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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Tempo beim Bürokratieabbau: Weniger Aufwand, mehr Zeit fürs Wesentliche
BMLEH bringt Änderung des Tierarzneimittelgesetzes, des Apothekengesetzes und des Agrarstatistikgesetzes auf den Weg
Das Bundeskabinett hat heute zwei vom Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, vorgelegte Gesetzentwürfe beschlossen: zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes und des Apothekengesetzes sowie des Agrarstatistikgesetzes. Ziel ist es, europäische Vorgaben korrekt umzusetzen – und zugleich Tierärzte, Tierhaltende und landwirtschaftliche Betriebe spürbar von Bürokratie zu entlasten.
Bundesminister Alois Rainer: "Wir bauen Bürokratie mit System ab und räumen dort auf, wo Vorschriften zu viel Aufwand bedeuten, ohne dass es einen Mehrwert bringt. Mit diesen Gesetzesänderungen setzen wir europäisches Recht 1:1 um, entlasten Tierärzte, Betriebe und Behörden – und machen damit weiter Tempo beim Bürokratieabbau."
Die Gesetzentwürfe gehen nach dem heutigen Kabinettsbeschluss in das parlamentarische Verfahren.
Hintergrund:
Bislang sieht das deutsche Tierarzneimittelgesetz eine im Vergleich zum EU-Recht vorgezogene Erfassung des Antibiotikaverbrauchs bei Hunden und Katzen bereits ab dem 1. Januar 2025 vor. Um Tierarztpraxen zu entlasten, wird dieser Zeitpunkt im Gesetzentwurf auf den europäisch vorgesehenen Stichtag, den 1. Januar 2029, verschoben. Damit wird die geltende nationale Rechtslage auf eine 1:1-Umsetzung des Europarechts zurückgefahren. Diese Maßnahme reduziert den nationalen Erfüllungsaufwand um über 20 Millionen Euro pro Jahr – insgesamt etwa 100 Millionen Euro in den Jahren 2025 bis 2028 – und erfüllt die Vorgaben der "One in, one out"-Regel der Bundesregierung.
Zudem werden die bislang zweimal jährlich vorgeschriebenen Mitteilungen im Rahmen des nationalen Antibiotikaminimierungskonzepts ab dem 1. Januar 2027 auf eine jährliche Meldung reduziert. Aufgrund datenschutzrechtlicher und technischer Erfordernisse kann diese Änderung erst zu diesem Zeitpunkt in Kraft treten.
Ab dem 1. Januar 2026 soll – entsprechend EU-rechtlicher Vorgaben – die verpflichtende Erfassung von Antibiotikaverbrauchsdaten auf weitere Tierarten ausgeweitet werden. Erfasst werden dann auch die Daten für Schafe, Ziegen, Gänse, Enten, bestimmte Fischarten, Pferde und Kaninchen zur Lebensmittelgewinnung (sogenannte "Stufe 2"-Tierarten).
Ferner enthält der Gesetzentwurf neue Regelungen zum Versand verschreibungspflichtiger Tierarzneimittel durch Tierärztinnen und Tierärzte, der im Einzelfall bei Einhaltung bestimmter Bedingungen zulässig sein soll. Gleiche Regelungen sollen auch für Apotheken gelten, deshalb wird im Rahmen des Gesetzentwurfs auch das Apothekengesetz angepasst.
Mit dem ebenfalls beschlossenen Änderungsgesetz zum Agrarstatistikgesetz werden die europäischen Vorgaben zur Agrarstrukturerhebung 2026 umgesetzt. Die Agrarstrukurerhebungen werden alle drei bis vier Jahre durchgeführt; dabei wechseln zur Begrenzung des Aufwands bei den Befragten jeweils bestimmte thematische Module, die nicht bei jeder Erhebung erfasst werden müssen. Im kommenden Jahr werden unter anderem Daten zu Tierhaltungsverfahren, Düngung und Rebanlagen erfasst. Gleichzeitig pausieren Erhebungen zu Bewässerung, Maschinen und Obstanlagen.
Die Novelle wird vom BMLEH auch genutzt, um die Bodennutzungsdaten auf vorliegende Verwaltungsdaten umzustellen. Durch diesen zentralen Fortschritt entfällt für viele Betriebe die Pflicht zur gesonderten Meldung. Das entlastet die Landwirtschaft um rund 800.000 Euro jährlich. Gleichzeitig wird die jährliche Erfassung der Öko-Flächen im Rahmen der Bodennutzungserhebung eingeführt, wie es EU-weit vorgeschrieben ist. Diese Information kann künftig ebenfalls den Agrarverwaltungsdaten entnommen werden - ohne zusätzliche Belastung für die Betriebe.
