Bauer Willi: Soll die (deutsche) Landwirtschaft abgeschafft werden?

In den sogenannten „Sozialen Medien“ wird immer wieder darüber diskutiert, ob bzw. dass die deutsche Landwirtschaft gezielt abgeschafft werden soll.

Der Weg zeigt momentan nur in eine Richtung: nach unten

Ich bin nicht dieser Meinung. Allerdings bin ich der Meinung, dass seit vielen Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten seitens der Politik alles getan wird, dass die (bäuerliche) Landwirtschaft nach und nach aus Deutschland und der EU verschwindet.

  • Warum ist das so?

Sowohl die deutsche als auch die EU-Politik wurde immer mehr darauf ausgerichtet, dass die Landwirte ihre Produkte zu Weltmarktpreisen produzieren (sollen). Die gestützten Preise für Agrarrohstoffe, die bis in die 90er Jahre gezahlt wurden, wurden nach und nach durch eine direkte Einkommensstützung – ohne Bezug zu den Produkten- abgelöst.

Mit der Agrarreform von 2003 begann die Europäische Union, die Direktzahlungen von der Produktion zu entkoppeln. Um die Direktzahlungen in voller Höhe zu erhalten, müssen die Landwirte im Rahmen der so genannten „Cross Compliance“ zahlreiche im Fachrecht vorgesehene Verpflichtungen des Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutzes, bei der Tiergesundheit, beim Boden- und Gewässerschutz sowie bei der Lebensmittelsicherheit erfüllen und die Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand erhalten. Diese Verpflichtungen wurden von Jahr zu Jahr von Beamten immer weiter „verfeinert“. Dies führt inzwischen zu immer absurderen Regelungen. So werden – unter anderem – ackerbauliche Maßnahmen an ein festes Datum gebunden. Diese „Kalender-Landwirtschaft“ entspricht aber in keinem Fall den natürlichen Gegebenheiten. Sie führt nicht nur zu völligem Unverständnis bei den Landwirten, sondern auch zu dem Gefühl, von der Politik ständig gegängelt zu werden.

  • Das Problem mit den „Subventionen“

Jeder, der etwas produziert, möchte für seine Produkte einen Preis erhalten, der nicht nur die Kosten deckt, sondern auch einen Gewinn erzielt. Das ist nicht unanständig, denn nur mit einem Gewinn kann ein Unternehmen wieder re-investieren. Wenn das Unternehmen das nicht kann, wird es über kurz oder lang insolvent und macht das Tor zu.

Wenn ich als Landwirt Weizen produziere, kann ich ihn nur zum Weltmarktpreis verkaufen. Ideen wie „Selbstvermarktung“ oder „tut euch Landwirte doch zusammen“ sind nett gemeint, aber in der Praxis für mich nicht machbar, weil meine Rohstoffe Weizen, Raps und Zuckerrüben Produkte sind, die weiterverarbeitet werden müssen.

  • Wie bildet sich der Weltmarktpreis?

Derjenige Berufskollege auf der Welt, der die Tonne Weizen zum niedrigsten Preis anbieten kann, bestimmt den Preis für alle anderen. Weizen ist ein austauschbares Produkt, eine Produktdifferenzierung ist nicht wirklich möglich. An der Börse finden sich Verkäufer und Käufer. Der Käufer wartet mit dem Kauf so lange, bis ihm der Preis günstig erscheint. Die letzte Tonne entscheidet, ob der Preis fällt oder steigt. Von daher wird das Mercosur-Abkommen von den Landwirten so kritisch gesehen. Es übt nochmals Druck auf die Preise aus.

Damit die Landwirte trotzdem existieren können, werden seitens der EU Ausgleichszahlungen gezahlt, von den Medien auch „Subventionen“ genannt. Es handelt sich um einen direkten Einkommenstransfer, als Ausgleich für die oben genannten Auflagen. Ohne diesen Einkommenstransfer könnten viele Betriebe nicht existieren. Und machen ihre Tore zu.

  • Verlagerung der Produktion ins Ausland

Diese Vorgaben müssen viele unserer Wettbewerber auf dem Weltmarkt nicht einhalten. Zudem sind dort die gesetzlichen Regelungen und Rahmenbedingungen für die Produktion (Löhne, Düngung, Pflanzenschutz, Tierschutz, Stallbau etc.) weitaus lockerer als in der EU und erst recht in Deutschland. Ein Beispiel: viele Schweinehalter haben und werden ihren Betriebszweig in Zukunft aufgeben, weil die äußeren Bedingungen für einen Stallumbau oder Neubau so ungünstig sind, dass sie eine Investition in Millionenhöhe nicht riskieren. Dies macht nur dann Sinn, wenn ein langfristiger Vertrag (Minimum 10 Jahre) mit einem Abnehmer vorliegt. Diese Verträge sind allerdings rar und so wird es wohl dazu führen, dass die Schweinehaltung nach und nach aus Deutschland verschwindet. Sie machen ihre Tore zu.

Bei der Milchviehhaltung werden die Betriebe, die ihre Tiere in Anbindehaltung halten, dies in absehbarer Zeit nicht mehr tun dürfen. Oft handelt es sich um kleinere Betriebe, für die eine Investition in einen Stallneubau finanziell nicht zu stemmen ist. Sie machen ihre Tore zu.

Ein Grund, der nur indirekt politisch zu verantworten ist, ist die Stimmung in der Landwirtschaft. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und von der Gesellschaft als Sündenbock angefeindet. Das wiederum führt dazu, dass die Bereitschaft, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, immer geringer wird. Viele Eltern raten ihren Kindern sogar aktiv davon ab, den Betrieb zu übernehmen. („Tu dir das nicht an“). Sie machen ihre Tore zu.

Die von der SPD ins Spiel gebrachte Erbschaftssteuer wäre in seiner jetzigen Form ein weiterer Sargnagel. Wenn sie tatsächlich auf den Verkehrswert berechnet würde, würde für unseren Betrieb von 40 Hektar bei einem Preis von 15 € (das ist in unserer Region absolut üblich) ein Wert von etwa 6 Mio. € anfallen. Der deutsche Durchschnittsbetrieb hat 65 Hektar. Wenn das kommt, machen viele ihre Tore zu… ..

Bauer Willi (Dr. agr. Willi Kremer-Schillings,                                       41569 Rommerskirchen, willi@bauerwilli.com

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