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Tierärztliche Seminare

Bei unseren Fortbildungen für Tierärzte vermitteln exzellente Referenten aktuelles, fundiertes Wissen, das Veterinäre zum kompetenten Partner der Landwirte macht. Mit praktischen Übungen, Bestandsbesuchen, Fallbesprechungen und Diskussionen bieten diese Seminare die Möglichkeit, praxistaugliches Wissen zu erwerben und dieses künftig gezielt bei der täglichen Arbeit zu nutzen. Unsere Fortbildungen sind in der Regel von der Bundestierärztekammer anerkannt (ATF-Anerkennung gemäß § 10 der ATF-Statuten).

 

Seminare für Tierärzte und Landwirte

Regelmäßig veranstaltet die AVA Seminare und Workshops, in denen Landwirte und Tierärzte zusammen und voneinander lernen. „Auf gleicher Augenhöhe“ werden hier Themen der Tiergesundheit und Co. intensiv besprochen, um Probleme herauszukristallisieren und zu lösen. Abseits des Tagesgeschäftes bieten wir hier ein Forum für den konstruktiven fachlichen Austausch zwischen Veterinären und Landwirten.

Wie geht es weiter: Ferkelkastration ohne Betäubung ab 31.12.2018 ....

Veröffentlicht am: 27.06.2018 12:34:43
Kategorie : Allgemein , Pferde , Rinder , Schweine

Ab dem 31. Dezember 2018 ist es gesetzlich verboten, in Deutschland Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) hat sich dazu mehrfach geäußert, ist doch Gründer und Leiter der Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA), Ernst-Günther Hellwig, selbst Fachtierarzt für Schweine und Agrarwissenschaftler. 

Der Bayerische Bauernverband (BBV) hat die bayerischen Schweinehalter angeschrieben und u. a. das Unverständnis der Ablehnung des „4. Weges“ der Ferkelkastration thematisiert – denn „die“ wollen den „4. Weg“ mit aller Macht durchsetzen. Er ist nun mal der Billigste.

Die Politik lässt Tierärzte und Landwirte allein. Wissenschaftliche Untersuchungen aller Universitäten kommen zu dem Ergebnis, dass bei der Ferkelkastration mit Procain keine ausreichende Schmerzausschaltung erreicht wird. Damit erfüllt dieses Verfahren eindeutig nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes. Ein Arzneimittel, das diesen hohen Anforderungen der lokalen Anästhesie bei der Kastration genügt, existiert derzeit noch nicht.  

Zurzeit sind zwei rechtlich und tierschutzgerechte Alternativen möglich: 

  1. Die Ebermast, die Immunokastration oder „Eberimpfung“ (Improvac) zur Verminderung des Ebergeruchs 
  2. Die Kastration unter Allgemeinanästhesie.
  3. Die Isoflurananästhesie, die als dritte Möglichkeit und Alternative genannte wird, lehne ich nicht nur aus Tierschutzgründen ab (Verweis auf mehrere Veröffentlichungen der AVA).
  4. Beim so genannten 4. Weg soll dem Tierhalter die Applikation eines Betäubungsmittels zur örtlichen Schmerzausschaltung erlaubt werden. Davor warnt allerdings auch der Präsident der BTK, Dr. Uwe Tiedemann: „Jede Anästhesie – das gilt auch für die lokale Betäubung – ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit!“ (siehe Pressemeldung der BTK in der Anlage)  

Die Frage stellt sich auch, wie wird die Ferkelkastration im EU-Ausland durchgeführt? Gibt es Wettbewerbsnachteile für deutsche Landwirte, wenn kastrierte Ferkel ohne Betäubung importiert werden (z.B. aus Dänemark und Holland)? QS in Bonn sagt, dass ein Zertifikat zur Ferkelkastration mit dem Import von Ferkeln verlangt wird. (Na ja).

POLITIK: Bitte, bitte tut etwas und schiebt den Termin 31.12. 2018 nach hinten!!! So lange, bis wissenschaftlich begründete Kastrationsmethoden entwickelt wurden, die dem Sinn des Gesetzes, nämlich aktiver Tierschutz, gerecht werden. Alles andere ist Makulatur und hat nichts mit Tierschutz zu tun. Im Gegenteil.

Übrigens: Auch wenn die Schweineredakteurin des Bayerischen Wochenblattes öffentlich behauptet hat, dass die Tierärzte gegen den 4. Weg wären, derweil die Veterinäre selbst das Geld verdienen wollen, ist absoluter „Schmarn“, um bayerisch zu antworten. Selbst ihr Chefredakteur steht hinter der Aussage seiner Redakteurin, wie er mir telefonisch bestätigte, denn ich habe sofort „protestiert“. Kein Tierarzt will Kastrierer oder Kastrator werden. Glauben Sie uns das. Schade, dass das Bayerische Wochenblatt wieder solche tiefen Gräben zwischen unsere Berufsgruppen schaufelt. 

Meine Meinung: Die Ferkelkastration innerhalb der ersten drei Lebenstage mit gleichzeitiger „Schmerzspritze“ ist nach meinem Dafürhalten (und vielen anderen Fachleuten der Veterinärmedizin)  momentan die geeignetste Methode, die den Vorgaben „Tierschutz“ am nächsten kommt. Zur Erinnerung: früher wurde ohne Betäubung nicht unter einem Ferkelalter von sechs Wochen kastriert (betäubungslos!). Das war Quälerei für Tier und Mensch. 


Ernst-Günther Hellwig
Fachtierarzt für Schweine und Agrarwissenschaftler; Gründer und Leiter der AVA   

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