Immer weniger Rinder - Nachfrage kann nicht ganz gedeckt werden

Jungbullenpreise bis fast 7€ - Bio-Jungbullen: um 6,60€ - Ochsen: > 7€ - Schlachtkühe: > 6€ - Schlachtfärsen: 6,40€ - Bio-Färsen >7€

Am Schlachtrindermarkt sind seit Anfang Februar hinweg unerwartet stark steigende Preise zu beobachten, die seither nicht zu bremsen sind. Die bisherige Preisspitze von Anfang 2022 wurde schon lange geknackt.

Einem knappen Angebot an Schlachtrindern steht eine flotte Nachfrage gegenüber, sodass die Nachfrage der Schlachtunternehmer teilweise nicht gedeckt werden kann.

Insgesamt sind durch die zurückgegangenen Bestände zu wenig Schlachtrinder vorhanden. Laut Destatis wurden in Deutschland in den ersten drei Monaten des Jahres insgesamt 5,7 % weniger Rinder (inkl. Kälber) gegenüber dem Vorjahreszeitraum geschlachtet. Die Schlachtzahlen bei Jungbullen und Bullen sind sogar zusammen um 8,2 % gesunken, die Altkuhschlachtungen sind aufgrund der guten Milchpreise und ausreichendem Grundfutter um 4,3 % zurückgegangen.

Dieser Trend ist auch europaweit zu erkennen. Die Rinderherden schrumpfen seit Jahren. So wurden 2024 77,8 Mio. und damit 2,6 % weniger Rinder gehalten als noch im Jahr zuvor. Neben den gestiegenen Kosten, der begrenzten Verfügbarkeit von Futtermitteln wirken sich auch Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit und MKS auf die Bestände aus. Weltweit haben die Rinderbestände dagegen zugenommen. 2024 wurden rund 78 Mio. t Rindfleisch (+2,3 % gg. Vj.) produziert. Allen voran steht Brasilien (+8 %), welches mittlerweile ein Viertel des weltweit gehandelten Rindfleisches liefert. Für 2025 wird von einem Rückgang der weltweiten Bestände ausgegangen. Der mangelnde Niederschlag und das erhöhte Aufkommen von Tierseuchen dämpfen die Erwartungen.

Von Januar bis Februar wurde dieses Jahr 3 % mehr Rindfleisch nach Deutschland eingeführt. 87 % der Gesamtimporte stammten aus Ländern der EU. Den größten Anteil hieran hatte die Niederlande. Dahinter folgten Polen und Österreich. Bei den Drittländern stammten die meisten Importe aus Argentinien, Brasilien und Uruguay, wobei von dort zum Großteil Edelteile wie Filet zu uns kommen. Auffallend ist jedoch, dass die Verbraucher das teurere Rindfleisch weniger konsumieren.

Nachdem die konventionellen Rinderpreise explodierten kommt der Bio-Markt kaum hinterher. Die Vermarkter von Bio-Rindfleisch bemühen sich zwar einen positiven Preisabstand zu halten, doch der Abstand schrumpft inzwischen auf wenige Cent. Das führt dazu, dass Bio-Erzeuger ihre Rinder zum Teil in konventionelle Märkte verkaufen und diese Tiere dem Bio-Markt verloren gehen, was das Angebot weiter verknappt. Die Nachfrage nach Bio-Rindfleisch ging im ersten Quartal 2025 deutlich zurück, obwohl viele Discounter nur leichte Preisanpassungen durchgeführt haben.

Jungbullen

Unbeeindruckt vom Weltmarkt zeigt sich der Handel mit Schlachtrindern. Das Angebot ist äußerst knapp. Wohingegen die Nachfrage nach Jungbullen rege ist, sodass es in den letzten Wochen zu weiteren ungewöhnlich deutlichen Preisanhebungen kam. Seit Wochen steigen die Preise in unvorhergesehene Höhen. Das Ostergeschäft hat die Preise weiter ansteigen lassen. Deutschland hat mittlerweile die Preisführerschaft übernommen.

