Ein Jahr Vogelgrippe (H5N1) bei US-Rindern: Fachleute für Pandemievorsorge und Maßnahmen

 

Die hochpathogene Vogelgrippe treibt Fachleute um. Bei einem internationalen Austausch unter anderem über Forschungslücken zu H5N1 mahnte eine Expertin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr Vorsorge hinsichtlich einer möglichen Influenzapandemie an.

Man müsse sicherstellen, dass die Pandemic Preparedness auf nationaler, regionaler und globaler Ebene vorangetrieben werde, sagte die Epidemiologin Maria van Kerkhove vergangene Woche bei einem virtuellen Termin zu H5N1.

Seit einem Jahr ist bekannt, dass H5N1 (Klade 2.3.4.4b) im Zuge der Ausbreitung bei Säugetieren überraschend auch den Sprung auf Rinder in den USA geschafft hat. Van Kerkhove machte bei dem WHO-Termin deutlich, dass Wachsamkeit geboten sei, auch wenn bisher keine konsistenten Veränderungen des Virus hin zu einer gesteigerten Übertragbarkeit unter Menschen beobachtet worden seien.

Sie appellierte an Mitgliedsstaaten, die strategische Überwachung bei Tieren zu verstärken – und auch bei Menschen, bei denen beispielsweise ein berufliches Expositionsrisiko besteht. Außerdem müssten klinische Proben, Viren und Sequenzdaten von allen neuen Influenzaviren für eine rechtzeitige Risikobewertung geteilt werden.

H5N1-Viren und insbesondere die der Klade 2.3.4.4b breiteten sich weiterhin geografisch aus und diversifizierten sich genetisch, berichtete van Kerkhove. Es sei eine beunruhigende Situation, die sich dynamisch weiterentwickle.

„Was wir fordern, sind rasche und gründliche Untersuchungen“, appellierte sie. Diese seien entscheidend, um unübliche Ereignisse und damit auch mögliche Veränderungen hin zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung früh zu erkennen.

Sie hob hervor, dass globale Zusammenarbeit und Koordination entscheidend seien. Bei der WHO seien mit Partnern bereits umfangreiche Vorbereitungen im Gange – selbst falls man diese aktuell nicht für eine Pandemie brauche, so sei es auch wichtig für die Zukunft.

Auf das Management des andauernden Ausbruchs in den USA und den Informationsaustausch mit der WHO kam van Kerkhove nicht zu sprechen. Sie hatte bei einem anderen Termin nach der Amtsübernahme Donald Trumps aber bereits von einem abgerissenen Kontakt zu den dortigen Fachleuten berichtet. Trump hatte den Austritt der USA aus der WHO angekündigt.

Den WHO-Daten zufolge sind seit 2003 mehr als 900 H5N1-Nachweise bei Menschen in mehr als 20 Ländern erfolgt, wobei es sich um verschiedene Arten von H5N1-Viren handelte. Seit 2024 seien 89 H5-Nachweise bei Menschen erfasst worden (nicht alle wurden subtypisiert), die meisten davon in den USA, sagte van Kerkhove. Häufig bestand demnach vorheriger Kontakt zu infizierten Tieren oder kontaminierter Umgebung.

Milde Verläufe seien genauso beobachtet worden wie schwere und tödliche. „Bisher haben wir bei H5N1 aber keine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung gesehen“, sagte van Kerkhove. In der Vergangenheit sei es zwar bei engen Kontakten schon zu Übertragungen gekommen, nicht aber in jüngster Zeit. Die höchste bisher erfasste Fallzahl gab es demnach im Jahr 2015.

Forscherappell zu Gegenmaßnahmen

Angesichts der Ausbreitung der hochpathogenen Vogelgrippe empfiehlt unterdessen ein Forscherteam auch in einem aktuellen Online-Beitrag im Journal of Virology (DOI: 10.1128/jvi.02209-24) dringend Maßnahmen zum Reduzieren des Pandemierisikos.

Der H5N1-Ausbruch bei Rindern in den USA müsse etwa durch Impfung von Kühen oder besseren Infektionsschutz – oder beides – unter Kontrolle gebracht werden, schreibt das Team um Florian Krammer (Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York).

Vorgeschlagen werden unter anderem auch Impfungen für Geflügel sowie in der Pelztierzucht und Impfangebote für Arbeiter auf Höfen mit hohem Expositionsrisiko.

Erste Länder wie Finnland hätten inzwischen Vogelgrippeimpfstoffe für Personen mit höherem Expositionsrisiko zur Verfügung gestellt, was Regierungen weltweit nachmachen sollten, so die Autoren. Derartige Schritte seien umso wichtiger, da leider etwa gegen die Viruszirkulation in Wildvogelpopulationen nicht viel unternommen werden könne.

Fachleute sehen Mängel in Überwachung und Diagnostik

Nötig sei eine Echtzeitüberwachung unter anderem von Milchkühen mit aktuellen, empfindlichen und schnellen Diagnosemethoden, die sich leicht vor Ort einsetzen lassen, appellierte der Leiter der Abteilung Ökologie und Evolutionsbiologie der University of Arizona, Michael Worobey, bei dem WHO-Meeting. Man müsse sich darauf konzentrieren, mögliche weitere Übersprünge auf Kühe in den USA und außerhalb zu erkennen… .

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