Die Schlachtbranche ist in Bewegung

Anhaltende Strukturveränderungen haben im vergangenen Jahr die deutsche Schlachtbranche entscheidend geprägt.

Für markante Verschiebungen sorgte nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vor allem der Rückzug von Vion aus dem deutschen Markt. Dadurch konnten sich die beiden führenden Unternehmen Tönnies und Westfleisch bei der Zahl der geschlachteten Schweine deutlich von ihren Mitbewerbern absetzen.

Laut dem aktuellen Schlachthofranking, das am Dienstag (20.5.) von der ISN vorgestellt wurde, ging das Schlachtaufkommen bei den Top 10 der Branche im Vergleich zu 2023 um 5,7% auf 34,14 Mio. Schweine zurück. Die kleineren Unternehmen verzeichneten hingegen eine kräftige Steigerung um 37% auf 10,51 Mio. Tiere. Aufgrund der gesunkenen Schlachtzahlen sank der Anteil der zehn größten Unternehmen an allen Schweineschlachtungen deutlich um 6 Prozentpunkte auf 76,5%.

Unangefochten und mit deutlichem Abstand lag 2024 Tönnies an der Spitze des Schlachthofrankings. Mit 13,20 Mio. Schlachtungen wurde der Vorjahreswert aber um 5,6% unterschritten. Der Marktanteil von Tönnies ging gegenüber 2023 um 2,3 Prozentpunkte auf 29,6% zurück. Die geringere Zahl an Schlachtungen darf laut ISN aber nicht über den weiteren Wachstumskurs des Unternehmens hinwegtäuschen. So stehe beispielsweise derzeit die Übernahme des ehemaligen Vion-Schlachthofs in Crailsheim im Raum, wo jährlich etwa 1 Mio. Schweine geschlachtet werden könnten.

Auf dem zweiten Platz des Rankings folgt Westfleisch. Die Genossenschaft konnte bei den Schlachtungen zulegen, und zwar um 6,2% auf 6,90 Mio. Schweine. Das entsprach einem Marktanteil von 15,5%, der im Vergleich zu 2023 um 0,7 Prozentpunkte höher ausfiel. Auf Platz drei, vormals von Vion belegt, ist im vergangenen Jahr Danish Crown vorgerückt. Bei dem Unternehmen standen am Jahresende unter dem Strich 2,75 Mio. Schweineschlachtungen, was einen Zuwachs von 31,1% bedeutete. Nachdem die Dänen ihre Schlachtungen am Standort im niedersächsischen Essen im Jahr 2023 drastisch reduziert hatten, wurde die Produktion dort 2024 wieder deutlich hochgefahren.

Im aktuellen Ranking 2024 taucht Vion mit 2,4 Mio. Schlachtungen noch einmal auf Platz vier auf, bevor es im kommenden Jahr aus der Liste verschwinden wird. Nach ISN-Angaben wurden bis Januar 2024 am ehemals größten Vion-Standort in Emstek noch Schweine geschlachtet, bevor er geschlossen wurde. An den Standorten in Landshut, Vilshofen und Perleberg kamen ebenfalls noch einige Monate lang Schweine unter der Flagge Vions an den Haken, bis Käufer für diese Standorte gefunden wurden.

Auf den weiteren Plätzen in der Rangliste folgen mittelständisch geprägte Schlachtunternehmen. Platz fünf konnte sich Böseler Goldschmaus sichern. Mit einer Steigerung der Schlachtungen um 7,6% auf 1,83 Mio. Schweine zog das Unternehmen an Müller Fleisch vorbei, das auf 1,75 Mio. Schlachtungen kam und ein Minus von 1,7% verbuchte.

Schließungen und Übernahmen

Laut ISN legte 2024 die Gesamtzahl der Schweineschlachtungen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 1,8% auf 44,65 Mio. Tiere zu; das war der erste Anstieg seit 2016. Von 2016 bis 2023 hatte es einen massiven Rückgang der Schlachtungen um fast 26% gegeben. Die daraus resultierenden Folgen waren der ISN zufolge 2024 in der Branche deutlich spürbar, was sich letztlich in diversen Schlachthofschließungen und Übernahmen niederschlug.

Mit 43,3 Mio. Schweinen stammte der allergrößte Teil der 2024 geschlachteten Tiere aus deutschen Mastställen. Etwa 1,35 Mio. Schweine wurden aus den umliegenden Ländern zur Schlachtung nach Deutschland importiert; das waren 9,2% weniger als im Vorjahr. Die Importe aus den Niederlanden gingen um etwa 2,0% auf rund 940.000 Schweine zurück. Noch kräftiger verringert wurden die Zukäufe aus Belgien, und zwar um 28,1% auf 270.000 Tiere. Zu Beginn dieses Jahres waren nach Angaben der ISN sowohl aus den Niederlanden als auch aus Belgien noch wesentlich deutlichere Rückgänge der Schlachtschweinelieferungen zu beobachten.

Deutsche Ferkel gefragt

Die jüngsten Viehzählungsergebnisse deuten laut ISN zumindest für dieses Jahr auf fortgesetzt stabile Schlachtzahlen in Deutschland hin. Für ISN-Marktanalyst Klaus Kessing bleibt es jedoch fraglich, ob dies tatsächlich zu einer nachhaltigen Festigung der Strukturen in der Schlachtbranche führen wird. „Im nachgelagerten Bereich herrscht weiterhin Unruhe. Der Konsolidierungsprozess scheint noch nicht abgeschlossen. Weitere Veränderungen innerhalb der Top 10 sind denkbar“, so Kessing.

In den Strategien der Schlachtunternehmen halte die Ausrichtung auf eine gesicherte Rohstoffversorgung an, betonte der Marktexperte. Besonders die Herkunft der Ferkel rücke stärker in den Vordergrund. „Deutsche Ferkel sind gefragt, und das schlägt sich mittlerweile auch in einer finanziellen Bevorzugung deutscher Ferkel gegenüber Importtieren aus Dänemark und den Niederlanden nieder“, stellte Kessing fest. Spannend dürfte werden, wie sich die zunehmende Konzentration im Bereich der Schlachtung bei den Marktführern Tönnies und Westfleisch auf die Vermarktungsstrukturen und insbesondere auf die Preisfindung auswirken werde.

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