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22. AVA – Haupttagung vom 30. März bis 02. April 2022

Zur CORONA-Information:

Aufgrund der "unsicheren" Coronapandemie-Situation  werden wir die 22. AVA-Haupttagung von Mittwoch, 30.03., bis Samstag, 02.04.2022, unter den entsprechenden Coronaregeln und nach  Vorgaben der Behörden in Göttingen, im Hotel “Freizeit In“, nach geltenden 2G-Richtlinien (geimpft, genesen)  durchführen. Natürlich hoffen wir, zur Haupttagung aus der "4.Welle" heraus zu sein.


bpt- Petition zum Glück erfolgreich: Abstimmung des EU-Parlamentes: Einwand des EU Grünen Martin Häusling abgelehnt !

BTK, bpt, AVA und viele andere Organisationen sind froh, dass tierschutzgerecht kranke Tiere behandelt werden können:

EPRUMA begrüßt die Unterstützung des Europäischen Parlaments zum Schutz der Tiergesundheit und des Tierschutzes

Bonn/Brüssel – Pressemeldung des Bundesverbands für Tiergesundheit e.V. (BfT), 16.09.2021 

Mit ihrer Abstimmung im Plenum des Europaparlamentes demonstrierten die Abgeordneten, dass sie den One-Health-Ansatz der EU zur Bewältigung der Herausforderung der Antibiotikaresistenz unterstützen. So bewertete EPRUMA, der Zusammenschluss im Tiergesundheitssektor zum verantwortungsvollen Umgang mit Arzneimitteln, die Entscheidung im Europaparlament.

Mit einem mehrheitlichen Votum stimmten die Mitglieder des Europäischen Parlaments dafür, für Tierärzte den Zugang zu spezifischen lebensrettenden Behandlungen sowohl für Nutz- als auch Haustiere weiter sicherzustellen. Sie erkannten die Kriterien, um Antibiotika für die Behandlung bestimmter Infektionen beim Menschen zu reservieren, wie von der Europäischen Arzneimittel-Agentur empfohlen, als geeignet an.

Die Ablehnung des Entschließungsantrags hat gezeigt, dass die Abgeordneten die Bedeutung der Tiergesundheit und ihre Folgewirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Lebensmittelsicherheit, Nahrungsmittelversorgung und die Umwelt verstanden haben. 

Ein ganzes Paket von Maßnahmen führt in der Tiermedizin inzwischen zu einer eng kontrollierten Anwendung von Antibiotika. Die Maßnahmen reichen von der Erfassung der in der Veterinärmedizin verbrauchten Antibiotikamengen über Einschränkungen und Leitlinien zu deren Abgabe und Anwendung bis hin zum Resistenzmonitoring und der Erfassung von Resistenzdaten bei der Zulassung von Tierarzneimitteln. Diese Anstrengungen haben in den letzten zehn Jahren europäisch und national zu einem deutlichen Rückgang der Abgabe von Antibiotika geführt. In Deutschland beträgt der Rückgang nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in diesem Zeitraum 60,7 %. 

Durch das neue europäische Tierarzneimittelrechtrecht, in dem der delegierte Rechtsakt der Kommission ein Teil ist, werden die Bestrebungen europaweit intensiviert und harmonisiert.

EPRUMA ersuchte das Europäische Parlament, die Umsetzung weiterer EU-Strategien in Bezug auf Tiergesundheit und Tierschutz, aufbauend auf den wissenschaftlichen Ratschlägen der EU-Agenturen, ebenfalls zu unterstützten, die sich um ein sorgfältiges Gleichgewicht zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier sowie unserer Umwelt bemühen.

Hier die Pressemeldung der BTK vom 16.09.2021 hierzu:

Bangen um die Gesundheit unserer Tiere
BTK erfreut über Entscheidung des Europäischen Parlaments

(BTK/Berlin) – Nachdem die vergangenen Wochen geprägt waren vom Kampf der Tierärzteschaft gegen die Ablehnung eines Verordnungsentwurfs zum Thema „Antibiotikavorbehalt für die Humanmedizin, wie es ein vom Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) vorgelegter Antrag forderte, fiel nun in Straßburg die Entscheidung. Sehr zur Erleichterung der Bundestierärztekammer (BTK) stimmten die Mitglieder des Europäischen Parla- ments für den Entwurf der delegierten Verordnung der Kommission (DEA 2021/2718) über "Kriterien zur Identifizierung von antimikrobiellen Arzneimitteln, die für die Behandlung von Menschen vorbehalten sind" und verhinderten somit den Wegfall weiterer essenzieller Antibiotikaklassen für die Behandlung von Tieren.

Auf der Grundlage der abgestimmten Verordnung, welche auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Human- und Veterinärmedizin basiert, kann nun unter Berücksichtigung des One-Health-Ansatzes eine Liste mit für den Menschen reservierten Antibiotikaklassen erstellt werden. „Insbesondere die Tierärzteschaft hat bereits in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beigetragen. Ich appelliere an alle Kolleginnen und Kollegen, auch weiterhin Umsicht und Vernunft bei der Anwendung dieser wichtigen Substanzen walten zu lassen“, betont BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann. Nur so kann gewährleistet werden, dass auch zukünftig, im Sinne des Tierschutzes sowie einer erfolgreichen Zoonose-Prävention, Menschen und Tieren eine zielgerichtete Therapie mit Aussicht auf Erfolg erhalten können.

