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von der AVA und aus der Branche
Tierärztliche Ultraschalluntersuchung bei Milchkühen: Methoden, Anwendungen und Nutzen
Einleitung
Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) hat sich in der modernen Milchviehhaltung als unverzichtbares diagnostisches Werkzeug etabliert. Insbesondere bei der Überwachung von Fruchtbarkeit, Trächtigkeit und Gesundheitsstatus ermöglicht sie eine schnelle, nicht-invasive und kostengünstige Diagnostik. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Anwendungsgebiete, technischen Voraussetzungen und praktischen Vorteile der Sonografie bei Milchkühen.
1. Technische Grundlagen der Ultraschalldiagnostik
Ultraschallgeräte für die tierärztliche Praxis arbeiten mit Frequenzen zwischen 3,5 und 7,5 MHz, wobei höhere Frequenzen eine bessere Auflösung bei oberflächennahen Strukturen bieten, während niedrigere Frequenzen eine tiefere Penetration ermöglichen.
- Linear- vs. Sektorschallkopf:
- Linearschallköpfe eignen sich besonders für die Eierstockdiagnostik.
- Sektorschallköpfe werden für die Trächtigkeitskontrolle im Uterus eingesetzt.
- Realtime-B-Mode-Sonografie: Die am häufigsten genutzte Methode, die eine dynamische Beurteilung der Organe ermöglicht.
2. Hauptanwendungsgebiete in der Milchviehhaltung
2.1 Fruchtbarkeitsmanagement
Die Sonografie ist ein zentrales Instrument zur Optimierung der Reproduktion:
- Zyklusmonitoring:
- Erkennung von Follikeln, Gelbkörpern (Corpus luteum) und pathologischen Veränderungen (Zysten).
- Bestimmung des optimalen Besamungszeitpunkts.
- Frühe Trächtigkeitsdiagnose:
- Ab Tag 28–30 kann eine Trächtigkeit sicher festgestellt werden.
- Erkennung von embryonalem Herzschlag (ab Tag 23–25 möglich).
- Früherkennung von Fruchtbarkeitsstörungen:
- Pyometren.
- Mumifizierte Föten.
- Ovarialzysten.
2.2. Trächtigkeitsüberwachung und Fötusbeurteilung
- Frühembryonaler Verlust: Häufig zwischen Tag 30–60, kann sonographisch früh erkannt werden.
- Geschlechtsbestimmung: Ab Tag 55–60 möglich (bei geübten Untersuchern).
- Plazentakontrolle: Erkennung von Plazentitis oder Nabelanomalien.
2.3 Diagnostik von Erkrankungen des Urogenitaltrakts
- Metritis und Endometritis: Flüssigkeitsansammlungen im Uterus lassen sich gut darstellen.
- Harnblasen- und Nierenerkrankungen: Sonografie hilft bei der Diagnose von Zystitis, Urolithiasis oder Nierenabszessen.
2.4 Euter- und Klauengesundheit
- Euterultraschall:
- Erkennung von Mastitis-Folgeschäden (z. B. Bindegewebsvermehrung, Abszesse).
- Beurteilung des Drüsengewebes.
- Klauensonografie:
- Diagnose von tiefen Sohlengeschwüren oder Gelenksentzündungen.
3. Praktische Durchführung der Untersuchung
3.1 Vorbereitung
- Fixierung der Kuh (z. B. im Fressgitter oder Melkstand).
- Rasur und Einfetten der Untersuchungsregion (meist rechte Flanke für Reproduktionsdiagnostik).
3.2 Untersuchungstechnik
- Transrektale Sonografie: Standard bei Fruchtbarkeitsuntersuchungen.
- Externe Sonografie: Für fortgeschrittene Trächtigkeitsstadien oder Euteruntersuchungen.
4. Wirtschaftliche Vorteile für den Milchviehbetrieb
- Kürzere Zwischenkalbezeiten durch optimiertes Fruchtbarkeitsmanagement.
- Früherkennung von Problemen verringert Tierverluste und Behandlungskosten.
- Verbesserte Herdengesundheit durch regelmäßige Kontrollen.
5. Fazit
Die tierärztliche Ultraschalluntersuchung bei Milchkühen ist ein unverzichtbares Tool für moderne Milchviehbetriebe. Sie ermöglicht eine präzise Diagnostik, verbessert das Herdenmanagement und steigert die Wirtschaftlichkeit. Durch regelmäßige Schulungen können Tierärzte und Landwirte die Technik optimal nutzen, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Herde zu sichern.
