Feedlots in Argentinien : Supernova der Rindermast und Mercosur

Beim Gedanken an argentinisches Steak haben wohl viele weite Flächen, grünes Gras und halbwilde Rinder im Kopf. Wie falsch diese Assoziation jedoch ist, konnte die Animal Welfare Foundation bei ihrer Vorlesung an der JLU Gießen zeigen.

Im Rahmen des Mercosur-Abkommens wurde den südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay zugesichert weitere 99.000 Tonnen Fleisch zu einem ermäßigten Zollsatz in die EU zu exportieren.

Die (End-)Mast südamerikanischer Rinder in Feedlots steht zunehmend im Fokus veterinärmedizinische und tierschutzrechtlicher Diskussionen. Wie geht es also den Rindern vor

Ort?

Dr. Franziska Burkhardt und ihr Team der Animal Welfare Foundation (AWF) haben in der Vorlesungsreihe Just.Us + Tierschutz über die Bedingungen auf 30 südamerikanischen Feedlots berichtet. 21 dieser Betriebe verfügen über eine EU-Exportzulassung. Aus tierärztlicher Sicht zeigen sich erhebliche Defizite hinsichtlich Tiergesundheit, Fütterungsmanagement und Bestandsbetreuung. Denn es existieren kaum Tierschutzvorgaben.

Ungeeignete Fütterung

Rinder, die in der EU gemästet werden, müssen auf sauberen und trockenen Liegeflächen liegen

können. Die Feedlots hingegen bestehen aus trockenem Boden, der aufgrund der Witterung zur Staubentwicklung neigt. Auf den Pferchen gibt es weder eine Grasnarbe noch sonstige

Vegetation. Infolge der Kot- und Urinausscheidungen wird der Boden zunehmend morastig. Die Folge ist ein nicht trittsicherer und nicht rutschfester Untergrund, in den die Tiere

bis zu den Carpal-/Tarsalgelenken einsinken.

Im größten Feedlot werden bis zu 80.000 Tiere gemästet. Woher kommt diese große Anzahl an Tieren? Anders als z.B. in den Vereinigten Staaten von Amerika stammen die südamerikanischen Mastrinder zwar überwiegend aus heimischen Mutterkuhbetrieben mit Weidehaltung. Aber hohe

Gewichtszunahmen und ein frühes Schlachtalter lassen sich bei reiner Weidehaltung nicht realisieren, sodass die Tiere für die Endmast an die Besitzer der Feedlots verkauft werden.

Um schnelle Zunahmen zu erzielen und standardisierte Schlachtkörper zu produzieren, wird ein fein gemahlenes, energiereiches und faserarmes Futter, bestehend aus Mais und Getreide als Hauptkomponenten, verfüttert. Beim Aberdeen Angus können so bis zu 1,5 kg Tageszunahmen generiert werden, beschreibt Felipe Eguti de Carvalho von der Staatliche Universität von Goiás.

Unvorstellbare Tierzahlen auf kleiner Fläche: Südamerikanische Feedlots

Diese Fütterung ist in keinster Weise wiederkäuergerecht, da die fehlende Rofaser zur Pansenübersäuerung führt – Durchfall ist nur eine der Folgen. Durch die herbeigeführte Pansenazidose sterben Pansenmikroben ab, die für die Vitamin B-Synthese des Rindes verantwortlich sind. Ein Mangel an Thiamin führt dann zu neurologischen Ausfallserscheinungen, Festliegen und ohne Behandlung zum Tod des Tieres. Im Handel wird teilweise sogar mit 100%-iger Getreidefütterung geworben.

Ein offenkundiger Fehler, der vom Verbraucher aber kaum als solcher verstanden wird, führt Dr. Cornelia Buchli von der AWF aus. Zudem verstößt diese Praxis gegen den Anhang Nr. 14 der EU Richtlinie 98/95/EG. Des Weiteren beschreibt Buchli Rinder, die aufgrund des Struktur- und Mineralstoffmangels kotkontaminierte Erde fressen… .

Wer das Bedürfnis nach Fleisch aus dem Teller verspürt, sollte in jedem Fall lieber die regionale Landwirtschaft unterstützen. Auf Nachfrage gab der Inhaber eines lokalen argentinischen Steakhauses an, dass sein Rindfleisch von der Firma Devesa (Buenos Aires) stammt. Es existiert ein Internetauftritt mit Fotos von Rindern auf weiten Flächen, aber auch hier findet die Endmastperiode mit Getreidefütterung im Feedlot statt.

Um einen Importstopp für Fleisch aus tierquälerischer Haltung sowie verbindliche Tierwohlstandards für alle importierten Tierprodukte zu erzielen, richtet sich die AWF nun gemeinsam mit der Eurogoup for animals an die Abgeordneten des EU-Parlaments. Denn auch wenn das Freihandelsabkommen bereits Anfang des Jahres unterzeichnet wurde, müssen die Entscheidungsträgerinnen und -träger es noch absegnen… .

 

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