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NEWS
von der AVA und aus der Branche
ASP in Indien: Die stille Ausbreitung des Virus in Südasien
Auch wenn Indien nicht unbedingt als erstes mit Schweinehaltung in Verbindung gebracht wird, leidet das riesige Land ebenfalls unter Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest (ASP). In den letzten Jahren hat sich das Virus in weiten Teilen des Landes ausgebreitet, und immer wieder kommt es zu neuen Ausbrüchen.
Jedes Jahr in Indien veröffentlicht das Ministerium für Fischerei, Tierhaltung und Milchwirtschaft einen jährlichen Bericht zur Entwicklung des Sektors im Land. Die Aktualisierung für das Jahr 2025 zeigte, dass das Virus in diesem Jahr in insgesamt 15 Bundesstaaten nachgewiesen wurde – im Norden, Süden und Osten. Der Jahresbericht gab außerdem an, dass im Jahr 2025 insgesamt 21.479 Schweine verendet und 13.146 Schweine gekeult werden mussten.
Die Schweinebestände in Indien sind niedrig.
Diese Zahlen mögen im Vergleich zu großen Schweineproduktionsländern wie China oder Vietnam, wo buchstäblich Millionen von Schweinen aufgrund von … verschwunden sind, relativ niedrig erscheinen.
Dieser Unterschied lässt sich offensichtlich teilweise durch die Ernährungsgewohnheiten des Landes erklären, da Schweinefleisch in den meisten Regionen Indiens kaum auf dem Speiseplan steht. Laut der indischen Viehzählung gibt es landesweit nur etwa 9 Millionen Hausschweine.
Die landesweite Präsenz der Afrikanischen Schweinepest (ASP), selbst wenn sie vergleichsweise wenige Opfer fordert, zeigt einmal mehr, dass sich das Virus über weite Gebiete ausgebreitet hat. Das Ausmaß des Problems wird noch deutlicher, wenn man die Daten des Jahresberichts von 2024 miteinbezieht. In diesem Jahr wurde das Virus in 23 von 28 indischen Bundesstaaten sowie im Unionsterritorium Delhi nachgewiesen. Die Gesamtzahl der offiziell gemeldeten Schweinevernichtungen lag 2024 deutlich höher: 99.308 Schweine verendeten, weitere 51.261 mussten gekeult werden.
Insgesamt bedeutet dies, dass es dem ASF-Virus im Laufe der Jahre gelungen ist, seinen Weg von Nordostchina bis zur Grenze mit Pakistan zu finden – eine Entfernung von 5.600 km. Dies betrifft auch die Ausbrüche, die aus den nordwestlichen Bundesstaaten Punjab und Rajasthan gemeldet wurden.
Ausbrüche auf kleineren Grundstücken oder in Dörfern
In einem Update vom Juni 2026 heißt es:
Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) fasste eine Reihe jüngster Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in den nordöstlichen Bundesstaaten Indiens zusammen – in unmittelbarer Nähe zu Myanmar. In dieser Region wurde die ASP in Indien erstmals im Januar 2020 nachgewiesen, und dort wird auch der größte Teil des indischen Schweinefleischs konsumiert.
Häufig handelt es sich bei den infizierten Betrieben um relativ kleine Höfe oder Dörfer. So berichtete die FAO beispielsweise in einem Bericht vom Juni 2026 über einen Ausbruch auf einem Bauernhof im Bundesstaat Kerala (Südwestindien), bei dem 195 Schweine gekeult werden mussten. Berichten zufolge hat das Virus auch die Wildschweinpopulation Indiens erreicht, wie aus verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen hervorgeht. Ein wissenschaftlicher Bericht aus dem Jahr 2024 beispielsweise, veröffentlicht im Archiv der Virologie, berichteten über Ausbrüche in den Wildschweinpopulationen in zwei Nationalparks in den südindischen Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu in den Jahren 2022 und 2023. Die Wissenschaftler sprachen von einer „hohen Sterblichkeitsrate“.