Steinfurt, 03.04.2025 - EG Hellwig, Agrarwissenschaftler und Fachtierarzt, Gründer und Leiter der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)
Bauernpräsident Felßner meldet sich zu Wort
Nach der amtlichen Feststellung von Mängeln bei der Tierhaltung auf dem Hof des bayerischen Bauernpräsidenten hat sich der Agrarfunktionär nun selbst zu Wort gemeldet.
Alle beanstandeten Mängel seien umgehend nach der unangemeldeten Kontrolle des Veterinäramtes behoben worden, sagte Günther Felßner in einer Videobotschaft, die der bayerische Bauernverband veröffentlichte.
Felßner sieht in der Anzeige, die nach Angaben des Veterinäramtes von der Tierrechtsorganisation Peta ausgegangen war, ein koordiniertes Vorgehen. «Ja, zurzeit läuft eine unsägliche Kampagne gegen mich», sagte Felßner. «Ich persönlich wurde und werde diffamiert, ich musste Angriffe auf mich und auf meine Familie erleben und es gab Stalleinbrüche», sagte der Bauernpräsident. Er wolle Transparenz herstellen und veröffentlichte Bilder von seinen Tieren.
Das CSU-Mitglied Felßner war von seiner Partei für das Amt des Bundesagrarministers in einer schwarz-roten Regierung vorgesehen. Nach einem Protest von Tierschutz-Aktivisten auf seinem Hof legte er seine Ambitionen auf das Amt nieder. Die CSU reklamiere jedoch auch nach dem Rückzug Felßners das Amt für sich, hatte Parteichef Markus Söder gesagt.
Das Veterinäramt des Landkreises Nürnberger Land hatte am Dienstag mitgeteilt, bei einer Kontrolle auf dem Hof Felßners in Lauf an der Pegnitz geringe Mängel bei der Einstreu und der Entmistung der Rinderstallungen sowie geringgradige bis mittelgradige Mängel bei der tierärztlichen Versorgung einzelner Rinder festgestellt zu haben. Die Behörde bestätigte, dass die Mängel innerhalb weniger Tage beseitigt worden seien.
Felßner ist seit 2022 Präsident des Bayerischen Bauernverbands und seit 2023 auch Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands. Er hatte sich während der Bauernproteste gegen die Streichung von Subventionen beim Agrardiesel stark exponiert und hatte einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt.
Zeckensaison: Neues FSME-Risikogebiet in Brandenburg ausgewiesen
Steigende Temperaturen ziehen immer mehr Menschen zu Aktivitäten ins Freie. Mit Blick auf drohende Zeckenbisse warnt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. «Wer sich im Grünen aufhält, sollte sich vor Zecken schützen», betonte ein Sprecher des Instituts. Denn Zecken können schwerwiegende Krankheiten übertragen, wie die bakterielle Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Neues Risikogebiet in Brandenburg
Vor wenigen Wochen war der Landkreis Elbe-Elster zum FSME-Risikogebiet erklärt worden. Aktuell seien bundesweit 183 Kreise in Deutschland als Risikogebiete vom Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesen, führte der Sprecher aus. Insbesondere im Süden Deutschlands ist das Risiko vergleichsweise hoch.
Anstieg bei FSME-Fällen
In Brandenburg waren in der vergangenen Zeckensaison mehr als doppelt so viele FSME-Fälle registriert worden wie im Jahr zuvor. Zehn Fälle wurden im Jahr 2024 gezählt - vier Fälle waren es im Vorjahr insgesamt, wie das Gesundheitsministerium vor einigen Monaten mitteilte. Wo die Fälle der FSME auftraten, dazu machte die Behörde keine Angaben. Zecken sind laut RKI ab einer Temperatur von etwa sechs Grad aktiv.
Impfschutz hilft
FSME wird durch Viren verursacht, die durch Zeckenstiche übertragen werden können. Die Krankheit kann Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks auslösen. Bei 99 Prozent der Betroffenen fehlte den Angaben zufolge ein Impfschutz. Die Impfquoten in Risikogebieten sind laut RKI relativ niedrig und schwanken stark. Bundesweit lag die Impfquote demnach im Jahr 2020 bei etwa 19 Prozent.
