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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Tödliche Gefahr für Hunde: Die Krankheit Babesiose breitet sich in Deutschland aus
Gefährliche Hundekrankheit: Die Babesiose breitet sich immer weiter in Norddeutschland aus. Das müssen Hundehalter nun wissen.
Gestörtes Allgemeinverhalten, Fieber, Fressunlust – und im schlimmsten Fall der Tod. Die Babesiose, auch Hundemalaria genannt, ist eine parasitäre Erkrankung beim Hund. Übertragen wird sie vor allem von der Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus). Eigentlich kommt diese Zecke eher in Südeuropa vor, da sie warmes Klima bevorzugt. Doch immer mehr Fälle in Nordwestdeutschland deuten darauf hin, dass die Zecke sich auch im Norden wohl fühlt.
Hauptgebiet in den neuen Bundesländern
Eigentlich sei die Wiesenzecke hauptsächlich in den neuen Bundesländern als Wirt der Babesiose bekannt. Häufig infizieren Hunde sich auch im Urlaub im südlichen Europa. „Doch immer mehr Tierärzte berichten von infizierten Hunden, die definitiv zwei Wochen vorher weder in bekannten Verbreitungsgebieten der Zecke in Deutschland noch im Ausland unterwegs waren“, erklärt Prof. Dr. med. vet. Christina Strube, von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Zuletzt warnte die Präsidentin der Tierärztekammer Hamburg, auch bei ihr würden immer mehr Fälle auf dem Tisch landen. Alles deutet darauf hin, dass die Wiesenzecke sich auch im Nordwesten Deutschlands immer weiter ausbreitet. „Uns fällt auf, dass in letzter Zeit immer wieder neue Infektionsherde auftauchen“, so Strube.
Babesiose bei frühzeitiger Erkennung gut behandelbar
Die ersten Symptome einer Infektion treten beim Hund meist zwei Wochen nach dem Zeckenbiss auf. Dazu zählen ein gestörtes Allgemeinverhalten, Fieber, gefolgt von Fressunlust, Gewichtsverlust und Mattigkeit. Schreitet die Infektion voran, können sich blasse Schleimhäute und eine Gelbsucht entwickeln. Unbehandelt endet die akute Form der Babesiose häufig tödlich. Ist der Halter aber rechtzeitig beim Tierarzt, kann Hundemalaria mit Medikamenten effektiv bekämpft werden.
Zeckenschutz sollte beim Hund erfolgen
Um den eigenen und andere Hunde zu schützen, plädiert Prof. Dr. Strube für nachweislich funktionierende Zeckenschutzmittel: „Das heißt ich gehe zum Tierarzt und lasse mich da beraten. Das Hausmittel gegen Zecken ist oft nicht effektiv“.
Hohe Dunkelziffer an erkrankten Hunden vermutet
Wie viele Fälle der Babesiose es tatsächlich pro Jahr in Deutschland gibt, ist schwer zu schätzen. Hundemalaria ist keine meldepflichtige Erkrankung. Prof. Strube und die Tierärztliche Hochschule Hannover versuchen aktuell, einen Überblick über die Lage im Land zu bekommen. Sie bittet alle Tierärzte, die gehäuft Fälle der Babesiose bemerken, sich unter folgender E-Mail-Adresse zu melden: babesiose@tiho-hannover.de
Tierquälerei in Geflügelbetrieb? - Ermittlungen wurden eingestellt
In einem Mastbetrieb in Meppen (Landkreis Emsland) sollen Hühner gequält worden sein. Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen nun nach knapp zwei Jahren ein, weil sie keine konkreten Verstöße feststellen konnte.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg wertete die Videoaufnahmen aus, die im August 2023 vom Verein "Soko Tierschutz" mit versteckter Kamera gemacht wurden. Mit den Aufnahmen lasse sich aber nicht mit Sicherheit beweisen, dass einzelnen Tieren Schaden zugefügt wurde, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Und das sei für eine Verurteilung erforderlich. Die betroffenen Tiere wurden zudem nicht untersucht, auch das wäre für eine mögliche Verurteilung wichtig gewesen.