Einführung im Jahr 2020 im Nordosten
Erstaunlicherweise findet sich in der Datenbank der ASF nur sehr wenig über das Ausmaß der ASF-Verbreitung (Weltorganisation für Tiergesundheit -(WOAH). Diese Datenbank enthält lediglich vier Berichte über die Afrikanische Schweinepest in Indien, die zwischen 2020 und 2023 eingereicht wurden. Diese Berichte beschränken sich auf die Afrikanische Schweinepest in den nordöstlichen Bundesstaaten: Arunachal Pradesh, Assam, Manipur, Meghalaya, Mizoram, Nagaland und Sikkim.
Im Laufe der Jahre erhielt WOAH Meldungen über die Afrikanische Schweinepest in den Nachbarländern Indiens, darunter Bhutan (seit 2021), Nepal (2022), Bangladesch (2023) und Sri Lanka (2024).
Es ist unklar, ob das Virus in Ländern westlich von Indien aufgetreten ist. In Pakistan gibt es praktisch keine Schweine, da Schweinefleisch aus kulturellen Gründen nicht verzehrt wird, weshalb die Überwachung auf das Afrikanische Schweinepestvirus dort vermutlich keine Priorität hat. Dennoch ist bekannt, dass es in Pakistan eine Wildschweinpopulation gibt.
Berücksichtigung von Bildung und Biosicherheit
Indien arbeitet laut FAO auch am Austausch von Biosicherheitsprotokollen und Schulungsmaterialien. Die Organisation verwies beispielsweise auf die Entwicklungen in Assam, einem der wichtigsten Schweinezuchtgebiete Indiens: „Am 6. Mai 2026 veröffentlichte der Bundesstaat Assam Protokolle zu Biosicherheit, Zoneneinteilung und Unterteilung zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Schweinebetrieben. Ziel ist es, die Ausbreitung der ASP durch Isolierung und Quarantäne von Schweinen, Kontrolle des Zugangs und der Bewegung, Durchsetzung von Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, tägliche Gesundheitsüberwachung und schnelle Eindämmung von Ausbrüchen zu verhindern.“
Quartalsupdate: Die globalen Schweinepreise bleiben schwach
Die globalen Schweinepreise werden in den kommenden Monaten voraussichtlich nicht steigen.
Die Schweinepreise geben weiterhin wenig Anlass zu übermäßigem Optimismus. Auch im dritten Quartalsbericht dieses Jahres sieht der internationale Schweinemarktanalyst Dr. John Strak wenig Anlass für eine positivere Einschätzung.
Als John Strak im April dieses Jahres seinen letzten Artikel über den globalen Schweinefleischmarkt verfasste, war seine Prognose düster. Tatsächlich zeichnet sich nun schon seit fast einem Jahr ein miserables Bild der Preise und Marktaussichten.
John Strak : „Bitte verurteilen Sie nicht den Überbringer dieser Nachricht und bedenken Sie, dass die Welt in dieser Zeit mit neuen Feindseligkeiten im Iran konfrontiert war und dass in der Ukraine die Strategie, Russlands Lieferkette für Öl und Raffinerieprodukte anzugreifen, intensiviert wurde. Im Hintergrund setzten US-Präsident Trump seine Bemühungen fort, Zölle auf den internationalen Handel zu erheben.
Insbesondere in China, das früher ein bedeutender Importeur von Schweinefleisch auf dem Weltmarkt war, kämpft der Schweine- und Schweinefleischsektor mit Produktionsrückgängen, da die konkurrierenden Kräfte niedriger Preise und neuer Produktionstechnologien versuchen, ein Gleichgewicht zu finden.
USA: Immer mit der Ruhe.
In den Abbildungen 1–4 und Tabelle 1 im Originalbeitrag präsentiere ich die aktuellsten Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zu den Schweinebeständen der USA (Zählung vom 1. Juni) und den täglichen Schweinepreisen in den USA. Die Zählungsdaten zeigen, dass der Gesamtbestand an Schweinen und Ferkeln am 1. Juni 73,67 Millionen Tiere betrug.
Dies entspricht einem Rückgang von 0,05 % und ist somit im Jahresvergleich unverändert. Der Zuchtbestand liegt mit 5,88 Millionen Tieren um 1,2 % unter dem Vorjahreswert. Die Anzahl der Mastschweine liegt mit 67,78 Millionen Tieren um 0,05 % über dem Wert zum gleichen Stichtag im Jahr 2025 und ist damit praktisch unverändert… .