Hunde infizieren sich leichter mit antibiotikaresistenten Keimen als bisher bekannt
Offenbar ist doch kein naher Körperkontakt für die Übertragung nötig. Ihren Ursprung haben die Keime im Menschen
Dass Antibiotika-Resistenzen bei engem Kontakt zwischen Mensch und Tier übertragen werden können, ist bekannt. Doch offenbar ist eine solche Übertragung auch ohne diese Nähe möglich. Das zeigen neue Forschungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Dabei wurden Hunde in Ruanda auf potenziell pathogene und Antibiotika-resistente Keime untersucht. Zwei Drittel von isolierten Staphylococcus-aureus-Stämmen wiesen dabei Resistenzen auf, und das, obwohl die Hunde primär im Freien als Wachhunde gehalten werden. Der Großteil der Keime war menschlichen Ursprungs.
Die Forscherinnen und Forscher der Vetmed-Uni in Wien haben gemeinsam mit Kollegen aus Ruanda für ihre im Fachjournal Letters in Applied Microbiology veröffentlichte Studie Proben von fast 500 Hunden und Katzen aus dem afrikanischen Land auf Staphylococcus aureus (S. aureus) untersucht. Bei 65 Proben aus Nase und Ohren von Hunden wurde dieser Keim festgestellt…. .
Warum die Schweinepest Baden-Württemberg noch beschäftigt
Auch ein Jahr nach Rückkehr der Schweinepest werden im Norden Baden-Württembergs infizierte Tierkadaver entdeckt. Seit Ausbruch der Seuche im August vergangenen Jahres seien bislang 27 verendete oder zumindest erkrankte Wildschweine gefunden worden, die den Virus trugen.
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Australischer Fleischproduzent schlägt Alarm wegen eines Plans zur Injektion eines neuen mRNA-Impfstoffs in den Viehbestand
Australischer Fleischproduzent schlägt Alarm wegen eines Plans zur Injektion eines neuen mRNA-Impfstoffs in den Viehbestand
Ein großer australischer Fleischproduzent hat vor einem Plan gewarnt, dem Vieh einen neu entwickelten mRNA-Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche zu injizieren, den ersten seiner Art weltweit.
Die Regierung des Bundesstaates New South Wales und das amerikanische Biotechnologieunternehmen Tiba Biotech gaben Anfang des Monats bekannt, dass sie im Rahmen eines…
Warum die Schweinepest Baden-Württemberg noch beschäftigt
Auch ein Jahr nach Rückkehr der Schweinepest werden im Norden Baden-Württembergs infizierte Tierkadaver entdeckt. Seit Ausbruch der Seuche im August vergangenen Jahres seien bislang 27 verendete oder zumindest erkrankte Wildschweine gefunden worden, die den Virus trugen.
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Equine infektiöse Anämie (=Ansteckende Blutarmut der Einhufer) im Kreis Tübingen
Was Pferdehalter im Zollernalbkreis jetzt beachten müssen. Für infizierte Pferde gibt es keine Therapie. Sie werden getötet.
Die Tierseuche „Equine infektiöse Anämie“ wurde bei einem Pferd im Kreis Tübingen festgestellt. Im Zollernalbkreis sind aktuell noch keine Fälle bekannt, wie das Landratsamt mitteilt.
Die Krankheit „Equine infektiöse Anämie“ (EIA), auch als „Ansteckende Blutarmut der Einhufer“ bekannt, wurde jüngst bei einem Pferd im Landkreis Tübingen festgestellt. Das hat mittlerweile auch das nationale Referenzlabor Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt. Das Veterinäramt des Landkreises Tübingen hat daraufhin den Ausbruch der Tierseuche amtlich festgestellt.
Der betroffene Betrieb steht nun unter behördlicher Beobachtung. Entsprechende Quarantäne- und veterinärmedizinische Maßnahmen wurden ergriffen. Derzeit erfolgen epidemiologische Rückermittlungen durch die zuständigen Behörden, um jene Betriebe und Pferde zu ermitteln, in denen das seuchenkranke Pferd in der Vergangenheit gehalten wurde beziehungsweise zu denen Kontakt bestand. Nach ersten Erkenntnissen bestanden Kontakte zu Betrieben und Pferden in mehreren Landkreisen. Alle Regierungsbezirke in Baden-Württemberg sind betroffen. Die Recherchen sind aufwendig und erfolgen auch auf Basis schriftlicher Aufzeichnungen der Zu- und Abgänge der gehaltenen Equiden.
