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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Nabelerkrankungen des Kalbes & Fälle aus der Kälberpraxis - Schwerpunkt Kalb: 18.-19. Juni 2026 mit 14 ATF-h
in 91462 Dachsbach (Mittelfranken/Bayern)
"Die Teilnahme lohnt sich auf jeden Fall, und der Kälber-Nabel-Workshop war mehr als Super" - so die einhellige Meinung aller teilnehmenden TÄ des Kälber-Nabel-Workshops Ende April im Schwarzwald. "Praxisnähe und praxisrelevanz: Einmalig; mehr geht nicht...".

Dieser 2-tägige Kälber-Nabelworkshop wurde Ende April sehr erfolgreich im Hochschwarzwald durchgeführt. Die teilnehmenden Kollegen/Kolleginnen waren allesamt "sehr angetan", was alles in den beiden Tagen miteinander diskutiert und praktisch erarbeitet wurde( Übungen an Nabelpräparaten). Die Referentin, Frau Dr. Lorch, hat keine Langeweile aufkommen lassen und gab viele Anregungen und Tipps zur tierärztlichen Behandlung der Kälber.
Es lohnt sich, diese Kälberfortbildung zu buchen - die "Effekte" und der "Nutzen" für Ihre täglichen Visiten bringt viele neue Ideen und wird in vielen Fällen Ihre tiermedizinischen Maßnahmen am Kalb erweitern und Sie in Ihrer Arbit "sicherer" machen.
Schauen Sie auf der AVA-Homepage für alle näheren Infos nebst dem Anmeldeprocedere.
Die AVA würde sich freuen, Sie in Dachsbach am 18. Juni persönlich begrüßen zu dürfen.
Hier erfahren Sie alles zum Kälbernabel- Workshop und mehr in Dachsbach am 18.-19. Juni
Rentenbank startet 200-Mio.-Euro-Programm für landwirtschaftliche Hilfe
Die Landwirtschaft in Deutschland steht derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Ursachen dafür sind vor allem die stark gestiegenen Preise für Diesel und Dünger sowie unsichere Energiemärkte.
Diese Entwicklungen führen dazu, dass viele landwirtschaftliche Betriebe mit finanziellen Engpässen zu kämpfen haben, da die Verkaufspreise für ihre Produkte nicht im gleichen Maße steigen. Besonders kritisch wird die Situation in der Frühjahrssaison, wenn hohe Investitionen erforderlich sind.
Einführung des Liquiditätskredits ab Juni
Um den betroffenen Landwirten unter die Arme zu greifen, planen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und die Landwirtschaftliche Rentenbank eine finanzielle Unterstützung in Form eines Liquiditätshilfeprogramms. Ab dem 1. Juni sollen Darlehen mit einem Gesamtvolumen von 200 Millionen Euro bereitgestellt werden, um den Betrieben kurzfristig finanzielle Mittel zu verschaffen.
Diese Darlehen bieten günstige Konditionen und sind auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgelegt. Jeder Betrieb kann grundsätzlich bis zu 50.000 Euro beantragen. Weitere Details zu diesem Programm und den genauen Konditionen sollen bald auf der offiziellen Webseite der Landwirtschaftlichen Rentenbank verfügbar sein.
Rainer: Unterstützung für Landwirte ist essenziell
Bundesminister Rainer hebt hervor, dass Landwirte eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung der Lebensmittelversorgung spielen. Trotz ihrer wichtigen Aufgabe stehen viele Betriebe durch steigende Betriebskosten unter erheblichem Druck. Rainer verspricht, dass sie in dieser schwierigen Phase nicht allein gelassen werden sollen.
Das Hauptziel des Programms ist es, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken und die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft in unruhigen Zeiten zu stärken. Das neue Programm ergänzt bereits bestehende Maßnahmen wie die zeitlich begrenzte Senkung der Energiesteuer sowie die Agrardieselrückvergütung.
Bayerischer Bauernverband fordert schnelle Entlastungen für Landwirtschaft
Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Kanzler Friedrich Merz zieht der Bayerische Bauernverband (BBV) Bilanz und äußert sowohl Lob als auch Kritik an der bisherigen Regierungsarbeit. Der Präsident des BBV, Günther Felßner, betont die positiven Aspekte, kritisiert jedoch die mangelnde Perspektive und Verlässlichkeit für die Land- und Forstwirtschaft.
