Futtermittelzusatz zur Reduktion des Rinder-Methans?

In einem sechsmonatigen Fütterungsversuch hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Futterkamp Möglichkeiten getestet, den Methanausstoßes von Kühen zu reduzieren.

Mit einem Futterzusatz kann Methan - ein stark wirkendes Treibhausgas - in der Praxis deutlich verringert werden, so das Ergebnis. Allerdings kostet der Futterzusatz zusätzliches Geld.

Auch das Landwirtschaftsministerium befasst sich mit den Ergebnissen aus Futterkamp. Futtermittelzusätze böten einen vielversprechenden Ansatz, so eine Sprecherin des Ministeriums. Damit sie sich in der Praxis durchsetzen, müssten sie wissenschaftlich fundiert, wirtschaftlich tragfähig und im Betriebsalltag anwendbar sein.



Futterkamp erprobt Reduzierung von Methanausstoß bei Kühen

Schon kleine Veränderungen bei Fütterung oder Haltung von Milchkühen können einiges bewirken. Im Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer in Futterkamp geht es unter anderem um das Klima.


Fressen kann die Kuh erst, wenn die Antenne den Chip an ihrem Ohr erfasst hat. An den Wiegetrögen im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wird die Futter- und Wassermenge genau registriert, die jede Kuh zu sich nimmt. Auch wenn das System der Wiegetröge für einzelne Landwirte zu teuer sei, ließen sich doch Schlüsse für den Alltag in den Kuhställen ziehen, sagt Imme Dittrich, die als Fachbereichsleiterin für die Rinderhaltung zuständig ist. Je effektiver Futter eingesetzt werde, desto wirtschaftlicher der Betrieb.

In dem modernen Stall, der so auf jedem größeren Hof in Schleswig-Holstein stehen könnte, geht Dittrich auch der Frage nach, wie Rinderhaltung klimafreundlicher werden kann. Das Problem: Kühe erzeugen als Wiederkäuer eine ganze Menge Methan, das in der Atmosphäre stark zum Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel beiträgt.

Futtermittelzusatz sechs Monate in der Praxis getestet

Ein wissenschaftlich bereits gut untersuchter Futtermittelzusatz soll die Menge an Methan reduzieren. Es gehe nicht mehr um die Grundlagen, sagt Dittrich. «Wir erproben in der Praxis für die Praxis.» Die Mischung aus Nitrat und Alkohol wirke auf eine bestimmte Gruppe von Bakterien im Pansen, einem der vier Mägen eines Rindes - dort, wo das meiste Methan produziert werde. «Dieses Futtermittel ist in der Lage, Methan um die 30 Prozent zu reduzieren», sagt Dittrich.

Das Problem: Das Futtermittel kostet etwa einen Cent pro Kilogramm erzeugter Milch zusätzlich. Bei den aktuellen Milchpreisen ist das für viele Landwirte eine hohe Hürde. Nach Angaben der 35 Jahre alten Agrarwissenschaftlerin machen Futtermittel ohnehin schon 70 Prozent der Erzeugerkosten aus. «Deshalb ist das in der Praxis noch nicht so weit verbreitet.» Außerdem sei der Effekt für die Landwirte nicht unmittelbar sichtbar.

Ein Grund für den Versuch, der gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium vorgenommen wurde, ist nach Dittrichs Angaben, das Thema in der Praxis sichtbar zu machen. Messungen über sechs Monate in Futterkamp hätten eine Reduzierung des Methanausstoßes der Tiere um mindestens 17 Prozent ergeben. Rechnerisch sollte der Effekt noch größer sein. Dittrich sieht weiteren Forschungsbedarf, auch um die langfristige Wirkung des Futtermittelzusatzes zu untersuchen. Dafür reiche ein halbes Jahr nicht aus. Sie sagt aber auch: «An der Kuh können wir nicht unendlich viel schrauben. Die ist, wie sie ist.» Entscheidend bei der Klimabilanz sei am Ende der gesamte Betrieb und nicht das einzelne Tier.

Wie kommt das Wissen aus Futterkamp zum Bauern? «Alle Versuche, die wir hier durchführen, werden in Berichten zusammengefasst, wir veröffentlichen sie über unser Bauernblatt und die Versuchsberichte sind öffentlich zugänglich», sagt Dittrich. Außerdem gebe es Seminare und Vorträge.

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums spielt die Reduktion von Methan eine zentrale Rolle beim Klimaschutz in der Landwirtschaft. Futtermittelzusätze böten einen vielversprechenden Ansatz, so eine Sprecherin. Damit sie sich in der Praxis durchsetzen, müssten sie wissenschaftlich fundiert, wirtschaftlich tragfähig und im Betriebsalltag anwendbar sein. Dafür gebe es Projekte wie das Modellvorhaben in Futterkamp. «Landwirtinnen und Landwirte lassen sich überzeugen, wenn der Nutzen einer Maßnahme klar belegt ist und diese verlässlich in den betrieblichen Alltag integriert werden kann.»

Mehrkosten beim Futtermittelzusatz sind ein Problem

Mehrkosten von einem Cent pro Kilogramm Milch könnten für viele Betriebe angesichts knapper Margen bereits eine spürbare Belastung darstellen, weiß auch das Ministerium. Gleichzeitig sei der gesellschaftliche Mehrwert erheblich. Klimaschutz in der Landwirtschaft könne nur gelingen, wenn er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und entsprechend unterstützt werde. Über einen fairen Ausgleich für die landwirtschaftlichen Betriebe werde auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene beraten. «Entscheidend wird sein, wirksame Anreize für klimaeffizientes Wirtschaften zu schaffen», so die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums.

Neben den Untersuchungen zur Rinderhaltung, zu denen auch die Erprobung einer frühen Gruppenhaltung bei Kälbern gehört, kümmert sich das Lehr- und Versuchszentrum unter anderem um Schweinehaltung und die Ausbildung des bäuerlichen Nachwuchses.

Zum Angebot gehört auch ein Internat auf dem ehemaligen Gutshof mit knapp 100 Betten. Das sei auch für Klassenfahrten geeignet, sagt die stellvertretende Leiterin des Zentrums, Sophie Diers. «Das Angebot könnte noch stärker angenommen werden», so die 34 Jahre alte Agrarwissenschaftlerin. Bisher seien es vier oder fünf Klassen im Jahr. Viele Kinder kämen in Futterkamp erstmals richtig mit Nutztieren in Berührung.

Großes Interesse in der Bevölkerung an Arbeit in Futterkamp

Wie groß das Interesse in der Bevölkerung insgesamt ist, habe sich gerade beim Tag der offenen Tür gezeigt. Mehr als 15.000 Besucher seien auf den Hof gekommen, zu dem 250 Hektar Betriebsfläche gehören.

 

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