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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Milchviehbetriebe in zunehmend prekärer Situation
Milchbauern in Baden-Württemberg verzeichnen dem Landesbauernverband zufolge derzeit existenzgefährdende Einbußen. Das habe vor allem zwei Gründe
Die wirtschaftliche Situation für Milchviehbetriebe wird nach Angaben des Branchenverbandes immer dramatischer.
Einbrechende Erzeugerpreise einerseits und deutlich gestiegene Produktionskosten andererseits führten zu existenzgefährdenden Einbußen, warnte Horst Wenk, stellvertretender Geschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) und Fachreferent für Agrarpolitik und Milch.
Diese Entwicklung werde durch den Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel befeuert, «der dazu führt, dass hochwertige, heimische Produkte regelrecht verramscht werden», sagte Wenk der Deutschen Presse-Agentur. Durch «Preisschlachten um den günstigsten Anbieter» hätten sich die Preise für eine Packung Butter wieder in Richtung von einem Euro bewegt.
Die Politik müsse handeln und den Betrieben Perspektiven aufzeigen, etwa durch Abbau von Bürokratie. Zudem müsse sich der Lebensmitteleinzelhandel seiner Verantwortung für die regionale Produktion bewusst werden.
Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) widersprach den Bauern. Demnach werde der Milchmarkt gegenwärtig national wie international mit Milchmengen geflutet, die deutlich über dem Verbrauch lägen. Dennoch produzierten die deutschen Milchviehhalter immer weiter, was zwangsläufig auf die Preise drücke. «Hier Ursache und Wirkung zu verkehren und den Handel wider besseres Wissen an den Pranger zu stellen, ist schlicht unredlich und populistisch», teilte der BVLH mit.
Wie sich die Milchpreise entwickelt haben
2024 und 2025 hätten die Betriebe laut Bauernverband noch Milchpreise zwischen 50 und 54 Cent je Kilogramm erzielt. Die Milcherzeugerpreise seien bis zum Ende des ersten Quartals in diesem Jahr auf 39 Cent pro Kilogramm «regelrecht abgestürzt», so der LBV-Milchexperte. Hinzu kämen deutlich höhere Betriebsmittelkosten. Vor allem seien durch den Iran-Krieg die Diesel- und Düngemittelpreise gestiegen.
Da die Betriebe auf die gestiegenen Kosten kaum reagieren könnten, sei es entscheidend, dass der Milchpreis möglichst rasch wieder anziehe. Ansonsten werde sich der Strukturwandel weiter beschleunigen. Aktuell gebe es in Baden-Württemberg noch 4.800 Milchviehbetriebe mit rund 300.000 Milchkühen. Im Vergleich zu 2010 habe sich die Zahl der Betriebe mehr als halbiert.
Neuer Bußgeldkatalog soll Tierwohl bei Transporten stärken
Für den Transport von Tieren gelten klare Regeln. In Sachsen soll nun ein neuer Bußgeldkatalog Kontrolleuren mehr Klarheit und Einheitlichkeit bringen. Auch das Tierwohl soll so gestärkt werden.
Ein sachsenweit einheitlicher Bußgeldkatalog für Tiertransporte soll mehr Klarheit und Einheitlichkeit beim Vorgehen gegen Verstöße bringen. Er definiert klare Kriterien und nennt Empfehlungen für den Bußgeldrahmen, um einen einheitlichen Vollzug zu ermöglichen, wie die Landesdirektion Sachsen mitteilte.
Die Landesdirektion komme damit einem Wunsch der unteren Veterinärämter entgegen. Sie können so bei Verstößen schneller nachvollziehbare Bußgelder vorschlagen - zum Beispiel bei Fällen von Tierquälerei durch Schlagen oder bei zu wenig Nahrung und Platz während des Transports.
«Mit diesem Katalog schaffen wir mehr Klarheit bei Sanktionen für Verstöße und stärken dabei vor allem das Tierwohl», sagte Béla Bélafi, Präsident der Landesdirektion. Der Katalog sieht etwa ein Bußgeld von 350 Euro pro Tier vor, wenn Transportunternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von 24 Stunden nach der vorgeschriebenen maximalen Beförderungsdauer nicht einhalten.