ASP-Zaun in Kreis Olpe fertiggestellt – Neue Phase der Seuchenbekämpfung startet
Im Kreis Olpe wurde der Bau des ASP-Schutzzauns um das Kerngebiet herum fertiggestellt. Daher kann nun im Kerngebiet, wo das Virus nachweislich vorkommt, erstmals die gezielte Bejagung der Wildschweine aufgenommen werden. Ziel ist es, Wildschweinebestand in dem betroffenen Gebiet zu tilgen und die Ausbreitung der ASP zu stoppen.
Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) geht im Kreis Olpe in eine entscheidende Phase. Ein rund 45 Kilometer langer Schutzzaun wurde fertiggestellt und umschließt nun vollständig das Kerngebiet. Diese bauliche Maßnahme erlaubt nun eine gezielte und intensive Bejagung der Wildschweine innerhalb der betroffenen Zone. Denn die Gefahr, dass potentiell infizierte Wildschweine durch Jagddruck fliehen und das Virus in neue Regionen tragen, besteht nicht mehr.
Jagd freigegeben – Wildschweinbestand soll getilgt werden
Bislang war die Jagd im ASP-Kerngebiet untersagt, um die Tiere nicht aufzuschrecken. Nun sollen möglichst alle Wildschweine in diesem Bereich getilgt werden, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert sind. Gleichzeitig soll den Tieren das Leid des tödlichen Krankheitsverlaufs erspart werden. Die Jagd konzentriert sich zudem auf Flächen mit nachgewiesenen Wildschäden, um landwirtschaftliche Betriebe zu entlasten.
Antrag online ausfüllen und per Mail einreichen
Jagdausübungsberechtigte können Anträge zur Bejagung auf der Themenseite "Afrikanische Schweinepest" herunterladen, digital ausfüllen und per E-Mail an die Veterinärbehörde senden. Für die Sperrzone 2 müssen zusätzlich bestimmte Stellen zum Aufbrechen und Zerwirken von Schwarzwild beantragt werden. Auch dieser Antrag findet sich auf der Homepage.
Milchvieh Aktuell – August 2025: Die Sommerproblematik
In einigen Ställen ist aktuell zu beobachten, dass sich die Tiere vermehrt in einer Ecke des Stalls auf[1]halten, meistens an den Türen nach außen. Diese Beobachtung wird uns mittlerweile aus einer wachsenden Zahl von Betrieben gemeldet – trotz guter Lüftung und moderner Stallkonzepte. Eine eindeutige Ursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Es wird vermutet, dass das Verhalten mit Fliegen- bzw. Gnitzenbelastungen in Verbindung steht. Wir empfehlen daher dringend, auf eine regelmäßige und effektive Bekämpfung der Insekten zu achten und die Stallbelüftungen danach auszurichten. Die Suche nach den genauen Gründen wird weiterhin intensiv verfolgt.
Blauzunge und weitere Virusinfektionen
Die Blauzungenkrankheit hatte im vergangenen Jahr bis heute leichte bis teilweise starke Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Milchleistung. Durch konsequente Impfmaßnahmen ist die Situation insgesamt auf einem guten Stand. Dennoch gibt es aktuell wieder Verdachtsmeldungen, weshalb die Herden engmaschig überwacht werden sollten. Es ist darauf zu achten, dass die Jungtiere in das Impfschema mit aufgenommen werden. Auch andere Virusinfektionen wie die Hautknotenkrankheit (LSD, EHD) oder die Vogelgrippe, die ebenfalls auf Rinder übertragbar ist, werden in Niedersachsen immer wieder genannt. Unabhängig vom Erreger gilt: Die hohen Milchleistungen, die im Landkreis
erzielt werden, führen dazu, dass die Tiere empfindlicher auf zusätzliche Belastungen reagieren.