Kritik an ausbleibenden Fortschritten
Der BBV hebt einige Entscheidungen der Regierung hervor, die als positiv gewertet werden, wie die Wiedereinführung der vollen Agrardiesel-Rückvergütung ab 2026 und die Abschaffung der Stoffstrombilanz. Auch die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht wird begrüßt. Dennoch bemängelt der Verband das Fehlen entscheidender Fortschritte in weiteren Bereichen. Insbesondere die kurzfristige Streichung des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung sowie das Beibehalten eines unzureichenden Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes sorgen für Unsicherheit unter den Landwirten.
Darüber hinaus sieht der BBV Defizite in Deutschlands Führungsrolle auf europäischer Bühne. Beispiele dafür sind das mangelnde Engagement beim Mehrjährigen Finanzrahmen oder bei der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2028.
Forderungen nach wirtschaftlicher Entlastung
Angesichts steigender Kosten für Diesel, Energie und Düngemittel wächst der ökonomische Druck auf landwirtschaftliche Betriebe. Felßner fordert dringende Entlastungsmaßnahmen, darunter eine Senkung der Energiesteuern und eine vorübergehende Aussetzung der CO2-Bepreisung. Er betont, dass es jetzt Handlungsbedarf gebe und Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden müssten.
Zu diesen Maßnahmen zählen laut Felßner unter anderem die Steuerbefreiung für erneuerbare Biokraftstoffe, mehr Planungssicherheit im Stallbau sowie eine steuerliche Risikorücklage. Auch ein Abbau von Überregulierung auf EU-Ebene wird gefordert.
Potenziale in der Bioökonomie ausschöpfen
Mithilfe heimischer Ressourcen wie Biogas und Holz soll laut BBV sowohl die Versorgungssicherheit gewährleistet als auch der Klimaschutz vorangetrieben werden. Diese Ansätze könnten dazu beitragen, Importabhängigkeiten zu verringern und die Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe zu stärken.
VEZG senkt Schweinepreise trotz Grillsaison: WLV kritisiert scharf
Mit einem unerwarteten Schritt hat die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) den Schweinepreis um 10 Cent auf 1,60 €/kg Schlachtgewicht gesenkt.
Diese Entscheidung trifft inmitten der beginnenden Grillsaison auf scharfe Kritik des Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), der auf die Forderungen großer Schlachthöfe wie Tönnies und Westfleisch nach Preissenkungen hinweist. Die erneute Senkung folgt auf einen Preisabfall im vergangenen Oktober und bedeutet eine weitere Belastung für die Schweinehalter.
Herausforderungen für Schweinehalter
Der WLV vertritt die Ansicht, dass anstelle von Preissenkungen eine Preissteigerung erwartet worden wäre, um der steigenden Nachfrage während der Grillsaison gerecht zu werden. Der Präsident des WLV, Beringmeier, äußerte sich besorgt über die Forderungen der Schlachtunternehmen nach deutlichen Rabatten, die er als überzogen und ungerechtfertigt bezeichnete. Diese Entwicklung birgt das Risiko eines erheblichen Preisverfalls, was aus Sicht des Verbands untragbar ist.
Anhaltender Druck auf die Landwirtschaft
Der ständige Preisdruck stellt eine Bedrohung für die Existenz vieler landwirtschaftlicher Familienbetriebe dar und gefährdet zudem die lokale Wertschöpfung sowie die Produktion regionaler Lebensmittel. Der Verband fordert ein Umdenken in der Schlachtbranche, um langfristige Schäden abzuwenden. Sollte keine Kehrtwende in der Preisentwicklung stattfinden, kündigte Beringmeier an, sich noch stärker gegen diese Praktiken zu positionieren und den Unmut auch direkt bei den Schlachthöfen kundzutun.
