ASP-Virusstamm schon lange in Europa

 

 

Die Afrikanische Schweinepest grassiert in Europa. Allein seit 2022 starben mehr als eine Million Haus- und Wildschweine oder mussten getötet werden. Eine genetische Analyse zeigt: Die virulente Variante des Virus wurde bereits 2007 importiert. Bei der jüngsten Ausbreitung spielen Reisebewegungen innerhalb des Kontinents eine wichtige Rolle.

Laut dem kürzlich veröffentlichten epidemiologischen Jahresbericht zur Afrikanischen Schweinepest der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist die Zahl der Ausbrüche bei Wildschweinen seit 2022 stabil, bei den Hausschweinen gab es im vergangenen Jahr sogar einen deutlichen Rückgang an Fällen.

 

Dennoch kann man längst nicht von Entwarnung sprechen. Heuer wurden allein im ersten Quartal Tausende Fälle aus 17 europäischen Ländern gemeldet: Besonders betroffen waren Wildschweine in Polen, Deutschland, Ungarn und Lettland; die meisten Fälle bei Hausschweinen gab es zuletzt in Rumänien. Österreich blieb von der Schweinepest bisher insgesamt verschont.

 

Das ursprünglich in Afrika südlich der Sahara beheimatete Virus ist mittlerweile fast auf der ganzen Welt zu finden. Bei Wild- und Hausschweinen führt der Erreger zu schweren Erkrankungen mit hohem Fieber und inneren und äußeren Blutungen. Die Erkrankung, gegen die es derzeit keine Impfung gibt, ist durch eine hohe Sterblichkeit gekennzeichnet. Die Wanderbewegungen von Wildschweinen und der Handel mit Produkten aus Schweinefleisch erschwert die Eindämmung.

 

Wirtschaftliche Schäden

Die Ausbrüche der Tierseuche bescherten auch der globalen Schweineindustrie in den letzten Jahren erhebliche Verluste: Laut Schätzungen der Food and Agriculture Organization (FAO) waren es von 2007 bis 2023 etwa 2,1 Milliarden US-Dollar (umgerechnet ca. 1,83 Milliarden Euro). Außerdem haben die Ausbrüche viele kleine und mittlere Betriebe zerstört. In manchen Weltregionen war die Schweinepest ein Motor für große strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft, zum Beispiel in China, wo es 2018 erstmals einen großen Ausbruch gab.

 

2007 gelangte die Schweinepest durch ein Transportschiff nach Georgien, anschließend verbreitete sich das Tiervirus auch in den Nachbarländer Russland und Ukraine. 2014 gab es die ersten Fälle in der europäischen Union: in Litauen, Polen, Lettland und Estland.

 

Lange ansteckend

Übertragen wird die Krankheit durch Zecken, Lebensmittelabfälle oder durch direkten Kontakt. Das Virus kann sich aber auch monatelang in Fleischprodukten halten, z. B. in Salami. Über verunreinigte Kleidung, Schuhe oder Behältnisse kann der Erreger ebenfalls weitergegeben werden. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich, aber bei der Übertragung spielen sie eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich sind menschliche Reise- und Transportwege mitverantwortlich für die jüngste Ausbreitung in Europa, zu diesem Schluss kommt auch eine soeben im Fachmagazin „Genome Biology and Evolution“ veröffentlichte Studie.

 

Dafür analysierten die Forscher und Forscherinnen um Fabiana Gámbaro von der Freien Universität Brüssel Proben von Wild- und Hausschweinen aus Litauen, die zwischen 2016 und 2019 genommen worden waren. Gemeinsam mit bereits verfügbaren Daten rekonstruierte das Team die Ausbreitung des Virus auf dem europäischen Kontinent.

 

Einziger Vorläufer

Das Ergebnis: Der in Europa grassierende Virusstamm geht auf einen einzigen gemeinsamen Vorfahren aus Afrika zurück – höchstwahrscheinlich jener, der über Georgien eingeschleppt wurde. Seitdem habe es keinen viralen Austausch zwischen den Kontinenten gegeben. Bei der Verbreitung in Europa dürfte Polen der wichtigste Ausgangspunkt gewesen sein, mit der anschließenden Weitergabe in die angrenzenden Länder Litauen, Ukraine und Deutschland.

 

Um die Verbreitung der Tierseuche in der EU einzudämmen, ist das Mitnehmen von Fleisch- und Wurstprodukten verboten. Die österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) empfiehlt außerdem grundsätzlich keine Produkte aus Hausschlachtungen mitzuführen sowie Fleisch- und Wurstwaren nur in geschlossenen Behältern zu transportieren. Das Verfüttern von Lebensmittelresten an Schweine ist ebenfalls verboten, generell sollte man sich von Haus- und Wildschweinen fernhalten…. .

Zum Beitrag

Weitere News