Ziel des durch den ENVI-Ausschuss vorgelegten Antrags war eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika bei Tieren mit der Begründung, damit eine Minimierung der mitunter lebensbedrohlichen Antibiotikaresistenzen zu erreichen. Ein Ziel, das von der BTK ausdrücklich unterstützt wird und auch vom existierenden Entwurf der delegierten Verordnung ganz klar verfolgt wurde. Während dieser jedoch auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Human- und Tiermedizin basiert, forderte der vorgelegte Antrag ganz klar die Orientierung an den Kriterien und Empfehlungen der WHO, welche ausschließlich die menschliche Gesundheit berücksichtigen.


"Antibiotikaeinsatz in der Tiermedizin als Ursache von Todesfällen beim Menschen aufgrund von Resistenzen?" 

Nutztierärzte sind schuld ? - Ärztefunktionäre unterstützen kritiklos EU-Grünen Antrag zum Antibiotikaverbot

„Massentierhaltung, massenhafter Antibiotikaeinsatz, Resistenzprobleme im Krankenhaus“ … das hört und liest man seit Jahren ständig in den Medien, klingt logisch, also muss es „wahr“ sein, oder?

Es ist ein bekanntes publizistisches Phänomen, dass sich Lügen zur Wahrheit wandeln, wenn sie nur ständig wiederholt werden und v.a., wenn sie dem Weltbild des Rezipienten entsprechen. Ich erinnere dabei z.B. an die „Dolchstoßlegende“ oder die Sache mit den „weapons of massdistruction“ die als Begründung für den Angriff auf den Irak herhalten musste. Hier lobe ich den Ex-Politiker Joschka Fischer, der eine Beteiligung Deutschlands verneinte mit den Worten: „Sorry, I´m not convinced …“.

Interessiert habe ich in der FAZ im Beitrag „Muss Waldi sterben?“ gelesen, dass „… zwei Drittel der Resistenzen auf Nutzung in der Humanmedizin zurückgehen.“ Ich bin hier auch nicht „convinced“ und Sie sollten einmal beim BfR nachfragen, wie es dort eingeschätzt wird.

Wenn 97 % aller MRSA-Stämme aus dem Krankenhausbereich kommen und seit vielen Jahren konstant nur 3 % der Probleme durch den Stamm 398 (einziger Stamm in der Schweinehaltung) verursacht werden, dann habe ich Zweifel an Ihrer Aussage.

Wenn bei der Anwendung von Antibiotika im Schweinebereich nur 1,7 % der Antibiotika in den Definitionsbereich „Reserveantibiotika“ fallen, jedoch 50 % des Antibiotikaeinsatzes im Humanbereich, dann brauchen wir eigentlich nicht weiter diskutieren, oder?

Warum wird der Focus ausschließlich auf die verunglimpfte „Massentierhaltung“ zentriert?

Herr Häusling meint in seiner Pressemitteilung, "...von Heimtierhaltung geht keine besondere Gefährdung aus...". Worauf begründet er diese Idee? Seit wann differenzierten Bakterien zwischen Tierarten oder Haltungsformen bei der Bildung von Resistenzen? Und bei den Heimtieren werden durch den intensiven persönlichen Kontakt "Tier-Mensch" die Bakterien, auch resistente, ausgetauscht". Es geht nicht um die behandelte Tierart, nur um den verwendeten Wirkstoff. Chloramphenicol ist z.B. in der Nutztierhaltung seit langer Zeit VERBOTEN, nicht aber im Kleintierbereich.

Könnte es sein, dass Herr Häusling keine Probleme bei den Heimtieren, jedoch bei der „Massentierhaltung“ sieht, weil er auf einem Auge blind ist? Weil er mit einem Auge auf die Millionen Kleintierhalter als Wählerklientel schielt und die nicht verprellen möchte?

Dummerweise ist bei der Formulierung der EU-Tierarzneimittel-Verordnung offenbar nicht aufgepasst worden, dass es nur um die „Massentierhaltung“ gehen sollte. Hat da niemand mit dem ideologisch „nötigen Sachverstand“ Korrektur gelesen? Die Folge des Aufstands im Kleintierbereich ist natürlich unangenehm.

Jede Anwendung bzw. Freisetzung eines Antibiotikums beinhaltet die Möglichkeit der Entstehung von Resistenzen, das betrifft alle Anwendungsbereiche, egal ob Nutz- oder Heimtierbereich und natürlich auch bei uns Menschen. Gerade in der Humanmedizin werden  die Mittel mit der besten Aussicht auf Behandlungserfolg eingesetzt (ohne Antibiogramm, wohl aus Kostengründen?). Mit jeder Anwendung schwindet aber die „Schärfe des Schwertes“ Antibiotikum. Diesen grundsätzlichen Sachverhalt scheint Herr Häusling zu ignorieren.

