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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Österreich: Gesetz blockiert tierärztliche Hilfe - Volksanwaltschaft bestätigt dringenden Änderungsbedarf
Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung stehen Österreichs Tierheime vor einem ernsten Problem: Sie dürfen keine eigenen Tierärztinnen und Tierärzte mehr anstellen. Besonders betroffen: das Tierschutzhaus Vösendorf, wo jährlich über 10.000 Tiere versorgt werden – viele davon verletzt oder krank.
Das aktuelle Tierärztegesetz verbietet gemeinnützigen Tierschutzorganisationen, Tierärzte direkt anzustellen. Tierheime müssen daher auf teure externe Leistungen oder rechtlich bedenkliche Vertragsmodelle ausweichen. Allein für Tierschutz Austria entstehen dadurch Mehrkosten von rund 250.000 Euro pro Jahr – Geld, das eigentlich den Tieren zugutekommen sollte.
Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria, warnt:
„Alle bisherigen Vorschläge aus dem Ministerium sind Scheinlösungen. Ein einziger Satz in der Verordnung könnte das Problem beheben und tausenden Tieren helfen.“
Die Volksanwaltschaft sieht dringenden Handlungsbedarf.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärt Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz, man könne die Argumente des Tierschutzvereins „gut nachvollziehen“. Es gebe „sachlich gute Gründe“, die Liste der Ausnahmen im Tierärztegesetz (§14 Abs 5) zu erweitern, sodass auch Tierärzte in gemeinnützigen Tierheimen angestellt werden können. Die Volksanwaltschaft hat daher eine Gesetzesänderung empfohlen.
Allerdings fehlt bislang die politische Umsetzung. Die Volksanwaltschaft bedauert ausdrücklich, dass „auch das Einschreiten und die Empfehlungen der Volksanwaltschaft kein Einlenken des zuständigen Ressorts bewirken konnten.“ Der Fall wird nun im Bericht an den Nationalrat und Bundesrat behandelt.
Tierheime im Besitz von Gebietskörperschaften (wie das Tierquartier Wien oder die Spanische Hofreitschule) dürfen weiterhin Tierärzte anstellen – private gemeinnützige Tierheime hingegen nicht.
Der Tierschutz steht vor einer bürokratischen Sackgasse. Ein einfacher Satz in der Verordnung könnte die tierärztliche Versorgung sichern. Doch bis heute blockieren gesetzliche Hürden schnelle Hilfe für tausende Tiere… .
Kanton Bern kämpft mit fehlenden Tierärztinnen und Tierärzte
Im Kanton Bern soll der Weg zum Veterinärmedizin-Studium verbessert werden. Dies fordert eine Motion des SVP-Grossrats Samuel Krähenbühl, da vor allem im Nutztierbereich Tierärztinnen und Tierärzte fehlen. Der sogenannte Numerus Clausus sorgt dafür, dass nur eine beschränkte Anzahl von Personen Veterinärmedizin studieren kann. Samuel Krähenbühl möchte diesen aufweichen, sodass ein Fünftel der Studienplätze an der Universität Bern für studierte Landwirtinnen und Landwirte freigegeben wird. In seiner Antwort schlägt der Regierungsrat nun vor, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Über dieses Geschäft wird der Grosse Rat entscheiden.
Schweiz: Motion für verbesserte Zugangsbedingungen fürs Studium der Veterinärmedizin (Podcast)
Pressemitteilung des BfT zum Tierarzneimittelmarkt

Wettbewerbsfähigkeit stärken für Fortschritt der veterinärmedizinischen Versorgung – Stabiles Marktwachstum 2024 belegt Beitrag der Tiergesundheitsbranche für die Gesundheitsversorgung von Tieren und eine nachhaltige Lebensmittelproduktion
Im Rahmen der jährlichen Frühjahrsveranstaltung und Mitgliederversammlung stellte der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) die aktuelle Marktanalyse für 2024 vor und forderte die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit am Wirtschaftsstandort Deutschland als ein Kernanliegen der Tiergesundheitsunternehmen. Immer detailliertere regulative Anforderungen, bürokratische Hürden und politische Unsicherheiten belasten die Branche. Um auch künftig die pharmazeutische Versorgung von Tieren und notwendige Innovationen sicherzustellen, ist es für die veterinärpharmazeutischen Unternehmen zentral, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu stärken und deutlich zu verbessern. Das stabile Wachstum des Tiergesundheitsmarktes im Jahr 2024 mit einem erstmaligen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro belegt die Bedeutung der Branche für das Wohl der Gesellschaft und die Unterstützung der Tierhalter.