Appell an die Schlachtbetriebe
Die Aufforderung zur Kurskorrektur richtet sich an alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette. Der WLV betont, dass ohne ein Einlenken der Schlachtbranche auch diese mit negativen Folgen rechnen müsse. Es wird erwartet, dass diese Problematik nicht nur kurzfristig betrachtet wird, sondern nachhaltige Lösungen gefunden werden, um sowohl den Markt als auch die Existenzen der Landwirte zu sichern.
Putenzucht-Urteil: Unklare Regeln verstärken Unsicherheit der Halter
Das kürzlich ergangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Putenhaltung lässt viele Landwirte verunsichert zurück und wirft verstärkt die Frage auf, wie Tierwohl und Tierschutz in der Praxis umgesetzt werden sollen. Der niedersächsische Bauernverband befürchtet, dass ohne klare Verordnungen jede Behörde eigene Entscheidungen treffen könnte, was zu einer uneinheitlichen Durchsetzung führen könnte.
Unklare Regelungen verunsichern
Die fehlende spezifische Verordnung könnte zu einem Flickenteppich in der Anwendung des Tierschutzes führen, da Behörden auch ohne konkrete Vorschriften eingreifen können. Dies erhöht die Unsicherheit unter den Landwirten erheblich. Besonders das Thema Beschäftigungsmaterial wird laut Bettina Gräfin von Spee in den kommenden Monaten intensiv diskutiert werden. Sie empfiehlt den Betrieben, ihre Aufzeichnungen sorgfältig zu führen und den Dialog mit den Veterinärämtern zu suchen.
Behörden-Willkür als Bedrohung?
Einige Kritiker äußern Bedenken, dass das Urteil den Behörden zu viel Spielraum lassen könnte und sie ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen könnten, bis eine einheitliche Verordnung verabschiedet wird. Die Frage, wie viele Strohballen für Puten angemessen sind, bleibt unbeantwortet und verdeutlicht die Herausforderung, zwischen Tierleid und akzeptablen Bedingungen zu unterscheiden.
Politische Reaktionen und Forderungen
Laut Dr. Marco Mohrmann von der CDU-Fraktion sollten voreilige politische Maßnahmen vermieden werden. Er fordert eine umfassende Analyse der Auswirkungen auf die betroffenen Betriebe sowie deren wirtschaftliche Tragfähigkeit. Niedersachsen sollte seine Forschungskapazitäten nutzen, um fundierte Lösungen zu entwickeln, anstatt isolierte Wege einzuschlagen.
Kritik an bisherigen Regelungen
Philipp Dümig kritisiert die bisherigen Lobbybemühungen gegen eine klare gesetzliche Regelung für die Putenhaltung und weist darauf hin, dass Gerichte nun verstärkt Tierwohl durchsetzen könnten – ohne finanzielle Unterstützung für die Betriebe. Eine schnelle EU-weite Gesetzgebung hält er für unrealistisch.
Günter Schanné erinnert daran, dass deutsche Putenhalter bereits jetzt an das Tierschutzgesetz gebunden sind und sich um artgerechte Haltungsbedingungen kümmern müssen. Er betont die Notwendigkeit detaillierter Vorgaben durch eine künftige Haltungsverordnung.
Rindfleischknappheit in Europa: Hohe Preise und sinkende Bestände
Die Rinderbestände in Deutschland und Europa sind rückläufig, während die Rindfleischproduktion abnimmt. Trotz der hohen Preise bleibt die Rentabilität vieler Viehhalter unter Druck, was zu einem weiteren Rückgang bei den Beständen führen könnte.
Einflussfaktoren auf den Rindfleischmarkt
Der europäische Rindfleischmarkt steht vor Herausforderungen trotz der Rekordpreise für Rinder. Steigende Kosten, strenge Vorschriften und Krankheitsausbrüche belasten den Sektor erheblich. Die EU-Kommission und das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) erwarten, dass diese Faktoren bis 2026 zu einem weiteren Rückgang der Produktion führen werden. Gleichzeitig treiben diese Umstände die Preise in die Höhe, was den Konsum dämpft.
Im Jahr 2025 blieben die Schlachtzahlen aufgrund hoher Milchpreise zunächst stabil, doch mit dem Absturz dieser Preise wird für 2026 eine Verschärfung erwartet. Die Zahl der Schlachtungen ging bereits um 5,8 Prozent zurück, wobei Deutschland, Irland und die Niederlande besonders stark betroffen waren. Nur wenige Länder wie Rumänien und Bulgarien verzeichneten einen Anstieg.