Im Schweinebereich werden Reserveantibiotika nur per Injektion, also bei Einzeltieren eingesetzt. Ihre Art der Darstellung lässt etwas völlig falsches annehmen. Das ist kein korrekter, verantwortungsvoller Journalismus.

Der Vorwurf, Tierärzte würden  am Antibiotikaverkauf an die Landwirte verdienen und daher viel einsetzen wollen, kennen wir auch schon aus der Diskussion vor Jahren zum Verbot des Dispensierrechts. Bitte nicht schon wieder diese „olle Kamelle“ aus der Mottenkiste. Ich dachte, das hätten wir hinter uns. Seit Einführung des Antibiotikamonitoring in der Nutztierhaltung ist der Einsatz von Antibiotika sehr stark rückläufig, er wurde mehr als  halbiert. Selbst Überwachungsbehörden sind mittlerweile der Meinung, dass eher zu wenige Tiere behandelt werden, obwohl behandlungsbedürftig, und das wäre auch nicht im Sinne des Tierschutzes, denn natürlich müssen kranke Tiere behandelt werden.

Ich bin bei Ihnen, wenn es darum geht, dass Haltungsbedingungen einen Anteil an Erkrankungen haben können. Diese Haltungsbedingungen müssen ökonomisch aber tragbar sein. Ökonomisch nicht tragbar sind so viele Erkrankungen, dass in jedem Mastdurchgang alle Tiere einmal behandelt werden müssen. So lange der Verbraucher an der Kasse gegen die Finanzierung dieser „besseren“ Haltungsbedingungen abstimmt, sind sie nicht realisierbar.

Natürlich können wir in Deutschland ideologisch idealisierte Haltungsbedingen per Gesetz erzwingen. Die Folge ist dann die Verlagerung der Tierhaltung in Länder, wo wir sie gar nicht mehr beeinflussen können und wo sie eher schlechter sind als hier. Deutschland wird auf diese Weise „schweinefrei“ gemacht, worüber Veganer nicht traurig wären.

Wir haben bei den Ferkeln einen Eigenversorgungsgrad von vielleicht 70-75 %, der aktuell stark rückläufig ist. Spanien hat Deutschland in der EU als größten Schweinehalter bereits abgelöst. In den Läden findet sich schon billiges Schweinefleisch aus Chile. Soll das die Zukunft sein?

Die Bedingungen für Schweinehalter werden in Deutschland  weiter verschärft, das führt nur zu weiter steigenden Importen aus anderen Ländern. Allein aus Dänemark werden ca. 13 Mio. Ferkel jährlich exportiert, weitere Millionen aus den Niederlanden, d.h. eine Reduzierung der Tierhaltung hier durch „Aussteigerprämien“ für Sauenhalter (wie von der Bundeslandwirtschaftsministerin angedacht und in den Niederlanden seit langem praktiziert) bringt eher nichts.

Die Sauenhaltung in Deutschland ist im letzten Jahr um über 10 % rückläufig (v.a. in Hessen). Millionen Ferkel kommen weiter aus NL und DK nach Deutschland. Gerade jetzt sind die Preise für Schweinefleisch so niedrig, dass die Schweinhalter Geld vernichten. Viele überlegen aus der Tierhaltung auszusteigen und was dann?

Die Tierhaltung in DK, NL und besonders in Spanien ist weitaus billiger, weil weniger Auflagen bestehen. Gerade in DK steht der Staat hinter seinen Landwirten! Beispielhaft sei erwähnt, dass die „Kastration unter Betäubung“ mit Isofluran so nur in Deutschland seit dem 01.01.21 durchgeführt wird. In den NL ist dazu Kohlendioxid erlaubt, was zu Erstickungsängsten führt und aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel ist. Auch QS (Qualität und Sicherheit) will das hier in Deutschland nicht, akzeptiert aber den Import von so „behandelten“ Ferkeln nach Deutschland. Das ist eine bewusste Marktverzerrung.

Die Deutsche konventionelle Schweinehaltung wird konkurrenzunfähig reguliert, weil Grüne Tierschützer sie nicht mehr wollen. Der Verbraucher will aber weiter „billiges Fleisch“ und wird es auch bekommen, nur nicht aus Deutschland. Wir haben dann keinen Einfluss mehr auf die Haltungsbedingungen.

Wenn wir hier so weitermachen, werden wir demnächst Schweinefleisch aus China bekommen aus den dortigen Großanlagen mit 100.000 Sauen. Dort lachen sie nur über animal welfare, wie wir es hier betreiben. Ganz besonders werden sie dort lachen, wenn sie die „BIO-Haltung“ des von dort gelieferten Schweinefleisch per Stempel bestätigen, weil die „dummen Deutschen“ es glauben wollen. Papier ist geduldig.

Es kann auch nicht sein, dass wir hier hohe (berechtigte) Auflagen bei der Produktion von Antibiotika haben, so dass in Deutschland die Produktion völlig eingestellt worden ist. Wir werden jetzt aus China beliefert. Dort und in Indien werden die Wirkstoffe in die Umwelt freigesetzt, es entstehen Resistenzen und über Touristen werden sie dann in die EU (auch Deutschland) importiert.

Ich sehe hier Parallelen zur Entwicklung in der Deutschen Schweinehaltung.