Spießte ein Mitarbeiter Hühner auf?
Auf den Aufnahmen aus dem Meppener Betrieb war damals zu sehen, wie Hilfsarbeiter sich gegenseitig mit Hühnern bewerfen und sich auf die Tiere schubsen. Außerdem zeigte das Video, wie ein Mann mit einem spitzen Stab eines der Tiere offensichtlich aufspießte. Das Landwirtschaftsministerium erstattete daraufhin Anzeige. Während der Ermittlungen äußerten sich auch die Beschuldigten. Auch das hat laut Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Verfahrens geführt. Nach der Vernehmung habe man keine "Rohheit" feststellen können. Das bedeutet, dass das Zufügen von Schmerzen aus einer missachtenden Gesinnung nicht nachgewiesen werden konnte.
Tierschutzverein legt Beschwerde ein
Der Tierschutzverein "Soko Tierschutz" hält das Einstellen des Verfahrens nach eigenen Angaben für fatal. "Damit setzt man ein Zeichen für diese Menschen, dass sie mit den Tieren machen können, was sie wollen", kritisiert Tierschutzaktivist Friedrich Mülln. Dass man offenbar nicht habe feststellen können, ob es einem Tier wehtue, wenn ein erwachsener Mann darauf stürzt, mache ihn fassungslos. Die "Soko Tierschutz" habe deswegen Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt… .
Agrarminister fordern Bürokratieabbau und mehr Freiheit für Landwirte
Die Agrarminister der Länder haben bei einer Sonderkonferenz in Berlin eine gemeinsame Resolution zur Zukunft der EU-Agrarpolitik ab 2028 verabschiedet. Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) verwies als Vorsitzender der Konferenz auf die Forderung nach weniger Bürokratie, finanzieller Verlässlichkeit und mehr unternehmerischer Freiheit für Landwirte.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) müsse praxisnäher und effizienter gestaltet werden, um den Herausforderungen wie Klimawandel und Ernährungssicherung zu begegnen.
Hauk forderte ein mindestens gleichbleibendes Budget für die Landwirtschaft in Europa. Nur so könne eine flächendeckende Unterstützung der Betriebe gewährleistet werden.
Zudem sprach er sich für mehr Entscheidungsfreiheit der Landwirte bei Anbau und Bewirtschaftung aus. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) unterstützte die Forderungen und betonte die Bedeutung der GAP als Stabilitätsanker für ländliche Räume.
Die Resolution sieht unter anderem eine Vereinfachung der Förderbedingungen, eine stärkere Honorierung von Umweltleistungen und mehr Mitspracherecht der Mitgliedstaaten vor.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) warnte vor Budgetkürzungen, während Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sich noch ambitioniertere Ziele beim Klima- und Umweltschutz gewünscht hätte.
Bundesrat will Tierhaltungskennzeichnung abschaffen
BÖLW kritisiert „Angriff aufs Tierwohl“
Der Agrarausschuss des Bundesrats hat sich dafür ausgesprochen, das erst vor zwei Jahren verabschiedete Gesetz zur verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung ersatzlos zu streichen. Das Gesetz wurde vom ehemaligen Bundesagrarminister Cem Özdemir auf den Weg gebracht und sollte – angefangen beim Schweinefleisch – für mehr Transparenz bei Fleischprodukten sorgen. Verbände wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Bioland reagieren nun mit heftiger Kritik.
Begründet wird der Vorstoß des Agrarausschusses mit vermeintlich „gravierenden Schwachstellen und Lücken“ im Gesetz. Es sei nicht ziel- und praxisgerecht, der Bürokratieaufwand „völlig unverhältnismäßig“. Auch der begrenzte Geltungsbereich, der bisher nur Frischfleisch von Mastschweinen umfasst, wird vom Agrarausschuss kritisiert.
Als „Angriff aufs Tierwohl“ bezeichnet die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres den Antrag. Die von einem Unionspolitiker geführte Borchert-Kommission habe den Umbau der Nutztierhaltung 2020 angestoßen. Nun wollten ausgerechnet unionsgeführte Bundesländer das erste Tierhaltungskennzeichnungsgesetz wieder abschaffen. „Offenbar beugen sie sich dem Widerstand der Fleischindustrie.“ Der Bund und Landwirtschaftsminister Alois Rainer seien nun aufgefordert, dem Druck der Länder standzuhalten.