Im vergangenen Jahr stand die Tiergesundheitsbranche vor vielfältigen Herausforderungen und dynamischen Entwicklungen. Das geschäftspolitische Umfeld in der veterinärpharmazeutischen Branche wurde geprägt durch regulatorische Diskussionen und Anpassungen, Tierseuchenausbrüche sowie durch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten.
„Zentrale Forderungen unseres Verbandes an die neue Bundesregierung sind die Stärkung von Prävention durch Impfungen und Diagnostik, die Straffung und Vereinfachung von Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, der Abbau von Bürokratie und die Überwindung nationaler Sonderwege sowie innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft“ unterstreicht Frau Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des BfT.
Erneut war die Innovationskraft der Tiergesundheitsbranche Garant für die Versorgung mit sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen einen neuauftretenden Serotyp des Blauzungenvirus und konnte so die Initiative des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Impfung unterstützen.
Thematisch standen insbesondere die Tierarzneimittelgesetzgebung, die Umsetzung neuer regulatorischer Vorgaben und deren Auswirkungen auf die Branche sowie das Tiergesundheitsrecht im Fokus der Verbandsarbeit. Europäisch wie national setzte sich der BfT dafür ein, die EU-weit einheitliche Umsetzung der Verordnungen zu Tierarzneimitteln und Arzneifuttermitteln sicherzustellen und negative Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Tiergesundheitsprodukten zu reduzieren. Zusätzlich interferieren Umweltgesetzgebung und Chemikalienrecht zunehmend mit der Fachgesetzgebung. Ebenso müssen die Unternehmen stetig mehr Vorgaben aus dem regulativen Umfeld beachten; darunter verschiedene europäische Rechtsvorhaben, wie die Verpackungsverordnung, die Wasserrahmenrichtlinie, die Lieferkettenrichtlinie, und die Produkthaftungsrichtline mit ihren nationalen Umsetzungen.
Die Chancen der digitalen Transformation für Veterinärmedizin und pharmazeutische Industrie sowie Potentiale für mehr Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Tierhaltung durch eine verbesserte Tiergesundheit waren bedeutende Schwerpunkte für den Verband. Ergebnisse einer Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Auftrag des BfT belegen den Zusammenhang von Tiergesundheit und nachhaltiger Lebensmittelproduktion nachdrücklich.
Tierarzneimittelmarkt 2024
Mit einem Wachstum von 8,7% auf 1.048,4 Mio EUR überschritt der Gesamtumsatz erstmal die Milliardengrenze. Das Verhältnis von Kleintier- zu Nutztiersegment verschob sich mit 39,4% zu 60,6% leicht in Richtung Nutztier.
Bei den Teilmärkten entfielen 462,8 Mio EUR (+8,7%) bzw. 44,1% auf pharmazeutische Spezialitäten, 22,7% bzw. 237,9 Mio EUR (+7,7%) auf Impfstoffe, 19% bzw. 199,1 Mio EUR (+13,7%) auf Antiparasitika sowie auf Antiinfektiva 14,2% bzw. 148,6 Mio EUR (+3,8%).
Im Segment der Spezialitäten trugen Schmerzmedikamente 123,8 Mio EUR (+9,8%) bei, Therapeutika gegen Hauterkrankungen 60,5 Mio EUR (+15,2%) sowie Medikamente gegen Herz-Kreislauferkrankungen 34,6 Mio EUR (+7,9%).
Das Marktwachstum wird getragen durch eine regelmäßige Gesundheitsvorsorge, insbesondere für das ältere Haustier, sowie durch positive Entwicklungen in der Prävention, vor allem bei Nutztieren. Im Nutztiersegment wirken sich zudem Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit bei Rindern und Schafen sowie notwendige flankierende Behandlungen und Bekämpfungsmaßnahmen gegen virusübertragende Gnitzen aus.
Wie bei anderen Infektionskrankheiten werden hier Erfolge durch konsequentes Monitoring, frühzeitige Erkennung und nachhaltige Impfungen erzielt. Erfreulich ist daher, dass mit Stabilisierung der Schweine- und Geflügelbestände nach Seuchengeschehen im Vorjahr die Krankheitsvorbeuge wieder ihren Stellenwert erlangt hat.