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das globale Wirtschaftswachstum und das Verbrauchervertrauen erheblichen Einbußen ausgesetzt waren, mit denen wir alle – sowohl Konsumenten als auch Produzenten – leben müssen. Vermutlich steht uns das Schlimmste noch bevor.
Schweinefleisch hat gelitten
Wie erwartet, ist die Nachfrage nach Schweinefleisch, ebenso wie die Nachfrage nach vielen anderen Grundnahrungsmitteln und Konsumgütern/Dienstleistungen, gesunken. Verschärft wurde die Situation durch den erheblichen Kostendruck für die Verbraucher aufgrund steigender Inflation, die durch höhere Energiekosten verursacht wird. Hinzu kommt die Angebotsseite: Obwohl die meisten großen Schweinefleischproduzenten und -exporteure kein Interesse an einer Expansion gezeigt und viele ihre Zuchtbestände verkleinert haben, hat die Kombination aus verbesserter Produktivität und Trumps Handelsbeschränkungen den Anpassungsprozess am Markt verlangsamt... .
Niedrige Schweinepreise verschärfen Strukturwandel
Landvolk fordert weniger nationale Sonderauflagen und mehr Perspektiven für Schweinehalter
Die anhaltend niedrigen Schweine- und Ferkelpreise setzen Niedersachsens Sauenhalter und Schweinemäster zunehmend unter Druck. Während die Erlöse weiter sinken, steigen die Kosten für Futter, Energie und Betriebsmittel. Gleichzeitig müssen viele Betriebe hohe Investitionen in den gesetzlich vorgeschriebenen Tierwohl-Umbau bis 2029 stemmen. Aus Sicht des Landvolks Niedersachsen droht diese Entwicklung den Strukturwandel weiter zu beschleunigen.
„Mit nur noch 1,40 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht und rund 30 Euro je Ferkel fehlt vielen Betrieben die wirtschaftliche Grundlage für Investitionen“, sagt Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen. „Das eigentliche Problem ist die immer größer werdende Lücke zwischen Kosten und Erlösen. Wer dauerhaft mehr leisten muss als seine europäischen Wettbewerber, verliert am Ende seine Zukunft.“
Besonders Sauenhalter stehen unter erheblichem Druck. Die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erfordern insgesamt milliardenschwere Investitionen in Stallumbauten. Das Landvolk kritisiert, dass Deutschland mit nationalen Sonderregelungen die Anforderungen weiter verschärft, während in anderen EU-Staaten niedrigere Anforderungen gelten. „Tierwohl braucht Akzeptanz und Planungssicherheit. Es kann aber nicht funktionieren, wenn deutsche Betriebe immer höhere Auflagen erfüllen müssen und gleichzeitig mit Weltmarktpreisen konkurrieren“, erklärt Garbade.
Ein politisches Umdenken sei deshalb notwendig, es brauche verlässliche Rahmenbedingungen und einen Abbau nationaler Wettbewerbsnachteile. Zudem müsse der Lebensmitteleinzelhandel sein Bekenntnis zu Schweinefleisch mit 5D-Herkunft – also geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland – konsequent einhalten und regionale Erzeugung stärker honorieren. Hilfreich wäre es zudem, wenn auch Gastronomie und Kantinen verstärkt deutsches Schweinefleisch verarbeiten würden.
Trotz der schwierigen Lage sieht das Landvolk Perspektiven. Europaweit werden Schweinebestände reduziert, sodass sich die Märkte mittelfristig wieder stabilisieren könnten. Damit Niedersachsen auch künftig ein bedeutender Standort der Schweinehaltung bleibt, braucht es jetzt die richtigen politischen Weichen. Denn Schweinehaltung sichert Wertschöpfung, Arbeitsplätze und regionale Wirtschaftskreisläufe – weit über die landwirtschaftlichen Betriebe hinaus.
Blauzungenkrankheit: Landvolk empfiehlt Bestände zu schützen
Es besteht keine Kreuzimmunität zwischen den auftretenden Serotypen 3 und 8
Mit dem ersten Nachweis des Serotyps BTV-8 in einer Rinderhaltung im Landkreis Göttingen ist die Blauzungenkrankheit in Niedersachsen erneut angekommen. Für das Landvolk Niedersachsen ist die Botschaft eindeutig: Die Impfung bleibt derzeit die einzige wirksame Möglichkeit, Tierbestände zu schützen und die Auswirkungen der Tierseuche zu begrenzen.