Kostensteigerungen und regulatorische Herausforderungen
Die Rückgänge bei den Schlachtzahlen sind auf sinkende Bestände von Milch- und Fleischrindern zurückzuführen. Dies geschieht trotz niedriger Futterkosten und hoher Milchpreise (bis Mitte 2025) sowie Rekordpreisen für Schlachtrinder. Doch die Landwirte stehen unter Druck durch hohe Energie-, Arbeits- und Bodenkosten sowie strenge Umwelt- und Tierschutzvorschriften.
Diese Anforderungen erfordern beträchtliche Investitionen und Anpassungen in der Betriebsführung. Viele Landwirte sehen sich mit Unsicherheiten konfrontiert, insbesondere hinsichtlich neuer EU-Vorgaben. Nur einige zentraleuropäische Länder verzeichnen stabile Bestände.
Aussichten für 2026
Für das Jahr 2026 wird keine wesentliche Änderung der Einflussfaktoren erwartet, weshalb sich der Trend zur Bestandsverkleinerung fortsetzen dürfte. Der sinkende Milchpreis könnte jedoch kurzfristig zu einer Beschleunigung der Schlachtungen führen. Auch die Nachfrage aus Drittländern wie der Türkei könnte diesen Trend beeinflussen.
Lars Jochims aus Norderwöhrden betont, dass höhere Erträge ohne Förderungen schwer zu erreichen sind. Er betreibt gemeinsam mit seiner Familie einen Hof mit bis zu 650 Tieren und ist auf Naturschutzmaßnahmen angewiesen, um rentabel zu bleiben.
Milchmarkt als entscheidender Faktor
Der deutsche Rinderbestand sinkt weiter, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Eine leichte Zunahme der Milchkühe im Jahr 2025 war auf erhöhte Milcherzeugerpreise zurückzuführen. Diese Entwicklung führte dazu, dass weniger Milchkühe geschlachtet wurden.
Trotzdem droht ein Anstieg der Schlachtungen von Milchkühen im Jahr 2026 wegen des fallenden Milchpreises seit Oktober 2025. Die gestiegenen Anforderungen an Tierschutzstandards erhöhen zudem die Produktionskosten erheblich.
Auswirkungen von Umweltauflagen
Besonders stark betroffen sind Länder wie die Niederlande und Belgien aufgrund strenger Umweltauflagen. Langfristig wird erwartet, dass Wasserqualitäts- und Stickstoffvorschriften zu einer Reduzierung der Tierbestände pro Betrieb führen werden.
Ein ähnlicher Druck lastet auch auf Irland, wo eine Verlängerung der Nitratausnahmeregelung gewährt wurde, aber dennoch ein Rückgang bei den Schlachtzahlen prognostiziert wird.
Zunahme von Importen
Trotz eines Rückgangs um 3,8 Prozent bei der Rindfleischproduktion in der EU im Jahr 2025 nehmen die Importe weiter zu. Besonders von Brasilien, Argentinien und Uruguay haben sich die Einfuhren erhöht.
Während hohe Preise das Angebot inländischer Rindfleischprodukte stützen könnten, sinkt gleichzeitig deren Konsum zugunsten von Geflügel und Schweinefleisch. Für das kommende Jahr wird ein weiterer Anstieg der Importe prognostiziert.
Mögliche Auswirkungen eines Mercosur-Abkommens
Anfang 2026 unterzeichneten die EU-Kommission und Mercosur-Staaten ein Abkommen zur Partnerschaft. Dies könnte zu einem signifikanten Anstieg von Importen führen, sollte das Abkommen ratifiziert werden.
Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporte leidet unter den hohen Preisen; besonders nach Großbritannien und in die Türkei gingen Exporte zurück. Dennoch ist die Schweiz ein wachsender Markt für hochwertiges EU-Rindfleisch geblieben.
