Rufen Sie uns an: +49 (0) 2551-78 78
NEWS
von der AVA und aus der Branche
Veterinäramt Offenbach warnt vor Tularämie (Hasenpest)
Kurz vor den Feiertagen droht Gefahr – ausgerechnet vom und für das Symbol des Osterfestes: Das Veterinäramt des Kreises Offenbach warnt vor der Hasenpest.
Dietzenbach - Die hochansteckende Tierkrankheit kann auch für Menschen und Hunde gefährlich werden. In den vergangenen Monaten hatte es bereits Fälle in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sowie im Saarland gegeben, nun hat die Hasenpest (Tularämie) Hessen erreicht. Auch wenn im Kreis Offenbach bislang noch kein Fall nachgewiesen ist, rät das Veterinäramt zu erhöhter Vorsicht beim Umgang mit wildlebenden Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen. Diese Tiere sollen nicht angefasst werden.
Mit der für Hasen und Kaninchen meist tödlichen Krankheit können sich auch Tiere wie Mäuse, Ratten oder Eichhörnchen infizieren. Eine Übertragung auf Menschen ist über Haut- und Schleimhautkontakt mit einem infizierten Tier möglich, auch der Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Hasenfleisch kann für Menschen infektiös sein. Da an den Osterfeiertagen oft Kaninchenfleisch zum Festessen gehört, rät das Veterinäramt, das Fleisch „immer vollständig durchzubraten“.
Der Erreger sei „widerstandsfähig“, auch Einfrieren töte ihn nicht ab. „Kontaminierter Staub oder Aerosole, eventuell auch Stiche infizierter Insekten oder Zecken, können das Bakterium übertragen“, warnt das Veterinäramt. „Die Krankheit kann zusätzlich von Raubvögeln, die infizierte Nagetiere erbeuten, verschleppt werden“, heißt es weiter. Auch Hunde könnten sich anstecken.
RKI: Übertragung auf Menschen selten
„Bei Menschen, die sich mit der Hasenpest infiziert haben, treten grippeähnliche Symptome mit Fieber, oft in Verbindung mit Erbrechen, Durchfall oder Atemnot, auf“, informiert der Kreis. Auch schlecht heilende Hautwunden seien möglicherweise Zeichen einer Infektion. Das Veterinäramt weist darauf hin, dass für die Krankheit eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz und Tierseuchenrecht besteht. Laut RKI beträgt die Inkubationszeit des Hasenpest-Erregers bis zu 14 Tage, „eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt“. Tularämie kann mit Antibiotika behandelt werden…. .
Tiermisshandlung und -vernachlässigung: Ausschuss lehnt Expertenanhörung ab
Nach einem erneuten Fall von mutmaßlicher Tiermisshandlung mit toten Rindern auf einem Bauernhof hat sich der Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz im Landtag mit dem Thema befasst - jedoch ohne greifbares Ergebnis. Anträge von Grünen und SPD wurden mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD abgelehnt.
Mehrfach waren auf Bauernhöfen tote und vernachlässigte Tiere entdeckt worden, unter anderem in Bad Grönenbach im Allgäu und zuletzt in Griesstätt bei Rosenheim. Tierschützer und in einem Fall Privatleute hatten auf die Missstände zuerst aufmerksam gemacht.
Vorerst keine Anhörung mit Sachverständigen
Die Grünen wollten eine Sachverständigen-Anhörung im Agrarausschuss erreichen, um mögliche strukturelle Probleme und Maßnahmen für effektivere Kontrollen zu identifizieren. Es gehe um großes Tierleid und großes menschliches Leid, sagte der grüne Landtagsabgeordnete Paul Knoblach. Man übe nicht Kritik an Amtstierärzten. Die Frage sei: «Wie können wir hier besser werden im Sinne von Hilfe für die Menschen und Tiere?»
Die CSU-Abgeordnete Petra Loibl sah keine Veranlassung, Fachleute anzuhören. Auch eine engmaschige Überwachung und «neben jedes Tier einen Kontrolleur stellen» werde das Problem nicht lösen. Sie schloss sich Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) an, die kürzlich an die Aufmerksamkeit anderer Dorfbewohner appelliert hatte: «Wir müssen wieder eine Kultur des Hinschauens entwickeln», sagte Loibl. Behörden könnten nicht agieren wie Tierschützer, die unter anderem mit Kameras die Verstöße dokumentiert und so das Verfahren in Bad Grönenbach ins Rollen gebracht hatten.
