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Alternative Blutentnahmepraktiken beim Schwein
Pig Vampire: Blutentnahme wie ein Kuss

Das Projekt „Pig Vampire“: Blutentnahme beim Schwein wie ein Kuss
- 26.05.2025
Die Analyse von Blutparametern ist für die Beurteilung des Gesundheitszustands eines Tieres von großer Bedeutung, doch die Blutentnahme stellt oft einen belastenden Vorgang für Tier und Mensch dar. Bei Schweinen erhöht die Notwendigkeit einer Fixierung während der Blutentnahme den Stresspegel zusätzlich. Das Projekt „Pig Vampire“ hat sich zum Ziel gesetzt, die traditionellen Methoden der Blutentnahme bei Schweinen zu verbessern bzw. zu ersetzen, indem Techniken aus der Humanmedizin angepasst sowie neue Ansätze erprobt werden. Diese Initiative ist Teil von PIGWEB, einem im Rahmen des EU-Programms „Horizont 2020“ finanzierten Projekts, an dem 16 Partner beteiligt sind (Grant Agreement Nr. 101004770).
Beim Menschen kann die Blutentnahme durchaus schmerzhaft sein. Dies hat zur Entwicklung von neuen Techniken und Applikationen geführt, mit denen die Belastungen reduziert werden können. Dank effizienterer Analysemethoden wird für viele Laboranalysen nur eine geringe Menge Blut benötigt. Anstatt eine Vene zu punktieren, reicht oft ein Tropfen Blut aus der Haut. Wenn eine Venenpunktion erforderlich ist, wird der Patientenkomfort durch den Einsatz von Infrarotkameras zur besseren Visualisierung der Venen weiter verbessert. Minimalinvasive Sensoren können wiederholte Blutentnahmen vermeiden helfen. Auch sind einige Parasitenarten für ihre Fähigkeit bekannt, fast unbemerkt Blut zu saugen, was zu neuen Ansätzen inspiriert. Die Riesenraubwanze Dipetalogaster maximus, ein blutsaugender Parasit, der in Mexiko beheimatet ist, bietet aufgrund ihrer feingliedrigen Mundwerkzeuge und der anästhesierenden Wirkung ihres Speichels einen nahezu schmerzfreien Biss. Im Labor gezüchtete Larven von Dipetalogaster maximus wurden verwendet, um Blutproben von Zoo- und Wildtieren zur Diagnostik zu entnehmen.
Bei Agroscope (Schweiz) und INRAE (Frankreich) wurden Untersuchungen durchgeführt, bei denen Raubwanzen, Infrarotkameras (Veinviewer®), Lanzetten sowie auf der Haut platzierte Glukosesensoren (Dexcom®) zur kontinuierlichen Überwachung des Glukosespiegels eingesetzt wurden. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN, Deutschland) optimierten Labortechniken zur Messung von Glukose und Cortisol aus einem einzigen Tropfen Blut. Jede der Methoden wurde anhand des Stressniveaus der Tiere, der Handhabung durch das Personal und der Konsistenz der Ergebnisse bewertet.
Von den vier Techniken erwiesen sich die Infrarotkamera und die Raubwanzen als am wenigsten effektiv. Die Nutzung der Infrarotkamera verbesserte zwar die Sichtbarkeit der Venen, erforderte jedoch immer noch eine erhebliche Fixierung der Tiere bei der Venenpunktion und bot daher nur minimale Vorteile. Die Raubwanzen waren zwar in der Lage, Blut ohne Fixierung der Tiere zu entnehmen, lieferten jedoch oft keine ausreichende Menge bzw. Qualität der Blutprobe. Die Nutzung des Glukosesensors und der Lanzetten boten jedoch ein größeres Potenzial. Der Glukosesensor ermöglichte eine kontinuierliche Überwachung des Glukosespiegels über einen Zeitraum von bis zu fünf Tagen, allerdings mussten die Schweine isoliert werden, um zu verhindern, dass andere Tiere den Sensor beschädigen. Mit der Lanzette konnte der Cortisolspiegel in einem einzigen Bluttropfen gemessen werden. Allerdings wurden wiederholte Einstiche an den Ohren von den Schweinen kaum toleriert. Beide Methoden sind vielversprechend, müssen aber für eine optimale Verwendung für die Blutentnahme bei Schweinen noch weiterentwickelt werden.
Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite und den zugehörigen wissenschaftlichen Publikationen (Xavier C. et al. A pilot study on alternative blood sampling methods in pigs. BMC Vet Res 21, 366 (2025).


