Cannabinoid-Vergiftungen beim Hund

Seit der Legalisierung von Cannabis ist auch das Risiko von Cannabinoid-Vergiftungen beim Hund gestiegen. Aber welche Symptome treten am häufigsten auf, wie bedeutsam ist die Diagnosesicherung, und welche Behandlungsschritte sind wichtig? Erfahren Sie mehr im Beitrag.

Ein Hund wird im Notdienst vorstellig, beim Gang durch das Wartezimmer fällt sofort eine Ataxie auf. Bei der Untersuchung speichelt das Tier vermehrt und seine Pupillen sind auffallend geweitet. Bei lauten Geräuschen zuckt der Patient zusammen und reagiert verstärkt auf Berührungsreize. Die Besitzer*innen geben an, dass das Tier mehrmals erbrochen habe, neben aufmerksamen Phasen sei der Hund überwiegend schläfrig gewesen. Die Beschwerden treten zum ersten Mal auf, Hinweise auf eine Infektion gibt es nicht.

Neben verschiedenen, auch neurologischen Differenzialdiagnosen erhärtet sich schließlich der Verdacht einer Intoxikation – aber womit? Im Rahmen der Legalisierung von Cannabis und THC-haltiger Produkte kommt auch eine Cannabis-Toxikose in Betracht.

Gerade bei Hunden, die dazu neigen, sich bei Spaziergängen schnell ein „gefundenes Fressen“ einzuverleiben, besteht inzwischen ein größeres Risiko, THC in verschiedenen Formen aufzunehmen. Zu einer Cannabinoid-Vergiftung kann es ungewollt zum Beispiel durch die Aufnahme von Resten von Joints, Edibles (THC-haltige Lebensmittel) oder auch THC-haltigem menschlichen Kot kommen. Aber mitunter enthalten auch CBD-Produkte wie CBD-Öle, die dem Tier von ihren Besitzer*innen verabreicht wurden, unerlaubt hohe THC-Mengen. Der Einsatz solcher Produkte sollte daher ebenfalls im Rahmen der Anamnese erfragt werden. Außerdem ist es möglich, dass ein Hund durch Passivrauchen THC aufgenommen hat, allerdings sind bedrohliche Intoxikationen auf diesem Weg weniger wahrscheinlich.

Zu den bekannten Symptomen einer Cannabis-Intoxikation beim Hund zählen unter anderem:

  • Ataxie/Apathie oder Unruhe/Somnolenz/Hypersalivation/ Urininkontinenz/Erbrechen/Mydriasis/Nystagmus/Bradykardie/ Trockene Schleimhäute/Hyperreflexie

Schnelle Analysetools, wie etwa Urintests zur Anwendung beim Menschen, liefern häufig falsch-negative Ergebnisse für den Nachweis von THC oder THC-Metaboliten beim Hund und sind daher nicht brauchbar.

Studie zu Cannabinoid-Toxikose: Hauptaugenmerk bleiben Anamnese und Klinik

Forschende haben sich diesem Thema unter anderem mit einer wissenschaftlichen Untersuchung gewidmet. Eine Studie, die im vergangenen Jahr im Journal of veterinary emergency and critical care erschienen ist, hatte zum Ziel, die Spezifität der Diagnose einer Cannabis-Intoxikation mithilfe klinischer Anzeichen zu bewerten, die Plasmakonzentrationen zu quantifizieren und diese in Korrelation mit dem Schweregrad der Vergiftungserscheinungen zu setzen. Die Wissenschaftler*innen untersuchten Blutproben von Hunden mit Symptomen einer Cannabisvergiftung. Sie nutzten zur Analyse von THC, CBD (Cannabidiol) und deren aktiver Metabolite, eine validierte Methode der Flüssigchromatografie mit Massenspektrometrie-Kopplung. Zwar ließen sich in der Mehrzahl der Fälle die genannten Stoffe dadurch nachweisen, allerdings korrelierten die Konzentrationen nicht signifikant mit den meisten klinischen Symptomen. Am zuverlässigsten war die Korrelation mit den Symptomen von Ataxie und abnormer Reflexe.

 

Therapie bei Cannabis-Toxikose-Verdacht

Die Behandlung einer THC-Vergiftung beim Hund konzentriert sich vor allem auf eine Elimination beziehungsweise forcierte Ausscheidung der Substanz und die Linderung bestehender Symptome. Liegt der Verdacht nah, dass der Hund etwas Verdächtiges gefressen hat und ist dies nicht länger als zwei Stunden her, kann mit Apomorphin Erbrechen ausgelöst werden, um potenziell substanzhaltigen Mageninhalt loszuwerden. Ist der Zeitraum hingegen bereits größer und besteht Übelkeit, können wiederum Antiemetika zur Linderung gegeben werden. Aktivkohle ist zur gastroenteralen Toxinbindung hilfreich. Wie bei den meisten Intoxikationen sind Infusionen ratsam zur Kreislaufstabilisation und zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion. Bis zum Abklingen der Symptome sollten Patienten an einem ruhigen, sicheren, angenehm temperierten und gegebenenfalls leicht abgedunkelte Raum verbleiben…. .

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