Nach einem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius stehen die Behörden unter erhöhter Alarmbereitschaft. Drei Passagiere starben laut Berichten vermutlich an den Folgen der Infektion, mehrere weitere Personen befinden sich in kritischem Zustand.
| Hantaviren werden vor allem von Nagetieren wie Mäusen und Ratten übertragen. Neuere Forschungen weisen jedoch darauf hin, dass auch Spitzmäuse, Maulwürfe und Fledermäuse als Reservoirwirte infrage kommen. Die Erreger sind weltweit verbreitet; in Deutschland zählen Hantavirus-Infektionen zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Menschen infizieren sich mit Hantaviren in der Regel durch das Einatmen von kontaminiertem Staub, der Ausscheidungen infizierter Nagetiere enthält. Möglich sind zudem Ansteckungen über verunreinigte Lebensmittel, Hautverletzungen oder den direkten Kontakt mit Nagern und deren Exkrementen. Die Inkubationszeit dauert ca. 1-3 Wochen. Charakteristisch für eine Hantavirus-Infektion sind Fieber über 38 °C, ausgeprägte Lumbalgien, Abdominal- und Kopfschmerzen sowie Proteinurie und/oder Hämaturie. In schweren Fällen kann es zu einer Einschränkung der Nierenfunktion bis hin zum akuten Nierenversagen kommen. Die Erkrankung heilt jedoch meist vollständig ohne bleibende Folgeschäden aus. Die Mortalität beträgt weniger als 0,2 Prozent. In Deutschland wird der Großteil der Erkrankungen durch das Puumalavirus verursacht, dessen Hauptreservoir die Rötelmaus ist. Diese lebt bevorzugt in Wäldern und waldnahen Regionen. Im bundesweiten Vergleich gehört Baden-Württemberg zu den am stärksten betroffenen Regionen. Zu den Risikogebieten zählen die Schwäbischen Alb, der Bayerische Wald und Teutoburger Wald. Hantavirus-Infektionen unterliegen jedoch jährlich starken Schwankungen. Mit den sogenannten Mastjahren gehen meist auch hohe Fallzahlen einher. Im Osten des Landes treten zudem vereinzelt Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus auf, dessen natürlicher Reservoirwirt die Brandmaus ist. Ein weiteres in Deutschland nachgewiesenes Hantavirus ist das Tulavirus. Nach aktuellem Forschungsstand gilt es jedoch als nur gering krankmachend für den Menschen. Als mögliche Ursache der Infektionen auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius gilt derzeit das sogenannte Andes-Virus. Dieser Hantavirus-Typ kommt vor allem in Südamerika vor. Im Gegensatz zu den in Europa verbreiteten Hantavirus-Typen weist das Andes-Virus eine besondere Eigenschaft auf: Nach Angaben von Gesundheitsbehörden ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Insgesamt wurden seit 2001 bislang 18.053 Fälle registriert. Besonders hohe Fallzahlen wurden in den Jahren 2007, 2010, 2012, 2017, 2019 und 2021 gemeldet, was auf starke Schwankungen der Nagetierpopulationen hinweist. Karte + Infektionen 2017-2026 Karte + Infektionen 2009-2016 Karte + Infektionen 2001-2008 | | | | |
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