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Hohe Rechnungen: Gebührenordnung für Tierärzte auf dem Prüfstand
Die aktuelle Gebührenordnung für Tierärzte verärgert Tierhalter und treibt sie mitunter in die Schulden. Sie beklagen deutlich gestiegene Kosten. Dabei sollte die Reform eigentlich genau das verhindern.

- 04.09.2025
Die Rechnung für den Rheinländer Wallach umfasst 38 Seiten, eng beschrieben. Die letzte Position: Euthanasie durch Injektion, Kostenpunkt 147,80 Euro. Mit anderen Worten: Das Pferd, das an einer Gelenkverletzung litt, musste eingeschläfert werden. Bis dahin allerdings hatten sich Behandlungskosten von gut 74.000 Euro angehäuft, die der Tierarzt dem Besitzer in Rechnung stellte.
Gebührenordnung für Tierärzte sorgt für heftige Kritik
Jens Thormählen hält die neue GOT für eine Zumutung für Tierhalter.
Ein Umstand, über den sich Jens Thormählen immer wieder aufregen kann. Er hat in seinem dicken Aktenordner zahlreiche Rechnungen gesammelt. Einige stammen von seinen eigenen Pferden, einige von Tierhaltern, die ihn um Hilfe gebeten haben. Thormählen, Zweiter Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Tierhalter, redet sich in Rage, wenn es um die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) geht. Dabei ist die schon Ende 2022 in Kraft getreten. "Die GOT muss so schnell wie möglich geändert werden", sagt der Pferdeexperte aus dem Landkreis Oldenburg.
Ärzte haben hohe Kosten, seit 1999 keine Gebührenanpassung
Es habe seit 1999 keine umfassende Gebührenanpassung mehr gegeben, die Reform sei dringend notwendig gewesen, argumentieren Tierärzte. Auch für sie steigen Kosten für Praxis und Personal, außerdem sind neue Behandlungsmethoden hinzugekommen. Von der Bundestierärztekammer heißt es, einige Leistungen seien auch günstiger geworden, etwa das Röntgen. Aber im Schnitt seien die Kosten für tierärztliche Behandlungen um rund ein Drittel gestiegen.
Tierhalter fordern Bund zum Handeln auf
Die Vereinigung Deutscher Tierhalter fordert jetzt ein Gespräch mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, um ihre Sicht der Dinge darzustellen. Denn das Ministerium hat zwar für das kommende Jahr eine Evaluierung geplant. Aber die scheint Jens Thormählen und seinen Mitstreitern völlig unzureichend. Er sieht massive Nachteile für Tierhalter - und zeigt Abrechnungen: Nach der alten Gebührenordnung kostete eine Augen-OP beim Pferd rund 6.800 Euro. Der vergleichbare Eingriff schlägt nach der Reform mit gut 31.000 Euro zu Buche. Eine Zahn-OP bei einer Katze hat vor der Reform rund 450 Euro gekostet, eine vergleichbare Operation danach fast 4.000 Euro, berichtet Thormählen.
Tierärzte: Die neue Gebührenordnung und die Folgen für Tierhalter
Vor zwei Jahren wurde die neue Gebührenordnung verabschiedet. Teilweise sind die Preise bei Tierarztpraxen um 100 Prozent gestiegen.
Landesregierung fordert Überprüfung
Auch die niedersächsische Landesregierung sieht bei der Gebührenordnung deutliche Schwächen und fordert, die GOT schnellstmöglich zu evaluieren. Ein besonderes Augenmerk müsse auf außergewöhnlich große Gebührenerhöhungen bei einzelnen Tierarten und tierärztliche Leistungen gerichtet werden, auch die Angemessenheit sei zu prüfen - vor allem auch unter sozialen und Tierwohlaspekten. Eine Überprüfung der aktuellen GOT hat sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft allerdings erst für das Jahr 2026 vorgenommen... .