Durch den Ausbruch liegt inzwischen eine Vielzahl niedersächsischer Landkreise ganz oder teilweise innerhalb der 150-Kilometer-Handelsrestriktionszone. Für Tierhalter ergeben sich dadurch Einschränkungen beim Verbringen empfänglicher Tiere in bislang BTV-8-freie Gebiete.
„Wir appellieren an alle Halter von Rindern, Schafen und Ziegen, ihre Tiere jetzt impfen zu lassen. Auch wenn die Blauzungenkrankheit bereits in Niedersachsen nachgewiesen wurde, ist eine Impfung nach wie vor der beste und derzeit einzige wirksame Schutz, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern und die Ausbreitung einzudämmen“, betont Frank Kohlenberg, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen und selbst Milchviehhalter.
Wichtig ist dabei: Zwischen den einzelnen Serotypen besteht keine Kreuzimmunität. Eine Impfung gegen einen Serotyp schützt daher nicht vor einer Infektion mit einem anderen. Die Fachbehörden empfehlen, Wiederkäuer auch 2026 weiterhin gegen den Serotyp BTV-3 zu impfen und zusätzlich einen Impfschutz gegen BTV-8 aufzubauen. Gegen BTV-8 stehen mehrere zugelassene Impfstoffe zur Verfügung. Da in Teilen Europas außerdem der Serotyp BTV-4 vorkommt, können Tierhalter alternativ auch auf Kombinationsimpfstoffe gegen BTV-4 und BTV-8 zurückgreifen.
„Viele Betriebe haben die dramatischen Folgen der Blauzungenkrankheit in den vergangenen Jahren bereits erlebt – von wirtschaftlichen Schäden bis hin zu Tierverlusten. Deshalb sollten wir jetzt alle verfügbaren Möglichkeiten nutzen, um unsere Herden bestmöglich zu schützen“, so Kohlenberg. Das Landvolk verweist darauf, dass Tierhalter sich spätestens jetzt mit ihren Hoftierärzten abstimmen sollten, um den passenden Impfschutz für ihre Bestände sicherzustellen.
Nutzung von Zeburindern zur Verbesserung der Hitzetoleranz europäischer Mutterkuhherden?
Heißes und feuchtes Wetter stellt Mutterkuhhaltungen vor besonderen Herausforderungen, da Mutterkühe und ihre Nachkommen meist auch im Hochsommer ausschließlich auf der Weide gehalten werden.
Da eine Umsetzung von (bautechnischen) Schutzmaßnahmen (z.B. Unterstände etc.) zur Linderung von Hitzestress bei ganzjähriger Weidehaltung – vor allem mit zunehmender Herdengröße – oft nur sehr begrenzt möglich ist, bevorzugen die Tierhalter notwendigerweise solche Rinder, die an diese Bedingungen gut angepasst sind.
Vor allem Zebu-Rinder (= Bos indicus-Rassen) sind diesbezüglich ein sehr interessantes Genreservoire.
Zebuine Rinder spielen eine zentrale Rolle in pastoralen Agrarökosystemen, sowohl in semiariden Regionen als auch in heiß-feuchten tropischen Regionen.
Bos indicus-Rassen können ihre Körpertemperatur bei Hitzestress oft besser regulieren als Bos taurus-Rinder (= ‚europäische‘ Rinder).
Mittlerweile wird auch deutlich, dass sich das Klima schneller ändert als die mögliche genetische Verbesserung vorhandener Fleischrindpopulationen (Deutsche Angus, Simmentaler/Fleisch-Fleckvieh, Charolais etc.) bezüglich ihrer Hitzetoleranz mittels traditioneller Selektionsmethoden in Reinzucht. Außerdem lassen Zuchtprogramme mit einem besonderen Fokus auf schnelle weitere Verbesserung der Produktionsmerkmale (z.B. Fleischbildungsvermögen) die Anfälligkeit der Tiere bezüglich ihrer Hitzeanfälligkeit erhöhen, da eine enge Beziehung zwischen Produktionsniveau und metabolischer Wärmeproduktion besteht (Brade, 2024).