Für weitere Information empfehle ich das Epidemiologische Bulletin des RKI vom Juli 2011. Da können Sie mehr  über MRSA lesen. In der Schweinehaltung wurde MRSA (Stamm 398) erstmals 2008 nachgewiesen. Es stellt sich somit die Frage, ist MRSA vielleicht aus dem Humanbereich in die Tierhaltung gekommen? … also umgekehrt als immer dargestellt wird?

Immerhin kennen wir MRSA seit mittlerweile rund  60 Jahren in der Humanmedizin, aber erst seit 13 Jahren in der Schweinehaltung.

In der FAZ war die Rede von 33.000 Toten in europäischen Krankenhäusern, laut Herr Häusling, aber wie kommt es zu diesen Infektionen?

Auch hier scheint Herr Häusling nur rudimentär informiert zu sein. In einer Veröffentlichung über Resistenzen in China aus dem Jahre 2017 stand u.a., dass die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sogar von fast einer Million Infektionen und mindestens 30.000 Todesfällen allein in Deutschland ausgeht. Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich 400.000 bis 600.000 Patienten in Deutschland an Krankenhausinfektionen. Ein Krankenhausaufenthalt ist also nicht ohne Risiko.

Ein großes Problem ist die Übertragung von Keimen im Krankenhaus durch Verstöße gegen Vorgaben bei der Pflege. Hier will ich auf keinen Fall den Pflegekräften einen Vorwurf machen, denn es liegt am Pflegeschlüssel von 1 : 2,4 Patienten. In den Niederlanden liegt der Schlüssel bei 1 : 1 und das ist auch notwendig so. 

Ein Professor in Deutschland hat einmal mit Stoppuhr gemessen, wie lange die üblichen Pflegetätigkeiten dauern und kam auf ca. 6 Stunden je Person. "Verstöße" gegen Vorgaben sind da in Deutschland vorprogrammiert. Er hatte es gemacht, weil es immer wieder Problemfälle gab aufgrund Nichteinhaltung von Pflegevorgaben. 

Was die Freisetzung von Wirkstoffen (auch radioaktive Substanzen) in die Umwelt betrifft, so ist dieser Aspekt auch absolut relevant!!! ... aber wie werden die Abwässer aus den Krankenhäusern behandelt? Diese Freisetzung findet natürlich auch statt bei einer Antibiose im privaten häuslichen Umfeld. Darüber wird nie berichtet. Um diese Freisetzung zu vermeiden, bedürfte es einer Behandlung unter „kontrollierten“ Bedingungen. Die Ausscheidungen müssten theoretisch separiert und „unschädlich“ entsorgt werden, was natürlich völlig unrealistisch ist.

Was die antibiotische Behandlung des fiktiven „Meerschweinchens“ von Herrn Montgomery betrifft, mit der möglichen Folge eines Sterbefalls auf einer Intensivstation, so dürften dann zumindest keine Reserveantibiotika mehr in der Tierhaltung (egal ob Heim- oder Nutztiere) eingesetzt werden. Wenn ich dabei an Ohrentzündungen im Kleintierbereich denke, dann wäre das mit erheblichen Schmerzen bis zum Tot von Tieren verbunden, weil keine Behandlung mehr möglich wäre. Herr Montgomery stuft mit seiner Aussage Tiere als Geschöpfe ein, die dem Wohl des Menschen unterzuordnen sind. Da Tiere im Grundgesetz als Mitgeschöpfte verankert wurden, wäre hieraus ein Verstoß gegen das GG zu folgern. 

Ich hoffe, Ihren Kenntnisstand etwas erweitert und zu differenzierten Überlegungen bei der aktuellen Diskussion angeregt zu haben, die wir eigentlich seit vielen Jahren wiederholt führen. Unausgesprochen geht es eigentlich um einen ideologischen Kampf gehen die Haltung von Nutztieren in Deutschland, die es dann nicht mehr geben wird.

Das wir uns richtig verstehen, auch ich bin der Meinung, dass der Konsum tierischer Produkte reduziert werden sollte, auch aus gesundheitlichen Gründen. Wir können dieses Ziel sicher durch Verteuerung der Produkte erreichen, die aus „verbesserten“ Haltungsbedingungen resultieren, so wie in der Schweiz, aber dazu braucht es einen geschlossenen Markt. Billigimporte aus dem Ausland dürfte es nicht geben, das widerspricht aber dem Prinzip des freien Warenhandels innerhalb der EU und weltweiter Tendenzen.

Sie sehen, wir befinden uns in einer Zwickmühle voller Widersprüche. Viele Aspekte werden wissentlich ignoriert, oder vielleicht aus Dummheit?

Gießen,13. 09.2021

Tierarzt Franz Josef Koch


Offener Brief von bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder an MEP Martin Häusling zu seiner Pressemitteilung vom 10. September

  

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Häusling,

mit Erstaunen haben wir Ihre Pressmitteilung vom 10.09.2021 zur Kenntnis genommen. Sie beziehen sich darin auf ein Factsheet der EU-Kommission zum in der Diskussion stehenden Delegierten Rechtsakt (DR), der antimikrobielle Mittel für die Humanmedizin reservieren soll, und suggerieren der Öffentlichkeit, die aufgeführten Fakten seien ein Novum, obgleich Sie es als verantwortlicher Berichterstatter des EU-Parlaments besser wissen sollten.