Cannabis: Mehr Schizophrenie-Fälle
Seit der Legalisierung von Cannabis in Kanada hat sich die Zahl der Schizophrenie-Fälle unter Abhängigen fast verdreifacht. Eine alarmierende Entwicklung – ist damit der Traum vom harmlosen Kiffen geplatzt?
Viele Nationen bewerten die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken uneingeschränkt als Fortschritt – doch die Realität sieht anders aus. Eine neue Studie aus Kanada zeigt alarmierende Trends: Seit der Freigabe von Cannabis hat sich die Zahl der Schizophrenie-Fälle, die mit einer Cannabis-Abhängigkeit in Verbindung stehen, fast verdreifacht.
Cannabis und Psychosen – eine unheilige Allianz
Die Studie schloss alle Einwohner Ontarios zwischen 14 und 65 Jahren ein, die Anspruch auf eine staatliche Gesundheitsversorgung haben. Das waren mehr als 13,5 Millionen Menschen. Dabei berücksichtigten die Forscher unter Leitung von Daniel T. Myran, University of Ottawa, drei unterschiedliche Zeiträume zwischen 2006 und 2022:
- vor der Legalisierung von Cannabis,
- nach der Einführung von medizinischem Cannabis und
- nach der Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken.
Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Cannabis-Abusus stationär behandelt werden mussten, ist seit der Legalisierung um 270 % gestiegen – von 1,3 auf 4,6 von 1.000 Personen. Besonders besorgniserregend sind Assoziationen mit Schizophrenie: Vor der Legalisierung waren 7 % aller Patienten mit neuer Schizophrenie-Diagnose zuvor wegen Cannabis-Abhängigkeit behandelt worden. Nach der Legalisierung ist der Anteil auf 16 % gestiegen.
Die Tetrahydrocannabinol-Konzentration hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Früher lag sie bei durchschnittlich 5 %, heute überschreiten viele Produkte 20 %. Speziell hochpotente Konzentrate, Vapes und Edibles (Bonbons, „Space Cakes“, Sirups und mehr) überfluten den Markt. Sie seien „ein regelrechter Katalysator für psychische Störungen – insbesondere für Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Schizophrenie oder andere Psychosen“, schreiben die Autoren.
Zusammenfassung
- Die Zahl der Personen in Ontario, die wegen Cannabis-Abusus ins Krankenhaus mussten, ist seit der Legalisierung um 270 % gestiegen.
- Der Anteil der neuen Schizophrenie-Patienten, die zuvor wegen Cannabis-Abusus in Behandlung waren, stieg von 7 % auf 16 %.
- Schätzungen zufolge wären 10 % aller neuen Schizophrenie-Fälle vermeidbar gewesen, wenn schwer Cannabis-Abhängige ihren Konsum eingestellt hätten.
- Besonders betroffen sind junge Männer (14–24 Jahre): In dieser Altersgruppe hätte sogar 18 % der neuen Schizophrenie-Fälle durch Behandlung der Cannabis-Konsumstörung verhindert werden können.
FAO-Studie: Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung könnte bis 2040 um 30 Prozent steigen
FAO warnt: Der weltweite Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung könnte bis 2040 um 30 % steigen – besonders in Asien und Südamerika.
Der Einsatz von Antibiotika in der globalen Nutztierhaltung wird nach Einschätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bis 2040 deutlich zunehmen. Wie aus einer aktuellen FAO-Studie hervorgeht, könnte die verabreichte Menge weltweit auf 143.481 Tonnen steigen – das entspricht einem Anstieg um rund 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.
Asien und Südamerika treiben den weltweiten Verbrauch
Besonders stark wird der Einsatz von Antibiotika laut der in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie in der Region Asien/Pazifik erwartet. Dort würden bis zu zwei Drittel der globalen Menge eingesetzt. Südamerika würde demnach etwa ein Fünftel ausmachen, während Afrika und Nordamerika jeweils rund sechs Prozent und Europa rund fünf Prozent beitragen würden.
Als Hauptgrund für den Anstieg nennt die FAO das erwartete Wachstum der Tierproduktion weltweit. Dennoch sieht die Organisation Möglichkeiten, diese Entwicklung zu bremsen. Ein gezieltes Gegensteuern sei möglich – etwa durch verbesserte Tiergesundheit, optimierte Managementmethoden sowie eine höhere Effizienz in der Produktion.
