Der Umbau der Sauenhaltung hin zu mehr Bewegungsfreiheit rund um die Geburt stellt schweinehaltende Betriebe vor erhebliche Herausforderungen. Neben geeigneten Buchtenkonzepten sind vor allem Management, Tierbeobachtung und der Umgang mit den Sauen entscheidend. Drei vergleichsweise einfache Ansätze aus der Praxis zeigen, wo Betriebe ansetzen können.

Freies Abferkeln: Drei praktische Stellschrauben können den Übergang erleichtern

Die Diskussion um die Haltung von Sauen in Abferkelbuchten und die Einschränkung der Fixierung wird in Europa seit Jahren geführt. Dabei geht es nicht nur um die bauliche Gestaltung der Abferkelbucht. Eine größere Bewegungsfreiheit der Sau verändert auch Arbeitsabläufe, Tierkontrolle und Anforderungen an das Management.

Die dänische Tierschutz- und Schweinehaltungsexpertin Dr. Vivi Aarestrup Moustsen von SEGES Innovation stellt im Rahmen des EU-geförderten Projekts „WelFarmers“ praktische Ansätze vor, die Betriebe beim Übergang zu Haltungssystemen mit mehr Bewegungsfreiheit unterstützen können.

1. Ferkelnest vom Kontrollgang aus gut erreichbar machen

Ein zunächst unspektakuläres Detail kann die tägliche Arbeit erheblich erleichtern: Wird der geschützte Ferkelbereich so angeordnet, dass er unmittelbar vom Kontrollgang aus erreichbar ist, können die Ferkel kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden, ohne jedes Mal den Aufenthaltsbereich der Sau betreten zu müssen.

Das kann die Tierbeobachtung vereinfachen, Arbeitszeit sparen und gleichzeitig Störungen der Sau reduzieren. Gerade bei Systemen mit frei beweglichen Sauen spielt zudem die Arbeitssicherheit des Betreuungspersonals eine wichtige Rolle.

2. Dauer einer vorübergehenden Fixierung gezielt überprüfen

Interessant ist eine weitere Praxiserfahrung: Auf einem Betrieb wurde der Zeitraum verkürzt, in dem die Sauen bereits vor der Geburt fixiert wurden. Statt sämtliche Tiere frühzeitig entsprechend dem erwarteten Beginn der Abferkelgruppe zu fixieren, erfolgte dies tierindividueller und näher am errechneten Abferkeltermin.

Nach Angaben der Autorin wurden auf diesem Betrieb anschließend 0,5 weniger totgeborene Ferkel je Wurf beobachtet. Ein einfaches Nummerierungssystem half dem Personal dabei, den vorgesehenen Zeitpunkt für jede einzelne Sau zu erkennen.

Wichtig aus Sicht der AVA: Solche Ergebnisse eines einzelnen Praxisbetriebes sollten nicht ohne Weiteres als allgemein gültiger Ursache-Wirkungs-Nachweis interpretiert werden. Sie zeigen aber, dass es sich lohnt, auch scheinbar etablierte Arbeitsabläufe rund um die Geburt kritisch anhand der eigenen Betriebsdaten zu überprüfen.

3. Mensch-Tier-Beziehung nicht unterschätzen

Der dritte Ansatz kostet kaum Geld, verlangt aber Konsequenz: regelmäßiger, ruhiger und positiver Kontakt zwischen Betreuungspersonen und Sauen.

Die Tiere werden beispielsweise während der Fütterung angesprochen und an Berührungen gewöhnt. Ziel ist es, Angstreaktionen gegenüber Menschen zu vermindern.

Das kann gerade in Abferkelsystemen mit größerer Bewegungsfreiheit von besonderer Bedeutung sein. Eine ruhige, an Menschen gewöhnte Sau lässt sich bei Gesundheitskontrollen, Impfungen oder notwendiger Geburtshilfe in der Regel sicherer handhaben. Davon profitieren Tier und Mensch.

AVA meint: Die Bucht allein entscheidet nicht

Die drei Beispiele zeigen einen wichtigen Punkt: Der Wechsel zu mehr Bewegungsfreiheit für die Sau ist kein reines Stallbauprojekt.

Buchtengestaltung, Ferkelschutz, Geburtsmanagement, Tierbeobachtung, Genetik, Verhalten der Sau, Arbeitssicherheit und Qualifikation des Betreuungspersonals müssen zusammenpassen. Was in einem Betrieb hervorragend funktioniert, muss deshalb nicht automatisch unter anderen betrieblichen Bedingungen ebenso erfolgreich sein.

Genau hier liegt eine zentrale Aufgabe moderner Bestandsbetreuung: Nicht lediglich ein Haltungssystem zu beurteilen, sondern gemeinsam mit Landwirt, Tierarzt und Beratung die biologischen und betrieblichen Zusammenhänge zu betrachten.

Denn am Ende muss ein Abferkelsystem mehreren Anforderungen gleichzeitig gerecht werden: dem Wohlbefinden der Sau, der Gesundheit und Überlebensrate der Ferkel sowie einem sicheren und praktikablen Arbeiten der Menschen im Stall.

Quelle / weiterführender Beitrag:

Vivi Aarestrup Moustsen: „3 simple steps to support the move away from farrowing crates“, Food & Agribusiness World, 5. Oktober 2026.

Originalbeitrag:
https://www.foodagribusiness.world/pigs/3-simple-steps-to-support-the-move-away-from-farrowing-crates

Informationen zum EU-Projekt WelFarmers:
http://www.welfarmers.com/

AVA – Agrar- und Veterinär-Akademie
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