Denn das Factsheet fasst doch lediglich die Inhalte des ursprünglich von der Kommission vorgelegten, wissenschaftlich fundierten Entwurfs der Europäischen Arzneimittelbehörde für die Kategorisierung der Antibiotika zusammen, der in der Sitzung des EU-Umweltausschusses am 13. Juli auf Ihre maßgebliche Initiative hin abgelehnt wurde, weil er Ihnen nicht weit genug geht. Im Gegensatz zur Kommission haben Sie ein komplettes Anwendungsverbot von Fluorchinolonen, Cephalosporinen der 3.und 4. Generation, Polymyxinen und Makroliden in der Tiermedizin gefordert, von dem alle Tierarten mit dramatischen Auswirkungen für ihre Therapie betroffen sind, sofern die Einzeltierbehandlung nicht in das zugrundeliegende Gesetz, die EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6, aufgenommen wird. Sie selbst weisen in Ihrer Pressemitteilung sogar darauf hin, dass die Kommission dieses Gesetz explizit nicht ändern will, abgesehen davon, dass dafür auch keine Mehrheit bei den Mitgliedsstaaten und wohl auch nicht im EU-Parlament vorhanden ist.

Die o. g. Antibiotika-Wirkstoffklassen sind jedoch essenziell für die Tiermedizin, sodass ein Verbot eben genau nicht dem dritten Kriterium im DR der Kommission entspricht (essenziell für Human- und Tiergesundheit). Sie unterstellen uns Fake-News zu verbreiten und rufen uns allen Ernstes auf, wir sollten Schadensbegrenzung betreiben, weil wir sonst endgültig bewiesen hätten, dass uns die Belange der Kleintierpraxen unterm Strich weniger wichtig sind als die Interessen einiger weniger Praxen, die ihr Geld vor allem in der Geflügelindustrie und Schweinehaltung verdienen? Das ist mehr als grotesk und erinnert an die erfolglose Schlammschlacht ihres Spitzenkandidaten Jürgen Trittin im Wahlkampf 2013, der uns Tierärzte/innen pauschal als 'Drogendealer' diskreditiert hat.

Nochmal zur Erinnerung: Wohlwissend um die u. U. strengeren Regelungen hat sich der bpt von Anfang an für den wissenschaftlich ausgewogenen One-Health-Ansatz der EU-Kommission ausgesprochen, weil wir uns der Verantwortung für die Gesundheit von Mensch und Tier bewusst sind. Und, sehr geehrter Herr Häusling, wie oft sollen wir es noch sagen: Wir Tierärzte/innen sind nicht für die Haltungsformen in der Nutztierhaltung verantwortlich. Sie als Politiker schon. Als Politiker können sie das ändern, wir Tierärzte/innen sind Kraft unserer Berufsordnung hingegen primär dazu verpflichtet, Krankheiten bei Tieren zu verhindern oder zu heilen. Das ist unser Auftrag, für den wir uns einsetzen. Darin unterstützen uns auch mehr als 600.000 Tierhalter/innen mit Ihren Unterschriften. Das ist ein großer Vertrauensbeweis in unsere medizinische Kompetenz.

Sie dagegen versuchen seit Wochen mit der Verbreitung nebulöser Informationen und der Verquickungen unterschiedlicher Themen unseren Verband zu diskreditieren. Das alles hätte leicht verhindert werden können, wenn Sie in den letzten Wochen das Gespräch zu uns gesucht oder Ihre Parteivorsitzenden Frau Baerbock und Herr Habeck unser Dialogangebot vom 25. August angenommen hätten. Das war aber ganz offensichtlich nicht gewollt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Siegfried Moder, bpt-Präsident


EU Grüner Martin Häusling: der bpt irrt mit seinen Behauptungen (Pressemeldung der EU Grünen vom 10.09.2021)

Gefährliche Kampagne des Tierärzteverbandes (bpt):

Schutz von Antibiotika steht auf der Kippe
Die gegen eine rechtliche Initiative der Grünen gerichtete Kampagne des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (bpt), die Haustieren eine lebenswichtige Antibiotikaversorgung sicherstellen solle, läuft ins Leere. Ein Factsheet der Europäischen Kommission bestätigt endgültig, dass der bpt mit seinen Behauptungen irrt. Denn die Kommission ist es selbst, die in Zukunft ein wesentlich eingeschränkteres Arzneimittelportfolie für die Behandlung für Haustiere vorsieht. Die Kommission stellt ausdrücklich klar, dass die Antibiotika, die auf der Liste der Reserveantibiotika für die Humanmedizin landen, für alle Tierarten verboten sind, und zwar ohne Ausnahme.

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im EU-Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments ist der Initiator des vom bpt so heftig kritisierten Rechtstextes, über den am 15.9. abgestimmt wird.

Hier die Pressemeldung der EU Grünen ->  GEFÄHRLICHE KAMPAGNE DES TIERÄRZTEVERBANDES: SCHUTZ VON ANTIBIOTIKA STEHT AUF DER KIPPE

Was ist denn "da" jetzt los?  