Die FAO betont, dass der Antibiotikaeinsatz mit entsprechenden Maßnahmen bis 2040 deutlich reduziert werden könnte. Im günstigsten Fall sei ein Rückgang auf etwa 62.000 Tonnen denkbar. Ziel müsse es sein, mit gleichbleibender oder sogar geringerer Anzahl an Nutztieren mehr tierische Lebensmittel zu erzeugen.
FAO-Initiative RENOFARM soll Antibiotikaeinsatz bremsen
Zur Unterstützung der Länder hat die FAO die Initiative RENOFARM ins Leben gerufen („Reduzierung des Bedarfs an antimikrobiellen Mitteln in landwirtschaftlichen Betrieben für eine nachhaltige Transformation der Agrar- und Lebensmittelsysteme“). Mit politischen Leitlinien und technischer Hilfe will die FAO laut Agra-Europe (AgE) den Antibiotikaeinsatz verringern und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung der Tierhaltung fördern.
EILMELDUNG – Tierschutz Austria appelliert: MKS jetzt stoppen – statt hunderttausende Tiere später Notzuschlachten
Offener Brief an Gesundheitsministerin Korinna Schumann
Die Maul- und Klauenseuche (MKS) steht aktuell unmittelbar vor den Toren Österreichs. In mehreren Drittstaaten häufen sich die Ausbrüche – mit unabsehbaren Konsequenzen für unsere Nutztiere, die Landwirtschaft und das Tierwohl.
Bei der Maul- und Klauenseuche handelt es sich um eine hochansteckende Virusinfektion, die Klauentiere wie Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen befällt – ebenso wie Wild- und Zootiere. Schon kleinste Virusmengen reichen für eine Ansteckung aus. Für den Menschen ist MKS ungefährlich, doch für Tiere bedeutet sie schweres Leid, langfristige Schäden oder den Tod.
Ein einziger Einschleppungsfall kann massive Seuchenzüge, flächendeckende Notschlachtungen und Exportstopps zur Folge haben. Es drohen Tierleid, wirtschaftlicher Ruin für Betriebe und ein nachhaltiger Vertrauensverlust in unsere Lebensmittelproduktion.
Die Lösungen liegen auf der Hand – und doch fehlt es bislang an entschlossenem Handeln.
Tierschutz Austria fordert daher die sofortige Einberufung eines runden Tisches unter Beteiligung des Gesundheits-, Landwirtschafts- und Innenministeriums, der Landwirtschaftskammern und der Tierärztekammer. Ziel muss es sein, den Import- und Transitverkehr aus MKS-Risikogebieten umgehend zu unterbinden und Österreichs Tierbestände wirksam zu schützen.
Folgende Maßnahmen stehen Gesundheitsministerin Korinna Schumann zur Verfügung:
- Erlass eines sofortigen Importverbots für lebende Tiere, tierische Nebenprodukte, Fleisch- und Milchprodukte aus Ländern mit bestätigten MKS-Ausbrüchen.
- Transitverbot durch österreichisches Staatsgebiet für Tiertransporte aus diesen Regionen – selbst bei Nichtentladung –, um eine Einschleppung über Transportmittel oder kontaminierte Materialien zu verhindern.
- Verstärkte Grenzkontrollen und verpflichtende Desinfektionsmaßnahmen an allen relevanten Einreisepunkten, insbesondere für landwirtschaftliche Fahrzeuge und Güter.
- Ein vorübergehendes Verbot grenzüberschreitender Reitturniere, Jagdreisen sowie anderer Veranstaltungen mit Tierverkehr aus bzw. in betroffene Länder. Diese Aktivitäten stellen ein unnötiges Risiko für eine indirekte Einschleppung von MKS über kontaminierte Ausrüstung, Fahrzeuge oder tierische Ausscheidungen dar.
Frau Bundesministerin Schumann, handeln Sie umfassend und sofort.
Noch haben wir wenige Stunden Zeit. Unterschätzen Sie nicht die Gefahr. Diese Krankheit, einmal eingeschleppt, lässt sich nicht mehr kontrollieren.
Jetzt ist der Moment, in dem entschlossenes Handeln Tierleben rettet, bäuerliche Existenzen schützt und Österreich vor einer nationalen Tierseuchenkatastrophe bewahrt.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WTV
Klimawandel: Kamele stehen vor ihrem Comeback in Europa
Kamele haben in Europa eine lange Tradition, die bis in die Zeit des antiken Roms zurückreicht. Selbst im Mittelalter hatten die Tiere noch ihren fixen Stellenwert, wie eine italienisch-französische Studie unter Beteiligung der Vetmeduni Wien zeigt.