Ein „fatales Signal an die landwirtschaftlichen Betriebe“ sieht Carolin Pagel, Teamleitung Politik bei Bioland. Wenn mühsam errungene Ergebnisse von Verhandlungsrunden wie der Borchert-Kommission immer wieder in Frage gestellt werden, schwinde das Vertrauen in breit getragene, demokratische Prozesse. Anstelle eines gesetzgeberischen Hin und Hers, das die Betriebe massiv verunsichere, fordert sie unterstützende politische Rahmenbedingungen für eine artgerechtere Haltung und „vor allem Planungssicherheit“.
Scharfe Kritik gibt es auch von Foodwatch aus der Verbraucherschutzperspektive. „Die Deutschen wollen mehr Tierwohl und würden dafür auch mehr zahlen – aber die Politik ignoriert diesen klaren Verbraucherwunsch“, meint Geschäftsführer Chris Methmann. Der Vorstoß sei „ein Schlag ins Gesicht aller Verbraucher:innen“ und ein „Freibrief für die Fleischindustrie“.
Die Bundesregierung will das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz laut Koalitionsvertrag ‚grundsätzlich reformieren‘. Erst kürzlich hatte sie entschieden, die Übergangsfrist für die verpflichtende Umsetzung von August 2025 auf März 2026 zu verschieben. Die Zukunftskommission Landwirtschaft hatte Ende vergangenen Jahres empfohlen, das Gesetz konstruktiv weiterzuentwickeln.
Über den Antrag zur Abschaffung werden die Bundesländer am 11.07.(Freitag) diskutieren.
Agrarhaushalt 2025: Tierhaltung im Fokus, Finanzierung unklar
Die geplante Agrarfinanzierung für 2025 sieht leichte Einschnitte im Gesamtvolumen vor, bringt jedoch Veränderungen in den einzelnen Förderbereichen mit sich. Im Zentrum der Diskussion steht weiterhin die Tierhaltung und die Finanzierung des angestrebten Umbaus zu tierwohlgerechteren Haltungsformen.
Während die Ampel-Koalition erneut ihre Absicht bekräftigt, den Umbau der Tierhaltung aktiv voranzutreiben, bleibt offen, wie genau die notwendigen Investitionen langfristig finanziert werden sollen. Im Haushaltsausschuss des Bundestags sprach sich der agrarpolitische Berichterstatter der Unionsfraktion, Oliver Vogt, für die Bereitstellung der bereits vereinbarten 1,5 Milliarden Euro im Bundeshaushalt 2026 aus. Diese Summe soll vor allem für Stallumbauten und -neubauten zur Verfügung stehen.
Auch innerhalb der Koalition wird über die bisher geringe Nutzung der bereitgestellten Mittel diskutiert. Esther Dilcher, haushaltspolitische Sprecherin der SPD, machte in der Debatte deutlich, dass die Ursachen für die bislang schwache Inanspruchnahme geklärt werden müssten. Ihre Parteikollegin Franziska Kersten verwies auf den grundsätzlichen politischen Willen zur Erhaltung der Tierhaltung in Deutschland. Sie forderte zudem verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen für Investitionen sowie eine verbindliche Kennzeichnung der Haltungsform.
Albert Stegemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, betonte die Notwendigkeit, langfristige Investitionsanreize für junge Landwirte zu schaffen. Er hob hervor, dass die Landwirtschaft als Wirtschaftszweig nicht nur systemrelevant sei, sondern auch Planungssicherheit für zukunftsfähige Ställe benötige.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bekräftigte ebenfalls die Unterstützung seines Hauses für die Tierhaltung in Deutschland. Er kündigte an, die Programme zur Umstrukturierung weiter mit finanziellen Mitteln zu unterlegen. Auch innerhalb der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) sollen entsprechende Investitionen künftig stärker berücksichtigt werden.