2025: 84 Mal Bußgelder verhängt
Bei knapp 2.900 Kontrollen leiteten die Veterinärämter im vergangenen Jahr in 84 Fällen Bußgeldverfahren ein. Die Verstöße reichen den Angaben nach von mangelhafter Dokumentation bis hin zu akuten Misshandlungen wie Schlagen der Tiere und fehlendes Tränkwasser während des Transports.
Zuständig für die Kontrollen sind die Veterinärämter der Kommunen. Sie überprüfen Transporte beispielsweise bei der Ankunft in Schlachtbetrieben sowie stichprobenartig bei Abfahrt oder Ankunft beim Tierhalter. Gemeinsam mit der Polizei gibt es zudem Kontrollen auf Autobahnen.
Umwelthilfe verklagt McDonald's - Vorwurf Greenwashing
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zieht gegen McDonald's Deutschland mit dem Vorwurf der Verbrauchertäuschung über seine Klimaziele vor Gericht.
Die Deutsche Umwelthilfe ist bei Unternehmen wegen ihrer vielen Klagen gefürchtet. Nun trifft es die Burgerkette McDonald's, die ihre Klimaziele zu vage formuliert haben soll.
Die Burgerkette hatte laut DUH auf ihrer Webseite Klimaneutralität ab 2050 versprochen, aber nicht näher ausgeführt, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Der Verband wirft dem Unternehmen deswegen «dreistes Greenwashing» und «irreführende Zukunftsversprechen» vor. McDonald's wies die Kritik zurück. In einer Stellungnahme der Münchner Deutschlandzentrale zeigte sich das Unternehmen «irritiert» und erklärte, die beanstandeten Formulierungen auf der Webseite bereits geändert zu haben.
Umwelthilfe: McDonald's will grünes Image, ohne nachhaltig zu wirtschaften
Der DUH zufolge versprach McDonald's Klimaneutralität ab 2050, einschließlich der Lieferkette. «Damit will McDonald's vor allem von einem grünen Image profitieren, statt wirklich nachhaltig zu wirtschaften», sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Der Verband hielt dem Unternehmen vor, es fehle an konkreten, überprüfbaren Angaben zur Reduktion der CO2-Emissionen ebenso wie an Zwischenzielen und einem belastbaren Umsetzungsplan.
McDonald's: Klima-Webseite war keine Werbung
Ein McDonald's-Sprecher erwiderte, die Webseite sei bereits vor mehreren Monaten angepasst worden. Da die kritisierte Darstellung nicht mehr zugänglich ist, führe eine Klage daher nicht zur weiteren Verbesserung für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die betreffende Website sei ein Informationsangebot mit Hintergrundinhalten für ein interessiertes Publikum, und zu keinem Zeitpunkt dazu bestimmt gewesen, den Konsum oder konkrete Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Eingereicht wurde die Klage laut DUH beim Landgericht München I.
(wohl nicht nur) Putenhaltung: Branche warnt vor Folgen von Einzelfallurteilen
BU: Branchenvertreter warnen vor regional unterschiedlichen Auflagen für Putenhalter.
Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Putenhaltung sieht die SPD politischen Handlungsbedarf. Gleichzeitig mahnt die Geflügelwirtschaft zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Entscheidung.
Politischen Handlungsbedarf leitet der zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Behrens, aus dem Putenurteil des Bundesverwaltungsgerichts ab. Zwar werde immer von zu viel Bürokratie und Überregulierung gesprochen, in der Nutztierhaltung gebe es in Deutschland jedoch für einige Tierarten noch immer keine gesetzlichen Mindeststandards, betonte Behrens. Für den Tierschutzbeauftragten seiner Fraktion ist das „eigentlich unvorstellbar“.
Daher wundere ihn weniger das Bundesverwaltungsgerichtsurteil als vielmehr, „dass in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung noch immer große Lücken bestehen“, so der SPD-Politiker Gleiches gelte nämlich auch für die Haltung von Kühen und Bullen. „Wir brauchen die klaren Regeln nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Tierhalter, die einfach Rechtssicherheit und damit auch Planungssicherheit benötigen und verdienen“, betonte Behrens. Nicht zuletzt sei der gesetzliche Mindeststandard aber auch erforderlich, um das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) perspektivisch auf weitere Tierarten auszuweiten.
