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Erste Kuhtoilette der Schweiz
Als Teil des Projekts «Ammoniak und Geruch» ist im Kanton Luzern die erste Kuhtoilette der Schweiz in Betrieb.

- 23.06.2025
Rund 90 Prozent der Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft. Ammoniak entsteht vor allem in der Nutztierhaltung, wenn Harn und Kot aufeinandertreffen. Das Gas verflüchtigt sich, gelangt in die Atmosphäre und wirkt wie ein unkontrollierter Dünger – allerdings nicht dort, wo er gebraucht wird. Besonders gefährlich ist das für sensible Ökosysteme wie artenreiche Magerwiesen, Moore oder Wälder, die durch Stickstoffeinträge langfristig zerstört werden.
Unsichtbares Problem
«Man riecht es, sieht es aber nicht», sagt Luzerner Kantonsrätin Laura Spring bei Familie Röösli auf dem Hof. «Der Stickstoff ist nicht dort, wo wir ihn haben wollen – in der Produktion für unsere Erträge – sondern in der Luft und das ist für die Landwirtschaft wie für die Umwelt ein Problem», erklärt sie weiter und ergänzt: «Wenn wir über die Luft zu viele Stickstoffeinträge bringen, wird der ganze Biodiversitätseffort der Landwirtschaft zum Teil zunichtegemacht».
Gerade im Kanton Luzern ist der Druck hoch: Er weist die höchsten Ammoniakemissionen der Schweiz auf. Ein Grund ist die Tierdichte – eine Folge politisch gewollter «innerer Aufstockung», also der wirtschaftlich getriebenen Konzentration von Nutztieren auf weniger Betrieben.
Innovation aus den Niederlanden
Die «CowToilet» wurde von der niederländischen Firma Hanskamp entwickelt und ist nun zum ersten Mal in der Schweiz im Praxiseinsatz. Der Milchviehbetrieb von Franz Röösli in Hellbühl hat die Anlage installiert – begleitet vom Ressourcenprojekt «Ammoniak und Geruch Zentralschweiz» sowie von Agroscope und dem Kanton Luzern.
Die Kuhtoilette ist eine freistehende Box, die die Kühe freiwillig betreten. Als Anreiz erhalten sie eine Portion Lockfutter – in Hellbühl betriebseigene Maiswürfel. Danach stimuliert die Anlage die Kuh am Hinterteil, wodurch ein Harndrang ausgelöst wird. Der Urin wird separat aufgefangen und nicht – wie sonst üblich – mit dem Kot vermischt. Dadurch wird verhindert, dass sich Ammoniak überhaupt erst bilden kann.
Wissenschaftlich begleitet
Wissenschaftler von Agroscope haben die Kuhtoilette zuvor am Forschungsstandort in Tänikon getestet. Dort konnte eine durchschnittliche Harnmenge von 5,5 Litern pro Kuh und Tag gesammelt werden. Das entspricht rund 10 bis 30 Prozent der täglich im Stall ausgeschiedenen Harnmenge pro Kuh – damit erreicht die Toilette eine Minderung der Ammoniakemissionen von rund 15 Prozent.
In den Niederlanden wurde sogar eine Emissionsminderung von bis zu 45 Prozent gemessen. Die tatsächliche Emissionsminderung hänge aber vom Haltungssystem und vom Lockfuttereinsatz ab, betonte Michael Zähner von Agroscope vor Ort in Hellbühl.
Im Stall der Familie Röösli nutzen rund 80 Prozent der 35 Kühe die Toilette – das entspricht etwa 200 Litern Urin täglich. Daraus lässt sich hochwertiger Stickstoffdünger gewinnen, der beispielsweise für den Biolandbau interessant ist.
Auf dem Betrieb der Familie Röösli in Hellbühl kommen zur Kuhtoilette aber noch weitere Massnahmen hinzu: Die Lauffläche mit Quergefälle und Harnsammelrinne sowie ein erhöhter Fressbereich mit Abtrennungen. Zusammengenommen ergibt das eine Reduktion der Ammoniakemissionen um rund 44 Prozent… .




