EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen hat nach Angaben der ISN weitere Verträge mit Schweinehaltern aus dem „Bauernschätze“-Programm fristlos bzw. kurzfristig gekündigt. Besonders brisant: Betroffene Betriebe hatten teilweise auf Grundlage langfristiger Vereinbarungen erheblich in Tierwohlställe investiert. Die ISN kritisiert das Vorgehen scharf und kündigt rechtliche Unterstützung für betroffene Mitgliedsbetriebe an.

EDEKA kündigt Verträge mit Schweinehaltern – ISN kritisiert Vorgehen scharf

Hier ein Update vom 09.10.2026: https://www.ava1.de/de/news/news/edeka-lenkt-im-streit-um-tierwohlvertraege-ein--fristlose-kuendigungen-zurueckgenommen/?returnToListName=News_Newsroom_de&returnToListPage=1

Investitionen in höhere Tierwohlstandards benötigen langfristige Planungssicherheit und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Foto: EG Hellwig/AVA

Langfristige Vereinbarungen, Investitionen in Tierwohlställe und nun kurzfristige Kündigungen: Der Konflikt um das EDEKA-„Bauernschätze“-Programm wirft grundsätzliche Fragen zur Verlässlichkeit langfristiger Verträge zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelhandel auf.

EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen hat nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) weitere Verträge mit Schweinehaltern aus dem „Bauernschätze“-Programm fristlos beziehungsweise mit sehr kurzer Frist gekündigt.

Betroffen seien Betriebe, die weiterhin an den ursprünglich vereinbarten Kostpreis-Modellen festgehalten hätten. Nach Darstellung der ISN hatten einige dieser Schweinehalter im Vertrauen auf längerfristige Verträge erhebliche Investitionen vorgenommen – unter anderem in den Bau von Tierwohlställen.

EDEKA verweist laut ISN auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit

Wie die ISN berichtet, begründet EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen die Kündigungen unter anderem mit der aktuellen Marktlage, der Wettbewerbssituation sowie einer „wirtschaftlichen Unzumutbarkeit“ des vereinbarten Kostpreis-Modells.

Bereits im Frühjahr 2026 hatte die Regionalgesellschaft nach Angaben der ISN entsprechende Verträge gekündigt und Betrieben einen Wechsel von den bisherigen Kostpreis-Modellen auf ein Zuschlags-Preismodell angeboten.

Nun spitzt sich der Konflikt offenbar weiter zu.

Was bedeutet das für Investitionen in mehr Tierwohl?

Aus Sicht der AVA berührt die Auseinandersetzung eine Frage, die weit über die unmittelbar betroffenen Betriebe hinausgeht:

Wie sollen Landwirte langfristig in mehr Tierwohl investieren, wenn die wirtschaftliche Grundlage solcher Investitionen nicht ebenfalls langfristig verlässlich ist?

Umbauten und Neubauten von Tierhaltungsanlagen erfordern hohe Investitionen und werden über viele Jahre finanziert. Entscheidungen für höhere Haltungsstandards benötigen deshalb nicht nur Planungssicherheit bei Genehmigungen und gesetzlichen Vorgaben, sondern ebenso verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Gerade wenn Handel und Landwirtschaft gemeinsam Programme für höhere Tierwohlstandards entwickeln, kommt langfristigen und belastbaren Vereinbarungen eine besondere Bedeutung zu.

ISN kündigt Unterstützung bei rechtlicher Auseinandersetzung an

Die ISN kritisiert das Vorgehen von EDEKA Nordbayern-Sachsen-Thüringen außerordentlich scharf. ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack sieht durch die Kündigungen das Vertrauen in langfristige Lieferverträge gefährdet.

Die Organisation vertritt zudem die Auffassung, dass die ausgesprochenen Kündigungen unberechtigt und unwirksam seien. Ob diese rechtliche Einschätzung zutrifft, ist gegebenenfalls gerichtlich zu klären.

Die ISN kündigte an, betroffene Mitgliedsbetriebe zu unterstützen und dabei auch eine Musterklage anzustreben.

AVA: Tierwohl braucht wirtschaftliche Verlässlichkeit

Die aktuelle Auseinandersetzung macht ein grundsätzliches Problem deutlich: Höhere Anforderungen an Tierwohl und Tiergesundheit können auf landwirtschaftlichen Betrieben erhebliche Investitionen auslösen.

Wer von Tierhaltern langfristige Investitionen in höhere Standards erwartet, muss deshalb auch die Frage beantworten, wie die dafür notwendige wirtschaftliche Planungssicherheit gewährleistet werden kann.

Tierwohl, Tiergesundheit und wirtschaftliche Nachhaltigkeit eines Betriebes lassen sich auf Dauer nicht voneinander trennen.

Quelle und ausführliche Originalmeldung:
ISN – Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.:
„ISN kritisiert: Handelspraktiken unter aller Sau!“

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