SPD: Agrarministerium soll zuständig sein
Ebenfalls mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD abgelehnt wurde ein Antrag der SPD, nach dem die Zuständigkeit für Kontrollen vom Agrarministerium auf das Verbraucherschutzministerium übertragen werden sollten. Außerdem sollte die Staatsregierung zu möglichen Kontrollversäumnissen Stellung nehmen.
17 tote Tiere im Stall
Laut SPD gab es allein im laufenden Jahr fast ein halbes Dutzend Tierschutzverstöße im Freistaat. Zuletzt wurden auf einem Bauernhof in Griesstätt im Landkreis Rosenheim 14 tote Rinder und drei tote Schafe gefunden. Drei weitere Rinder mussten eingeschläfert werden.
Bundesweites Frühwarnsystem für den Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner gefährdet Bäume und kann bei Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen - zur Abschätzung der Gefahr gibt es nun ein bundesweites Frühwarnsystem. Das Online-Tool «PHENTHAUproc» liefert auch Anhaltspunkte, wann welche Gegenmaßnahmen sinnvoll sind.
| ||||
Kometian: Beratungsanfragen der komplementären Tiermedizin haben zugenommen
Der Verein Kometian steht für komplementäre Tiermedizin. An der vergangenen 10. Generalversammlung trafen sich Tierhalter, Tiermedizinerinnen und Vertreter von Institutionen und Firmen. Neben den üblichen Geschäften wurde auch der Abschluss des Wirkungsmonitorings durch das Fibl besprochen.
Rund 35 Personen nahmen an der 10. Generalversammlung des Vereins Kometian teil. Darunter Tierhalter, Tiermedizinerinnen und Vertreter von Institutionen und Firmen. Wie der Verein für komplementäre Tiermedizin schreibt, wurde die Versammlung einmal mehr in der Klosterherberge Baldegg AG durchgeführt.
Der Präsident Urs Brändli hat laut der Mitteilung des Vereins anlässlich der Versammlung darüber informiert, dass die erreichte Stabilität auch 2024 konsolidiert werden konnte. Weiterhin sei der Verein bestrebt, neue Projekte und Partnerschaften zu prüfen. Weiter wurde der Geschäftsbericht, die Jahresrechnung 2024, das Budget 2025 sowie die Mitgliederbeiträge 2026 durch die Mitglieder bestätigt.
Reduktion des Antibiotikaeinsatzes
Das unabhängige Wirkungsmonitoring des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) zum Ressourcenprojekt des Bundes konnte laut dem Verein im Berichtsjahr abgeschlossen werden. Im Rahmen des «Ressourcenprojekts Kometian zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes» konnte per 1. Januar 2016 ein Finanzhilfevertrag zwischen dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und dem Verein Kometian unterzeichnet werden… .
Neue FAO-Studie unterstreicht: Produktivitätssteigerung ist der Schlüssel zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Viehzucht
Eine neue Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und Forschungspartnern unterstreicht, dass die Verbesserung der Produktivität in der Viehzucht der Schlüssel zu einer deutlichen Reduzierung des weltweiten Antibiotikaeinsatzes ist.
Ohne gezielte Interventionen wird der Antibiotikaeinsatz in der Viehzucht bis 2040 voraussichtlich um fast 30 % steigen. Die neue, in Nature Communications veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt jedoch, dass strategische Produktivitätssteigerungen in der Viehzucht den prognostizierten Antibiotikaeinsatz um die Hälfte senken könnten.