Ein alternativer Ansatz besteht darin, mittels Kreuzung spezifische Thermotoleranzgene von zebuinen Rinderrassen in europäische Rassen einzuführen und dabei gleichzeitig unerwünschte Genkombinationen (z.B. höhere Kälbersterblichkeit, reduzierte Fleischqualität) zu vermeiden.
Phänotypische Unterschiede zwischen taurinen und zebuinen Rindern
Zuburinder stammen ursprünglich aus Süd- und Südostasien; Regionen mit (sub)-tropischem Klima.
Auffallende äußere Merkmale dieser Tiere sind das Vorhandensein eines Höckers, einer reichlich vorhandenen Wamme (= Hautfalten), eine pigmentierte und lockere Haut sowie ein kürzeres und dünneres Haarkleid im Vergleich zu Bos taurus.
Zebu-Rinder (nachfolgend ZR genannt) haben eine höhere thermoregulatorische Fähigkeit im Vergleich zu Rindern europäischer Herkunft (Bos taurus; nachfolgend ER genannt), was auf eine verringerte Wärmeerzeugung und eine erhöhte Wärmeabgabekapazität an die Umgebung schließen lässt (Hansen, 2004, Pereira et al., 2014, Cardoso et al., 2015, u.a.).
Seit ihrer Divergenz (vor mehr als 300.000 Jahren) haben die Genome von ER und ZR zahlreiche Mutations- und Selektionsprozesse durchlaufen, was letztlich auch dazu führte, dass sich die verschiedenen Rinderunterarten besser an ihre jeweilige Umgebung anpassten. Zusätzlich hat der Mensch seit Beginn der Domestizierung selektiv eingegriffen (= künstliche Selektion).
Unterschiede in der Hautmorphologie zwischen ER und ZR wurden wiederholt beschrieben. Zahlreiche Studien belegen, dass ZR im Vergleich zu ER besser entwickelte Schweiß- und Talgdrüsen aufweisen. Deren Dichte ist höher und das Volumen größer. Zudem liegen sie näher an der Hautoberfläche (Cardoso et al., 2015, Mateescu et al., 2023)... .
Prof. Dr. habil. Wilfried Brade (Hannover)
One Health erklärt: Warum Nutztierärzte für unsere Gesundheit unverzichtbar sind – ein Interview
Wie sicher sind unsere Lebensmittel wirklich – und welche Rolle spielen Tierärzte dabei?
Viele Menschen sehen im Alltag nur das Produkt im Supermarkt. Doch dahinter steckt ein komplexes System aus Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und Verantwortung. Nutztierärzte sind dabei ein entscheidendes Bindeglied zwischen Stall und Verbraucher.
In diesem Interview spricht PD Dr. Andreas Palzer vom WFG über die gesellschaftliche Bedeutung der Nutztiermedizin, die drastische Reduktion von Antibiotika, das One-Health-Konzept und die Herausforderungen einer modernen Landwirtschaft.
In den letzten 10 Jahren wurde der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung um 70% reduziert – eine riesige Leistung! Wie ist das gelungen, und was bedeutet das konkret für uns Verbraucher?
Das ist tatsächlich ein gemeinsamer Erfolg von Tierärzten, Landwirten und auch der Politik, der weltweit Beachtung findet. Gelungen ist das nicht durch ein einzelnes Instrument, sondern durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die ineinandergreifen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten systematisch in die Prävention investiert: bessere Impfkonzepte, modernere Stallhaltungssysteme mit besserem Klima und besserer Hygiene, konsequente Biosicherheit, kontinuierliche Bestandsbetreuung durch den Tierarzt und ein Umdenken auf den Höfen. Wenn Tiere gar nicht erst krank werden, brauchen sie auch keine Antibiotika.
Hinzu kommt ein engmaschiges Monitoringsystem: Wir erfassen den Antibiotikaeinsatz inzwischen sehr genau, vergleichen Betriebe untereinander, identifizieren Auffälligkeiten und arbeiten dann gezielt mit den Betrieben, die noch Verbesserungspotenzial haben. Es gilt der Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Für Verbraucher bedeutet das ganz konkret: weniger Antibiotika in der Tierhaltung heißt geringeres Risiko für die Selektion auf antibiotikaresistente Keime, und das wiederum schützt am Ende auch die Wirksamkeit von Antibiotika in der Humanmedizin. Genau das ist der One-Health-Gedanke in der Praxis: Was wir im Stall tun, hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen.
