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Drei Tage intensive Rindermedizin: Beim AVA-Workshop „Abdomen des Rindes“ in Schönberg im Stubaital standen klinische Untersuchung, Differentialdiagnostik, Situs und Sektion sowie Darmverschlusszustände, Labmagenverlagerungen und weitere Erkrankungen des akuten Abdomens im Mittelpunkt. Besonders die praktischen Übungen am Tierkörper machten Anatomie, Diagnostik und chirurgische Entscheidungswege unmittelbar begreifbar.
Das Abdomen des Rindes: sehen, fühlen, einordnen – und richtig entscheiden
Dreitägiger AVA-Intensivworkshop verbindet klinische Diagnostik, topographische Anatomie und Rinderchirurgie auf hohem fachlichem Niveau
- 01.10.2026
Schönberg im Stubaital. Erkrankungen des Abdomens gehören zu den diagnostisch und therapeutisch anspruchsvollen Situationen in der Rinderpraxis. Wann steckt hinter einem „vollen Abdomen“ eine vergleichsweise einfach einzuordnende Veränderung – und wann entwickelt sich ein akutes Geschehen, bei dem rasches tierärztliches Handeln erforderlich ist? Welche Bedeutung haben Klingeln und Plätschern bei Perkussionsauskultation bzw. Schwingauskultation? Was verrät die rektale Untersuchung? Und wann ist eine chirurgische Intervention angezeigt?
Mit diesen und zahlreichen weiteren Fragestellungen beschäftigten sich Rindertierärztinnen und Rindertierärzte vom 29. September bis 1. Oktober 2026 beim dreitägigen AVA-Intensivworkshop „Abdomen des Rindes mit Demonstrationen (Sektion) – der Workshop für Praktiker“ in Schönberg im Stubaital.
Unter der fachlichen Leitung von Dr. Günter Rademacher, Eching, standen drei intensive Fortbildungstage mit insgesamt 24 anerkannten Bildungsstunden ganz im Zeichen der praktischen Rindermedizin.
Vom klinischen Symptom zur Differenzialdiagnose
Ausgangspunkt war die systematische klinische Untersuchung des Rindes mit besonderem Schwerpunkt auf dem Abdomen. Dabei wurde nicht nur vermittelt, welcher Befund erhoben werden kann, sondern vor allem, wie einzelne Befunde zu bewerten und miteinander zu verknüpfen sind.
Differenzialdiagnostisch wurden unter anderem das „volle Abdomen“ sowie das Auftreten von „Klingeln und Plätschern“ bei der Untersuchung aufgearbeitet. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Informationen, die sich aus der rektalen Untersuchung gewinnen lassen.
Auch Kolik und Scheinkolik beim Rind wurden anhand klinischer Situationen und Videomaterials intensiv diskutiert.
Denn gerade beim Rind ist nicht jedes abdominale Krankheitsgeschehen anhand eines einzelnen Symptoms eindeutig zuzuordnen. Entscheidend ist die Gesamtschau aus Anamnese, Allgemeinbefinden, klinischer Untersuchung, Auskultations- und Perkussionsbefunden, rektaler Untersuchung und dem zeitlichen Verlauf.
Darmverschluss: erkennen, lokalisieren und handeln
Besondere Aufmerksamkeit galt den Darmverschlusszuständen bei Kuh und Kalb. Unterschiedliche Ursachen und klinische Erscheinungsformen wurden ebenso besprochen wie die daraus resultierenden therapeutischen und chirurgischen Konsequenzen.
Videoaufnahmen verschiedener Darmverschlussoperationen ermöglichten es, die theoretisch erarbeiteten Zusammenhänge unmittelbar mit realen Operationssituationen zu verbinden.
Damit rückte eine für die Praxis entscheidende Frage immer wieder in den Mittelpunkt:
Wann kann konservativ behandelt werden – und wann erfordert der Befund ein rasches chirurgisches Eingreifen?
Das Highlight: Situs und Sektion
Ein besonderer Schwerpunkt und für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Highlight des Workshops war der umfangreiche praktische Teil zur topographischen Anatomie und zum Situs der Bauchhöhle.
Zunächst wurden die theoretischen Grundlagen erarbeitet: Welche Eingeweide präsentieren sich bei Eröffnung der Bauchhöhle von links, von rechts oder von ventral? Welche anatomischen Lagebeziehungen sind für die klinische Untersuchung und insbesondere für chirurgische Eingriffe entscheidend?