Aus Sicht der Wissenschafter spricht nun einiges dafür, dass Kamele in Europa in nicht allzu ferner Zukunft ein Comeback feiern könnten. Und zwar nicht nur vor dem Hintergrund des Klimawandels und wegen ihrer Anpassungsfähigkeit an trockene Bedingungen, sondern auch aufgrund ihrer Eigenschaften als Nutztier, etwa zur Milchgewinnung, und aus Rentabilitätsgründen.
In der Vergangenheit spielten Dromedare (Camelus dromedarius) und Trampeltiere (Camelus bactrianus) eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft, der Logistik des Römischen Reichs sowie bei mittelalterlichen Ritualen und hinterließen archäologische und kulturelle Spuren in ganz Europa. Nach einem Rückgang im Mittelalter waren Kamele weitgehend auf exotische Sammlungen beschränkt.
In den letzten Jahrzehnten hat die Kamelzucht jedoch einen Aufschwung erlebt, der in erster Linie auf den Tourismus und die Nachfrage nach Kamelmilch zurückzuführen ist. Schätzungsweise 5.000 bis 6.000 Kamele leben heute in Europa. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit an raue Klimabedingungen und ihrer ernährungsphysiologischen Vorteile stehen die Tierhalter vor Herausforderungen wie „kleine Populationsgrößen, zersplitterte und geografisch weit verstreute Zuchtbemühungen und das Fehlen eines auf Kamele zugeschnittenen Rechtsrahmens“, betont Studien-Co-Autorin Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni. Hinzu kommen das Fehlen von Zuchtorganisationen, Zuchtregistern und genetischen Bewertungssystemen sowie eine geringe Reproduktionsleistung und ein gegenwärtig schlechtes Reproduktionsmanagement dieser Arten.
Bessere Rahmenbedingungen notwendig
Andererseits haben Fortschritte im Bereich der Genomik neue Möglichkeiten für das genetische Management von Kamelen in Europa geschaffen. Gerade diese Erkenntnisse geben jedoch auch Anlass zur Besorgnis, und zwar über die geringe genetische Vielfalt der in Europa beheimateten Tiere. „Um diese Probleme zu lösen, sind koordinierte internationale Anstrengungen, eine standardisierte Erfassung von Phänotypen und verbesserte Tierschutzrichtlinien erforderlich“, betont Pamela Burger.
Nachhaltige Nutztiere: Potenzial der Kamele ist vielversprechend
Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Wüstenbildung in Europa werden laut Burger die Anpassungsfähigkeit der Kamele an trockene Umgebungen sowie ihre besonderen Verhaltensmerkmale, ihre Milchzusammensetzung und ihre funktionellen Eigenschaften deutlicher zutage treten und auch vermehrt geschätzt werden. Hier sieht Burger ein interessantes Potenzial als nachhaltiges Nutztier: „Zwar wird die Kamelzucht in Europa in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich nicht die Bedeutung der bekannten, großen Nutztierarten erlangen. Aufgrund seiner besonderen Eigenschaften könnte das Kamel aber interessante Möglichkeiten zur Diversifizierung in der Tierhaltung bieten, und zwar auch aus dem Blickwinkel der Rentabilität.“
Tönnies-Forschung: Biodiversität und Weidehaltung bilden Einheit
„Richtungssicher“. Das ist eines der Schlüsselworte beim Dialog-Workshop der in Rheda-Wiedenbrück ansässigen Tönnies Forschung am 25. März 2025 im niedersächsischen Badbergen gewesen. Mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Lebensmitteleinzelhandel, Wirtschaft, Landwirtschaft, Wissenschaft und Verbänden erörterten Lösungen, die dazu geeignet sind, Ökosysteme zu schützen und gleichzeitig eine nachhaltige Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Im Fokus stand die Frage: Biodiversität und Nutztierhaltung - wo sind die Stellschrauben? „Die Herausforderung besteht darin, alle Interessen in Einklang zu bringen“, sagt Dr. Gereon Schulze Althoff, Geschäftsführer der Tönnies Forschung gGmbH. „Schließlich bilden Weidehaltung und Artenvielfalt eine Einheit, die ganzheitlich betrachtet werden muss.“
Auch kleine Schritte führen zum Ziel
Das Wissen um erfolgsversprechende Synergien und Stellschrauben sei durchaus bekannt, betonte Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, im Rahmen seines Vortrags. Auch existierten Förderprogramme zur Steigerung der Biodiversität in Agrarlandschaften. Dennoch gelinge eine breite Umsetzung bislang nicht. Der Landschaftsarchitekt und Diplom-Ökologe warb dafür, betriebsindividuelle Lösungen zu favorisieren, die Vernetzung sowie Kooperationen zu stärken und eine engmaschige Begleitung durch Landwirtschaftskammern, Stiftungen beziehungsweise Verbände zu gewährleisten. Zwingende Voraussetzung in den Augen Muchows: „Der Landwirt muss von dem, was er produziert – auch wenn es Biodiversität ist – einen Benefit haben.“ Ansonsten gelte, „einfach mal anfangen, es könnte ja gut werden!“.