Man hört oft vom One-Health-Konzept: Tier, Mensch, Umwelt. Wo sind Sie als Nutztierarzt das Bindeglied – und warum ist das für uns alle relevant?
One Health ist für uns Nutztierärzte nicht nur ein abstraktes Konzept, sondern unser tägliches Arbeitsfeld. Wir stehen im wahrsten Sinne des Wortes an der Schnittstelle: zwischen Tier, Mensch und Umwelt. Konkret heißt das: Wir überwachen die Gesundheit von Tierbeständen, die später als Lebensmittel auf den Tellern der Menschen landen. Wir achten darauf, dass keine Zoonoseerreger, also Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen überspringen können, in die Lebensmittelkette gelangen. Wir setzen Medikamente, insbesondere Antibiotika, verantwortungsvoll ein, weil wir wissen, dass Resistenzen, die im Stall entstehen, am Ende auch beim Menschen ankommen können. Und wir beraten Betriebe so, dass ihre Produktion ökonomisch und ökologisch tragfähig ist, Stichwort effiziente Ressourcennutzung, weniger Tierverluste, weniger Emissionen… .
Der NRW-Milchmarkt in der ersten Jahreshälfte 2026
Kritische Lebensmittelversorgung zunehmend im Fokus – heimische Landwirtschaft stärken
Die Halbjahrespressekonferenz der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) fand in der Niederrheinhalle, dem Auktionsstandort der Rinder-Union West eG (RUW), in Krefeld statt. Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der LV Milch NRW, erläuterte die Lage auf dem NRW-Milchmarkt: Die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte seien in den vergangenen Monaten insgesamt leicht zurück- gegangen, eine Ausnahme stellen jedoch die niedrigen Butterpreise dar, diese hätten sich nahezu halbiert. „Milch und Milchprodukte erfreuen sich sowohl auf der Verbraucherseite als auch im Handel einer anhaltend hohen Nachfrage“, erklärt Hans Stöcker, Rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW. „Gleichzeitig stehen die Milchviehbetriebe wirtschaftlich unter Druck. Trotz der guten Nachfrage liegt der Auszahlungspreis für Milch unter dem Vorjahresniveau, während die Kosten – unter anderem für Energie, Düngemittel und weitere Betriebsmittel – weiter hoch sind. Politik und Gesellschaft sind deshalb gemeinsam gefordert, die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige und sichere Lebensmittelversorgung in Deutschland zu schaffen. Angesichts geopolitischer Konflikte und wachsender Abhängigkeiten gewinnt eine starke heimische Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung.“
Der NRW-Milchmarkt in Zahlen
Von Januar bis April wurden in NRW im Vorjahresvergleich 6,5% mehr Milch gemolken, deutschlandweit sogar 6,7%. Auch in der EU (4,2%) und weltweit ist im ersten Quartal ein Anstieg zu beobachten. In Nordamerika nahm die Milchproduktion um 2,8% zu, in Südamerika um 4,3% und in Ozeanien um 4,7%. Die Notierungsergebnisse zeigen sich im ersten Quartal 2026 bei Butter und Käse unterdurchschnittlich. Bei Magermilchpulver sind die Ergebnisse deutlich über den Vorjahren - bei sinkender Tendenz. Trotz höherer Verbraucherpreise ist in den ersten Jahresmonaten der Absatz von Quark (+13,4%), Käse (+4,8%) und Joghurt (+3,7%) gestiegen. Die Erzeugerpreise mit 37,56 Cent/kg für konventionell erzeugte Milch (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß) rangieren in NRW im ersten Quartal mit einem Minus von 28,4 %, bzw. -14,88 Cent/kg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die Biomilcherzeugung ist mit einem Auszahlungspreis von im Mittel 62,63 Cent/kg die Situation mit 2,9 % über dem Vorjahr gut. Trotz einer um 16,8 % höheren Biomilchanlieferung an Molkereien im ersten Quartal 2026 ließen sich höhere Preise für Erzeuger (+2,9%) und im Handel (+6,7%) erwirtschaften. Der Abstand zwischen Konventionell und Bio zeigt sich im ersten Quartal so hoch wie noch nie... .