Gegen voreilige Schlüsse
Demgegenüber warnte der Vorsitzende des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), Friedrich-Otto Ripke, voreilige Schlüsse aus der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zu ziehen. Fest stehe zunächst nur, dass das Urteil für den Einzelfall eines Putenmast-Betriebes und für das zuständige Veterinäramt gelte. Fest stehe auch, dass das mit der Verbandsklage angestrebte Haltungsverbot für diesen Betrieb nicht habe durchgesetzt werden können. Jetzt müsse das Veterinäramt des zuständigen Landkreises in Baden-Württemberg über die notwendigen Tierschutzmaßnahmen in dem betroffenen Betrieb neu entscheiden.
Ripke räumte ein, dass die freiwilligen Eckwerte der Branche dem Bundesverwaltungsgericht „nicht verbindlich genug“ gewesen seien. Für den Verbandsvorsitzenden heißt das aber nicht, „dass ihre Inhalte für eine Anordnung durch die Veterinärbehörde nicht infrage kommen.“ Zusammen mit dem mit den Eckwerten verbundenem Gesundheitskontrollprogramm stelle das deutsche System von Tierschutzvorgaben für Mastputen ein vergleichsweise ambitioniertes Tierschutzanforderungssystem dar. Dieses System sei als Grundlage für eine nationale Putenhaltungsverordnung hervorragend geeignet.
Auch laut Ripke löst das Leipziger Urteil entsprechenden Handlungsbedarf aus, „denn andernfalls wird es in Deutschland durch Einzelauslegungen und Einzelentscheidungen der zuständigen Veterinärbehörden zu einer Vielfalt von Anordnungen auf Kreisebene kommen, die mit Planungssicherheit und Recht auf Gleichbehandlung nichts zu tun hätte.“ Eine solche Entwicklung würde dem NGW-Vorsitzenden zufolge die gesamte deutsche Putenhaltung gefährden; Tierschutz-Fortschritt und Ernährungssicherung würden damit ein Bärendienst erwiesen.
Bundesregierung zu Schadstoffen im Trinkwasser
Die Schadstoffbelastung des Trinkwassers in Deutschland stuft die Bundesregierung mit Verweis auf Daten des Umweltbundesamtes „in den allermeisten Fällen“ als gering ein. Das geht aus einer Antwort (21/5463) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (21/5004) hervor. Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vertreten demnach den Standpunkt, dass es unwahrscheinlich ist, dass von Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen. Dies gelte gleichermaßen für die Aufnahme durch Lebensmittel wie durch Trinkwasser, heißt es in der Antwort.
Auch Rückstände von Arzneimitteln hält die Bundesregierung für unbedenklich. Bei Arzneimitteln bestehe ein großer Unterschied zwischen der Konzentration eines Arzneimittels im Trinkwasser und seiner therapeutischen Dosis: „Während die Konzentrationen im Trinkwasser meist unter 1 µg/l (Millionstel Gramm) liegen, liegt die therapeutische Dosis um ein Vielfaches höher“, schreibt die Bundesregierung. Die im Trinkwasser zum Teil nachgewiesenen geringen Mengen lägen damit unterhalb therapeutisch wirksamer Konzentrationen für den Menschen und hätten „nach heutigem Kenntnisstand“ keine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Ähnlich verhalte es sich mit Pflanzenschutzmitteln. Polychlorierte Biphenyle (BCB), Bromdiphenylether und Phosphat, nach denen sich die Grünen in ihrer Anfrage auch erkundigt hatten, spielten im Trinkwasser keine Rolle.
Zur Belastung des Trinkwassers mit Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), den sogenannten Ewigkeitschemikalien, macht die Bundesregierung im Zusammenhang mit einer Belastung des Trinkwassers keine Angaben. Mit Blick auf die Belastung von Badegewässern heißt es in der Antwort aber: „Aus den Deutschen Studien zur Gesundheit (GerES) geht hervor, dass große Teile der Bevölkerung mehrfach mit PFAS, PCBs, Metallen und Pestiziden belastet sind. Dies ist besorgniserregend, da es langfristige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben kann.“
In der Antwort heißt es, die Belastung von Miesmuscheln und Fischen mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Quecksilber sowie mit PCB und polybromierten Diphenylethern (PBDE) liege unterhalb der für den menschlichen Verzehr gemäß der EU-Verordnung 2023/915 festgelegten Höchstgehalte.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte sich in der Kleinen Anfrage nach Schadstoffbelastungen in Wasser und Umwelt erkundigt.
Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Schon wieder: Gestrandeter Wal Timmy: 19 erfolglose Eilanträge beschäftigen die für Tierschutzrecht zuständige Kammer des Verwaltungsgerichts Schwerin
Aber sämtlichen Antragstellern fehlt die Antragsbefugnis
Bei dem Verwaltungsgericht Schwerin sind in der Folge der Strandung des Buckelwales vor der Insel Poel Anträge, Klagen und Anfragen eingegangen. Mit bislang insgesamt 19 Eilanträgen war die u. a. für das Tierschutzrecht zuständige Kammer des Gerichts befasst. Sämtliche Anträge blieben mangels Antragsbefugnis der jeweiligen Antragsteller erfolglos. Ein Teil der Anträge wurde zurückgenommen… .
Gastronomie macht Front gegen Tierhaltungslogo
Zu Currywurst und Schnitzel in Imbissen und Restaurants gibt es meist keine Infos, wie die Tiere einst im Stall lebten. Die Koalition plant, eine Kennzeichnung vorzuschreiben. Die Branche protestiert.
Die Gastrobranche macht Front gegen die geplante Einführung des verpflichtenden staatlichen Tierhaltungslogos für Fleisch in Restaurants und Kantinen.
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Walrettung: Geht Sensation vor Tierwohl?
AVA und viele Nutztierärzte sind sich einig: Sensation geht hier vor Tierschutz und Tierwohl. (Der "arme" Timmy)
Groß und charismatisch - dass Menschen einem Wal eher helfen wollen als anderen Tieren, mag nicht verwundern. Doch Expertinnen warnen: Viel tun helfe mit Blick aufs Tierwohl nicht immer viel.

Eigentlich hatten die Behörden nach einem Gutachten von Experten entschieden, den Buckelwal vor Poel in Ruhe zu lassen. Es gab viel Druck in sozialen Medien, teils angetrieben von populistischen Stimmungsmachern. Schließlich wurde entschieden, einer Privatinitiative Rettungsbemühungen zu genehmigen. Seither gibt es viel Trubel und Lärm um das geschwächte Wildtier und es lässt sich nur erahnen, wie viel Stress und Angst es durchlebt.
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Weitere Wal-Aktion mit Transportkahn geplant
Go für den neuen Plan der privaten Initiative für einen Transport des gestrandeten Buckelwals: Das Ministerium duldet das Konzept der Gruppe. Wirklich los geht es allerdings frühestens Dienstag

In eine Art stählernes Aquarium gesperrt soll der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden.
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Welche Folgen hat der Massenflug der Maikäfer?
Die Maikäfer im badischen Iffezheim stehen in den Startlöchern für ein besonders Spektakel. Warum der Massenflug der Käfer nur eine Vorankündigung ist.

"Maikäfer flieg, Dein Vater ist im Krieg..."; so haben wir noch als Kinder gesungen. Zwischendurch waren die Maikäfer "ausgestorben" - jetzt werden sie zur Plage... .
Es ist ein Naturphänomen: Im hessischen Süden schwärmt in diesen Tagen eine halbe Milliarde Maikäfer aus. Ein ähnliches, wenngleich deutlich kleineres Schauspiel wird auch in diesen Tagen in der Nähe des badischen Iffezheim erwartet. Experten rechnen dort mit etwas mehr als drei Millionen Exemplaren in den kommenden etwa drei Wochen.
Es ist nur eine Art Vortrupp: Denn erst im nächsten Jahr graben sich die ausgewachsenen Larven des deutlich größeren sogenannten Südstamms in Baden aus dem Erdboden, in dem sie zuvor als Engerlinge gelebt und sich entwickelt haben. Und dann gehen Experten von einem Massensturm aus, der den diesjährigen Umfang des Niederwalds bei Iffezheim in den Schatten stellen dürfte.
Stämme im Süden, in der Mitte und im Norden
Innerhalb der regionalen Vorkommen, der sogenannten Stämme, leben die meisten Tiere nach dem gleichen Takt. So finden sie beim Schlüpfen in großer Zahl Partner vor. Überregional gibt es die Taktung aber nicht. Waldmaikäfer in Süd-, Mittel- und Nordbaden, in Südhessen, Bayern oder Sachsen-Anhalt schlüpfen oft in unterschiedlichen Jahren. «Der Südstamm zwischen Rastatt und Bruchsal ist deutlich umfangreicher, da wird dann ordentlich was los sein», sagt Horst Delb von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) zu den Erwartungen für das kommende Jahr. Die Region des Nordstamms, der ein weiteres Jahr später schlüpft, erstreckt sich dagegen zwischen Bruchsal und Schwetzingen.