Bakterielle Infektionen
Nach den heißen Tagen Anfang Juli kam es wieder vermehrt zu Infektionen der Euter, insbesondere durch E. coli, Staphylococcus aureus und Streptococcus uberis. Als Hauptursache ist häufig die Liegebox zu nennen, daneben auch stark frequentierte und verschmutzte Bereiche, in denen sich Kot und Urin ansammeln. Gerade im Sommer ist auf eine gründliche Reinigung dieser Stellen zu achten, um das Infektionsrisiko deutlich zu verringern. An erster Stelle steht die Pflege der Liegeboxen: Eine sehr gute Hygiene, einwandfreie Einstreu mit einem hohen pH-Wert sowie eine gute Belüftung im Liegeboxenbereich sind entscheidend, um Erkrankungen vorzubeugen.
Fazit
Über allem steht die Reduktion von Stress für das Tier. Bei Milchleistungen oberhalb von 40 Litern pro Kuh und Tag ist die Belastung ohnehin hoch – jede zusätzliche Beeinträchtigung wirkt sich unmittelbar auf Gesundheit und Leistung aus. Daher sind Luftbewegung mit Abtransport belasteter Luft, aktive Kühlung und intensive Hygiene das A und O. Ebenso zählt die gezielte Bekämpfung von Fliegen dazu. In kritischen Bereichen sollte insbesondere im Sommer regelmäßig gereinigt und des[1]infiziert werden.
Ein konsequentes Management dieser Faktoren ist die Grundlage, um die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Herden langfristig zu sichern – und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion.
One Health: Antibiotika-Resistenzen gefährden Mensch und Tier
Zunehmende Antibiotika-Resistenzen stellen eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar. Dies erfordert ein gemeinsames und sektorübergreifendes Vorgehen von Human- und Veterinärmedizin an den Schnittstellen zwischen Mensch, Tier und Umwelt.
Eine aktuelle Studie unter Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien unterstreicht diese Notwendigkeit. Die Forschungsarbeit liefert die erste detaillierte und umfassende Charakterisierung von Staphylococcus aureus aus Hunden in Ruanda – und weist außerdem menschliche Ursprünge der Bakterien nach, wie die Vetmeduni mitteilt.
Die Studie ist das jüngste Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit mit der University of Rwanda und dem New Vision Veterinary Hospital (NVVH) in Ruanda. Zuvor haben bereits Studien zu Wiederkäuern auf die Problematik der von Mensch zu Tier und umgekehrt überspringenden Antibiotika-Resistenzen hingewiesen. Aus diesem Grund ist es laut den Forschenden wichtig, nationale und globale „One Health“-Überwachungsprogramme für Antibiotika-Resistenzen einzurichten, um die Antibiotika-Resistenz-Krise in der Human- und Veterinärmedizin zu bewältigen.
In der in „Letters in Applied Microbiology“ veröffentlichten Studie „Staphylococcus aureus in Rwandan dogs predominantly representing human-associated lineages“ wurde die Übertragung von Staphylococcus (S.) aureus aus der Nase und den Ohren von ruandischen Hunden und Katzen untersucht. Das internationale Forschungsteam unter Leitung der Vetmeduni konnte dabei 65 S. aureus-Isolate nachweisen, die alle aus der Nasenhöhle von Hunden stammten. „Wir stellten dabei eine Resistenz gegen Penicillin, Penicillin/Erythromycin/Clindamycin, Penicillin/Tetracyclin und Tetracyclin fest“, erklärt Studien-Letztautor Igor Loncaric vom Zentrum für Pathobiologie der Vetmeduni.
Erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit
Die Mehrheit der Isolate gehörte zu den vorwiegend mit dem Menschen assoziierten klonalen Linien von S. aureus. „Die Identifizierung von mit dem Menschen assoziierten klonalen Komplexen (CCs) unterstreicht das Potenzial für eine bidirektionale Übertragung zwischen verschiedenen Spezies, was ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt“, betont Igor Loncaric. „Allerdings haben wir bisher keine Ahnung, warum Hunde solche Bakterien beherbergen, weil das Verhältnis zwischen Mensch und Hund ist ganz anders als hier“, identifiziert der Wissenschafter weiteren Forschungsbedarf. In Verbindung mit der begrenzten Verfügbarkeit von S.aureus-Daten aus der Humanmedizin in Ruanda zeigen die Studienergebnisse laut den Forschenden die Bedeutung von Hygienemaßnahmen und die Notwendigkeit eines strengen One-Health-Überwachungsprogramms an der Schnittstelle von Haustieren und Menschen.