Der Haushaltsentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurde in erster Lesung im Bundestag beraten. Für das Jahr 2025 ist ein Etat in Höhe von 6,88 Milliarden Euro vorgesehen. Neben der Diskussion um die Tierhaltung sorgte insbesondere der Zuschuss zur Landwirtschaftlichen Sozialversicherung für kritische Stimmen aus den Reihen der Opposition. Diese bemängelte, dass klare Impulse und Lösungen für bestehende Probleme im Agrarsektor fehlten.
Der aktuelle Entwurf des Agrarhaushalts sieht mehrere Anpassungen in den Förderlinien vor. Dazu gehört insbesondere eine geplante Aufstockung der Mittel für den tierwohlgerechten Umbau von Ställen. Wie sich die Debatte um den Haushalt im weiteren parlamentarischen Verfahren entwickeln wird, bleibt abzuwarten.
BayWa: So schlimm steht es um den Mischkonzern wirklich
Jetzt ist der Milliardenverlust bei der BayWa amtlich: 1,6 Milliarden Euro sind es für das abgelaufene Jahr - wie vor eine Woche angekündigt.
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Weiterer Mensch mit Hasenpest (Tularämie) infiziert
Erneut hat sich ein Mensch in Bayern mit der Hasenpest infiziert. Im Landkreis Mühldorf a. Inn gibt es einen bestätigten Fall von Tularämie, wie das dortige Landratsamt mitteilte.
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Unaussprechliches Virus: Wie gefährlich ist Chikungunya?
Tropenviren wie Dengue, Gelbfieber und Hanta sind hierzulande nicht unbekannt. Vom Chikungunya-Virus haben viele dagegen noch nicht gehört.
Dabei sind seine Träger, die Tigermücken, auch in Freiburg, Karlsruhe oder Mannheim längst keine Exoten mehr. Nun hat sich nur wenige Kilometer von der baden-württembergischen Grenze entfernt im Elsass ein Mensch mit diesem Virus angesteckt. Dieser jüngste Chikungunya-Fall zeigt: Die Tropenviren und mit ihnen das Erkrankungsrisiko rücken näher. Muss man sich jetzt Sorgen machen? Wie kann man sich schützen? Und was tun bei Symptomen? Die wichtigsten Antworten:
Wie gefährlich ist Chikungunya-Fieber?
Das Virus, das vor allem in Asien, Afrika und Amerika auftritt, löst das gleichnamige Fieber aus, das mit grippetypischen Symptomen wie hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einhergeht. Daher auch der Name, der ursprünglich aus der Sprache der Makonde stammt, einem Bantuvolk im Südosten von Tansania. Übersetzt heißt es so viel wie «der gekrümmt Gehende» - in Anlehnung an die Symptome. Es wurde erstmals 1952 bei einem Ausbruch in Tansania beschrieben.
Wie steckt man sich mit Chikungunya an?
Das Virus wird von infizierten weiblichen Stechmücken bestimmter Arten wie der Asiatischen Tigermücke und der Gelbfiebermücke übertragen. Von Mensch zu Mensch steckt man sich üblicherweise nicht an. Die inzwischen auch hierzulande heimische Tigermücke kann das Virus weitergeben, wenn ein Tier zuerst einen infizierten Menschen sticht, das Virus aufnimmt und bei einem anschließenden Stich überträgt, sagte Florian Hölzl, der Leiter der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene des Stuttgarter Gesundheitsamts. Die Mücken stechen vor allem am Tag zu. Über die Speichelsekrete der Stechmücke gelangt das Virus in den menschlichen Blutkreislauf.
Wie sind die Heilungschancen?
Spezifische Medikamente gegen Chikungunya gibt es noch nicht. Es werden Arzneimittel verabreicht, die die Symptome lindern sollen. Die meisten Infizierten erholen sich vollständig, oft schon nach einer Woche. Starke Gelenkschmerzen können aber auch monatelang andauern. Gefährlicher ist das Virus für chronisch Kranke, Ältere sowie für Schwangere und Säuglinge, die sich im Mutterleib infizieren. Ist Chikungunya ausgeheilt, besteht eine lebenslange Immunität gegen die Krankheit.