Betriebe individuell betrachten und Zusammenarbeit stärken
Untermauert wurde diese Einschätzung von Prof. Dr. Valentin H. Klaus, der den Lehrstuhl Biodiversität am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum innehat. Er zeigte Maßnahmen auf, die in die Bewirtschaftung von Grünland und Weiden für Rinder integriert werden können, um Artenvielfalt zu fördern und zugleich mit den betrieblichen Belangen unter einen Hut zu bringen. Es gebe zahlreiche Optionen, Fläche und ihr Management ökologisch zu optimieren. Dazu zählt auch die Anpassung der Nutzung hinsichtlich ihrer Intensität und die Verwendung von Mischungen: „Niemals nur Gras, Klee gehört immer dazu.“ Auch Valentin Klaus vertritt die Ansicht, dass das Wissen um die Anforderungen erschöpfend genug sei, um handeln zu können, und zwar mit Augenmaß: „Nicht jeder Betrieb muss alles machen, wir müssen stark sein in der Zusammenarbeit.“
Klaus warb in diesem Zusammenhang für ein Punktesystem nach dem Vorbild des Schweizer Landwirtschaftslabels IP-Suisse, das Ende der 1980er-Jahre als „Schweizerische Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen“ gegründet wurde. Heute sind etwa 10.000 eidgenössische Betriebe unter diesem Label vereint, die sich zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft positionieren und den Fokus auf umweltschonende sowie tiergerechte Erzeugung richten. Vor allem aber treten sie aktiv für den Erhalt der Biodiversität ein.
Auswirkungen auf Biodiversität lassen sich quantifizieren
Wie können Biodiversitätsauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette gemanagt werden? Mit dieser Fragestellung hatte Dr. Ulrike Eberle, Geschäftsführende Gesellschafterin bei corsus (corporate sustainability) und Leiterin des Forschungsvorhabens BioVal (Biodiversity Valuing & Valuation) ihren Vortrag überschrieben. Sie betonte, wie wichtig es sei, das Management von Auswirkungen auf die Biodiversität in das Nachhaltigkeitsmanagement zu integrieren, „da der Schutz und die Förderung von Biodiversität mindestens ebenso wichtig sind wie es die Bekämpfung des Klimawandels ist“.
Ulrike Eberle stellte die verschiedenen Managementinstrumente vor, die im Forschungsvorhaben BioVal entwickelt sowie erprobt und im Praxishandbuch für Biodiversitätsmanagement für die Lebensmittelwirtschaft zusammengefasst wurden. Insbesondere ging sie auf die BVI-Methode ein, ein Instrument zur Abschätzung der Auswirkungen auf Biodiversität aus der Ökobilanzierung. Corsus habe dieses bereits in verschiedenen Projekten bereits angewandt, erläuterte die Expertin, beispielsweise bei der Berechnung des Biodiversitätsfußabdrucks der deutschen Ernährung im Auftrag von WWF Deutschland.