Für mich und sicher für viele andere ist das doch alles sehr verwirrend und unklar. Der EU-Grüne Martin Häusling "kackt" den bpt an und der bpt "kackt" den Häusling an. Warum gibt es zumindest für uns Tierärzt*innen nicht einmal eine Reaktion vom bpt auf die "Behauptungen" von Martin Häusling.

Auch das Gutachten der RA-Kanzlei Günther ( Davina Bruhn) wurde bisher nicht von der Tierärzteseite "kommentiert" (jedenfalls weiß ich nichts davon).


EU-Arzneimittel-VO und ein juristisches Gutachten

Kennen Sie das Gutachten (zum Einspruchs des Grünen-MdEP Martin Häusling zur EU-Tierarzneimittelverordnung)  im Auftrag u.a. der Deutschen Umwelthilfe?

Die Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn (Rechtsanwälte Günther, Hamburg) hat ein Gutachten u.a. der Deutschen Umwelthilfe  mit der Überschrift:" Die Festlegung von Kriterien für die Bestimmung antimikrobieller Wirkstoffe gem. Art. 37 Abs. 4 Tierarzneimittel-VO Rechtliche Einordnung des Einspruchs des MdEP Martin Häusling und zugleich Bewertung der hiergegen gerichteten Kampagne" erstellt.

Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn schreibt u.a. im Fazit ihres Gutachtens: "... Der Einspruch zielt auf eine konsequente Eindämmung des Einsatzes von Reserveantibiotika bei Lebensmittel-Tieren ab, ohne dabei die Möglichkeit einzelner Tiere in Ausnahmefällen aus den Augen zu verlieren. Mit dem jetzigen Entwurf des delegierten Rechtsaktes dürften Reserveantibiotika weiterhin auch als Gruppenmedikation in der industriellen Tierhaltung eingesetzt werden, statt bei diesen Lebensmittel-Tieren die Tiergesundheit mit anderen Maßnahmen konsequent zu verbessern, wie es gesellschaftlich gefordert wird. Der jetzige Entwurf des delegierten Rechtsaktes würde daher das Ziel des Gesetzgebers verfehlen und der voranschreitenden Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen nicht entgegentreten und den extensiven Einsatz von Reserveantibiotika in der industriellen Tierproduktion nicht wirksam verbieten. Die pauschale Kampagne der Tierärzte spielt nicht nur mit den Ängsten von Haustierbesitzern, sondern gibt Inhalte des Einspruchs teilweise unzutreffend und verkürzt wieder. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass sich die Verantwortlichen für die Kampagne möglicherweise doch für den weiteren Einsatz von Reserveantibiotika in der industriellen Tierhaltung stark machen, dies jedoch mit dem vorgeschobenen Fokus auf Nicht-Lebensmittel-Tiere wie Hunde zu überspielen versuchen...". 

Hier lesen Sie das Gutachten von Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn → Kurzgutachten


Ja, was denn nun?

Der bpt hat eine erfolgreiche Kampagne "gegen" die  Forderung der Europa-Grünen (unter Martin Häusling) zum EU-weiten Verbot der Reserve-Antibiotika gestartet. Auch viele Tierhalter*innen haben die Petition in den Tierarztpraxen unterschrieben aus Angst, "Hund, Katze, Maus" können dann nicht mehr erfolgreich therapiert werden.  Die Deutsche-Umwelthilfe-Agrarexpertin , Reinhild Benning, verweist auf ein Gutachten, worin klargestellt werden soll, dass hier nicht "Hund, Katze, Maus" gemeint seien, sondern nur die Verabreichung bei Nutztieren (Geflügel, Schwein, Rind, über Futter und Wasser). 

Desinformation-Kampagne macht Stimmung für Freifahrtschein bei Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung

Um den massenhaften Einsatz von Reserve-Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung schnellstmöglich zu verbieten, muss die EU-Kommission mit einer Korrektur der Tierarzneimittelverordnung klarstellen, dass die entsprechenden Regeln nicht für Einzeltiere wie Hund, Katze oder Pferd gelten. Damit dürften Einzeltiere weiter mit Reserve-Antibiotika behandelt werden – die Resistenzen fördernde massenhafte Verabreichung dieser extrem wichtigen Antibiotika über das Futter oder Wasser in der industriellen Tierhaltung würde hingegen untersagt, denn Reserve-Antibiotika müssen immer häufiger Menschenleben retten, weil andere Antibiotika gegen resistente Erreger unwirksam werden. Zur Zeit macht eine Kampagne mit Desinformation über emotionale Bilder und Slogans Stimmung bei Haustierhalterinnen und -haltern, statt eine Klarstellung des Anwendungsbereiches einzufordern, und behauptet, von dem Verbot von Reserve-Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung wären automatisch alle Haustiere betroffen.