Bei den anschließenden praktischen Demonstrationen am Tierkörper im Rahmen der Sektion konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Organe der Bauchhöhle selbst adspektieren und palpieren.
Organe und Strukturen konnten damit nicht nur auf Abbildungen betrachtet, sondern in ihren tatsächlichen räumlichen Beziehungen erfasst werden. Lage, Erreichbarkeit und Beweglichkeit der Organe wurden unmittelbar nachvollziehbar.
Gerade diese Verbindung zwischen klinischer Untersuchung, topographischer Anatomie und chirurgischem Vorgehen machte den besonderen Praxiswert der Fortbildung aus.
Labmagenverlagerungen bei Kuh und Kalb
Ausführlich behandelt wurden außerdem Labmagenverlagerungen bei Kuh und Kalb.
Beim Kalb wurde unter anderem die Operation einer Torsio abomasi anhand von Videomaterial und praktischen Erläuterungen aufgearbeitet – einschließlich des Vorverlagerns des Labmagens aus der Bauchhöhle, des Entdrehens, der Entleerung über eine Inzision sowie möglicher Fixationstechniken.
Bei der Kuh standen die Labmagenverlagerung und insbesondere die Reposition eines verdrehten Labmagens im Mittelpunkt.
Damit ging der Workshop bewusst über die in vielen Rinderpraxen routinemäßig beherrschte Versorgung einer linksseitigen Labmagenverlagerung hinaus. Ziel war es, auch komplexere Situationen verständlich zu machen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mehr Sicherheit bei der Beurteilung chirurgischer Fälle zu vermitteln.
Ergänzend wurden Labmagengeschwüre bei Kalb und Kuh besprochen.
Akutes Abdomen: Nicht immer ist die Ursache sofort offensichtlich
Ein weiterer wichtiger Themenkomplex war die Toxämie in der Differenzialdiagnose des akuten Abdomens. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig es ist, lokale abdominale Befunde und den Zustand des Gesamtorganismus gemeinsam zu beurteilen.
Auch die Pansentympanie wurde differenziert aufgearbeitet – von verschiedenen Formen und ihren Ursachen bis hin zu therapeutischen Maßnahmen. Praktische Aspekte wie das Anlegen einer temporären Pansenfistel und das korrekte Einbringen eines Schraubtrokars gehörten ebenfalls zum Programm.
Schließlich wurden Harnröhrenverschlüsse und mögliche Komplikationen behandelt. Dabei wurde unter anderem das Anlegen einer Harnröhrenfistel thematisiert.
Tiermedizinische Fortbildung muss am Tier ankommen
Die Rückmeldungen der teilnehmenden Tierärztinnen und Tierärzte nach den drei intensiven Fortbildungstagen waren ausgesprochen positiv. Besonders die konsequente Praxisorientierung, die Demonstrationen und Übungen sowie die Möglichkeit, konkrete diagnostische und chirurgische Situationen ausführlich mit Dr. Günter Rademacher zu diskutieren, wurden hervorgehoben.
Genau darin sieht die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) eine wesentliche Aufgabe qualifizierter tierärztlicher Fortbildung: Wissenschaftliches und medizinisches Wissen muss so vermittelt werden, dass es anschließend in der täglichen Arbeit am Tier sicher angewendet werden kann.
Wer einen abdominalen Befund präziser erhebt, Differentialdiagnosen systematisch gegeneinander abgrenzt und die Indikation für eine konservative oder chirurgische Therapie fundiert stellt, verbessert die Voraussetzungen für eine frühzeitige und zielgerichtete Behandlung.
Das kommt unmittelbar der Tiergesundheit und dem Tierwohl zugute.
Und genau hier schließt sich der Kreis zum Leitgedanken der AVA:
AVA-Fortbildungen helfen Tierarzneimittel einzusparen – durch bessere Tiergesundheit, präzise Diagnostik und eine fachlich fundierte, zielgerichtete Therapie.
Veranstalter: Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA), Steinfurt
Seminarleitung: Dr. Günter Rademacher, Eching
Veranstaltungsort: Hotel Handl, Schönberg im Stubaital/Tirol
Fortbildungsumfang: 24 Bildungsstunden; 24 Stunden FTA Wiederkäuer; 24 Stunden TGD













