Rufen Sie uns an: +49 (0) 2551-78 78
Veredelungswirtschaft: Branche fordert Klarheit bei Tierhaltung und Export
Dass die Novelle des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) ausgerechnet am Widerstand des Bundeswirtschaftsministeriums zu scheitern drohte, hat in der nordwestdeutschen Veredelungswirtschaft für große Verärgerung gesorgt.

- 06.05.2026
„Die Verzögerung durch das Wirtschaftsressort hat hier in der Region bei allen Stakeholdern Kopfschütteln ausgelöst“, berichtete der Vorstandsvorsitzende vom Agrar- und Ernährungsforum Nord-West (AEF), Tierhal, in Essen (Oldenburg), wo der Wirtschaftsverein im Beisein von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sein 20-jähriges Bestehen feierte. „Wir bleiben aber optimistisch, dass der Gesetzentwurf auch die letzte Hürde in Brüssel erfolgreich nehmen wird und damit ein jahrelanger Streitpunkt zu den Akten gelegt werden kann“, sagte Guericke.
Marktöffnung vorangetrieben
Lob für Rainer hatte der AEF-Vorstandsvorsitzende im Gepäck, was die Agrarexportförderung angeht. „Wir begrüßen außerordentlich, dass Sie nach vielen Jahren der Untätigkeit der Vorgängerregierungen das Thema Exportförderung zur Chefsache gemacht haben“, richtete sich Guericke an den Minister. Es sei anzuerkennen, dass mit einigen Ländern bereits erfolgreiche Schritte zu einer weiteren Marktöffnung unternommen worden seien.
Ruf nach Regionalisierungsabkommen
Mit Blick auf den von Rainer noch dieses Jahr geplanten Besuch in China sieht Guericke das Bundeslandwirtschaftsministerium gefordert, die Interessen der hiesigen Veredelungsindustrie kompetent und durchsetzungsstark zu vertreten.
Regionalisierungsabkommen seien bei Schweinefleisch ein wichtiger Bestandteil der Exportförderung, gab Guericke zu bedenken. Die AEF-Mitgliedsunternehmen hätten Sorge, dass Deutschland hier zögerlich und vor allem nicht immer mit vereinten Kräften vorangehe. „Nehmen Sie sich Frankreich zum Vorbild oder Spanien, das gerade erst mehrere Regionalisierungsabkommen und auch andere Verträge für Geflügelfleisch geschlossen hat“, so die Aufforderung von Guericke an Rainer.
Auch die Seuchenbekämpfung muss Chefsache werden
Was die Bekämpfung von Tierseuchen angeht, hat Deutschland aus Sicht des AEF-Vorstandsvorsitzenden noch Hausaufgaben zu machen. Trotz Föderalismus brauche es hier bundeseinheitliche Vorgehensweisen, Prozesse und Maßnahmen. Rainer müsse auch dieses Thema zur Chefsache machen und seine Amtskollegen in den Ländern von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Handelns auf Bundesebene überzeugen. Individuelle Länderinteressen müssten mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zurücktreten, forderte Guericke.
Trotz mittlerweile fünf Jahren Erfahrung mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland gelinge die Fleischvermarktung von Tieren aus Restriktionsgebieten nur unzureichend. Laut dem Vorstandsvorsitzenden ist dies verbunden mit erheblichen wirtschaftlichen und teils existenzbedrohenden Schäden für die tierhaltenden Betriebe sowie die gesamte Wertschöpfungskette.
Sauenhaltung braucht Unterstützung
Aber auch aus einer anderen Richtung droht laut dem AEF Gefahr für die Tierhaltung in Deutschland. Die Beendigung des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung (BUT) und eine weitgehend fehlende klare Perspektive der Förderung gefährde speziell die Sauenhaltung in Deutschland. Fünfmal „D“, wie von Wirtschaft, Handel und Politik gewollt, könne realistisch nur umgesetzt werden, wenn es jetzt insbesondere für die Ferkelerzeuger eine schnelle Lösung gebe, was den Umbau von Ställen angeht.
Das AEF unterstütze Guericke zufolge deshalb das von einer breiten Verbändeallianz getragene „Nationale Sonderprogramm Sauenhaltung“: „Ohne ein solches Programm verlieren wir die Basis der Ferkelerzeugung in Deutschland.“ Die AEF-Mitgliedsunternehmen sehen hier, wie bei der Jubiläumsfeier deutlich wurde, dringenden Handlungsbedarf, um einen Strukturbruch in der Sauenhaltung zu vermeiden.



