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Damit aus chronischer Entzündung kein Krebs wird
Neuer Ansatz für entzündliche Darmerkrankungen

- 05.06.2025
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind schwer behandelbar und bergen Komplikationsrisiken, darunter das Entstehen von Darmkrebs. Betroffen sind insbesondere junge Menschen: Kommen Veranlagung und bestimmte Faktoren zusammen, treten Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn meist zwischen dem 15. und 29. Lebensjahr zutage – eine Zeit, in der Ausbildung und Berufsstart im Zentrum stehen. Entscheidend sind eine zügige Diagnose und Behandlung. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt einen therapeutischen Angriffspunkt entdeckt, der maßgeblich dazu beiträgt, die Entzündungsprozesse zu stoppen. Sie beschreiben ihn im aktuellen Journal Nature Immunology.
Charité-Forschende finden neuen Ansatz für entzündliche Darmerkrankungen
Mal schleichend, mal in Schüben – verbunden mit starken Bauchkrämpfen und Durchfällen, begleitet von Gewichtsverlust, Müdigkeit und einem hohen Leidensdruck – so zeigen sich die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Während bei Colitis ulcerosa nur die Schleimhaut des Dickdarms betroffen ist, sind es bei einer Crohn-Erkrankung die gesamte Darmwand, vor allem im Dünndarm, mitunter aber auch Magen und Speiseröhre. Die anhaltenden Entzündungen schädigen das Gewebe dauerhaft und erhöhen das Krebsrisiko. Klassische Behandlungsstrategien unterdrücken zumeist das Immunsystem. Neuere Therapien dagegen greifen gezielt in die Entzündungsreaktion ein und blockieren bestimmte körpereigene, entzündungsfördernde Botenstoffe.
Die Auslöser der schweren Systemerkrankungen sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Neben genetischen Komponenten tragen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Umwelteinflüsse zum ihrem Entstehen bei. Prof. Ahmed Hegazy erforscht an der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie der Charité seit mehreren Jahren die Entzündungsmechanismen und die Immunabwehr des Darms. Als treibende Kraft chronischer Darmentzündungen konnte er gemeinsam mit seinem Team nun das Zusammenspiel zweier Botenstoffe des Immunsystems ausmachen: Interleukin-22, ein Protein, das Zellen der innersten Schicht der Darmwand, des Epithels, unterstützt und die Barrierefunktion erhält und Onkostatin M, ein Signalmolekül, das wesentlich an der Geweberegeneration und Zelldifferenzierung beteiligt ist.
Unkontrollierte Kettenreaktion
„Wir treffen in der Klinik vor allem auf junge Patient:innen, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Bisher können wir die Krankheitsverläufe nur verlangsamen und Symptome lindern. Nicht alle Patient:innen sprechen gleichermaßen auf die verfügbaren Behandlungen an. Neue therapeutische Ansatzpunkte sind daher dringend nötig“, sagt Ahmed Hegazy. Bereits in vorangegangenen Arbeiten hat sich das Forschungsteam intensiv mit dem entzündungsfördernden Botenstoff Onkostatin M beschäftigt. Produziert von bestimmten Immunzellen, aktiviert dieses Protein weitere Entzündungsfaktoren – eine Kettenreaktion setzt sich in Gang, die zu einer ungehemmten Immunreaktion führt. „Besonders interessant war für uns die Beobachtung, dass Patient:innen mit hoher Onkostatin-M-Produktion auf einige der bekannten Therapien nicht ansprechen“, erklärt Ahmed Hegazy. „Die Onkostatin-M-Expression kann demnach auf ein mögliches Therapieversagen verweisen und als Biomarker für einen schweren Krankheitsverlauf dienen. Genau hier setzten wir an: Wir wollten die zugrunde liegende Signalkette noch besser verstehen – und sie gezielt therapeutisch unterbrechen.“....