"...Dazu Reinhild Benning, Deutsche-Umwelthilfe-Agrarexpertin: „Es ist beschämend, wie hier versucht wird, Tierfreundinnen und -freunden Angst zu machen, ihre geliebten Katzen oder Hunde würden gefährdet. Das ist nicht der Fall, wie auch unser neues Rechtsgutachten (Rechtsanwältin Dr.Davis Bruhn) noch einmal eindeutig klarstellt, wenn die vom EU-Umweltausschuss geforderte Korrektur kommt. Das Interesse einiger weniger Tierärztinnen und Tierärzte mit engem Draht zur Agrarindustrie ist dabei so durchschaubar wie unmoralisch: Werden Hund und Hamster in der EU-Regel weiter in einen Topf geworfen mit Lebensmittel-Tieren, dürfen weiter tonnenweise Antibiotika im Trog der Massentierhaltung landen – zum Profit einiger weniger Tierarztpraxen, die bis zu 78 Prozent ihres Umsatzes durch den Verkauf von Tierarzneimitteln scheffeln..."

Ein Gutachten im Auftrage der Deutschen Umwelthilfe unterscheidet zwischen Lebensmittel- und Nicht Lebensmitteltiere

Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn schreibt u.a. im Fazit ihres Gutachtens: "... Der Einspruch zielt auf eine konsequente Eindämmung des Einsatzes von Reserveantibiotika bei Lebensmittel-Tieren ab, ohne dabei die Möglichkeit einzelner Tiere in Ausnahmefällen aus den Augen zu verlieren. Mit dem jetzigen Entwurf des delegierten Rechtsaktes dürften Reserveantibiotika weiterhin auch als Gruppenmedikation in der industriellen Tierhaltung eingesetzt werden, statt bei diesen Lebensmittel-Tieren die Tiergesundheit mit anderen Maßnahmen konsequent zu verbessern, wie es gesellschaftlich gefordert wird. Der jetzige Entwurf des delegierten Rechtsaktes würde daher das Ziel des Gesetzgebers verfehlen und der voranschreitenden Entwicklung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen nicht entgegentreten und den extensiven Einsatz von Reserveantibiotika in der industriellen Tierproduktion nicht wirksam verbieten. Die pauschale Kampagne der Tierärzte spielt nicht nur mit den Ängsten von Haustierbesitzern, sondern gibt Inhalte des Einspruchs teilweise unzutreffend und verkürzt wieder. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass sich die Verantwortlichen für die Kampagne möglicherweise doch für den weiteren Einsatz von Reserveantibiotika in der industriellen Tierhaltung stark machen, dies jedoch mit dem vorgeschobenen Fokus auf Nicht-Lebensmittel-Tiere wie Hunde zu überspielen versuchen...". 

Hier lesen Sie das Gutachten von Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn → Kurzgutachten

Das Interesse einiger weniger Tierärztinnen und Tierärzte mit engem Draht zur Agrarindustrie ist dabei so durchschaubar wie unmoralisch: Werden Hund und Hamster in der EU-Regel weiter in einen Topf geworfen mit Lebensmittel-Tieren, dürfen weiter tonnenweise Antibiotika im Trog der Massentierhaltung landen – zum Profit einiger weniger Tierarztpraxen, die bis zu 78 Prozent ihres Umsatzes durch den Verkauf von Tierarzneimitteln scheffeln..."

Den Pressebericht im "proprium" lesen Sie hier → Pressebericht

Die Resolution vom EU-Grünen Martin Häusling zur Tierarzneimittelverordnung finden Sie hier → MOTION FOR A RESOLUTION


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TIERÄRZTE FORDERN MEHR TIERSCHUTZ!


EIN JAHR NACH DEM ERSTEN ASP-FUND BEI EINEM WILDSCHWEIN IN DEUTSCHLAND

– WO STEHEN WIR JETZT? 

(ISN, 10.09.2021) Ein Jahr ist es her, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein nachgewiesen wurde. Die Zahl der amtlich bestätigten Fälle liegt mittlerweile über der 2.000er Marke und die Lage in den betroffenen Bundesländern Brandenburg und Sachsen ist nach wie vor angespannt. Es hakt nach wie vor an vielen Stellen bei der Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen. Zudem ist der Seuchendruck entlang der polnischen Grenze unverändert sehr hoch.

2.073 ASP-Fälle – Regionale Konzentration in Brandenburg und Sachsen

Ein Jahr nach dem ersten ASP-Ausbruch in Brandenburg am 11.09.2020 liegt die Zahl der amtlich bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) nach Angaben des TierSeuchenInformationsSystems (TSIS) bei 2.073 (Stand 07.09.21). So gut wie alle Fälle betreffen Wildschweine in Brandenburg und Sachsen. Das Seuchengeschehen im Schwarzwildbestand reißt nicht ab und es werden wöchentlich immer wieder neue ASP-Fälle bei Wildschweinen festgestellt, sodass die Restriktionszonen einige Male erweitert werden mussten. Bei den ASP-Fällen in Hausschweinebeständen ist es bislang bei drei betroffenen Betrieben geblieben, welche im Juli in den brandenburgischen Landkreisen Märkisch-Oderland und Spree-Neiße festgestellt worden waren.

