehandlungsgebot und widerspricht dem systematischen Ziel der Steuerbefreiung für dezentrale Eigenversorgung aus erneuerbaren Quellen und dem faktischen Gleichbehandlungsgrundsatz im Steuerrecht“, erklärte Rostek. Dieser Forderung schloss sich der Raiffeisenverband an, der davor warnte, die Energiewende im ländlichen Raum zu gefährden.
Dirk Jansen (Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung) nannte den Gesetzentwurf eine sinnvolle Maßnahme zu Entlastung der Industrie. Auf Forderungen nach Einbeziehung aller energieintensiven Unternehmen reagierte er skeptisch. Im Gegensatz zur Industrie würden diese Unternehmen nicht so stark im internationalen Wettbewerb stehen.
Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

