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Evolution: Dieser Einzeller lebt wie ein Virus
Er frisst nicht, er atmet nicht – und doch lebt er: Der parasitäre Einzeller, der einem Virus ähnelt, stellt die gängige Vorstellung von Leben auf die Probe.

- 01.07.2025
Ein winziger Parasit schiebt die Grenze zwischen Leben und Nichtleben weit in eine umstrittene Grauzone hinaus. Denn der Einzeller Sukunaarchaeum mirabile verhält sich wie ein Virus: Sein Erbgut beschränkt sich fast vollständig auf Gene, die seiner seiner eigenen Vervielfältigung dienen. In einer noch ungeprüften Vorabveröffentlichung berichtet eine Arbeitsgruppe um Ryo Harada von der Dalhousie University in Halifax, dass Sukunaarchaeum nahezu seinen gesamten Stoffwechsel an seinen Wirtsorganismus ausgelagert habe – selbst ein Einzeller, der zur Gruppe der Dinoflagellaten gehört. Es gibt zwar andere Einzeller, die vergleichbar reduziert sind, doch diese übernehmen bestimmte Stoffwechselfunktionen für den Wirtsorganismus. Bei dem neu entdeckten Mikroorganismus gibt es dafür nach Angaben der Arbeitsgruppe keine Anzeichen. Damit ist er mutmaßlich ein Parasit und ähnelt eher den Viren – die erste zelluläre Lebensform, die eine solche Strategie evolviert hat.
Ursprünglich untersuchte das Team die Gemeinschaft symbiotischer Bakterien, die mit dem Dinoflagellaten Citharistes regius zusammenlebt. Dabei stieß es jedoch auf sehr ungewöhnliche Erbgutschnipsel. Sie gehörten nicht zu einem Bakterium, sondern zu einer Archäe – einer Art von Einzeller, die äußerlich Bakterien ähnelt, jedoch ein separater, eigenständiger Zweig des Lebens ist. Doch die eigentliche Überraschung war, wie viel in diesem neuen Genom fehlt: eigentlich alles. Mit einer Länge von rund 238 000 Bausteinen ist es kleiner als das Genom mancher Viren. Unter den zellulären Organismen haben nur solche kleinere Genome, die weit auf dem Weg zum Endosymbionten, einem festen Teil ihres Wirts, fortgeschritten sind. Doch solche Lebewesen enthalten noch jenen Stoffwechselweg, den sie eben zu ihrem Wirtsorganismus beitragen. Sukunaarchaeum dagegen trägt wohl nur zu seiner eigenen Vermehrung bei – er ist ein Parasit… .