Kälberaufzucht: Warum die frühe Gruppenhaltung zur Brücke zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft werden kann
nde Januar 2026 ist das Projekt InnoRind – Zukunftsfähige Rinderhaltung in Deutschland unter
Berücksichtigung von Tierwohl, Umweltwirkungen und gesellschaftlicher Akzeptanz – abgeschlossen worden. Der Lehrstuhl für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Universität Göttingen untersuchte im Querschnittsthema gesellschaftliche Akzeptanz, wie Bürgerinnen und Bürger sowie Milchviehhaltende die Emotionen und Bedürfnisse von Kühen und Kälbern
wahrnehmen und vier Kälberaufzuchtsysteme bewerten.
Die frühe Trennung von Kuh und Kalb sowie die anschließende Einzelhaltung stehen zunehmend in
der öffentlichen Kritik. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist der fehlende Kuh-Kalb-Kontakt ein Symbol dafür, dass Bedürfnisse der Tiere zu wenig berücksichtigt werden. Milchviehbetriebe müssen
aber zugleich Tiergesundheit, Tränkeversorgung, Arbeitsabläufe, Stallstrukturen und Wirtschaftlichkeit im Blick behalten.
Die InnoRind-Studien zeigen deutliche Unterschiede zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft –
aber auch einen gemeinsamen Ausgangspunkt und einen möglichen Kompromiss.
Kühe und Kälber gelten auf beiden Seiten als empfindungsfähig
Eine qualitative Vorstudie befragte jeweils 15 Bürgerinnen und Bürger sowie Milchviehhaltende
durch Interviews. Eine anschließende quantitative Befragung umfasste knapp 1.000 Bürgerinnen
und Bürger und rund 120 Milchviehhaltende. Beide Gruppen sprechen Kühen und Kälbern ein breites Emotionsvermögen zu. Milchviehhaltende schrieben Kühen im Durchschnitt dabei stärkere
emotionale und kognitive Fähigkeiten zu als Bürgerinnen und Bürger.
Der Konflikt um die Kälberaufzucht entsteht daher nicht durch grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen von der Empfindungsfähigkeit der Tiere. Entscheidend ist vielmehr, welche Bedürfnisse
als besonders wichtig gelten und was unter betrieblichen Bedingungen umsetzbar erscheint. Bürgerinnen und Bürger fokussieren vor allem Haltungsumgebung, Kuh-Kalb-Kontakt, Bewegungsfreiheit und Sozialkontakte; Milchviehhaltende stärker Management, Gesundheitskontrolle, Versorgung und den täglichen Umgang mit dem Kalb – so das Ergebnis der qualitativen Interviews. Details
zu dieser Studie können Sie in Milchtrends im November 2023 nachlesen.
Vier Systeme – unterschiedliche Bewertungen
In der breiten Befragung wurden vier Systeme bewertet: Einzelhaltung (früh von der Mutter getrennt, in den ersten Wochen einzeln), frühe Gruppenhaltung (früh getrennt, nach der Geburt zu
zweit oder in kleinen Gruppen), ammengebundene Aufzucht (eine Kuh säugt neben dem eigenen
weitere Kälber) und muttergebundene Aufzucht (das Kalb wächst zunächst bei der eigenen Mutter auf)... .
Biogasbranche steht vor tiefgreifendem Umbruch
Biogasanlagen gehören für viele Bauern zum Geschäftsmodell. Sie «füttern» die Anlagen unter anderem mit Silomais und Gülle aus der Tierhaltung. Bei vielen läuft bald die Förderperiode aus.
Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern hat angesichts auslaufender Förderfristen verlässliche Rahmenbedingungen für die Betreiber von Biogasanlagen gefordert. Das Gros der 546 Biogasanlagen in MV sei zwischen 2006 und 2012 entstanden.# Bei mehr als der Hälfte der Anlagen laufe damit in den kommenden fünf Jahren die auf 20 Jahre befristete Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Die ersten Entscheidungen über den Weiterbetrieb würden bereits ab Ende 2026 anstehen, so der Verband.