Bundesprogramms Umbau Tierhaltung (BUT): Minister Rainer sagt Finanzierung bis zum Antragsende zu
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat die Ausfinanzierung des auslaufenden Bundesprogramms Umbau Tierhaltung (BUT) zugesagt. Demnach sollen alle förderfähigen Anträge, die Landwirte bis Ende August 2026 einreichen, bedient werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat in den vergangenen Tagen mehrfach im Rahmen verschiedener Veranstaltungen zugesagt, dass das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) bis zum Ende der Laufzeit Ende August ausfinanziert werde. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Antragszahlen und beantragten Mittel hatten viele Schweinehalter zuletzt befürchtet, mit ihren Förderanträgen leer auszugehen. Diese Befürchtungen wurden nun zerstreut.
Nicht abgerufene Mittel werden umgeschichtet
Das zusätzliche Geld stammt laut Minister Rainer aus BUT-Mitteln der vergangenen beiden Haushaltsjahre, die von Landwirten nicht abgerufen wurden. Laut AgE erhält das Ressort im kommenden Jahr zusätzliche 75 Mio. € aus dem Bundeshaushalt, die speziell für das BUT vorgesehen sind. Diese Mittel sollen nun gezielt eingesetzt werden, um sämtliche Förderanträge zu finanzieren, die bis zum Ende der Antragsfrist am 31. August 2026 eingereicht werden und die natürlich förderfähig sein müssen. Damit solle den Landwirten die nötige Planungssicherheit gegeben werden.
Die ISN meint:
Mit dieser Zusage gibt Minister Rainer den Betrieben, die sich auf den Weg gemacht haben und die ihren Antrag fristgerecht einreichen, die notwendige Planungssicherheit. Das ist zu begrüßen. Trotzdem darf die Ausfinanzierung des auslaufenden BUT nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderung für die meisten Ferkelerzeuger nach dem Auslaufen der BUT-Förderung erst noch kommt. Insofern ist auch zu begrüßen, dass Minister Rainer die von uns und anderen landwirtschaftlichen Verbänden erhobene Forderung eines Nationalen Sonderprogramms Sauenhaltung positiv aufgenommen hat. Dieses muss jetzt zügig auf den Weg gebracht werden – sonst droht ein unwiderruflicher Strukturbruch in der Ferkelerzeugung.
Schwanzbeißen im Bestand: Erkennen, handeln, vorbeugen – der Notfallplan für die Praxis
Schwanzbeißen gehört zu den größten Herausforderungen in der Schweinehaltung, insbesondere im Kontext des zunehmend geforderten Kupierverzichts. Das Netzwerk Fokus Tierwohl hat auf Basis von Praxisleitfäden, Beraterempfehlungen und Praxiserfahrungen einen umfassenden Notfallplan entwickelt, der Schweinehaltern konkrete Werkzeuge an die Hand gibt, um bei einem akuten Ausbruchsgeschehen schnell und gezielt zu handeln.

Schwanzbeißen ist ein multifaktorielles Geschehen, das in allen Haltungsformen auftreten kann. Die Ursachen sind vielfältig und betreffen Haltung, Fütterung, Management und Tiergesundheit gleichermaßen. Hinzu kommt der wachsende politische und gesellschaftliche Druck hin zum Kupierverzicht, der die Anforderungen an das betriebliche Management weiter erhöht. Der nachfolgende Überblick fasst die sechs Kernmodule des Notfallplans zusammen und gibt praxisnahe Empfehlungen für den Ernstfall.
Modul 1: Bestandsaufnahme
Wer ein Schwanzbeißgeschehen frühzeitig eindämmen möchte, muss zunächst wissen, was im Stall passiert. Grundlage ist eine strukturierte und regelmäßige Tierbeobachtung, möglichst unbemerkt vom Gang aus, bevor der Betreuer in das Abteil geht. Da Schweine in den Nachmittags- und frühen Abendstunden besonders aktiv sind, häufen sich Beißvorfälle zu diesen Zeiten.
Beißende Tiere lassen sich an typischen Merkmalen erkennen:
- Blut an der Rüsselscheibe ist ein starkes Indiz für Beißaktivität.
- Beißende Schweine sind häufig leichter als der Durchschnitt, haben ein längeres Haarkleid und sind überdurchschnittlich häufig weiblich.
