Die harte Realität: Sie studieren ihren Traumberuf „Tierarzt“, den viele später bereuen

Fast ein Drittel der Tierärztinnen und Tierärzte würde heute etwas anders studieren. Zwei Luzerner Studentinnen erzählen, was hinter dem Traumberuf steckt – und warum sie trotzdem weitermachen.

Als Kind klingt Tierärztin nach einem schönen Beruf: Tieren helfen und sie retten, vielleicht zwischendurch noch einen Welpen streicheln. Lynne Blättler (24) und Sina Fuchs (23) kennen diese Vorstellung gut. Die beiden Luzernerinnen wollten schon als Mädchen Tierärztin werden. Nach drei Jahren Veterinärmedizin an der Universität Bern sehen sie den Beruf jedoch mit anderen Augen. Heute wissen beide, dass hinter diesem Traum deutlich mehr steckt als nur Tierliebe.

 

Lynne und Sina haben gerade ihren Bachelor abgeschlossen und starten nun ins vierte Studienjahr. Sina wählt den Schwerpunkt Kleintiere, Lynne fokussiert sich auf Pferde. Beide kennen inzwischen volle Stundenpläne, Nachtdienste, anspruchsvolle Prüfungen und die emotionale Seite des Berufs. Trotzdem sagen beide klar, dass sie sich wieder für das Studium entscheiden würden.

 

Das ist bemerkenswert, denn kaum eine andere Studienrichtung hinterlässt bei ihren Absolventinnen und Absolventen später so viele Zweifel wie die Veterinärmedizin.

 

Fast jede dritte Person würde anders wählen

Der «Tagesanzeiger» machte Anfang August erschreckende Zahlen aus dem Bildungsbericht 2026 publik: Rund 20 Prozent der ausgebildeten Tierärztinnen würden rückblickend ein anderes Fach studieren. Weitere neun Prozent würden gar nicht mehr studieren. Damit würde sich fast jede dritte Person gegen den eingeschlagenen Weg entscheiden.

Dennoch sucht die Branche dringend Nachwuchs. 2025 erwarben laut dem Bericht 123 Personen in Bern und Zürich ein Schweizer Diplom in Veterinärmedizin. Im gleichen Zeitraum erkannte die Schweiz 200 ausländische Diplome an. So schlugen bereits im letzten Jahr die Berufsverbände der Human- und Tiermedizin gemeinsam Alarm und verlangten mehr Studienplätze.

 

Die «Berner Zeitung» berichtete damals, dass die Schweiz bei verschiedenen medizinischen Berufen stark auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist. Mehr Plätze schafft man allerdings nicht einfach, indem man beim Numerus Clausus die Tür weiter öffnet. Medizinische Studiengänge benötigen viel Infrastruktur, Personal und praktische Ausbildungsplätze.

 

Und das kostet. Laut «Tagesanzeiger» gilt Veterinärmedizin als teuerstes Studium der Schweiz. Universitäten brauchen dafür eigene Tierkliniken, weshalb in der Schweiz nur Bern und Zürich das vollständige Studium anbieten. Rund eine halbe Million Franken kostet die Ausbildung einer Person laut dem «SRF»… .

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