Die Studie prognostiziert, dass der weltweite Antibiotikaeinsatz in der Viehzucht unter einem Business-as-usual-Szenario bis 2040 auf 143.481 Tonnen steigen könnte, was einem Gesamtanstieg von 30 % seit 2019 entspricht. Alternative Szenarien zeigen jedoch, dass der Antibiotikaeinsatz um bis zu 57 % gesenkt werden könnte, wenn die Produktivität der Viehzucht optimiert würde. Durch Verbesserungen der Tiergesundheit, der Managementpraktiken und der Produktionseffizienz könnte der Antibiotikaeinsatz bis 2040 auf etwa 62.000 Tonnen gesenkt werden
„Die Steigerung der Effizienz der Tierproduktion ist der Schlüssel zur Eindämmung des Antibiotikaeinsatzes“, sagte Alejandro Acosta, Viehwirtschaftsexperte der FAO und Hauptautor der Studie. „Indem wir mehr Lebensmittel tierischen Ursprungs mit der gleichen oder einer geringeren Anzahl an Tieren produzieren, können wir den Bedarf an Antibiotika für Nutztiere reduzieren und gleichzeitig die globale Ernährungssicherheit stärken.“
Diese Botschaft unterstreicht das globale Engagement zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen ( AMR ). Die AMR-Erklärung der UN-Generalversammlung von 2024 fordert eine deutliche Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft bis 2030. Das Erreichen dieses Ziels stellt erhebliche Herausforderungen dar, insbesondere in Regionen, in denen die Tierproduktion zur Deckung des wachsenden Nahrungsmittelbedarfs ausgeweitet wird.
„Die Akteure der gesamten Viehwirtschaft müssen zusammenarbeiten, um die Krankheitsprävention zu verbessern, die Überwachungssysteme zu stärken und in Innovationen zu investieren, die die Tiergesundheit verbessern und gleichzeitig die Abhängigkeit von Antibiotika verringern“, betonte Junxia Song, Senior Animal Health Officer der FAO und Co-Autorin der Studie.
Zur Unterstützung dieser Bemühungen hat die FAO kürzlich die Initiative „Reduzierung des Bedarfs an antimikrobiellen Mitteln in landwirtschaftlichen Betrieben für eine nachhaltige Transformation der Agrar- und Lebensmittelsysteme“ ( RENOFARM ) ins Leben gerufen. Dieses Programm bietet politische Leitlinien, technische Unterstützung und Kapazitätsaufbau, um Ländern dabei zu helfen, den Antibiotikaeinsatz einzuschränken und gleichzeitig eine nachhaltige Transformation der Viehzucht zu fördern.
„Die FAO setzt sich für die Transformation der Agrar- und Lebensmittelsysteme ein, indem sie den Bedarf an antimikrobiellen Mitteln reduziert, wie es RENOFARM tut. Dadurch werden nachhaltige Praktiken gefördert und die öffentliche Gesundheit geschützt“, sagte Thanawat Tiensin, stellvertretender Generaldirektor und Leiter der Abteilung Tierproduktion und -gesundheit der FAO.
Ein wichtiger Beitrag der Studie ist die Einführung der Livestock Biomass Conversion (LBC)-Methode, die die Genauigkeit der Schätzung der Nutztierbiomasse über verschiedene Arten, Produktionssysteme und Managementpraktiken hinweg verbessert. Dies ermöglicht eine präzisere Schätzung der Antibiotikaeinsatzintensität und ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern und Interessengruppen, effektivere Strategien zur Optimierung der Nutztierproduktion und zur Minimierung der Antibiotikaabhängigkeit zu entwickeln.
Die Studie „Die Zukunft des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung“ wurde von den FAO-Experten Alejandro Acosta, Wondmagegn Tirkaso, Francesco Nicolli, Giuseppina Cinardi und Junxia Song in Zusammenarbeit mit Thomas Van Boeckel von der Universität Zürich durchgeführt.
ASP: Fatale Ausbrüche mit zehntausenden gekeulten Schweinen
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich weiter aus. Sowohl in Moldawien als auch in Rumänien sind große Betriebe betroffen. Mehrere zehntausend Schweine mussten gekeult werden.
In den letzten zwei Wochen meldeten Moldawien und Rumänien neue Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in gewerblichen schweinehaltenden Betrieben.
In Moldawien waren auf einem Betrieb 68.3000 Schweine betroffen, in einem zweiten Bestand waren es 39.400 Tiere. Zwei weitere Ausbrüche betrafen kleine Hinterhofherden. Alle Schweine mussten gekeult werden. Das berichtet Feed Strategy und beruft sich auf die jüngsten Berichte der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH).
Damit steigt die Gesamtzahl der Ausbrüche bei Haustieren in Moldawien seit Anfang Dezember 2024 auf 37. Drei Ausbrüche darunter fanden in landwirtschaftlichen Betrieben statt, alle seit dem 8. März 2025.