- Sie laufen unruhig suchend umher, wedeln mit dem Schwanz oder klemmen ihn ein.
Ist das beißende Tier identifiziert, muss es sofort separiert werden. Ein gut geführtes Informationssystem mit Buchtenkarten und einem farblichen Ampelsystem (grün, gelb, rot) erleichtert die Kommunikation bei mehreren Mitarbeitenden und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Auffälligkeiten.
Modul 2: Sofortmaßnahme Ablenkung
Nach der Separation der beißenden Tiere ist die Gabe von zusätzlichem Beschäftigungsmaterial die wichtigste Sofortmaßnahme. Sie schafft ein Zeitfenster, um Ursachen zu analysieren und abzustellen. In der Praxis haben sich folgende Materialien bewährt:
- Raufutter: Grassilage, Stroh, Maissilage, Luzerne, Luzernepellets
- Organisches Material: Hackschnitzel (trocken), Kauseile aus Hanf oder Baumwolle, Jutesäcke, frische Äste, unbedruckte Papiersäcke
- Sonstiges: Bite-Rite, Spieligel, Spielketten
Entscheidend ist auch die Art der Darbietung: Bodennah und von allen Seiten zugänglich kommt die Gabe dem natürlichen Wühlverhalten am nächsten und ermöglicht möglichst vielen Tieren gleichzeitigen Zugang. Das Material sollte attraktiv, frisch und in ausreichender Menge vorhanden sein. Einstreupulver aus Gesteinsmehlen können zusätzlich den Blutgeruch reduzieren, feuchtigkeitsabsorbierend wirken und den Keimdruck mindern.
Modul 3: Behandlung gebissener Schweine
Die frühzeitige Erkennung von Schwanzläsionen ist entscheidend. Sobald erste Anzeichen sichtbar sind, sollte die Kontrollfrequenz im Stall deutlich erhöht werden. Fiebermessen hilft, den Schweregrad einer Verletzung einzuschätzen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, von der Behandlung bis hin zur Beurteilung der Schlacht- und Transportfähigkeit oder einer Nottötung.
Das Vorgehen richtet sich nach dem Verletzungsgrad:
- Geringgradige Verletzung: Tier markieren, zugelassenes Vergrämungsmittel auftragen, Rücksprache mit dem Tierarzt halten.
- Mittelgradige Verletzung: Tier markieren, Vergrämungsmittel aufbringen, ggf. absondern, Tierarzt einbeziehen.
- Hochgradige Verletzung: Tier sofort absondern, unverzügliche tierärztliche Behandlung.
- Schwanzentzündung oder Nekrose mit fortschreitender Infektion: Nottötung erforderlich.
Primär sollte stets das beißende Tier separiert werden. Genesungsbuchten müssen dauerhaft einsatzbereit sein und für mindestens 2,5 bis 3 Prozent der Tierplätze in der Mast vorgehalten werden. Bei unkupierten Schweinen sind mindestens 5 Prozent, häufig mehr, erforderlich. Die Wundbehandlung und Schmerztherapie sind stets in Absprache mit dem betreuenden Tierarzt durchzuführen und zu dokumentieren.
Modul 4: Ursachen erkennen und abstellen
Schwanzbeißen ist in der Regel eine Überforderungsreaktion der Tiere. Die Ursachensuche erfordert eine systematische Betrachtung der wichtigsten Risikobereiche:
- Beschäftigung und Buchtenstrukturierung
- Stallklima und Lüftung
- Gesundheit und Fitness der Tiere
- Wettbewerb um Ressourcen (Futter, Wasser, Liegeplätze)
- Fütterung (Fasergehalt, Vermahlungsgrad, Aminosäurenversorgung, Hygiene)
- Mykotoxine in Futter oder Einstreu
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Bereich Fütterung: Ein Mangel an Faserstoffen kann zu Magengeschwüren, Störungen des Darmmikrobioms und einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmbarriere führen. Für Aufzuchtferkel empfiehlt sich ein Rohfasergehalt von mindestens 4 Prozent, für Mastschweine von über 5 Prozent. Klimatische Probleme wie Zugluft, Temperaturschwankungen oder zu hohe Schadgaskonzentrationen können ebenfalls ursächlich sein. Auch genetische Faktoren, Besatzdichte und Beleuchtungsverhältnisse spielen eine Rolle.