Bei Antiinfektiva ist der Einfluss der gesetzlichen Vorgaben bei der Verschiebung der oralen Medikation von festem Futter auf Wasserapplikation erkennbar. Das Wachstum im Antiparasitikasegment zeigt den steigenden Bedarf an regelmäßiger Parasitenkontrolle. Durch höhere Temperaturen breiten sich Zecken und Mücken stärker in gemäßigte Breiten aus, weshalb Tierhalter verstärkt auf zielgerichteten, verantwortungsvollen Schutz setzen.
Die regelmäßige Gesundheitsvorsorge ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Krankheiten und unterstützt Tiere bis ins hohe Alter. Dazu zählen chronische Leiden wie Arthrose, Nierenerkrankungen, Diabetes sowie Haut- und Herz-Kreislauferkrankungen. Die besondere Betreuung älterer Tiere spiegelt sich deutlich im Bereich der Spezialitäten wider.
Um auch künftig eine regelmäßige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, ist es aus Sicht der veterinärpharmazeutischen Branche essenziell, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu stärken und deutlich zu verbessern.
Früher erster Schnitt sorgt für hochwertige Silage in Niedersachsen
Für die Qualität der Silage ist das richtige Verhältnis von Trockenmasse, Rohfaser, Rohprotein und Zucker entscheidend – und genau das scheint in diesem Jahr beim ersten Schnitt optimal zu passen. Gutes Wetter bringt Grünlandbauern Qualität und Quantität – Hoffnung auf Regen
In Niedersachsens Grünlandregionen ist die diesjährige erste Mahd des Grases nahezu abgeschlossen – und das wieder einmal ungewöhnlich früh. „Vergangene Woche war die Haupterntewoche, sodass nun nach gut zehn Tagen Arbeitseinsatz der erste Schnitt von den Flächen eingeholt sein wird“, erklärt Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Grünlandausschusses im Landvolk Niedersachsen, gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.
Besonders erfreulich: Neben dem frühen Zeitpunkt stimmt auch die Qualität des geernteten Futters. „In unserer Grünlandregion war – bis auf wenige Ausnahmen – das Schnittgut aufgrund des trockenen Wetters sehr sauber, und der viele Sonnenschein wird einen hohen Zuckergehalt hervorgebracht haben“, sagt Padeken. Diese Kombination aus Trockenheit und Sonnenschein schaffe ideale Voraussetzungen für eine hochwertige Silage – die wichtigste Futtergrundlage für die Milchviehhaltung.
Ein weiterer Vorteil des trockenen Wetters: Die Felder waren gut befahrbar, was die Ernte logistisch erleichterte und zur Sauberkeit des Futters beitrug. „Wenn alles gut läuft, dann werden wir eine hervorragende und vor allem sehr hochwertige Silage anlegen können“, zeigt sich der Milchviehhalter optimistisch. Für die Qualität der Silage ist das richtige Verhältnis von Trockenmasse, Rohfaser, Rohprotein und Zucker entscheidend – und genau das scheint in diesem Jahr beim ersten Schnitt optimal zu passen.
Doch bei aller Freude über den erfolgreichen Auftakt der Grasernte blickt Padeken mit Sorge auf die kommenden Wochen. Für weitere Schnitte braucht es dringend Niederschlag. „Sachter Landregen kombiniert mit Sonne, Wolken und leichtem Wind, dazu gemäßigte Temperaturen – das wäre perfekt“, sagt er mit Blick auf die Wetterlage. Ohne ausreichende Feuchtigkeit könnten nachfolgende Ernten ausbleiben. Wie immer in der Landwirtschaft heißt es nun: abwarten und sich den Gegebenheiten anpassen. Doch mit dem gelungenen Start in die Grünlandsaison 2025 ist eine stabile Futterversorgung für die Tierhaltung vorerst gesichert. (LPD)
Warum sind die ersten Tage nach dem Absetzen für Ferkel so wichtig?
Ein guter Start bei der Futteraufnahme nach dem Absetzen sowie die Gabe von Beifutter und eine hohe Schmackhaftigkeit des Futters sind entscheidend für eine optimale Gesundheit und Leistung der Ferkel.