Rumänien musste elf weitere Ausbrüche der Tierseuche in Hausschweinebeständen an die WOAH melden. Einer fand auf einem landwirtschaftlichen Betrieb statt, die anderen in Hinterhofhaltungen.
Insgesamt gab es in diesem Jahr bereits 145 Ausbrüche der ASP in Hausschweinebeständen in sieben europäischen Ländern. Die meisten Ausbrüche wurden in Rumänien (88), Moldawien (27) sowie in Serbien und der Ukraine (jeweils 11) registriert… .
Rinderpreise steigen explosionsartig – Rekordpreise für Kühen und Bullen
Die Rinderpreise steigen vor Ostern weiter. Vor allem Kühe sind teurer. Bullenpreise sind auf sehr hohem Niveau stabil. Noch ist kein Ende der Preisrallye zu sehen. Hauptgrund für die hohen Preise ist das knappe und weiter schrumpfende Angebot an Rindern..
Auf dem deutschen Schlachtrindermarkt werden knapp verfügbare weibliche Gattungen zu Beginn ersten Aprilwoche fortgesetzt fester bewertet. Im Bereich der Jungbullen überwiegen weiterhin sehr stabile Preise, sagen die Marktexperten der Vereingung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) zum Beginn dieser Woche.
Ähnlich berichten auch die Marktbeobachter der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: „Fallende Preise sind angesichts der knapp ausreichenden Versorgung nicht in Sicht“, heißt es dort. Vereinzelt wird von weiteren Preiserhöhungen berichtet. Diese werden vor allem durch die weiter steigenden Preise bei Schlachtkühen verursacht.... .
MKS: Neue Fälle in Ungarn - Österreich schließt Grenzübergänge
Während Deutschland nach MKS-Fällen im Januar offiziell MKS-frei außerhalb der Sperrzone ist, melden Ungarn und die Slowakei immer neue Ausbrüche. Die Sorge im Nachbarland Österreich ist groß.
Österreich schließt Grenzübergänge und setzt Weidepflicht für Biobetriebe aus
Das Ausbruchsgeschehen der Maul- und Klauenseuche (MKS) kommt in Ungarn und der Slowakei nicht zum Stehen. Die Behörden in Österreich setzen vermehrt Maßnahmen um eine Einschleppung der MKS zu verhindern, u.a. werden ab Samstag, 5. April, mehrere kleine Grenzübergänge geschlossen.
Außerdem wird die Weidepflicht für Biobetriebe in der Überwachungs- und weiteren Sperrzone bis auf Widerruf ausgesetzt. Die Betriebe können die Tiere austreiben. Allerdings muss sichergestellt sein, dass sie keinen Kontakt mit anderen gehaltenen Tieren gelisteter Arten haben und bestmöglich vor dem Kontakt mit wildlebenden Tieren gelisteter Arten geschützt sind.
Tierärzte und Landwirte fordern Stopp von Tiertransporten durch Österreich
Neue Fälle in Ungarn zeigen, wie schwer die Maul- und Klauenseuche einzudämmen ist. Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) fordert dringende Maßnahmen an der Grenze und den Stopp von Transittransporten.
Wegen MKS: Österreich macht 23 Grenzübergänge dicht
Mit Samstag schließt Österreich zwei Grenzübergänge in Niederösterreich, 21 im Burgenland zur Slowakei und Ungarn. Und es gibt Kontrollen in allen 660 Betrieben im Nord- und Mittelburgenland.
Maul- und Klauenseuche: Totschnig verweist im Landwirtschaftsausschuss auf getroffene Vorkehrungen
Erfüllung der Budgetvorgaben im Landwirtschaftsministerium möglich
Wegen der Grenznähe des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch in Österreich "etwas passiert". Man habe aber alle Vorkehrungen getroffen, um eine Ausbreitung der Krankheit in Österreich zu verhindern. Das betonte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig heute bei einer Aussprache über aktuelle Themen im Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats. So sei vom zuständigen Gesundheitsministerium sofort ein Krisenstab eingerichtet worden, der gut funktioniere. Auch Polizei, Bundesheer und Zoll würden die Bemühungen, einen Ausbruch in Österreich zu verhindern, unterstützen. Sollte es dennoch dazu kommen, würden budgetäre Mittel für Entschädigungen zur Verfügung stehen, sicherte Totschnig zu.