Maikäfer sind in der Dämmerung unterwegs
Im Niederwald bei Iffezheim sind die ersten geschlüpften Maikäfer schon seit einigen Tagen unterwegs auf Nahrungssuche und zur Paarung. In den kommenden zwei bis drei Wochen wird sich ihre Zahl nach Schätzungen Delbs auf rund 3,2 Millionen summieren. «Wir haben das von einzelnen Quadratmetern hochgerechnet auf das rund 200 Hektar große Gebiet», erklärt der FVA-Experte. Vor allem in der Dämmerung - etwa ab 20.30 Uhr und für eine Dreiviertelstunde - sieht und hört man die Tiere teils zu Zehntausenden durch Wälder und über Waldlichtungen schwirren. «Das zu sehen ist ein Erlebnis und ein Naturschauspiel», sagt Delb.
Förster und Waldbesitzer leiden
Doch Försterinnen und Förster sowie Waldbesitzer leiden vor allem in den Jahren, in denen die Maikäfer nicht fliegen. Denn unter der Erde richten sie im Larvenstadium als Engerlinge den größten Schaden an. Das gilt ganz besonders für das Jahr vor dem Ausflug. «Für den Südstamm haben wir also jetzt das Jahr mit den schweren Schäden an den Wurzeln», sagt Delb. Waldmaikäfer benötigen trockene, warme Böden wie etwa im Hardtwald bei Karlsruhe. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab, aus denen Engerlinge schlüpfen, die sich innerhalb von drei Jahren weiterentwickeln. Die Larven fressen Wurzeln und wachsen - und sie schaden vor allem jungen Bäumen so sehr, dass sie absterben können.
Für das Ökosystem sind sie hingegen wichtig: Wildschweine, Füchse, Dachse und viele Vogelarten fressen Maikäfer, auch Fledermäuse kommen in Massenjahren von extra weit her. Bereits im Herbst vor dem Ausfliegen verwandeln sich die Larven in Käfer - und wenn die Witterung stimmt, kommen alle binnen weniger Tage gemeinsam aus der Erde. Dann geht es vergleichsweise schnell: Der sogenannte Reifefraß bis zum Absterben der Käfer nach der Fortpflanzung dauert nach Angaben Delbs je nach Witterung ungefähr vier bis sechs Wochen.
Und in dieser Zeit schaden die Maikäfer der Natur deutlich weniger: Sie können zwar einen Laubbaum fast kahl fressen. «Aber die meisten kahl gefressenen Bäume erholen sich wieder», heißt es beim BUND Baden-Württemberg. «Im Juni bilden die Bäume neue Blätter.» Die Weibchen der Maikäfer benötigen die Blätter hingegen, um etwa 100 Eier zu produzieren und mit etwas Kot in der Erde abzulegen.
Klimawandel bringt den Takt durcheinander
Doch auch bei den Maikäfern bringt der Klimawandel den Rhythmus durcheinander. Durch die früher einsetzende Wärme hat sich die Zeit der Entwicklung einer Maikäfer-Generation von der Larve bis zum Käfer verkürzt auf teils nur noch drei statt vier Jahre. Die Folge: verschiedene Generationen können sich überschneiden. Ungefähr alle 30 bis 45 Jahre kommt es zu sogenannten Massenvermehrungen, also einem gehäuften Auftreten der Maikäfer.
Eine wirksame Schadensbekämpfung gestaltet sich allerdings außerordentlich schwierig. Zum einen leben die Engerlinge, die den Hauptschaden anrichten, unter der Erde und sind praktisch nicht zu erreichen. Ausgewachsene Käfer sind zudem robust. Momentan sind keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Mit Giftduschen aus Hubschraubern wie einst dürfen die Käfer im Südwesten nicht mehr bekämpft werden. Versuche mit einem für Insekten schädlichen Beauveria-Pilz waren bisher wenig erfolgreich. «Im Moment sind uns die Hände gebunden», sagt Delb.
