EU erwartet stabile Schweinefleischerzeugung

Die EU-Kommission erwartet für 2026 eine weitgehend stabile Schweinefleischerzeugung. Gleichzeitig belasten der ASP-Ausbruch in Spanien und mögliche chinesische Antidumpingzölle den Markt.

Die Europäische Kommission erwartet für 2026 eine weitgehend konstante Schweinefleischerzeugung in der Europäischen Union. Nach ihrer Prognose steigt die Produktion im Jahresvergleich um 0,3 Prozent. Gleichzeitig belasten der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien und mögliche chinesische Antidumpingzölle den EU-Markt und die Exportaussichten.

Grundlage der Produktionsprognose ist unter anderem der weitgehend stabile Sauenbestand. Bei der Viehzählung im Dezember 2025 wurde ein Anstieg um 0,6 Prozent erfasst. Bis April 2026 lag die EU-Schweinefleischerzeugung noch 2,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dazu trugen unter anderem Zuwächse in Dänemark, Polen, Frankreich und Spanien bei. Für die folgenden Monate erwartet die Kommission jedoch eine rückläufige Produktion.

ASP-Ausbruch in Spanien belastet den Binnenmarkt

Eine besondere Bedeutung für die Marktentwicklung hatte der ASP-Ausbruch in Spanien Ende 2025. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission führte das Geschehen zu einem deutlichen Rückgang der Schweinepreise in der EU.

Da spanische Exportkanäle in wichtige Drittländer aufgrund des ASP-Ausbruchs in der Region Barcelona eingeschränkt sind, werden größere Fleischmengen auf dem europäischen Binnenmarkt abgesetzt. Dies erhöht das Angebot und belastet das Preisgefüge.

Exporte unter Druck

Auch auf den internationalen Märkten verschärft sich der Wettbewerb für europäische Anbieter. Die Europäische Kommission prognostiziert für 2026 einen Rückgang der EU-Schweinefleischexporte um 0,5 Prozent.

Von Januar bis April waren die Ausfuhren noch vergleichsweise stabil. Rückläufige Lieferungen nach China wurden durch höhere Exporte nach Südkorea und Vietnam ausgeglichen. Nach Einschätzung der Kommission dürfte dieser Ausgleich im weiteren Jahresverlauf jedoch schwächer ausfallen.

Als Belastungsfaktoren nennt die Kommission drohende chinesische Antidumpingzölle, eine sich erholende chinesische Schweinefleischproduktion sowie den zunehmenden Preiswettbewerb durch Anbieter aus Brasilien und den USA auf den asiatischen Märkten.

Staack kritisiert Belastung der deutschen Schweinehalter

Die Auswirkungen der europäischen Marktsituation auf die deutschen Schweinehalter kritisiert ISN-Geschäftsführer Torsten Staack. Er verweist darauf, dass sich der deutsche Markt trotz des Preisdrucks nicht grundsätzlich durch einen stockenden Absatz auszeichnet. Die Fleischeinkäufe in den Einkaufsstätten lägen in den ersten Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr im Plus. Zudem könnten die Schlachtschweine problemlos geschlachtet werden.

Trotz dieser Marktentwicklung kritisiert Staack die aktuelle Preissituation. Er spricht von einem „ruinösen Schlachtschweinepreis von 1,40 € je kg Schlachtgewicht“ und einem „ebenso ruinösen Ferkelpreis von 30 Euro“. Der Preisdruck komme aus Europa, weil die europäischen Märkte durch spanisches Schweinefleisch belastet würden. Es könne jedoch nicht sein, dass dieses Problem allein auf die Schweinehalter in Deutschland abgewälzt werde, so Staack.

Bei dem derzeit hohen Kostenniveau verlören deutsche Ferkelerzeuger und Schweinemäster nach seiner Einschätzung zusammen 60 Euro pro Schwein. „Das können Schweinehalter nicht lange durchhalten!“, erklärte Staack.

Staack fordert deshalb neue oder erweiterte Mechanismen bei der Preisbildung. Diese müssten die für Schweinehalter schwer kalkulierbaren Risiken von Marktschwankungen begrenzen. Die Verluste dürften nicht allein von den Erzeugern getragen werden.

„Die Kette Schweinefleisch zerstört sich selbst, wenn sie das Kettenglied Erzeuger reißen lässt. Genau das passiert gerade. “

ISN-Geschäftsführer Torsten Staack

 

Bei den Ferkelerzeugern führten die wirtschaftlichen Bedingungen nach seiner Darstellung bereits zu weiteren Ausstiegsentscheidungen. Auch in der Schweinemast seien Liquidität und Finanzierungsspielräume stark eingeschränkt.

Verbrauch stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Für den Schweinefleischverbrauch in der EU erwartet die Kommission 2026 einen leichten Anstieg um 0,4 Prozent. Die Entwicklung sei wesentlich durch die Preisentwicklung beeinflusst. Rückläufige Erzeuger- und Abgabepreise könnten dazu führen, dass preisbewusste Verbraucher im Lebensmitteleinzelhandel häufiger Schweinefleisch kaufen.

Nach Einschätzung der EU-Experten könnte Schweinefleisch dabei teilweise an die Stelle von Rindfleisch treten. Dessen Erzeugung geht aufgrund struktureller Entwicklungen weiter zurück und wirkt sich entsprechend auf das Preisniveau aus.

Hier die Meldung

Weitere News