Was die notwendigen Sparmaßnahmen aufgrund der aktuellen Budgetlage betrifft, werden laut Totschnig voraussichtlich "Abstriche" beim Waldfonds, bei energieautarken Bauernhöfen und beim Agrardiesel hingenommen werden müssen. Zudem stellte er eine Auflösung von Rücklagen im Bereich der ländlichen Entwicklung in Aussicht. Bei den klassischen Agrarförderungen wie dem Umweltprogramm, der Investitionsförderung oder der Bio-Förderung werde es aber keine Kürzungen geben, bekräftigte er. Die allgemeine Vorgabe, 15 % bei den Sachausgaben einzusparen, ist aus seiner Sicht im Landwirtschaftsministerium jedenfalls möglich.
Weitere Themen der Aussprache waren u.a. die EU-Agrarpolitik, Bürokratieabbau, die Bio-Landwirtschaft und die Zulassung von Laborfleisch. In Bezug auf Vollspaltenböden in der Schweinehaltung hält Totschnig eine rasche Lösung für nötig.
Grenzschließungen zur Verhinderung der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche
In Bezug auf die Maul- und Klauenseuche bekräftigte Totschnig, dass alles darauf ausgerichtet sei, um ein Einschleppen der Seuche nach Österreich zu vermeiden. Die Auswirkungen wären enorm, warnte er. Dabei gehe es nicht nur um große wirtschaftliche Schäden für Betriebe, die ihren gesamten Tierbestand keulen müssten, auch landwirtschaftlicher Exporte wären stark betroffen. Zudem drohten jahrelange Zuchterfolge zunichte gemacht zu werden.
Auf den Ausbruch der Seuche in der Slowakei und Ungarn hat man Totschnig zufolge unter anderem mit Einfuhrverboten für bestimmte Tiere und Produkte reagiert. Zudem sollen ab morgen kleine Grenzübergänge zu Ungarn und der Slowakei geschlossen werden. Man müsse auch schauen, dass von Ostermärkten im Nachbarland nichts mitgenommen werde. Das Bundesheer hat laut Totschnig bei der Desinfektion von Fahrzeugen unterstützt, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner habe sofort "einen Zug losgeschickt". Totschnig appellierte auch an die Betriebe, keine fremden Leute in die Ställe zu lassen und andere Hygienemaßnahmen wie saubere Kleidung zu beachten.
Von FPÖ-Abgeordnetem Manuel Pfeifer auf Entschädigungszahlungen für betroffene Landwirt:innen im Falle eines Seuchenausbruchs in Österreich angesprochen, meinte Totschnig, Seuchen seien schwer zu budgetieren. Wenn budgetäre Mittel gebraucht werden, würden sie aber da sein, auch ohne "Bundes-Seuchenfonds", versicherte er. Vorsorglich sei man dabei, eine Anpassung der Pauschaltarifverordnung zu prüfen. Generell glaubt Totschnig, dass Seuchen zu einer zunehmenden Herausforderung für die Landwirtschaft in Europa werden, wobei er unter anderem auch auf die Blauzungenkrankheit, die Hühnerpest und die Afrikanische Schweinepest verwies.
Ein Transitstopp für Tiertransporte, die beispielsweise von Polen über die Slowakei nach Österreich kommen, ist laut Totschnig EU-rechtlich nicht möglich. Allerdings gebe es bestimmte Auflagen wie zum Beispiel einen geschlossenen Transport. Auch dürften Transporteure nicht in Überwachungszonen.
"Waldfonds ist extrem wichtig"
Dass es trotz des Sparkurses bei den Agrarförderungen zu keinen Kürzungen kommen soll, begründete Totschnig unter anderem mit dem Umweltaspekt. Jeder Euro, der in der Landwirtschaft eingesetzt werde, habe einen ökologischen Effekt, meinte er. Auch den Waldfonds hält er zur Unterstützung von Waldbauern für "extrem wichtig". Im Kampf gegen Borkenkäfer setzt der Minister unter anderem auf intensives Monitoring, eine bundesweite Schädlingsstrategie und Forschung. Bester Schutz sei aber ein klimafitter und resilienter Wald.