Kann man sich dagegen impfen lassen?
Ja. Lange Zeit gab es zwar keinen Impfstoff gegen Chikungunya. Im vergangenen Jahr aber wurde in Deutschland der Impfstoff Ixchiq zugelassen, im Februar 2025 folgte der Impfstoff Vimkunya. Wegen vereinzelter Berichte über schwere Nebenwirkungen bei älteren Menschen wird Ixchiq allerdings derzeit von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) überprüft.
In welchen Regionen gibt es schon Tigermücken?
Die ersten Populationen der Asiatischen Tigermücke wurden 2015 in Freiburg im Breisgau und Heidelberg nachgewiesen. Seitdem hat sich die Art immer weiter in den wärmeren Regionen des Landes ausgebreitet, vor allem entlang des Oberrheins, der Rhein-Neckar-Region und des mittleren Neckars. In den vergangenen Jahren wurden aber auch Populationen am Bodensee nachgewiesen. Manche Kommunen wie etwa Kehl haben die Hoffnung aufgegeben, die ausgeuferte Tigermücken-Population komplett loszuwerden. Wer genau wissen will, ob er in einem Mücken-Hotspot lebt, kann auf Karten des «Mückenatlas» oder des RKI nachschauen.
Und wie wahrscheinlich ist es, dass sich das Virus in meiner Region ausbreitet?
Zurzeit ist das Risiko noch gering. Das Gesundheitsministerium schließt nach der ersten lokalen Infektion im Elsass ähnliche Fälle im Südwesten aber nicht mehr aus. Diese sogenannten autochthonen Übertragungen würden auch in Baden-Württemberg immer wahrscheinlicher, sagte eine Sprecherin. Auch Hölzl warnt: «Wir müssen diesen Fall als Mahnung dafür nehmen, uns gegen die wachsende Gefährdung durch diese invasive Tierart zu wappnen.»
Wie kann ich mich schützen?
Wer in die betroffenen Regionen reist, sollte sich konsequent vor Mücken schützen. Von Duftkerzen und Lavendelsäckchen lassen sich Tigermücken aber nicht beeindrucken - DEET- oder Icaridin-haltige Sprays helfen dagegen zuverlässig, Moskitonetze vor allem über dem Kinderbett und Schutzgitter vor den Fenstern auch. Langärmelige weite und helle Kleidung wird empfohlen. Und nachts eventuell einen Ventilator aufstellen - das mögen die Biester gar nicht.
Was kann ich im Garten oder auf dem Balkon gegen Tigermücken tun?
«Das Wichtigste ist, mögliche Brutstätten rigoros zu beseitigen», empfiehlt Hölzl. Mücken lieben stehendes Wasser - wichtig also: Gießkannen, Vogeltränken, Untersetzer und Balkonpflanzen regelmäßig auf stehendes Wasser kontrollieren. Auch Dachrinnen, Regenfässer und Planschbecken können zur Brutstätte werden. Sand im Blumentopf-Untersetzer hilft gegen Mücken, ohne der Pflanze zu schaden. Außerdem ist es wichtig, Gießkannen und Eimer umzudrehen und Regentonnen mit einem festen und vor allem dicht verschlossenen Deckel zu verschließen, zum Beispiel mit einem feinen Netz. «Die Tigermücke zwängt sich auch durch kleine Spalten und Lücken und findet ohne Schutzmaßnahmen sonst hinein», erklärt Hölzl.
Was kann ich tun, wenn ich Symptome habe?
Wer sich krank fühlt, wer Fieber oder Gliederschmerzen bekommt nach der Urlaubsrückkehr aus Risikogebieten wie Mauritius oder La Réunion, der sollte rasch zum Hausarzt. Auch bei Symptomen nach einem Mückenstich in Grenznähe gilt: lieber einmal zu viel zum Arzt. Erste Anlaufstellen in Baden-Württemberg sind Gesundheitsämter und Tropeninstitute wie etwa in Heidelberg
Gibt es schon viele Fälle in Baden-Württemberg?