Die Schweinebranche bemüht sich bereits seit mehreren Jahrzehnten darum, die Umstellung von Ferkeln auf feste Nahrung nach dem Absetzen zu erleichtern. Tatsächlich sind die mit dem Absetzen verbundenen gastrointestinalen Folgen gut bekannt, und es wurden verschiedene Ernährungs- und Managementstrategien entwickelt, um die Tiere in dieser Phase zu unterstützen. Allerdings gibt es gewisse Einschränkungen, an die sich die Branche noch anpassen muss. Hierzu gehört zum Beispiel das Absetzalter: Liegt es bei etwa 28 Tagen oder mehr, verbessern sich sowohl die Anpassungsfähigkeit als auch die Futteraufnahme nach dem Absetzen.
Ein Problem ist auch, dass eine schlechte Futteraufnahme nach dem Absetzen meist als allgemeine Gruppentendenz betrachtet und die individuelle Variabilität, ein entscheidender Aspekt, außer Acht gelassen worden ist. Die wahrscheinlich aufschlussreichste wissenschaftliche Arbeit zur Futteraufnahme nach dem Absetzen stammt von Brunninx et al. aus dem Jahr 2001. Sie stellten fest, dass am dritten Tag nach dem Absetzen 10 % der Ferkel noch kein Futter aufgenommen hatten. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass dieses Ergebnis das Problem nicht vollständig widerspiegelt.
Unter der Annahme, dass das Ferkel in der Lage ist, feste Nahrung zu verdauen, und unter Berücksichtigung des Erhaltungsbedarfs (179 kcal umsetzbare Energie/kg0,6; Everts, 2015), müsste ein 6 kg schweres Ferkel täglich 207 g Futter aufnehmen (2500 kcal/kg), um kein Gewicht zu verlieren. Dieses Niveau wird in der Regel erst nach der ersten Woche erreicht. Es stellen sich jedoch die folgenden Fragen:
- Was geschieht mit den Schweinen, die unterhalb ihres Erhaltungsbedarfs fressen?
- Wie sieht es mit der minimalen Futteraufnahme aus, die notwendig ist, um die Darmintegrität aufrechtzuerhalten?
- Haben wir diese Schweine ausreichend charakterisiert und können wir ihnen gezielt helfen?… .
Lesen Sie nachfolgend die Untersuchungen
Fazit: Ein guter Start in die frühe Futteraufnahme durch den Großteil der Ferkel des Bestands erweist sich somit als von zentraler Bedeutung. Die Gabe von Beifutter im Abferkelstall sowie eine hohe Schmackhaftigkeit des Futters sind entscheidende Faktoren für bessere technische und wirtschaftliche Ergebnisse in der Mastphase.
TCM in der modernen Tiermedizin
Traditionelle Chinesische Medizin: von der Tradition zur Therapie
Akupunktur und chinesische Kräutermedizin sind jahrtausendealte Heilmethoden der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und erleben auch in der Tiermedizin eine zunehmende Akzeptanz. Doch, was steckt hinter Begriffen wie Yin und Yang, was ist Qi und bei welchen Krankheiten und Beschwerden helfen die Nadeln und Kräuter? Wann hilft Akupunktur/TCM als alleinige Therapie und in welchen Fällen kann sie unterstützend eingesetzt werden?
Im Referat werden anhand von Fallbeispielen einige Prinzipien und Denkmodelle der TCM aufgezeigt sowie die Anwendungsmöglichkeiten veranschaulicht.
Hybridveranstaltung am Do 15.05.2025 19:30 - 20:45; : KOL-F-121, Universität Zürich-Zentrum mit Live-Übertragung, Rämistr. 71, 8006 Zürich
Österreich: Neue Stallregeln könnten Fleisch verteuern
Die angekündigten Neuregelungen in der Schweinehaltung sorgen für Ungewissheit und Unmut bei Bäuerinnen und Bauern. Die Bundesregierung verständigte sich auf das Ende der Vollspaltenböden Mitte 2034. Ab 2029 müssen Schweine aber bereits deutlich mehr Platz bekommen und das könnte die Preise steigen lassen, erwarten die Landwirte.
Zur neuen Platzregelung im Stall, die schon ab 2029 gilt, sei vieles unklar, so der Leiter der Beratungsstelle in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Johann Stinglmayr: „Das wird bei den Mästern natürlich Fragen auf. Ich muss dann auf meinem Betrieb das Platzangebot erhöhen und kann dadurch deutlich weniger produzieren.“
Fleisch könnte teurer werden
Die Bauern fürchten daher, dass es hunderttausende Schlachtschweine weniger geben wird. Stinglmayr glaubt, dass auch das Fleisch als Produkt teurer werden wird. Die Mehrkosten für die Bauern dürften also später viele beim Wirtshausbesuch merken.