In KW 21 erreichten im Südwesten die Jungbullenpreise inzwischen 6,85 €/kg SG (E-P). U-Jungbullen liegen sogar auf einem Allzeithoch von 6,94 €/kg SG. Es wird als Herausforderung angesehen, diese hohen Preissteigerungen an den Verbraucher weiterzugeben.

Im Hinblick auf die Grillsaison ist eventuell mit einer leichten Beruhigung der Preise zu rechnen. Preisstabilisierend wirkt sich jedoch das überschaubare Angebot an schlachtreifen Tieren aus, an dem sich so schnell erstmals nicht ändern dürfte.

Bio-Jungbullen wurden bundesweit im Durchschnitt aller Klassen im April mit 6,61 €/kg SG gehandelt. Im Mai stieg der Preis in Baden-Württemberg für Tiere der Handelsklasse R auf über 7,00 €/kg SG. Auch Bio-Ochsen werden bei guten Qualitäten über 7,00 €/kg SG gehandelt.

Schlachtkühe
Bereits seit Januar war das Angebot an Schlachtkühen häufig nicht ausreichend, um die rege Nachfrage der Schlachtunternehmen zu decken. Die stabilen Milchpreise führten dazu, dass die Landwirte weniger Kühe zur Schlachtung anboten. Insgesamt sind die Auswirkungen des Strukturwandels vor allem in den Milchviehbetrieben zu spüren. Es steigen nach wie vor immer noch Betriebe aus der Milchproduktion aus. Der deutsche Milchkuhbestand ist auf 3,59 Mio. gesunken.

Gleichzeitig ist der Bedarf der Schlachtunternehmen groß, denn Verarbeitungsprodukte von der Kuh (Hackfleisch) ist bei den Verbrauchern aufgrund der schnellen Zubereitung und des vergleichsweise günstigeren Preises sehr gefragt.

Aufgrund des unzureichenden Angebots konnten Schlachtkühe selbst vor Ostern trotz der verkürzten Schlachtwochen nochmals im Preis zulegen. Die amtliche Preisfeststellung ergab in KW 21 einen Preis von 6,09 €/kg SG. Damit ist der Durchschnittspreis im Marktgebiet seit Jahresbeginn um 1,60 ct/kg SG gestiegen. So hoch waren die Preise noch nie. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht.

Mit Beginn der Weidesaison wird sich das Angebot eher verringern. Auch die derzeit guten Erzeugerpreise für Milch werden die Abgabebereitschaft nicht steigern. Schlachtkühe werden weiterhin knapp und gefragt bleiben. Sodass in den nächsten Wochen von stabilen bis festen Preisen ausgegangen wird.

Die Nachfrage nach Bio-Schlachtkühen ist weiterhin groß, was vor allem auf die stark gestiegene Nachfrage nach Hackfleisch zurückzuführen ist. Die Preise sind entsprechend gestiegen und lagen im April im Mittel aller Klassen in Deutschland bei 5,90 €/kg SG. In Baden-Württemberg wurden im Mai für gute Klassen 6,65 €/kg SG bezahlt. Es bleibt spannend, wie lange die Verbraucher die gestiegenen Preise mitgehen.

Schlachtfärsen

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei Schlachtfärsen. Auch hier herrscht eine rege Nachfrage bei geringen Beständen. Dies führte auch hier zu enormen Preisaufschlägen. In KW 21 erlösten Schlachtfärsen im Marktgebiet im Schnitt 6,40 €/kg SG (E-P). Das ist 1 € mehr in Vergleich zu KW 7. Eine Trendwende ist auch hier nicht in Sicht.

Bio-Färsen werden inzwischen bei guten Qualitäten in Baden-Württemberg mit über 7,00 €/kg SG gehandelt.

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