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Ausbruch der Equinen infektiösen Anämie (EIA): Gefährliches Virus bei Pferd in Baden-Württemberg nachgewiesen
Am Dienstag, 19. August, meldete das Ministerium für Ländlichen Raum nun einen neuen Fall der Equinen infektiösen Anämie (EIA) im Land. Betroffen sei ein Pferd in einem pferdehaltenden Betrieb im Landkreis Tübingen.

- 20.08.2025
Seit 2017 wurde die sogenannte Ansteckende Blutarmut der Einhufer in Baden-Württemberg nicht mehr nachgewiesen. Am Dienstag, 19. August, meldete das Ministerium für Ländlichen Raum nun einen neuen Fall der Equinen infektiösen Anämie (EIA) im Land. Betroffen sei ein Pferd in einem pferdehaltenden Betrieb im Landkreis Tübingen.
Nach Angaben von Landwirtschaftsminister Peter Hauk wurde die anzeigepflichtige Seuche bei dem Tier am Dienstag vom nationalen Referenzlabor Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt. Daraufhin habe das zuständige Veterinäramt des Landkreises Tübingen den Ausbruch der anzeigepflichtigen Tierseuche amtlich festgestellt. „Die zuständigen Veterinärbehörden und Untersuchungsämter stehen im engen Austausch und haben rasch reagiert sowie alle notwendigen Maßnahmen veranlasst“, erklärte der CDU-Politiker.
Infizierte Tiere müssen getötet werden
Hauk zufolge kann das von blutsaugenden Insekten übertragene Virus auf den Menschen nicht übertragen werden. Nachweislich infizierte Tiere müssten getötet werden, da sie lebenslang Virusträger sind und somit dauerhaft eine potenzielle Infektionsquelle darstellen.
Laut Ministerium leiden erkrankte Pferde in der akuten Verlaufsform unter anderem an Fieber, Apathie, Bewegungsschwäche, Herzrasen und Punktblutungen auf der Zungenunterseite, auf Schleimhäuten und der Lidbindehaut. Die chronische Form sei gekennzeichnet durch wiederkehrende Fieberschübe, Konditionsverlust sowie Ödembildungen an Unterbauch und Extremitäten. Eine Anämie entstehe nach der Infektion vorrangig durch Auflösung der roten Blutkörperchen. Die Erkrankung habe oft einen tödlichen Verlauf.
Pferd hatte Kontakt zu anderen Tieren in allen Regierungsbezirken
Auch ein Einzelfall der Seuche, wie nun im Landkreis Tübingen, stellt die Behörden vor eine große Herausforderung. Denn sie müssen alle Tiere ermitteln und überprüfen, mit denen das seuchenkranke Pferd in der Vergangenheit Kontakt hatte. Im aktuellen Fall bestanden nach ersten Erkenntnissen Kontakte zu Betrieben und Pferden in mehreren Landkreisen, so das Ministerium. Alle vier Regierungsbezirke in Baden-Württemberg sind demnach betroffen. Der betroffene Betrieb im Landkreis Tübingen stehe unter behördlicher Beobachtung, es seien quarantäne- und veterinärmedizinische Maßnahmen ergriffen worden.
Beim Erreger der Equinen infektiösen Anämie handelt es sich laut Ministerium um ein Lentivirus aus der Familie der Retroviren, zu der auch das humane HIV-Virus (AIDS) gehört. Die Infektion erfolge in erster Linie über den Austausch von Blut. Überträger seien vorrangig große blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen und Wadenstecher, die das Virus von erkrankten wie auch von gesund erscheinenden Virusträgern weiterverbreiten können. Eine Übertragung durch Insekten sei auf die unmittelbare Umgebung im Umkreis von100 Meter bis 200 Meter beschränkt. Durch direkten Kontakt zwischen Pferden oder tierärztliche Behandlung, etwa mit Spritzen für mehrere Tiere, könne die Krankheit ebenfalls übertragen werden.
Das Virus gibt es weltweit, in Deutschland tritt es aber eher selten auf. Im Jahr 2017 gab es den Angaben zufolge insgesamt 14 Ausbrüche in den Ländern Baden-Württemberg (2), Bayern (3), Hamburg (3), Niedersachen (2), Nordrhein-Westfalen (3) und Schleswig-Holstein (1). Seither gab es nur einzelne Fälle außerhalb von Baden-Württemberg: 2018 einen Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern, 2020 einen in Hessen und 2024 einen in Bayern.