Im Zentrum der Neuregelung stehen die Vollspaltenböden. Abgesehen davon, dass die kleinen Spalten im Stallboden weniger werden müssen, braucht es zudem künftig mit Buchten mehr Platz für die Schweine, eine Kühlung und zum Beispiel Stroh als Beschäftigungsmaterial. „Für viele Betriebe geht das dann nicht nur mit dem Abdecken von einem Teil der Lochung. Die Buchten selber brauchen eine Mindestfläche im Ferkel-Bereich von zehn Quadratmetern, bei den Schlachtschweinen 20 Quadratmeter.“
Österreich: Tierwohlschweine: Mehr Nachfrage ist nicht in Sicht
Die Vermarktung von Tierwohlschweinen hat sich in den vergangenen Jahren in Österreich positiv entwickelt. Aktuell scheint allerdings der Zenit erreicht, denn eine weitere Steigerung der Nachfrage ist nicht in Sicht.
Bis 2030 sollen in Österreich 1 Mio. Tierwohlschweine vermarktet werden. Soweit das hochgesteckte Ziel im sogenannten „Masterplan“ der österreichischen Schweinebranche, der im Jahr 2021 vorgestellt wurde. Der Branchendachverband „Schweinehaltung Österreich“ möchte damit schrittweise den Weg zur Weiterentwicklung der heimischen Tierhaltung in Richtung mehr Tierwohl ebnen. Die Vision der Branchenvertreter: Schweinehalter zur freiwilligen Teilnahme an Tierwohlmodulen animieren und höhere Haltungsstandards marktkonform in die Breite bringen.
Dieses Bekenntnis zu mehr Tierwohl sollte einer Verschärfung der gesetzlichen Mindestanforderungen für alle österreichischen Schweinehalter vorgreifen. Sprich, die heimischen Schweinehalter sind durchaus bereit, in tiergerechtere Haltungsbedingungen zu investieren, wenn auch der Markt dementsprechend mitzieht und die Mehrkosten für die Bauern auch abgegolten werden.
Dass auf diesem Weg von rund 202.000 Tierwohlschweinen im Jahr 2021 hin zu einer Verfünffachung der Menge innerhalb von neun Jahren durchaus Stolpersteine liegen, zeigt der aktuelle Tierwohlbericht 2024 der Österreichischen Schweinebörse.
TV-Star unter Landwirten: Hannes Jaenicke diskutiert über den Wert des Bodens
AVA: Kommentar: Der Schauspieler Hannes Jaenicke „beherrscht“ nahezu alle Wissenschaften und ist in der Landwirtschaft wegen seiner "Kenntnisse" kein Ungekannter… .
Als Schauspieler ist Hannes Jaenicke im deutschen Fernsehen bekannt. Weniger bekannt ist, dass der TV-Star auch ein engagierter Umweltaktivist ist. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn diskutierte er jetzt mit Agrar-Experten über den Wert des Bodens.
Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Für seine Naturschutz-Dokumentation reist Film- und Fernseh-Star Hannes Jaenicke seit Jahren um den Globus. Bei seinem Auftritt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn geht es dem Umweltaktivisten aber nicht um aussterbende Tierarten und ihre bedrohten Lebensräume am Ende der Welt. Im Saal des Gasthauses Inselkammer nimmt der 65-Jährige im Rahmen der Eventtage „Impuls nachhaltige Zukunft“ an einer Diskussionsrunde mit Landwirten über den „Boden unter unseren Füßen“ teil. Er erläutert mit ihnen, wie wichtig der Humus und die darin lebenden Organismen sind, wie der Mensch sie gefährdet und was jeder Einzelne machen kann, um gesunde Böden und die davon abhängigen Lebewesen zu erhalten. Der Humus sei die Lunge der Erde, sagt Jaenicke: „Aber wir behandeln ihn sträflich.“… .
„Alpahirt“: Tierhaltung geht auch ganz ohne Kraftfutter
Fleischproduktion ganz ohne Kraftfutter? Ja, das ist möglich – mit einer natürlichen Fütterung aus Gras und Heu. Entdecken Sie, wie es funktioniert.