«Biogas ist weit mehr als ein Stromlieferant. Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist die Anlage ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Sie verwertet Energiepflanzen, Gülle und andere Reststoffe, liefert verlässlich Strom und Wärme und springt genau dann ein, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern. Damit das auch künftig möglich ist, brauchen die Betriebe endlich verlässliche politische Rahmenbedingungen», sagte Bauernpräsident Karsten Trunk der Deutschen Presse-Agentur.
Besonders kritisch bewertet der Bauernverband die vorgesehenen Regelungen für die Anschlussvergütung nach Auslaufen der EEG-Förderung. Künftig solle nur noch die Einspeisung von Biogasstrom für maximal 3.000 Stunden im Jahr vergütet werden - überwiegend in Zeiten, in denen Wind- und Solarenergie nur begrenzt zur Verfügung stehen. Damit würden viele Betreiber nur noch einen Bruchteil ihrer bisherigen Erlöse erzielen.
Umweltschützer bewerten die Biogasanlagen anders, vor allem wenn Mais zur Energiegewinnung genutzt wird. Der Nabu Schleswig-Holstein forderte im vorigen Jahr, die Einspeisevergütung aller mit Mais und anderen Energiepflanzen gespeisten Biogasanlagen auslaufen zu lassen.
Biogas aus «Energie-Mais» sei energetisch wenig effizient und trage kaum zum Klimaschutz bei. Die Förderung über das EEG mit zwanzigjähriger Garantie auf hohe Einspeisevergütungen habe sich als energie- und umweltpolitischer Fehler erwiesen.
Schweinehaltung in Brandenburg auf historischem Tiefstand 2026
Die Schweinehaltung in Brandenburg steht vor beispiellosen Herausforderungen, da die Zahl der Schweinehalter auf einen historischen Tiefstand gesunken ist. Nach vorläufigen Ergebnissen der Viehbestandserhebung gibt es im Bundesland nur noch 105 Betriebe. Dies bedeutet einen Rückgang um mehr als die Hälfte innerhalb von 15 Jahren. Am 3. Mai 2026 wurden lediglich 529.000 Schweine gezählt, was den niedrigsten Stand seit 1990 markiert und einem Rückgang von 9,5 % innerhalb von sechs Monaten entspricht.
Rückgang in allen Altersgruppen sichtbar
Ein detaillierter Blick auf die Altersgruppen der Schweine zeigt eine durchweg negative Tendenz. Die Anzahl der Mastschweine fiel um 14,9 % auf 118.000 Tiere. Bei den Zuchtsauen gab es einen Rückgang um 8,9 %, was nun 56.000 Tiere sind. Auch bei den Ferkeln ist ein Rückgang zu verzeichnen, und zwar um 7,8 % auf derzeit 354.000 Tiere.
Sinkende Schlachtzahlen unterstreichen Abwärtstrend
Nicht nur die Bestandszahlen zeigen das Dilemma, auch die Anzahl der Schlachtungen ist rückläufig. Im Jahr 2025 wurden in Brandenburg nur 799.000 Schweine geschlachtet, so wenige wie seit 1991 nicht mehr. Dies stellt einen erheblichen Rückgang von 238.000 Tieren oder 23 % im Vergleich zum Vorjahr dar.
Tierseuchen und wirtschaftliche Hürden als Hauptursachen
Laut dem Landesbauernverband Brandenburg sind mehrere Faktoren für diesen dramatischen Einbruch verantwortlich. Seit dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Jahr 2020 und dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche Anfang 2025 kämpfen die Betriebe mit Verbringungsverboten und niedrigeren Erlösen aus Sperrzonen, was viele finanziell stark belastet hat.
Schließung des Schlachthofs Perleberg verschärft Lage
Erschwerend kommt die Schließung des Schlachthofs Perleberg im Dezember 2025 hinzu. Der Verband erklärt, dass nun lediglich ein größerer Schlachthof in Weißenfels, Sachsen-Anhalt zur Verfügung steht, was längere Transportwege und höhere Kosten bedeutet. Diese zusätzlichen Belastungen führten dazu, dass seit November 2025 rund 15 weitere Betriebe ihre Produktion einstellen mussten.