Ja, aber sie unterscheiden sich von dem jüngsten aus dem Elsass. In Baden-Württemberg sind laut Landesgesundheitsamt in diesem Jahr bereits 15 von Reiserückkehrern importierte Chikungunya-Fälle gemeldet worden. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur drei. «Besonders häufig betroffen sind Reisende, die aus Mauritius oder dem französischen Überseegebiet La Réunion zurückkehren», hieß es. «Dort werden aktuell sehr hohe Anzahlen an Erkrankungsfällen durch das Chikungunya-Virus registriert.»
Der elsässische Fall hingegen wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bei einem Menschen im Elsass nachgewiesen, der sich ausschließlich südlich von Straßburg in den Gemeinden Lipsheim und Fegersheim aufgehalten habe - etwa sechs bis sieben Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und auf Rheinhöhe von Offenburg.
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Chikungunya-Infektionen Südwesten
Bislang 15 importierte Chikungunya-Infektionen im Südwesten
Im Elsass hat sich ein Mensch mit dem Chikungunya-Virus angesteckt. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es solch einen Fall auch im Südwesten gibt. Bislang wurden Infektionen nur importiert.
Nachdem sich erstmals ein Mensch vor Ort und in einer grenznahen elsässischen Region mit dem Chikungunya-Virus infiziert hat, werden ähnliche Fälle im Südwesten nicht mehr ausgeschlossen. Diese sogenannten autochthonen Übertragungen würden auch in Baden-Württemberg immer wahrscheinlicher, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums.
Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass das Virus im elsässischen Fall durch eine infizierte Asiatische Tigermücke übertragen wurde. Diese können tropische Krankheitserreger nur weiterreichen, wenn sie zuvor einen bereits infizierten Menschen stechen, beispielsweise eine infizierte Reiserückkehrerin.
Vor allem Reiserückkehrer aus Mauritius und La Réunion betroffen
In Baden-Württemberg sind laut Landesgesundheitsamt in diesem Jahr bereits 15 importierte Chikungunya-Fälle gemeldet worden. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur drei. «Besonders häufig betroffen sind Reisende, die aus Mauritius oder dem französischen Überseegebiet La Réunion zurückkehren», hieß es. «Dort werden aktuell sehr hohe Anzahlen an Erkrankungsfällen durch das Chikungunya-Virus
Appell des Deutschen Bauernverbandes für eine zukunftsfähige Gestaltung der EU-Agrarförderung
Sonder-Agrarministerkonferenz und EU-Debatte zur GAP ab 2028
Anlässlich der Sonder-Agrarministerkonferenz in Berlin am 10. Juli 2025 und der Plenardebatten im Europäischen Parlament in Straßburg fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Bundesregierung und die Agrarministerinnen und Agrarministern der Länder auf, sich mit einer starken gemeinsamen Stimme für eine praxisnahe Gestaltung der zukünftigen EU-Agrarförderung einzusetzen.
„Die Landwirtinnen und Landwirte in unserem Land erwarten zu Recht, dass die GAP ab 2028 die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität ihrer Betriebe stärkt und die Politik wieder mehr Vertrauen in ihre Arbeit setzt. Die Gestaltung der EU-Agrarförderung und deren nationale Umsetzung ab 2028 muss dazu führen, dass die Einkommen der Betriebe wieder gestärkt und bürokratische Fesseln gelöst werden“, so Rukwied.
„EU, Bund und Länder müssen die Agrarförderung ab 2028 aus einem Guss denken und den Landwirtinnen und Landwirten in Deutschland und Europa eine zukunftsfeste Perspektive bieten. Dafür brauchen wir ein starkes, eigenständiges und deutlich erhöhtes EU-Agrarbudget, um Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu gewährleisten. Die Einkommenswirksamkeit aller GAP-Instrumente – insbesondere der Direktzahlungen – muss gestärkt werden. Bürokratieabbau, Vereinfachung und eine praxistaugliche Gestaltung der Grünen Architektur müssen im Mittelpunkt stehen. Freiwillige Agrarumweltmaßnahmen müssen wirtschaftlich tragfähig und kooperativ ausgestaltet sein, um als eigenständiger Betriebszweig bestehen zu können“, fordert der Bauernpräsident.
