Dr. KI unter der Lupe: Neue Studien zeigen Stärken und Schwächen von KI-gestützten Tools zur digitalen Gesundheitsberatung wie ChatGPT oder Symptom-Checker-Apps

Patient*innen greifen immer häufiger auf digitale Tools zurück, um Krankheiten zu erkennen und Handlungsempfehlungen zu erhalten. Zwei aktuelle Studien der TU Berlin haben nun die Qualität und Wirksamkeit solcher digitalen Gesundheitsempfehlungen untersucht. Die Ergebnisse zeigen sowohl Potenziale als auch Risiken auf. Die Studien sind in den Fachzeitschriften Journal Scientific Reports und npj Health Systems Journal erschienen.

In der ersten Studie entwickelte ein Team um Dr. Marvin Kopka aus dem Fachgebiet Arbeitswissenschaft an der TU Berlin eine neue Testmethode, um die Genauigkeit von Gesundheitsempfehlungen durch ChatGPT und andere KI-Modelle wie Meta’s LLaMa sowie speziell entwickelte Symptom-Checker-Apps, die Symptome abfragen und darauf basierend Handlungsempfehlungen geben, zu bewerten. Während frühere Tests auf idealisierten Lehrbuchfällen basierten, die in der Realität so kaum vorkommen, setzt die neue Methode auf echte Patientenfälle, mit denen die Wissenschaftler*innen der TU Berlin verschiedene digitale Tools testeten. Dadurch lässt sich realistischer einschätzen, wie präzise und hilfreich die digitalen Tools in der Praxis sind. „Man kann unsere standardisierte Methode als eine Art ‚Stiftung Warentest‘ ansehen, da wir mit ihr die Genauigkeit von verschiedenen Apps vergleichen können, aber auch ihre Stärken und Schwächen finden“, sagt Studienleiter Marvin Kopka.

Symptom-Checker-Apps deutlich hilfreicher

Die Ergebnisse der neu entwickelten Bewertungsmethode zeigen, dass Symptom-Checker-Apps für Laien deutlich hilfreicher sind als ChatGPT, insbesondere wenn es um die Unterscheidung zwischen harmlosen und ernsten Symptomen geht. Während ChatGPT fast jeden Fall als Notfall oder hochdringlich einstuft, können die spezialisierten Apps in den meisten Fällen fundierte und angemessenere Empfehlungen geben. Was auch schon andere Studien belegen: ChatGPT kann Krankheiten gut diagnostizieren, wenn Laborwerte oder Untersuchungsergebnisse vorliegen. Da diese zu Hause meist fehlen, bleibt die Diagnose aber oft ungenau und die vom Modell vorgeschlagene Liste mit mehreren möglichen Erkrankungen hilft Laien wenig. Entscheidender sind Handlungsempfehlungen wie „Geh zum Arzt“ oder „Ruf die 112“ – hier schneidet ChatGPT jedoch schlecht ab, da es fast jeden Fall als behandlungsbedürftig einstuft, selbst bei harmlosen Symptomen.

Laien erkennen medizinische Notfälle meist zuverlässig

Was die Forscher*innen auch herausfanden: Laien erkennen medizinische Notfälle meist zuverlässig und rufen in ernsten Fällen, wie bei einer schweren Kopfverletzung mit Erbrechen und Schwindel, den Rettungsdienst. Schwerer fällt es ihnen jedoch, harmlose Symptome richtig einzuschätzen…. .

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