Modul 5: Warnsignale frühzeitig erkennen
Häufig konzentriert sich ein Schwanzbeißgeschehen nicht auf eine einzelne Bucht. Daher sollten auch scheinbar nicht betroffene Tiere aktiv beobachtet werden. Zu den wichtigsten Frühwarnsignalen zählen:
- Intensives Manipulieren der Buchteneinrichtung oder der Artgenossen
- Stark wedelnde oder eingeklemmte bzw. hängende Schwänze als Ausdruck von Unbehagen
- Unruhiges, nervöses Verhalten, verstärktes Wühlen, vermehrtes Sitzen oder Knien
- Fieber als frühes Anzeichen einer drohenden Erkrankung oder eines bevorstehenden Ausbruchs
- Leere Bäuche und eingefallene Flanken als Hinweis auf Verdauungsprobleme
- Blanke, haarlose Schwanz- oder Ohrspitzen als Zeichen einer beginnenden Nekrose (SINS)
- Intensives Kauverhalten oder Zähneknirschen, das auf Rohfasermangel hinweist
- Belly Nosing, Besaugen oder Beknabbern anderer Schweine
Spätestens wenn Blut austritt, ist das Geschehen nur noch schwer zu kontrollieren. Frühzeitiges Eingreifen ist daher unabdingbar.
Modul 6: Der Notfallkoffer für den Ernstfall
Wer unkupierte Schweine hält, sollte stets vorbereitet sein, auch an Wochenenden und Feiertagen. Ein betrieblicher Notfallkoffer sollte folgende Bestandteile umfassen:
- Ausreichende Genesungsbuchten (mindestens 5 Prozent der Tierplätze bei unkupierten Tieren)
- Zusätzliche Tränkemöglichkeiten, insbesondere in Hitzephasen
- Raufutter auf Vorrat (Heu, Stroh, Gras- oder Maissilage guter Qualität)
- Organisches Beschäftigungsmaterial (Strohhäcksel, Holzspäne, Luzernepellets, Baumwollstricke)
- Futterergänzer (Eiweißkomponenten, Mineralstoffe, Natriumbicarbonat, Magnesiumverbindungen)
- Toxinbinder auf Basis von Tonmineralien (nur zugelassene Produkte)
- Zugelassene Vergrämungsmittel (Sprays oder Puder)
- Hygienepulver zur Feuchtigkeitsbindung und Keimreduktion im Stall
Der regelmäßige Wechsel des Beschäftigungsmaterials erhält dessen Attraktivität. Futterergänzer sollten im Ernstfall parallel und ohne Zeitverlust eingesetzt werden, Wechselwirkungen zwischen den Einzelkomponenten sind jedoch zu beachten.
Fazit
Schwanzbeißen lässt sich im Bestand mit unkupierten Schweinen nicht vollständig ausschließen, aber mit dem richtigen Wissen und einer guten Vorbereitung erheblich eindämmen. Der Notfallplan von Fokus Tierwohl liefert dafür eine strukturierte, praxiserprobte Grundlage: von der Ursachenanalyse über die Früherkennung bis zur konkreten Behandlung. Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln, denn sobald Blut fließt, eskaliert das Geschehen schnell.
Den vollständigen Notfallplan inklusive aller Schulungsmodule, ergänzenden Informationen und Poster zum Download finden Sie kostenlos unter fokus-tierwohl.de.
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Ferkelimporte leicht im Aufwind: Liefermengen im ersten Quartal 2026 über Vorjahresniveau
Die Lebendimporte von Schweinen nach Deutschland sind in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 leicht gestiegen. Während die Einfuhren Schlachtschweinen unter dem Vorjahresniveau lagen, legten die Ferkelimporte zu.

Die Zahl der Ferkelimporte lag im ersten Quartal 2026 3,5 % über dem Niveau des Vorjahres.