Es besteht kein Wissensdefizit
„Entstanden sind Grundzüge für eine Biodiversitätsstrategie“, zieht Dr. Gereon Schulze Althoff ein positives Resümee nach der abschließenden intensiven Diskussion. Der Workshop und die intensive Erörterung der Thesen der Referenten hätten in aller Deutlichkeit gezeigt, dass Nutztiere essentiell für den Erhalt der Biodiversität seien und dass bei etwaigen Maßnahmen Rinderhaltung und Grünland Priorität genießen müssen. „Wir haben kein Wissensdefizit, wohl aber eins um Methoden und Anreize“, kündigt Schulze Althoff an, das Thema im Schulterschluss von Tönnies Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft weiter voranreiben zu wollen. So seien Zielbilder für eine Vielfalt auf Flächen jenseits ausgemergelter Magerflächen zu entwickeln, „denn Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion wie vor 70 Jahren kann es nicht sein“. Zudem sei eine Optimierung von Konzepten für Weidehaltungssysteme unabdingbar.
Hintergrund: Was ist die Tönnies Forschung gGmbH?
Gegenstand der gemeinnützigen Gesellschaft ist die Forschung über die Zukunft des Tierschutzes und der Nachhaltigkeit der Nutztierhaltung. Hierzu initiiert und unterstützt Forschungsprojekte sowie Studien mit dem Ziel, eine Verbesserung der Nutztierhaltung unter Berücksichtigung von Tier-, Klima-, Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz sowie gesunder Ernährung zu erreichen.
Darüber hinaus fördert die Gesellschaft die Verbreitung der Forschungsergebnisse und deren Anwendung in der Praxis. Der Zweck der Gesellschaft umfasst zudem die Förderung von Weiterbildungseinrichtungen zu Tier-, Verbraucher- und Naturschutz sowie die Schulung von Personen, die beruflich in der Nutztierhaltung tätig sind. Darüber hinaus organisiert sie Dialogveranstaltungen mit solchen gesellschaftlichen Akteuren, die im Zusammenhang mit den beschriebenen Forschungsgegenständen stehen. https://toennies-forschung.de/
„Lebensmittelproduktion gehört zur Landesverteidigung“
Vom „Turbo“ in der GAP unter Agrarkommissar Hansen bis zu Themen wie der Versorgungssicherheit, der Stärkung des ländlichen Raums, dem Renaturierungsgesetz und der Entwaldungsverordnung – EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber erklärt, wie diese in Brüssel getroffenen Entscheidungen auch Tirol betreffen.
Alexander Bernhuber ist Abgeordneter des Österreichischen Bauernbundes zum Europäischen Parlament und Mitglied des Landwirtschafts-, Umwelt- und Petitionsausschusses. Bereits in seiner zweiten Periode vertritt er die heimischen bäuerlichen Anliegen auf EU-Ebene. Im Interview mit der Tiroler Bauernzeitung sprach der Niederösterreicher über die aktuellen agrarpolitischen Entwicklungen auf EU-Ebene und deren Auswirkungen auf Tirol.
Herr Abg. Bernhuber, nachdem EU-Agrarkommissar Christophe Hansen seine Vision für die GAP präsentierte, sprachen Sie von einem „Turbo“ für die Agrarpolitik. Sehen Sie das immer noch so?
Bernhuber: Um das zu beantworten, muss ich zuerst auf Agrarkommissar Christophe Hansen eingehen. Sein Vorgänger, Janusz Wojciechowski, war für die österreichischen Bauern kaum präsent. Hansen hingegen ist selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und war schon im Januar in Österreich, um sich ein Bild von unserer Landwirtschaft zu machen. Er sucht gezielt den Austausch mit praktizierenden Landwirten und fragt nach ihren Anliegen. Dieser persönliche Ansatz ist deutlich spürbar und verspricht eine praxisnahe Sicht auf die EU-Agrarpolitik.
Was bedeutet das für den praktizierenden Bauern?
Hansens Vision ist es, die Landwirtschaft zu entlasten – mit weiteren Erleichterungen im Rahmen der GAP, weniger Kontrollen und weniger bürokratischen Auflagen. So bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: das Vieh und die Arbeit auf den Höfen. Sein Ziel ist es, die flächendeckende Landwirtschaft und die Zukunft junger Bäuerinnen und Bauern zu sichern. Ein weiteres wichtiges Thema für ihn ist die regionale Versorgungssicherheit, ein Begriff, der vor seiner Amtszeit nahezu tabu war.
Weshalb spielt die Versorgungssicherheit trotz Globalisierung so eine große Rolle?
Wenn wir über zukünftige Budgets für Verteidigung sprechen, müssen wir auch die Landwirtschaft und die Selbstversorgung in den Blick nehmen. Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln ist genauso wichtig wie die militärische Landesverteidigung.