Die Diskussion um die Zukunft der Fleischproduktion in der Schweiz kreist oft um drei Modelle: Weidehaltung mit reduziertem Kraftfuttereinsatz, klassische Stallfütterung und eine stärkere Abhängigkeit von Importen. Was dabei selten thematisiert wird, ist ein vierter Weg – einer, der in Graubünden längst Realität ist: jenes Modell, bei dem Kühe ausschliesslich Gras und Heu fressen und dabei all die positiven Effekte der Sömmerung erhalten bleiben. Ohne Kraftfutter, ohne Kompromisse. Dieses Szenario verdient Aufmerksamkeit.
Denn während in vielen Konzepten selbst bei idealistischen Ansätzen noch ein Kraftfutteranteil vorgesehen ist, liegt dieser Anteil bei Alpahirt und anderen nachhaltig arbeitenden Schweizer Betrieben genau bei 0 Prozent. Die Kühe unserer Landwirte fressen, was in der Region wächst: frisches Gras im Sommer, kräuterreiches Heu im Winter – ergänzt durch hofeigene Silage. Kein Mais. Kein Soja. Keine importierten Futtermittel. Stattdessen: saftige Bergwiesen, natürliche Alpwirtschaft, gesunder Boden. Das ist nicht nur tiergerecht – sondern auch ehrlich gegenüber der Umwelt.
Kraftfutter ist nicht nur teuer und unnatürlich für Wiederkäuer – es steht auch in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. In der Schweiz werden 90 Prozent der Ackerflächen für Viehfutter genutzt, weltweit rund ein Drittel. Ein ökologischer Irrsinn, den Alpahirt vermeidet, indem es nur das nutzt, was der Mensch selbst nicht verwerten kann: Gras.
Die positiven Effekte der Alpwirtschaft – Biodiversität, Landschaftspflege, regionale Kreisläufe – werden oft hervorgehoben. Auch hier kommen sie voll zum Tragen. Doch Alpahirt geht noch weiter: keine Kraftfutterimporte, keine Antibiotika, keine Massentierhaltung. Die Tiere leben in kleinen Herden, betreut von Bergbauern, die sie persönlich kennen. Die Transportwege sind kurz, das Fleisch wird traditionell verarbeitet – ohne Pökelsalze, ohne Konservierungsstoffe, ohne industrielle Zusätze.
Und weil die Tiere deutlich älter werden als klassische Masttiere, ist auch die Fleischqualität eine andere: reifer, aromatischer, gesünder. Studien zeigen, dass Weidefleisch mehr Omega-3-Fettsäuren, Beta-Carotin und Vitamin E enthält – bei gleichzeitig geringerem Anteil an gesättigten Fettsäuren. Zudem enthält es keine Rückstände von Medikamenten, die in der industriellen Mast gängig sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Bei Alpahirt wird das ganze Tier verwertet – von der Nase bis zum Schwanz. Das verhindert Lebensmittelverschwendung und respektiert das Tier als Ganzes. Ein Ansatz, der in unserer Wegwerfgesellschaft aktueller ist denn je.
Mit diesem Modell zeigen wir, dass ein anderes Fleischsystem möglich ist. Eines, das nicht auf Ausbeutung, sondern auf Wertschätzung basiert. Für Alpahirt beginnt Tierwohl nicht erst im Stall, sondern bereits auf der Weide. Und es endet nicht beim Bio-Siegel, sondern geht konsequent weiter: ohne Zusatzstoffe, ohne globale Lieferketten, ohne Greenwashing…. .
AVA-Kommentar: Natürlich „geht“ das unter ganz speziellen Voraussetzungen. Sicher ist dies eine Nische und Nischenprodukte sind nun mal teuer. Für „normale“ Kühe auf normalen „Milchviehbetrieben“ würde diese Fütterung sicher den Tod der Kühe bedeuten.
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AVA-Kommentar: Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) führte vom 6.-9. Mai ein viertägiges Fütterungsseminar, unter fachkundiger Leitung von Dr. Richardt (LKS mbh, 09577 Niederwiesa/OT Lichtenwalde ) durch, wobei die Milchviehfütterung unter tiergesundheitlichen, Tierwohlaspekten und ökonomischem Betriebserfolg, mit den teilnehmenden Fachleuten intensiv diskutiert wurde.
Eine „Steigerung“ der Thematik wird das angebotene AVA-Seminar: „Fütterungscontrolling im Milchviehbetrieb“ sein, welches am 08.-09. Juli
angeboten wird. Nähere Infos dazu hier.
