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Höfesterben in Baden-Württemberg: Warum Landwirte ums Überleben kämpfen
Rund 500 Bauernhöfe in Baden-Württemberg stellen jedes Jahr ihren Betrieb ein. Warum die Idylle auf dem Land oft trügt - und viele kleine Höfe ums Überleben kämpfen.

- 25.05.2025
"Man kann etwas dafür tun, in dem man einfach das, was in Baden-Württemberg produziert wird, auch konsumiert.“ BW-Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU)
Auf dem Hof von Erika Obergfell in Sankt Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) ist in der Nacht ein Kalb geboren worden. Als ihr Mann Gerhard dem Jungtier die Ohrmarken sticht, liegt es ruhig auf der saftig grünen Weide. Die anderen Tiere stehen neugierig im Halbkreis drumherum - ein kurzer Moment der Idylle im Alltag der Familie Obergfell. Auf fast 1.000 Metern Höhe gibt es viel Arbeit - und kaum Feierabend. Urlaub brauche sie nicht, sagt Erika Obergfell.
Ich muss nicht wegfahren, ich habe eigentlich mein Paradies hier. Ich bin hier glücklich. Das ist das Wichtigste - glücklich zu sein." Erika Obergfell, Landwirtin in Sankt Georgen
Erika Obergfell und ihr Mann mit ihren Rindern. Erst vor kurzem ist ein Kalb geboren, das nun seine Ohrmarken erhält. Die Landwirte leben hauptsächlich von der Rinderzucht.
Gute Produkte - kein Gewinn
Erika Obergfell und ihr Mann leben von der Rinderzucht, von ihren Schweinen und Hühnern. Deren Produkte verkaufen sie auf dem Wochenmarkt. Doch das sei mittlerweile ein Nullsummenspiel. "Reich werde ich leider nicht. Wir können gerade so überleben", sagt sie. Der Druck, der auf kleinen Höfen wie ihrem lastet, ist enorm - viele geben auf, weil es keine Gewinnspanne mehr gibt. Wieder andere sehen keinen Ausweg: Obergfell berichtet von Landwirten, die sich das Leben nehmen, weil sie unter dem Druck zusammenbrechen.
Immer weniger Höfe im Südwesten
2023 gab es in Baden-Württemberg noch rund 37.500 landwirtschaftliche Betriebe - vor 40 Jahren waren es fast viermal so viele. Und ein Ende des Höfesterbens ist nicht in Sicht: Jahr für Jahr geben mehr als 500 Betriebe auf.
Einer dieser Betriebe gehört Martin Fischer. Bis 2023 bewirtschaftete er die steilen Südhanglagen des Gündelbacher Wachtkopfes in Vaihingen-Enz (Kreis Ludwigsburg) - ein Weinbaubetrieb mit fünfzigjähriger Familientradition. Doch auch er musste aufgeben. Corona sei der Anfang vom Ende seines Betriebs gewesen, knapp ein Drittel des Umsatzes brach ihm damals weg.
Heute, an einem milden Frühsommerabend, wirken die gerodeten Hänge noch immer idyllisch, "aber trotzdem sind wir natürlich ein wirtschaftliches Unternehmen – und egal, was wir hier machen, unterm Strich muss man die Familie ernähren", sagt Fischer. Die Liste seiner Probleme war lang: hohe Löhne, steigende Energiekosten, wachsende Bürokratie und Kunden, die seine Preise nicht mehr bezahlen wollten. Die Folge: Das Weingut ist inzwischen Insolvenzmasse, den Betrieb wickelt Fischer gerade noch ab.
700 Millionen Euro für die Landwirtschaft in BW
Dabei wendet die Politik viel Geld auf, um Insolvenzen wie die von Martin Fischer zu verhindern - und um die Kulturlandschaft zu erhalten. Allen voran die EU: Mit rund 55 Milliarden Euro pro Jahr subventioniert sie die Landwirtschaft in ihren Mitgliedsländern - fast ein Viertel des gesamten EU-Haushalts. Nach Baden-Württemberg fließen rund 400 Millionen Euro an Direktzahlungen aus Brüssel. Weitere 138 Millionen kommen aus EU-Töpfen für spezielle Förderprogramme, ergänzt durch rund 117 Millionen Euro vom Land und 45 Millionen Euro vom Bund. Insgesamt fließen also rund 700 Millionen Euro in die Landwirtschaft in Baden-Württemberg... .