Im Kontext von Europa muss auch die Entwicklung des ländlichen Raums strategisch analysiert werden: Ländliche Räume in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Polen dürfen nicht weiter ausbluten, sonst droht Entsiedelung. In diesem Fall würden diese Länder zum einfachsten Einfallsgebiet für Kriegsparteien. Wir brauchen EU-weit verpflichtende Zahlungen für einen lebendigen ländlichen Raum mit aufrechterhaltener Landwirtschaft.
Diese Zahlungen sind in der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik für ländliche Entwicklung doch vorgesehen?
Auf EU-Ebene wird derzeit intensiv über die Zukunft der ländlichen Fördermittel diskutiert. Ein Vorschlag sieht vor, Fördermittel für die regionale Entwicklung in einen gemeinsamen Topf zu überführen. Durch diese Zentralisierung wird jedoch nicht genügend auf die regionalen Bedürfnisse eingegangen – eine Gefahr für den Fortbestand eines lebenswerten ländlichen Raums… .
Reminder: Summer School VetINNSights für angehende TierärztInnen
- Land Tirol und Vetmeduni bieten Interessierten fundierte Einblicke in Aufnahmeverfahren, Studium und Beruf
- Summer School VetINNSights von 7. bis 11. Juli 2025
Vom 7. bis 11. Juli 2025 haben junge Menschen zwischen 16 und 19 Jahren die Chance, in die Welt der Veterinärmedizin einzutauchen und sich einen ersten, exklusiven Einblick in das Studium und den Beruf einer Tierärztin oder eines Tierarztes zu verschaffen. Durch eine Kooperation zwischen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und dem Land Tirol bietet die Summer School VetINNSights eine einzigartige Gelegenheit, wertvolle Einblicke und Informationen zu erhalten. Die Teilnahme ist kostenlos.
„Unsere Summer School bietet mehr als nur Theorie – sie gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, echte Einblicke in die Praxis zu gewinnen, sich mit erfahrenen Tierärztinnen und Tierärzten auszutauschen und wertvolle Tipps für den Weg ins Studium zu erhalten", sagt LHStv Josef Geisler. „Wir möchten junge Talente für die Veterinärmedizin begeistern und somit dazu beitragen, die veterinärmedizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Wer Interesse an einer tiermedizinischen Karriere hat, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen!"
Die Summer School, die zum vierten Mal in Folge stattfindet, richtet sich an alle, die Veterinärmedizin studieren wollen, und geht weit über klassische Vorträge hinaus. In Workshops, praktischen Übungen und abwechslungsreichen Exkursionen erhalten die TeilnehmerInnen einen praxisnahen Blick auf das Berufsbild, das Aufnahmeverfahren an der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie auf die Arbeit von TierärztInnen, vor allem im Bereich der Nutztiermedizin.
Lorenz Khol, Professor für Wiederkäuer im Alpenraum und Leiter der Außenstelle der Vetmeduni in Tirol, hebt hervor, wie wichtig es ist, schon frühzeitig konkrete Erfahrungen zu sammeln: „Die Summer School bietet eine ideale Gelegenheit, sich mit dem Studium der Veterinärmedizin und dem Beruf des Tierarztes/der Tierärztin auseinanderzusetzen und erste Einblicke in die Anforderungen und die Praxis zu bekommen. Idealerweise sollte die Summer School bereits ein Jahr vor einem geplanten Studienbeginn besucht werden. So kann die Entscheidung gut vorbereitet werden und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Chance, wertvolle Kontakte zu knüpfen."
Die VetINNSights Summer School vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern auch ein Gefühl für die Arbeitsweise und den Alltag von TierärztInnen. Sie findet im bestens ausgestatteten Umfeld der HBLFA Tirol und der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Rotholz statt, wo die TeilnehmerInnen während der Woche auch in Internatsräumlichkeiten untergebracht werden.
Bewerbungsschluss: 25. April 2025
Die Teilnahme an der Summer School ist kostenlos, die Anzahl der Plätze jedoch begrenzt. Wer sich bewerben möchte, sollte Lebenslauf, Motivationsschreiben und Foto bis spätestens 25. April 2025 an vet.summerschool@tirol.gv.at senden. Weitere Infos dazu finden sich auf der Website des Landes unter: www.tirol.gv.at/summerschool