Mit der Evaluierung sämtlicher Förderungen im Agrarbereich soll laut Totschnig bald begonnen werden. Dieses Thema brachte NEOS-Abgeordneter Christoph Pramhofer vor.
Biolandbau: Anträge steigen wieder
Von Grün-Abgeordneter Olga Voglauer danach gefragt, was er tue, um mehr Fördermittel in den Biolandbau umzuschichten, wies Totschnig darauf hin, dass die Prämien für Biobetriebe wie Ackerprämien zuletzt aufgestockt werden konnten. Nach einem kurzzeitigen Rückgang aufgrund von der EU geforderter höherer Standards gebe es außerdem wieder mehr Anträge von Bio-Landwirt:innen. Das freue ihn sehr, hielt er fest. Österreich habe auch nach wie vor den höchsten Anteil an biologisch bewirtschafteten Flächen und Betrieben in der EU.
Voglauer und ihr Fraktionskollege Lukas Hammer sprachen im Ausschuss außerdem das Thema Investitionsförderungen an. Ihrer Meinung nach könnte man in diesem Bereich große Einsparungen erzielen, wenn man Stallungen, die nur Mindeststandards erfüllen, nicht mehr fördert. Laut Landwirtschaftsminister Totschnig geht es dabei um ein Volumen von maximal 12 Mio. Ꞓ, da schon jetzt 90 % der Investitionsförderungen für besonders tierfreundliche Stallungen fließen würden. Bei der Schweinehaltung sieht er aufgrund fehlender Planungssicherheit derzeit "eine große Zurückhaltung". Es brauche bald eine Lösung, mahnte er.
Zur Erhöhung des Bioanteils bei öffentlichen Beschaffungen, ein Thema, das von SPÖ-Abgeordneter Elke Hanel-Torsch angeschnitten wurde, braucht es laut Totschnig weiter Bewusstseinsbildung. Zudem sei ein Handbuch zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung erstellt worden. Herausforderungen seien aber der höhere Preis von Bioprodukten und die Verwendung von Fertigprodukten in Küchen.
Mehrjähriger Finanzrahmen der EU und Bürokratieabbau
"Sehr kritisch" sieht Totschnig durchgesickerte Ideen, im Rahmen des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens der EU verschiedene Förderfonds zusammenzufassen. Es brauche auch in Zukunft ein eigenes Agrarbudget, bekräftigte er. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die einzelnen Mitgliedsländer der EU wieder ihre eigene Agrarpolitik machen. Da gehe es nicht zuletzt um die Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Was die Frage des Bürokratieabbaus im Bereich der Landwirtschaft betrifft, erwartet Totschnig im Mai oder Juni zwei Pakete mit Vereinfachungsvorschlägen durch den zuständigen Agrarkommissar. Der "Green Deal" habe eine enorme Menge an Gesetzen und Verordnungen ausgelöst, die es zu durchforsten gelte. So braucht es dem Minister zufolge in Bezug auf die Entwaldungsverordnung "ein einfaches Modell entlang der Wertschöpfungskette". Auch in Österreich wolle man "die Verwaltung weiter vorantreiben", um beispielsweise Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Auch sollten EU-Vorgaben nicht übererfüllt, also "Gold Plating" vermieden werden.
Was das Handelsabkommen mit den lateinamerikanischen Mercosur-Ländern betrifft, hielt Totschnig in Richtung NEOS-Abgeordnetem Pramhofer und FPÖ-Abgeordnetem Maximilian Linder fest, noch sei nicht entschieden, ob das Abkommen in zwei Teile - einen Handelsteil und einen politischen Teil - gesplittet wird. Die österreichische Position ist für ihn jedenfalls klar: Es gebe eine bindende Vorgabe des Parlaments, dem Abkommen nicht zuzustimmen.
Zu Agrarimporten aus der Ukraine merkte Totschnig gegenüber ÖVP-Abgeordneter Bettina Zopf an, die AGES nehme regelmäßig Prüfungen vor, bislang habe es keine Beanstandungen gegeben. Es brauche aber eine Nachfolgeregelung für die EU-Verordnung zu autonomen Handelsmaßnahmen, die mit 5. Juli auslaufe. Für bestimmte Produkte wie Zucker benötige man auch in Zukunft Schutzmaßnahmen zugunsten der heimischen Landwirtschaft.
