Brüggener Landwirt wehrt sich gegen Tierquälerei-Vorwürfe

Der Landwirt sieht durch versteckte Aufnahmen von Aktivisten seine Existenz in Gefahr. Gemeinde und Behörden stellen sich hinter ihn.

Der Brüggener Landwirt Willi S. wehrt sich gegen Vorwürfe und Kritik der Tierrechtsorganisation "Animal Rights Watch". Die hatte im Dezember und Januar verdeckt in seinen Schweineställen gefilmt.

Jetzt haben die Aktivisten das Videomaterial im Zusammenschnitt mit teils deutlich drastischeren Bildern aus 20 anderen Ställen bundesweit veröffentlicht. Der Landwirt sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und mit Hassmails konfrontiert.

Mitarbeiter schlägt Schweine mit Gegenstand

Die Videoaufnahmen schockieren den Bauern selbst. Unter anderem ist darauf zu sehen, wie einer seiner Mitarbeiter Schweine mit einem Gegenstand schlägt. "Ich will nichts beschönigen oder vertuschen. Das war ein übereifriger Mitarbeiter, der überreagiert hat. Ich distanziere mich klar von Tierquälerei", betont er.

Der Mitarbeiter sei abgemahnt worden und werde nachgeschult, betont er. Das System auf seinem Hof wolle er überprüfen, die Kontrollen optimieren. "Ich habe mich schon um Tierwohl und Strohhaltung gekümmert, da kannten andere das Wort noch gar nicht", erklärt der Schweinemäster, der sich als Pionier in der Region sieht. Jeder könne unangemeldet auf seinen Hof kommen und sich selbst ein Bild machen.

Kritik an Vorverurteilung

Bürgermeister Gellen stellt sich hinter den Betrieb

Die bundesweite Berichterstattung über den Fall hat auch die Gemeinde Brüggen und andere Ortslandwirte auf den Plan gerufen. In der Gemeinde steht man geschlossen hinter dem Bauern und seinem Mastbetrieb. "Da werden unter dem Deckmantel des Tierschutzes Sensationsaufnahmen gemacht. Das ist keine seriöse Art und diese Art der Vorverurteilung ist abzulehnen", erklärt Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (CDU).

Bisher habe er noch nie von Vorwürfen gegen den Hof gehört, so Gellen, der gelte als Vorzeigebetrieb. Nach den verdeckten Aufnahmen über den Jahreswechsel hatten die Aktivisten erst vor wenigen Wochen Anzeige erstattet - warum, ist unklar. Der Hofbetreiber  betont, dass sowohl vor als auch nach der Anzeige das Kreisveterinäramt bei teils unangemeldeten Kontrollen keine Verstöße in seinem Betrieb festgestellt habe.

Aktivisten: Zustände seien keine Einzelfälle

DIe Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch sieht das anders. Für Sprecherin Anne Schubert zeigen die Aufnahmen "die Realität in vielen Ställen". "Das sind keine Einzelfälle, sondern das in der gesamten Branche an der Tagesordnung", sagt Schubert.

Aktivistin Schubert will die Realität in den Ställen zeigen

Viele Behörden gingen Hinweisen oft nicht nach, bemängelt sie. "Das sind zufällig ausgesuchte Betriebe. Wir haben Unmengen an Verstößen, man kann ausgehen, dass das die Regel ist". Man wolle nicht einzelne Betriebe an den Pranger stellen, sondern die systematischen Probleme der Branche zeigen.

Tierärztekammer sieht Vorgehen kritisch

Karl-Andreas Bulgrin, Präsident der Tierärztekammer Nordrhein, sieht das Vorgehen der Aktivisten kritisch: "Ich halte deren Methoden für fragwürdig. Nach meinen Recherchen ist der Brüggener Hof eher ein Vorzeigebetrieb. Dinge werden offen und transparent gezeigt, das Veterinäramt hat dort mehrfach kontrolliert ohne Verstöße."

Trotz der Solidarität aus der Gemeinde und von vielen Kunden ist die Unsicherheit bei dem Landwirt groß. Die Ermittlungen nach der Veröffentlichung der heimlichen Stallaufnahmen laufen noch. Die Tiere seien sein Leben, erzählt er, während er den Stall ausmistet. "Einerseits freue ich mich, dass es den Schweinen gut geht, andererseits weiß ich nicht, ob ich hier in Zukunft noch stehen werde."

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