Gefährliche Antibiotika-Resistenzen bei Kühen, Ziegen und Schafen in Ruanda
Die Bedeutung von One Health zum Schutz von Mensch und Tier vor Antibiotika-Resistenzen illustriert auch die kürzlich erschienene, von der Vetmeduni geleitete Studie „Survey in ruminants from Rwanda revealed high diversity and prevalence of extended-spectrum cephalosporin-resistant Enterobacterales“. Die Untersuchung von Wiederkäuern in Ruanda ergab dabei eine hohe Diversität und Prävalenz von gegen Cephalosporine mit erweitertem Spektrum resistenten Enterobacterales („Enterobakterien“). „Angesichts der großen Nähe von Wiederkäuern und Menschen in Ruanda, ist dieses Ergebnis vor allem deshalb wichtig, da antimikrobielle Resistenzen (AMR) bei Enterobacterales eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit von Mensch und Tier und ein sozioökonomisches Problem darstellen. In diesem Zusammenhang sind Enterobacterales, vor allem Escherichia coli, zu einem der wichtigsten Indikatoren für die Abschätzung der Belastung durch AMR bei Tieren im Rahmen des ‚One Health‘-Ansatzes geworden“, so Igor Loncaric.
Vielfalt von S. aureus bei Mastitis im Blick
Eine weitere aktuelle Studie der Forschungsgruppe um Igor Loncaric, veröffentlicht im „Journal of Applied Microbiology“ („Diversity of Staphylococcus aureus isolated from nares of ruminants“), untersuchte Nasenabstriche von Wiederkäuern, um den Zusammenhang zwischen human- und Mastitis-assoziierten Staphylokokken besser zu verstehen. Diese Untersuchung ist eine Fortsetzung früherer Studien zur Mastitis, der ökonomisch wichtigsten Rinderkrankheit in Ruanda. Dazu gehören die Veröffentlichungen „Diversity of Staphylococcus aureus associated with mastitis from dairy cows in Rwanda“ („Journal of Global Antimicrobial Resistance“, 2024) und „Characterization of Antibiotic and Biocide Resistance Genes and Virulence Factors of Staphylococcus Species Associated with Bovine Mastitis in Rwanda“ („Antibiotics“, 2019). Ziel der Forschenden war es hier, die Vielfalt von S. aureus und anderen Staphylokokken aus Mastitis-Milchproben von Kühen in Ruanda zu untersuchen. Dabei wurden S. aureus-Isolate mit Resistenzen gegen Penicillin, Tetracyclin und weitere Antibiotika sowie multi-resistente Koagulase-negative Staphylokokken entdeckt, wobei sowohl human-assoziierte als auch für Ruanda typische bovine klonale Linien beobachtet wurden.
Langjährige Forschungszusammenarbeit der Vetmeduni in Ruanda
Die Studien sind die jüngsten Forschungsergebnisse einer langjährigen Zusammenarbeit der Vetmeduni mit der University of Rwanda (UR) und dem mit österreichischer Unterstützung eingerichteten New Vision Veterinary Hospital (NVVH) in Musanze (Ruanda). Igor Loncaric ist an dieser Zusammenarbeit seit vielen Jahren beteiligt und hat aus dieser Kooperation heraus bereits eine Reihe an Forschungsarbeiten durchgeführt und zahlreiche Studierende sowohl von der Vetmeduni als auch Studierende aus Ruanda angeleitet.
In der Kooperation ist Loncaric vor allem für Wissenstransfer und Forschung verantwortlich, insbesondere was die Mikrobiologie angeht. „Bisher haben wir in Kooperation mit weiteren Forschungseinrichtungen wie der MedUni Innsbruck (Werner Ruppitsch) und der AGES (Adriana Cabal Rosel) aus Österreich sowie der FU Berlin (Stefan Schwarz, Andrea Feßler) und der ipht Jena (Ralf Ehricht, Stefan Monecke) gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen aus Ruanda eine Reihe wichtiger Publikationen veröffentlicht. Weitere Studien sind in Arbeit. Dabei beschäftigen wir uns vor allem mit antibiotikaresistenten Bakterien und potenziell human- als auch tierpathogenen Bakterien. Während wir uns mit Bakterien beschäftigen, wird der organisatorische Teil von Kollegin Ursula Schober von unserem Büro für Internationale Beziehungen und dem Kollegen Otto Fischer (Gründer von NVVH und der NGO Veterinärprojekt Ruanda) maßgeblich unterstützt, denn ohne unseren Partner und Partnerinnen wären diese Forschungs- und Lehraktivtäten nicht möglich“, so Igor Loncaric.