Bedenken gegen "Laborfleisch"
Mit FPÖ-Abgeordnetem Albert Royer teilte Totschnig Bedenken gegen Laborfleisch. Österreich könne aber kein nationales Verbot aussprechen, betonte er. Für Zulassungen sei die Europäische Union zuständig. Auch das Verbot in Italien sei "gehoben" worden. Einen konkreten Vorschlag der EU-Kommission gibt es laut Totschnig allerdings noch nicht.
Seitens der ÖVP hob Josef Hechenberger die Bedeutung von Planungssicherheit für die Bauern und Bäuerinnen hervor. Diese sieht er aufgrund des Einsatzes von Landwirtschaftsminister Totschnig gegeben. Was die Maul- und Klauenseuche betrifft, wies der ÖVP-Abgeordnete darauf hin, dass Österreich sehr viel investiert habe, "um einen guten Seuchenstatus zu erreichen". Auch die Grenzschließungen zu Ungarn und der Slowakei wurden von ihm ausdrücklich begrüßt. Grün-Abgeordnete Voglauer meinte dazu, die Maul- und Klauenseuche könnte sich zu einer der größten Herausforderungen für die europäische Landwirtschaft entwickeln, wobei es ihrer Meinung nach generell wichtig wäre, den Fokus auf eine resiliente Landwirtschaft zu richten und weg von der Intensivtierhaltung zu kommen…. .
LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger: Gemeinsam die MKS stoppen!
Angesichts der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche (MKS) in unmittelbarer Nähe zu Österreich richtet LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger als oberster Bauernvertreter einen dringenden Appell an die gesamte Bevölkerung, zehn Verhaltensregeln dringend einzuhalten. Außerdem stellt er Forderungen auf, die Anzahl der Grenzübergänge auf ein notwendiges Mindestmaß einzuschränken, an den verbleibenden Stellen für seuchenhygienische Sicherheitsmaßnahmen zu sorgen, die Transit-Tiertransporte aus Ländern mit MKS-Fällen vorübergehend auszusetzen und für den Seuchenfall die Entschädigungszahlungen für betroffene Betriebe anzupassen.
"Die Maul- und Klauenseuche rückt näher und es herrscht enorme Verunsicherung unter den Bäuerinnen und Bauern. Wir alle sind im eigenen Sinne gefordert, verantwortungsvoll zu handeln und mitzuhelfen, eine weitere Verbreitung dieser für Paarhufer wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und diverses Wild höchst gefährlichen Viruserkrankung zu verhindern", appelliert Moosbrugger. "Diese hochansteckende Seuche kann erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen, Bauernfamilien in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährden und zu großem Tierleid führen. Helfen wir alle zusammen, um das zu verhindern – auch im Sinne unserer Versorgungssicherheit", so Moosbrugger.
Grenzübergänge auf Mindestmaß reduzieren, Seuchenhygiene einhalten
"Nachdem uns täglich Meldungen über weitere Ausbrüche in unmittelbarer Nähe Österreichs erreichen, sind umfassende, weitergehende Maßnahmen wichtig. Auch wenn aus dem zuständigen Gesundheitsministerium rasch erste Schritte gesetzt und an Hauptverkehrsrouten angeordnet worden sind, braucht es zusätzliche Vorkehrungen. Die Anzahl der offenen Grenzübergänge muss auf ein Mindestmaß reduziert werden. Bei diesen gilt es dann, umfassende seuchenhygienische Sicherheitsmaßnahmen zu setzen und strengstens einzuhalten", betont der LKÖ-Präsident.
Transit-Tiertransporte aus MKS-Ländern vorübergehend unterbinden
"Aus Sicht der Landwirtschaft braucht es auch ein vorübergehendes Verbot von Transit-Tiertransporten aus den betroffenen Ländern quer durch Österreich. Gerade Bäuerinnen und Bauern, deren Betriebe entlang der üblichen Hauptverkehrsrouten liegen, haben enorme Sorge vor einer Ansteckung ihrer Tiere, was die Keulung des gesamten Tierbestandes zur Folge hätte. Welch schreckliche, existenzbedrohliche Situation das für den ganzen Betrieb mit sich brächte, kann sich wohl jeder vorstellen", hebt Moosbrugger hervor.