(© ISN, Destatis, Thünen Institut)
In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 wurden insgesamt rund 2,61 Mio. Schweine lebend nach Deutschland importiert. Das waren 1,0 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei machten Ferkel wie üblich den Großteil aus. Mit rund 2,43 Mio. importierten Ferkeln lag deren Zahl um 3,5 % über dem Niveau des ersten Quartals 2025. Deutlich rückläufig waren hingegen die Importe von Schlachtschweinen. Mit nur noch rund 180.000 Tieren sanken die Schlachtschweineimporte im Vergleich zum ersten Quartals 2025 um 24,5 %.
Importe von Schlachtschweinen erneute deutlich unter Vorjahresniveau
Der Rückgang bei den Schlachtschweinen ist auf sinkende Lieferungen aus allen wichtigen Herkunftsländern zurückzuführen. Aus den Niederlanden, dem Hauptlieferanten, kamen mit ca. 130.000 Schweinen rund 24,1 % weniger Tiere als im Vorjahresquartal. Auch die Lieferungen aus Belgien waren stark rückläufig und sanken um 26,7 % auf ca. 30.000 Tiere. Auch aus weiteren Nachbarländern, wie Dänemark oder Frankreich waren die Importe rückläufig. Aus Dänemark wurden mit 5.000 Schweinen etwa 50,9 % weniger Schlachtschweine angeliefert und aus Frankreich mit ca. 1.000 etwa 65,2 % weniger.
Mehr Ferkel aus Dänemark, weniger aus den Niederlanden
Bei den Ferkeleinfuhren zeigte sich im ersten Quartal 2026 eine uneinheitliche Entwicklung. Dänemark bleibt mit Abstand der wichtigste Lieferant und steigerte seine Lieferungen um 6,9 % auf rund 1,87 Mio. Ferkel. Gleichzeitig sanken die Importe aus den Niederlanden deutlich um 8,2 % auf rund 545.000 Tiere. Mehr Ferkel kamen auch aus Belgien: Statt etwa 1.000 im Vorjahreszeitraum wurden von Januar bis März 2026 etwa 15.000 belgische Ferkel nach Deutschland importiert. Im Vergleich zu Dänemark oder den Niederlanden bleibt die Menge jedoch sehr überschaubar.
Dänemark plant "Aus" der Ferkelkastration: Das hat Folgen für deutsche Schweinemäster
Bis 2030 will die dänische Schweinebranche komplett aus der chirurgischen Kastration von Ferkeln aussteigen.
Im März hat der dänische Dachverband der Agrar- und Ernährungswirtschaft (Landbrug & Fødevarer) gemeinsam mit der Regierung eine neue Tierschutz-Initiative vorgestellt. Dabei wurde unter anderem bekräftigt, dass die Branche die chirurgische Kastration – die dort aktuell noch unter Lokalanästhesie erlaubt ist – phasenweise beenden will.
Das sind die Kernpunkte der Initiative in Sachen Kastrationsausstieg: • Die Frist steht: Ab 2030 soll kein dänisches Ferkel mehr unters Messer müssen. • Der Markt-Check: Der Ausstieg ist an die Bedingung geknüpft, dass der Markt (vor allem der Exportmarkt, also auch Deutschland) mitzieht. • Die Task-Force: Eine neue Expertenrunde arbeitet seit kurzem an Strategien für die verstärkte Nutzung der Immunokastration und der Jungebermast. Kastrationsverbot trifft auch deutsche Schweinehalter: Dänemark ist der Hauptlieferant für Importferkel nach Deutschland. Wenn die dänischen Sauenhalter flächendeckend auf die chirurgische Kastration verzichten, hat das direkte Auswirkungen auf die deutsche Mast. Mäster müssen sich frühzeitig um neue Ferkellieferanten kümmern oder sich darauf einstellen, vermehrt Ferkel zu erhalten, die entweder als Jungeber zu halten sind oder per Immunokastration behandelt wurden. Dieser dänische Weg setzt laut Einschätzung der Experten massiv auf Kooperation zwischen Politik und Verband. Deutsche Schweinehalter sollten die Entwicklung genau beobachten, da die Verfügbarkeit klassisch kastrierter dänischer Ferkel in den nächsten vier Jahren sukzessive sinken wird.