Beim Blick auf das Seuchengeschehen bleibt ein positiver Aspekt zu erwähnen – und zwar ist es seit dem Erstausbruch der ASP in Deutschland gelungen, die ASP regional auf das grenznahe Gebiet in Ostdeutschland in Brandenburg und Sachen zu begrenzen, auch wenn die Restriktionszonen bereits mehrmals erweitert werden mussten. Trotzdem hat das ASP-geschehen natürlich erhebliche Auswirkungen für die gesamte deutsche Schweinehaltung. Ganz besonders dramatisch sind die Folgen für die Schweinehalter in den betroffenen Regionen.

Unterstützung für betroffene Länder fehlt

Die Lage in Brandenburg und Sachen ist nach wie vor angespannt. Zusätzlich zur ohnehin katastrophal schlechten finanziellen Lage der Schweinehalter in Deutschland hat sich vor allem nach dem Ausbruch der ASP bei Hausschweinen der ökonomische Druck für die Schweinehalter in Brandenburg noch weiter erhöht. In einer extra einberufenen Sonder-Agrarministerkonferenz (AMK) forderten die Länder vom Bund mehr Unterstützung. Auf der anschließenden Pressekonferenz der Sonder-AMK wurden allerdings erhebliche Diskrepanzen zwischen Bund und Ländern deutlich, die in einem Schlagabtausch gipfelten.

Nach Sicht der ISN müssen die Forderungen aus den betroffenen Ländern  ernst genommen werden. Zum einen braucht es finanzielle Mittel zum Ausgleich der massiven Verluste in den vergangenen Monaten und zum anderen wirksame und schnelle Maßnahmen zu einer effektiven ASP-Bekämpfung. Zudem hat das Thema weder etwas im Wahlkampf zu suchen, noch darf die Bekämpfung im Zuständigkeitsgerangel zwischen Bund und Ländern ausgebremst werden. Die Auswirkungen der ASP-Ausbrüche in Brandenburg und Sachsen sind schon jetzt für die Schweinehalter dramatisch, nicht nur in den betroffenen Gebieten, sondern auch bundesweit. Deshalb ist es jetzt so wichtig, dass alle Maßnahmen endlich konsequent umgesetzt werden. Der Fokus muss auf Zusammenarbeit und Vernetzung aller Akteure liegen.

(Darüber haben wir auch in folgender Meldung berichtet: ASP-Krisentreffen in Brandenburg – ISN: Kompetenzgerangel muss ein Ende haben ASP-Krisentreffen in Brandenburg – ISN: Kompetenzgerangel muss ein Ende haben)

Koordination und Information vor Ort verbessern!

Auch bei der Koordination der Bekämpfungsmaßnahmen und beim Informationsverhalten beklagen die landwirtschaftlichen Organisationen vor Ort noch immer erhebliche Defizite. Wie kann das noch immer sein? Schwachpunkte müssen sofort abgestellt werden. Hier liegt die Verantwortung klar bei Politik und Behörden in den betroffenen Bundesländern – denn dort müssen die direkten Bekämpfungsmaßnahmen wirksam umgesetzt werden. Die ortsansässigen Landwirte der Region müssen endlich mehr mit eingebunden werden. Diese Spezialisten kennen sich dort wie kaum jemand sonst vor Ort aus. Sie bieten Hilfe an und zeigen die Schwachstellen konkret auf.

Drittlandsexporte weiter blockiert - Verhandlungen über Regionalisierungsabkommen nicht vergessen

Seit dem Auftreten der ASP in Ostdeutschland verhängten fast alle wichtigen Drittländer Einfuhrsperren für deutsches Schweinefleisch. Ein Jahr nach dem Verlust des Exportstatus ASP-frei ist der Erfolg der Bundesregierung für die Wiederaufnahme der Schweinefleischexporte ausgesprochen dürftig. Die anhaltenden Restriktionen für die Exportdestinationen sind eine große Belastung für den Schweinepreis. Es ist dringend notwendig, dass mehr Anstrengungen von Seiten der Politik unternommen werden, damit der Drittlandsexport endlich wieder in Gang kommt. Fakt ist: Die Öffnung weiterer Drittlandsmärkte muss weiterhin ganz oben auf der To Do Liste stehen – und zwar auf der der jetzigen und zukünftigen Regierungsspitze in Berlin.

Noch kein Durchbruch beim ASP-Impfstoff

In den vergangenen Monaten kamen immer wieder Meldungen aus einzelnen Ländern auf, erste Erfolge bei der Erforschung eines Impfstoffs gegen die ASP zu verzeichnen. Doch es konnte noch kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. Dieser Ansatz ist zwar vielversprechend, aber die Forschungen bis zur Praxisreife werden noch weiter andauern.

Biosicherheitskonzepte nicht außer Acht lassen!

Bislang ist es in drei Hausschweinebeständen in Deutschland zu einem ASP-Ausbruch gekommen, wodurch sich die ASP-Situation im Juli noch einmal verschärft hat. Damit das so bleibt, ist weiterhin höchste Vorsicht geboten denn das Einschleppungsrisiko ist hoch. Die Biosicherheitsmaßnahmen sind mit allerhöchster Konsequenz weiter umzusetzen. Das gilt für Schweinehalter, Jäger und alle anderen Beteiligten gleichermaßen. Mit unserer Checkliste können Schweinehalter ihre Betriebshygiene noch einmal überprüfen und ggf. optimieren.

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