„Ideologiegetriebene Tierschützer gefährden mit absurden Anzeigen unsere Almwirtschaft“
Bauernbundobmann und LH-Stv. Josef Geisler verurteilt die jüngsten Vorgehensweisen selbsternannter Tierschutzorganisationen aufs Schärfste.
Der Versuch, Landwirtinnen und Landwirte durch Anzeigen und Klagen zu kriminalisieren, sei ein direkter Angriff auf die heimische Almwirtschaft und damit auf die gesamte Kulturlandschaft Tirols, so Geisler.
„Ein Wolf kann pro Nacht über 70 Kilometer zurücklegen. Wenn man der absurden Logik dieser Organisationen folgt, dürfte in Tirol kein einziges Tier mehr auf die Alm. Das wäre der Todesstoß für die Almen und die Almwirtschaft in Tirol – und damit auch für alles, was sie für Natur, Tourismus und Gesellschaft leisten. Sicherlich nicht im Sinne des Gesetzgebers“, betont Geisler.
Besonders brisant sei, dass sich die Attacken der Tierschutzorganisationen längst nicht mehr nur gegen politische Entscheidungsträger richten, sondern zunehmend dreister und rücksichtsloser würden. Mittlerweile seien auch Almbauern, Amtstierärzte sowie Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaften von Anzeigen betroffen – und das, obwohl sie lediglich geltendes Recht vollziehen. „Hier wird eine völlig unverantwortliche Eskalationsspirale in Gang gesetzt. Wenn sogar die Behörden ins Visier genommen werden, ist das nichts anderes als ein Frontalangriff auf den Rechtsstaat“, warnt Geisler.
Die Forderungen der Tierschützer seien „weltfremde Anschauungen“, die von klimatisierten Großstadtbüros aus formuliert würden und die Realität in den Bergen konsequent ausblendeten. „Der Kampf gegen Wolf und Bär ist schwierig genug. Aber es darf nicht sein, dass eine Handvoll realitätsferner Tierschützer, sämtliche gesetzliche Grundlagen untergraben“, so Geisler weiter.
Zentrale Bedeutung der Almwirtschaft
Der Bauernbundobmann verweist zudem auf die zentrale Bedeutung der Almwirtschaft für Tirol: „Ohne die Pflege der Almen verlieren wir nicht nur wertvolle Kulturlandschaft, sondern auch Biodiversität, Sicherheit vor Naturgefahren und eine der wichtigsten Grundlagen für den Tourismus. Wer unsere Bauern kriminalisiert, gefährdet das Gefüge des gesamten ländlichen Raums.“
Haarsträubend sei auch der innere Widerspruch: Einerseits fordern Tierschützer uneingeschränkten Auslauf und Freiheit für Tiere – genau das ermöglicht die Almwirtschaft in Tirol. Würden ihre Forderungen umgesetzt, wäre nicht nur diese Form der Tierhaltung mit einem Schlag beendet, sondern müsste man die Tiere 365 Tage im Jahr zum Schutz vor Raubtieren im Stall einsperren. „Ohne Almwirtschaft könnten viele Bauern ihre Höfe nicht mehr weiterführen. Damit würde der naturnahesten und tierfreundlichsten Form der Landwirtschaft ein Riegel vorgeschoben – während die industrielle Massenhaltung im Ausland zusätzlichen Aufwind bekäme. Doch so weit denken diese Ideologen nicht“, kritisiert Geisler.
Abschließend fordert der Bauernbundobmann vom Bundesgesetzgeber eine Klarstellung des Tierschutzgesetzes, um der ungerechtfertigten Kriminalisierung von Almbauern und Behörden ein Ende zu setzen: „Das Gesetz darf nicht missbraucht werden, um Bauern oder Behörden die Verantwortung für das Verhalten von Großraubtieren zuzuschieben. Wir brauchen klare rechtliche Rahmenbedingungen, die den Schutz unserer Nutztiere gewährleisten und gleichzeitig die Almwirtschaft sichern. Abgesehen davon, dass sie nicht finanzierbar sind, bieten Herdenschutzmaßnahmen diese Sicherheiten nicht.“
Tiroler Almen in Zahlen
Auf 2.060 Almen werden von rund 9.100 Betrieben rund 63.000 Schafe, 7.000 Ziegen, 3.400 Pferde und 106.300 Rinder aufgetrieben.
