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Eine gute Frage: Kann man sich Schmerzen einbilden?

- 30.05.2025
Vor allem bei chronischen Schmerzen finden Ärzte nicht immer eine klare körperliche Ursache. Deshalb sind sie aber noch lange nicht unecht. Ursache ist oft ein schwer durchschaubares Zusammenspiel von Nervensystem, Gefühlen und Lebensumständen.
Empfindet jemand Schmerzen, sind sie auch echt. Schmerz ist in erster Linie eine subjektive Erfahrung, die sich nicht einfach von außen erfassen lässt. Generell gilt für das menschliche Erleben: Die subjektive Realität einer Empfindung ist nicht an eine objektive Beweisführung gebunden. Das gilt auch, wenn sich für die Schmerzen keine klare Ursache findet, zum Beispiel ein Knochenbruch oder Gelenkverschleiß. Kann man bei akuten Schmerzen noch recht häufig auf derartige Ursachen schließen, ist das bei chronischen Schmerzen schon schwieriger.
Der Glaube, Schmerzen könnten eingebildet sein, hat seinen Ursprung in der historischen Trennung von Körper und Geist. Der französische Philosoph und Wegbereiter der Aufklärung René Descartes (1596–1650) hielt sie für zwei separate Entitäten. Fehlten Hinweise auf eine körperliche Ursache, wurden Schmerzen als psychisch und damit als »unecht« abgetan. Heute wissen wir es zum Glück besser.
Schmerzen entstehen nämlich nicht nur durch sichtbare Verletzungen körperlicher Strukturen. Vor allem, wenn sie chronisch sind, geht man von »biopsychosozialen« Ursachen aus. Das bedeutet: Sowohl »biologische« Prozesse wie Entzündungen oder Verletzungen als auch »psychische« Faktoren wie belastende Lebensumstände, leidvolle Erinnerungen oder negative Emotionen können Schmerzen auslösen, verstärken und aufrechterhalten. Die relativen Anteile mögen bei Betroffenen unterschiedlich gewichtet sein; beteiligt sind sie meist alle. Die Fibromyalgie, die mit Muskel- und Weichteilschmerzen, Erschöpfung und Schlafstörungen einhergeht, ist ein Beispiel für so eine biopsychosoziale Schmerzerkrankung… .