Arbeitgeber:innen und Gesamtbevölkerung zur Mithilfe aufgerufen
"Wir fordern auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Arbeitskräfte aus diesen Ländern beschäftigen, dringend dazu auf, umfassende Seuchenhygiene-Sicherheitsmaßnahmen zu setzen und einzuhalten. Dazu zählen etwa Wechsel der Kleidung und Schuhe, Desinfektion und das Untersagen des Mitbringens von Milch- und Fleischprodukten", betont der LKÖ-Präsident. "Des Weiteren rufen wir die Bevölkerung auf, nicht zwingend notwendige Fahrten in die Risikogebiete zu unterlassen und keinesfalls derartige tierische Lebensmittel mitzubringen. Auch sollten keine fremden Ställe betreten und Kontakt zu gefährdeten Tieren vermieden werden", so Moosbrugger, der auf die von der LKÖ erstellen 10 Verhaltensregeln hinweist (siehe unten).
"Für die bäuerlichen Betriebe gibt es auf sämtlichen Kanälen der Landwirtschaftskammer, insbesondere www.lko.at (eigener Button rechts unter dem Wetter), umfangreiche Informationen. Wir ersuchen die Bäuerinnen und Bauern, diesen Selbstschutz für den eigenen Betrieb ernstzunehmen und einzuhalten, insbesondere die sieben von der LKÖ erarbeiteten Gebote. Es ist auch wichtig, auf den Ställen und Betrieben Hinweisschilder anzubringen, um betriebsfremde Personen fernzuhalten", appelliert der LKÖ-Präsident.
Anpassung der Entschädigungszahlungen für Seuchenfall vornehmen
"Für den Fall, dass die MKS trotz aller Sicherheitsmaßnahmen dennoch nach Österreich 'überschwappt' und somit Keulungen ganzer Betriebe notwendig wären, fordern wir eine Anpassung der Entschädigungszahlungen für die betroffenen Betriebe. Diese Werttarifverordnung, die bestimmte Zahlungen pro Tier vorsieht, ist letztmalig 2019 angepasst worden und somit veraltet. Es ist wichtig, die Tarife an die tatsächlichen Tierwerte anzupassen. Auch gilt es festzuhalten, dass die Bäuerinnen und Bauern im Seuchenfall ohnehin nur für den direkten Tierverlust, nicht jedoch für den Einkommensentfall wegen des Betriebs-Stillstands entschädigt werden – vom oftmals viel höheren Zuchtwert und der emotionalen Bindung der Bäuerinnen und Bauern zu ihren Tieren ganz zu schweigen", gibt der LKÖ-Präsident zu bedenken.
Die zehn Verhaltensregeln:
1. Betreten Sie keine fremden Ställe, Weiden oder andere landwirtschaftliche Flächen!
2. Halten Sie sich vor Klauentieren wie Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen, Alpakas und (Farm-)Wild fern – vor allem in Risikogebieten!
3. Halten Sie Ihren Hund stets an der Leine, insbesondere in Risikogebieten, da der Virus von Wild- und Nutztieren auch z.B. über das Hundefell übertragen werden kann.
4. Verzichten Sie auf nicht unbedingt notwendige Reisen in die von der Seuche betroffenen Gebiete in der Slowakei und Ungarn!
5. Fleisch- und Milchprodukte aus Ländern mit MKS dürfen nicht nach Österreich mitgenommen werden!
6. Es ist verboten, Speisereste an Nutztiere zu verfüttern und Lebensmittel in der freien Natur wegzuwerfen!
7. Achten Sie auf die Hygiene und Desinfektion von Schuhen, Kleidung und Fahrzeugen vor bzw. nach jedem Kontakt mit Tieren oder landwirtschaftlichen Betrieben!
8. Kein Jagdtourismus in den betroffenen Gebieten.
9.I nformieren Sie sich und andere über die Gefahren und Schutzmaßnahmen und folgen Sie den Anweisungen der Behörden.
10. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von Personen aus den Risikogebieten werden ersucht, sich über weitergehende Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen zu informieren und diese umzusetzen.