Besonders erfreulich sei aus Sicht des DBV, dass die freiwilligen Ökoregelungen (ÖR) im Antragsjahr 2025 auf eine deutlich stärkere Nachfrage gestoßen sind als in den beiden Vorjahren. Nach ersten Auswertungen wird das ursprünglich geplante Budget von knapp einer Milliarde Euro erstmals überzeichnet. Dies sei ein ermutigendes Signal: „Unsere Landwirte sind bereit, noch mehr für Umwelt-, Klima- und Naturschutz zu leisten – wenn die Maßnahmen praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Diese Botschaft sollte auch die Sonder-AMK prägen: Setzen Sie auf Eigenverantwortung, Praktikabilität und Vertrauen in die Landwirte“, sagt Bauernpräsident Rukwied.
Hintergrund zu den Ökoregelungen (ÖR): Die finalen Zahlen über die Inanspruchnahme der Ökoregelungen im laufenden Antragsjahr 2025 liegen voraussichtlich im Herbst vor, wenn die Prüfungen und Kontrollen der beantragten GAP-Maßnahmen abgeschlossen sind. Der DBV appelliert an Bund und Länder, dass die Auszahlungen an die Betriebe ohne Kürzungen spätestens im Dezember erfolgen. Die Prämien für die einzelnen Ökoregelungen sind rechtlich bei 100 Prozent abgesichert. Das bedeutet: Die beantragten Maßnahmen sind mit dem vorab geplanten Einheitsbetrag dotiert. Sollte der tatsächliche Budgetbedarf für die Ökoregelungen in diesem Jahr über dem ursprünglich eingeplanten ÖR-Budget (für 2025 rund 989 Mio. Euro) liegen, muss die Differenz durch eine lineare Kürzung des Budgets für die Basisprämie ausgeglichen werden.
Bundesrat stellt Tierhaltungskennzeichnung in Frage – Fleischbranche warnt vor Rechtsunsicherheit
Der Bundesrat hat überraschend empfohlen, das bestehende Gesetz zur Tierhaltungskennzeichnung vollständig aufzuheben. In einem entsprechenden Beschluss fordert der Agrarausschuss, das Kennzeichnungsgesetz für Tierhaltungsformen ersatzlos zu streichen.
Begründet wird dies mit gravierenden Schwächen des Gesetzes und einem unverhältnismäßig hohen bürokratischen Aufwand – insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeiter und den Handel. Die Kritik richtet sich auch gegen die eingeschränkte Anwendbarkeit des Gesetzes: Es gilt bislang nur für Frischfleisch von Mastschweinen, nicht jedoch für andere Tierarten, verarbeitete Produkte oder Importware.
Branche warnt vor Vertrauensverlust und Planungsstopp
Fleischerzeuger, Verbände und Verarbeiter reagieren mit Unverständnis und Sorge auf den Vorstoß. Viele Unternehmen hatten sich bereits auf die verpflichtende Haltungskennzeichnung eingestellt, in ihre Prozesse investiert und Marketingmaßnahmen vorbereitet. Eine vollständige Abschaffung würde die ohnehin angespannte Lage zusätzlich verschärfen.
„Wenn wir Transparenz für Verbraucher wollen, brauchen wir verbindliche, praktikable Regeln – keine Rückschritte in der Kennzeichnungspolitik.“
Folgen für die Praxis
- Hohe Rechtsunsicherheit bei Betrieben, die bereits investiert haben
- Stopp bei Umbau- und Fördermaßnahmen
- Wettbewerbsverzerrung durch fehlende Kennzeichnungspflicht für Importware
- Schwächung von Tierwohl-Initiativen und Verbrauchervertrauen
Ausblick
Die Bundesregierung ist nicht verpflichtet, dem Vorschlag des Bundesrats zu folgen. Ob die Tierhaltungskennzeichnung weiterentwickelt, angepasst oder gänzlich abgeschafft wird, ist derzeit offen. Für die Fleischbranche bleibt damit ein zentrales Thema ungeklärt – mit erheblichen Auswirkungen auf Vermarktung, Finanzierung und gesellschaftliche Akzeptanz.
